Erster Wintereinbruch der Saison

Angesichts zuvor noch ungewöhnlich hoher Temperaturen mit neuen Monatsrekorden kommt der erste Schnee der Saison schon etwas unerwartet, auch wenn er vorhergesagt war. Zeitlich ist er völlig im Rahmen, auch die zugehörigen Tiefsttemperaturen.

Die erste Schneedecke des Winterhalbjahres im Erzgebirgsvorland

Eine markante Luftmassengrenze brachte den ersten Flachlandschnee nach Deutschland. Los ging es mit den Schneefällen bereits am Donnerstagabend im Nordosten, dort hatte sich die polare Kaltluft aus Nordost schon eingenistet. Am Morgen des 18. November war es von Berlin bis Hamburg örtlich bereits leicht angezuckert. Die Luftmassengrenze arbeitete sich nun allmählich nach Südwesten vor, erreichte Sachsen am Freitagmittag und konnte sich bis zu einer Linie vom Münsterland bis in die Oberpfalz vorarbeiten.

Verbreitet bildete sich, dort wo es zu Schneefall kam, eine dünne Schneedecke, welche aber oft wieder abtaute. Der Boden war verbreitet noch zu warm, sodass der Schnee quasi von unten taute. Dort, wo sich eine Schneedecke ausbilden konnte, gingen die Temperaturen in den Nächten weit in den Keller:

Dazu drei Osterzgebirgs-Stationen mit ihren Tiefstwerten der beiden Nächte:

  • Deutschneudorf-Brüderwiese: -10,3°C / -10,9°C
  • Zinnwald-Georgenfeld: -9,9°C / -10,2°C
  • Dippoldiswalde-Reinberg: -9,7°C / -10,7°C

Oberhalb von ca. 350 bis 500 Metern reichte es am Samstag und Sonntag in der Region sogar für Dauerfrost. So meldete Zinnwald-Georgenfeld am 19. Nov. ein Tagesmaximum von -3,9°C, am 20. Nov. wurde auch in der Sächsischen Schweiz die 0°C-Marke nicht überschritten (Tx Lichtenhain-Mittelndorf: -0,6°C). In Dresden zeigte das Thermometer meist 0°C bis +2°C an.

Wie auf den Fotos erkennbar (aufgenommen am 19. November) wurden einige Bäume und Sträucher von der Kälte scheinbar völlig überrascht, das grüne Laub dürfte durch den Kälteschock aber nun sehr rasch fallen.

In der Nacht zum Montag und am Montag selbst folgt ein neues Tiefdruckgebiet mitsamt Schnee – der Montag wird aber vorerst der letzte winterliche Tag. Ab Dienstag wird es zunehmend milder, erst zum Monatsende bestehen neue Optionen auf winterliche Kälte.

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Auf den Regen folgt Hochdruck – neue Monatsrekorde im Gebirge

Das Muster des bisherigen Jahres setzt sich auch im Herbst fort – scheinbar nicht enden wollendes Hochdruckwetter. Klassisches Novemberwetter ist bisher fast völlig ausgeblieben, stattdessen geht der „goldene Oktober“ in die Verlängerung.

Ein „goldener November“ zeigt sich dieses Jahr nicht selten auch am Abendhimmel…

Tage mit ergiebigen Regenfällen sind in diesem Jahr eher Mangelware. Der November wollte immerhin nicht völlig ohne vertretbaren Regentag dastehen, zur Freude für die Natur: Einen Tag Dauerregen brachte der 04. November. Ein Tiefdrucksystem brachte Teilen Bayerns, Sachsens und Brandenburgs Dauerregen, die Niederschlagsverteilung erinnerte schon fast an eine Vb-Lage.

Jene Station mit der höchsten 24-Stunden-Regenmenge befand sich in Sachsen, Rechenberg-Bienenmühle-Holzau meldete am Morgen des 05. November 40,9 mm Tagesniederschlag. Es folgt Zinnwald-Georgenfeld mit 36,1 mm und nach dem bayrischen Passau-Maierhof (33,4 mm) folgen acht weitere sächsische Station. Eine kleine Auswahl aus der Region:

  • Altenberg-Lauenstein: 30,1 mm
    • Dippoldiswalde-Reinberg: 29,7 mm
      • Deutschneudorf-Brüderwiese: 27,9 mm

Was folgte, war eine teilweise frostige Nacht (die Zugspitze meldete ein nächtliches Minimum von -10,6°C am Morgen des 06. November), insbesondere das Elbtal wartet aber weiter auf den ersten Frost der Saison.

Aktuell hat sich über Mitteleuropa ein kräftiges Hochdruckgebiet festgesetzt. Hoch „Charly“ bringt, insbesondere dem Süden Deutschlands, eine ausgeprägte Inversionswetterlage mit viel Nebel in den Tälern und hohen Temperaturen in den Höhenlagen. Einen vorläufigen Höhepunkt dieser Wetterlage markiert der 12. November, mehrere Stationen im Erzgebirge und Thüringer Wald melden neue Rekorde für den Monat November. Die vorläufigen Höchstwerte der „Rekord-Stationen“:

  • Deutschneudorf-Brüderwiese (SN): 18,5°C
  • Neuhaus am Rennweg (TH): 18,0°C
  • Schleiz (TH): 17,9°C
  • Zinnwald-Georgenfeld (SN): 16,5°C

An sämtlichen der genannten Stationen wurde der bisherige Rekord um mindestens 0,3 K überboten. Zahlreiche neue Dekadenrekorde gibt es ebenso. In den Tälern Baden-Württembergs und Bayerns hält sich der Nebel teils mehrere Tage lang und die Temperaturen erreichen lokal nur 5°C.

Sommerliches Oktoberfinale

Wie schon viele Vormonate war der Oktober alles – nur nicht gewöhnlich. Eine völlig abweichende Temperaturentwicklung katapultiert den Monat, voraussichtlich, auf Platz Eins der wärmsten Oktobermonate seit Aufzeichnungsbeginn. In Süddeutschland war selbst die 30°C-Marke zeitweise nicht mehr fern.

Im Beitrag vom 16. Oktober wurde noch von einer deutlichen Abkühlung gesprochen. Diese kam auch, örtlich auch mit dem ersten Luftfrost der Saison am Morgen des 20. Oktober (Dippoldisw.-Reinberg: -1,0°C). Rasch wurde es aber wärmer – und die Rekorde fingen an zu purzeln.

Wir sehen oben die Temperaturen im 850 hPa-Niveau vom Freitag (28. Oktober). Eigentlich eine typische Wetterlage für den Hochsommer. Im Juli wären bei dieser Wetterlage (13°C bis 17°C in 850 hPa) unschwer Höchsttemperaturen von 30°C bis 35°C erreicht worden. So warm kann es im Oktober selbstverständlich nicht mehr werden, in der dritten Monatsdekade ohnehin nicht. Zahlreiche neue Dekadenrekorde wurden dennoch geknackt.

Schon am 27. Oktober meldeten drei Stationen in Baden-Württemberg einen Sommertag. Werfen wir einen Blick auf die deutschlandweit höchsten Temperaturen im DWD-Hauptnetz am 28. Oktober 2022, dem wärmsten Tag des Wärmebuckels:

  • Müllheim (BW): 28,7°C
  • Freiburg (BW): 27,8°C
  • Emmendingen-Mundingen (BW): 27,7°C
  • Buchenbach (BW): 27,3°C
  • Garsebach b. Meißen (SN): 26,4°C

Dass die deutschlandweit wärmsten Orte in Baden-Württemberg liegen verwundert natürlich nicht, mit Garsebach schaffte es aber auch ein sächsischer Vertreter in die Top-5. Man sollte sich den Messwert auf der Zunge zergehen lassen: An einem 28. Oktober ist eine deutsche Wetterstation nur 1,3 Grad von der 30°C-Marke entfernt. Wäre die Luftmasse nur vier Tage später gekommen, so hätte man vielleicht davon sprechen können, es hätte im November fast 30°C gegeben. Verrückte Welt.

Der Samstag brachte im Baden-Württembergischen Stötten mit 25,2°C einen neuen Rekord für den Monat Oktober an dieser Station. Die dortige Messreihe reicht bis ins Jahr 1947 zurück.

In Sachsen, speziell im Erzgebirge und Vogtland, brachte der Sonntag nochmal zahlreiche neue Rekorde. Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde an diesem Tag mit 26,6°C in Aue (SN) gemessen. Im Osterzgebirge können Deutschneudorf-Brüderwiese mit 24,9°C sowie Zinnwald-Georgenfeld mit 22,8°C neue Oktoberrekorde verzeichnen. Ganz besonders bemerkenswert, allerdings auch sehr besorgniserregend sticht am 30. Oktober der Fichtelberg heraus: Mit 21,7°C gab es auch dort einen neuen Oktoberrekord, die Messreihe beginnt im August 1890. Die Sächsische Zeitung befasst sich in einem kurzen Artikel ebenfalls mit den neuen Rekordwerten:

Deutschlandweiter Temperaturrekord in Sachsen (saechsische.de)

Nicht selten sind die Bäume noch fast völlig belaubt – sie haben noch „Lichthunger“

Wie schon angesprochen ist neben den generellen Temperaturabweichungen auch die Entwicklung des Monats völlig untypisch. Der bisherige Rekordoktober, im Jahr 2001 (+3,5 K), verlief zwar deutlich zu warm, allerdings mit gewöhnlichem Verlauf (Abkühlung im Laufe des Monats). Der Oktober 2022 kann hingegen die wärmsten Tage am Monatsende aufweisen, sodass das Mittel immer weiter steigt, anstatt mit dem Monatsverlauf zu fallen:

Alleine die Tatsache, dass man über einen solchen Verlauf in Verbindung mit einem neuen Rekord mal diskutieren muss, spricht für sich. Vorläufig ist der Oktober 2022 der wärmste Oktober seit Messbeginn, ein zweiter Platz kann aktuell aber auch noch nicht völlig ausgeschlossen werden, da es voraussichtlich um allerhöchstens ein Zehntel Grad gehen wird. Hier gilt es die offizielle Pressemitteilung des DWD abzuwarten.

Goldenes Oktoberwetter

Sehr trocken, sehr sonnig und um einiges zu trocken – der Oktober setzt das altbekannte Muster wieder fort. Dürre und Waldbrandgefahr sind aktuell allerdings kein direktes Problem mehr, der Oktober macht vielmehr einen „goldenen“ Eindruck.

„Indian Summer“ im Forstbotanischen Garten Tharandt

Knapp 80 Sonnenstunden kann der Oktober in Sachsen bisher aufweisen, etwa 15 mehr als es das langjährige Mittel verlangt. Eine Abweichung ähnlicher Größenordnung gibt es mit +1 K bei der Temperatur, beim Niederschlag gab es mit 9 mm im Flächenmittel hingegen noch nicht viel zu holen.

Klassisch für den Oktober standen auch die ersten Bödenfröste an. Während die bekannten Hochtäler (Deutschneudorf-Brüderwiese oder Marienberg-Kühnhaide) in dieser Hinsicht wohl weniger relevant sind, brachte der 12. Oktober auch dem Elbtal den ersten Bodenfrost der Saison. In Dresden-Strehlen und Dresden-Hosterwitz ging es bodennah immerhin auf sieben bzw. acht Zehntel Grad unter null herab. Kurz noch zurück nach Deutschneudorf: Fünf Tage mit Luftfrost kann der Herbst dort bisher aufweisen.

Das Thema Frost dürfte in den nächsten Tagen wohl erstmal etwas ins Abseits gedrängt werden: Eine sehr milde Südwestströmung bringt ungewöhnlich warme Luftmassen nach Deutschland. Ziemlich wahrscheinlich wird irgendwo in Sachsen die 25°C-Marke fallen, nach aktuellsten Berechnungen sind auch 26°C, eventuell sogar 27°C nicht gänzlich ausgeschlossen:

Lange werden die sommerlich anmutenden Temperaturen allerdings nicht anhalten, denn schon ab Dienstag wird es wieder deutlich unbeständiger und ab Mittwoch auch deutlich kühler.

Wechselhaftes Herbstwetter neigt sich dem Ende zu – Vorerst Stabilisierung der Wetterlage

Extrem notwendig und vielerorts sehr willkommen war es. Der September „punktete“ mit deutlich überdurchschnittlichen Niederschlägen, anscheinend wollte er die Dürre der Sommermonate im Alleingang ausbessern. Im Deutschlandmittel war es der nasseste September seit 21 Jahren, in Sachsen immerhin seit 12 Jahren.

Morgentau an jungen Grashalmen

Pilzsammler kommen dieser Tage vollends auf ihre Kosten. Immer wieder etwas nass von oben, aber auch trockene Phasen sind keine Seltenheit. In den letzten Septembertagen kam Mitteleuropa wieder in umfangreichen Tiefdruckeinfluss, über Südskandinavien nistete sich ein Tiefdruckgebiet ein und beeinflusste Deutschland immer wieder mit seinen Frontensystemen. Anschließend zonalisierte die Wetterlage zunehmend – was nichts anderes heißt, als dass jene Wetterlagen mit Nord-Süd-Ausrichtung langsam nachlassen.

Am heutigen Feiertag gestaltet sich die Wetterlage schon wesentlich atlantischer bestimmt als noch vor einigen Tagen. Zwischen einer Langwelle über Osteuropa und einer weiteren auf dem Atlantik keilt über den Britischen Inseln ein Höhenrücken nach Norden auf und sorgt für eine zunehmende Wetterberuhigung. Während die Südwesthälfte Deutschlands den Einheitstag fast durchweg trocken und relativ freundlich erlebt, so muss die Nordosthälfte weiterhin mit vielen Wolken, Wind und einzelnen Schauern leben. In letzterer Region kann sich der Hochdruckeinfluss mit resultierendem Absinken noch nicht vollends durchsetzen, der Erzgebirgsstau tut dazu sein übriges.

In den kommenden Tagen kippt die Großwetterlage weiter in Richtung West antizyklonal (ggf. auch Südwest antizyklonal), was für uns eine mildere und beständigere Witterung zur Folge hat. Im Dresdner Elbtal sind sogar Höchsttemperaturen über 20°C möglich.

Herbstwetter!

Eine kühle Nordlage beschert uns seit einigen Tagen das erste „echte Herbstwetter“ des Jahres. Wir befinden uns in einem kühlen, windigen und regnerischen Witterungsabschnitt, immer wieder gibt es aber auch freundliche Momente. Für die Natur sind die Niederschläge ein wahrer Segen.

Vor nicht einmal 2 Wochen erlebten wir noch Sommerwetter vom feinsten – vier Sommertage zählt der September bis dato an der Wetterstation Dresden-Strehlen. Am 05. September lag die Tagesabweichung im Deutschlandmittel bei ca. 5 Grad. Am 09. September folgte eine Gewitterlage, welche besonders in Bautzen schwere Schäden brachte. Eine nahezu stationäre Linie mit Starkregenschauern und kräftigen Gewittern erstreckte sich vom Osterzgebirge bis in die Oberlausitz, den Schwerpunkt mit bis zu 120 mm Niederschlag in wenigen Stunden gab es genau über Bautzen. Aus der Ferne betrachtet, besonders aber im letzten Abendlicht, waren die Gewitterzellen äußerst fotogen:

Aus einem ehemaligen Hurrikan entwickelte sich zu Beginn der zweiten September-Dekade ein Trog, welcher zum 13. September vor der Iberischen Halbinsel anlegte und nochmal einen Schwall Warmluft nach Mitteleuropa brachte. Trog und korrespondierendes Bodentief wurden in den Tiefdruckkomplex über Fennoskandinavien eingegliedert, sodass sich ab dem 16. September endgültig eine zyklonale Nordlage durchsetzte. Dazu nachfolgend eine Übersicht der Großwetterlage am 17. September:

Ein abgeschlossener Höhentrog mit Zentrum über Südfinnland, sowie ein Höhenrücken von Spanien bis nach Grönland lassen polare Luftmassen nach Mitteleuropa ziehen (selbstverständlich angewärmt durch die Nordsee). Die Trogspitze liegt am 17. Sep. über Norditalien, was dort eine heftige Zyklogenese mit katastrophalen Unwettern induziert. Im 850hPa-Niveau sanken die Temperaturen auf etwa 0°C bis 4°C ab, mit den niedrigeren Werten an der Nordseeküste. In den Wintermonaten würde dieses „Blocking“ der atlantischen Frontalzone wohl ein gutes Setup für winterliches Wetter sein.

Generell sind Nord- und Nordwestlagen ideales Wetter für klassisches Aprilwetter, ausgelöst durch höhenkalte Luft. Im Herbst können die Auswirkungen besonders intensiv sein, da es bodennah oft noch sehr warm ist. An diesem Wochenende gab es einen besonders beeindruckenden Temperaturgradient vom Boden bis in die hohe Atmosphäre:

Quelle: UWYO

Exemplarisch sehen wir oben den Radiosondenaufstieg aus Lindenberg am 17. September um 20 Uhr MESZ. Am Boden wurden ca. 13°C gemessen, in 9000 m ü. NN (ca. 290 hPa) hingegen knapp -55°C, eine Temperaturdifferenz von 68 K sieht man auch bei ausgeprägter Höhenkaltluft eher selten. An der Nordseeküste war die Differenz zeitweise noch höher.

Die, durch Höhenkaltluft hervorgebrachte, Konvektion wurde durch einige Randentwicklungen weiter vorangetrieben. Fast schon „Frontartig“ anmutend erstreckt sich am 16. Sep. ein Regengebiet, mit eingelagerten Gewittern, von Schleswig-Holstein, über Ostfriesland, bis auf die Nordsee. In der DWD-Bodenanalyse wird diese Welle als Konvergenz kartiert, sie ist auf den Isobaren ganz klassisch als Wellenbewegung erkennbar.

Am Wochenende folgt eine weitere Randentwicklung, diesmal allerdings zusätzlich in Form eines Randtroges in der Höhe inklusive bodennaher Wellenentwicklung. Zeitweise entsteht sogar ein abgeschlossenes Höhentief, welches wieder zu entsprechender Konvektion führt. Ein weiterer Randtrog folgt am Sonntag, der vorerst letzte wird am Dienstag erwartet.

Ein paar Impressionen des windigen Herbstwetters vom Wochenende:

Probleme macht immer noch die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar gibt es bis in ca. 40 cm Tiefe aktuell eine weitestgehende Entspannung der Situation, bis in einem Meter Tiefe sieht es allerdings immer noch nicht gut aus. Die nutzbare Feldkapazität liegt hier teilweise immer noch unter 40 %. Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sei an dieser Stelle der interaktive DWD-Bodenfeuchte-Viewer zu empfehlen.

Oben wurde es schon angerissen, die Nordlage brachte das erste mal in diesem met. Herbst Luftmassen polaren Ursprunges zu uns. In den Alpen gab es oberhalb von etwa 1500 m die ersten Schneefälle.

Um 00:10 Uhr am 18.09.2022 wurde auf dem Fichtelberg das erste mal in diesem Herbst der SYNOP-Code WW70 gemeldet. Um 00:50 Uhr folgte WW69 und um 03:40 Uhr sogar WW72/73. Die genannten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen stellen Teile sog. SYNOP-Schlüssel dar, einer in der Meteorologie einheitlichen Codierung für Wettermeldungen. Diese SYNOP-Dateien haben mehrere Dutzend Stellen, üblich sind 55 Stellen. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es bei der FU Berlin (im Webarchiv). Nun aber zur Erklärung der Wettermeldungen vom Fichtelberg: Gemeldet wurden leichter Schneefall (WW70), mäßiger oder starker Schneeregen (WW69) und unterbrochener oder durchgehender, mäßiger Schneefall (WW72/73). Vereinfacht gesagt: Der erste Schnee! Zwar blieb er nicht liegen, einen Absatz ist er dennoch Wert 😉

Abschließend noch zum Wind, dieser spielte, wie in der Einleitung beschrieben, ebenso eine Rolle. Im Flachland blieb es bei Böen von Bft 5 bis 7, auf Sachsens höchster Erhebung gab es mit 97,2 km/h in der Nacht zum Sonntag hingegen schwere Sturmböen. An der Nordsee wurde es sogar orkanartig mit bis zu 104 km/h.

Der Herbst kommt mit kleinen Schritten

Die Regenfälle der vergangenen Wochen brachten, neben einer zeitweisen Entschärfung der Trockenheit, eine Wetterumstellung hin zu frühherbstlichen Temperaturen. Sommertage sind aktuell die Ausnahme, generell kann man den Wettercharackter als angenehm temperiert bezeichnen – auch wenn hier natürlich die Meinungen auseinander gehen.

Herbstliche Morgenstimmung zwischen Magerwiesen und Maisfeldern

Schon seit über einer Woche keinen Sommertag mehr, nach einem sehr warmen Sommer sicherlich etwas ungewohntes. In der vergangenen Woche schwankten die Höchsttemperaturen zwischen 20°C und 25°C im Dresdner Stadtgebiet (Tx DD-Strehlen am 30. August: 24,5°C), im Erzgebirge blieb es zeitweise sogar unter 15°C (Tx Zinnwald-Georgenfeld am 31. August: 14,3°C). Nachts kühlte es örtlich unter 5°C ab, wie zum Beispiel in Dippoldiswalde-Reinberg in der Nacht zum 02. September (Tn: 4,8°C). Luft- oder Bodenfrost blieb aus.

Die kommenden Tage werden wieder sommerlicher und auch die 25°C-Marke ist im Rahmen des Möglichen. Es bleibt allerdings unbeständig und so sind auch immer wieder einzelne Schauer mit dabei.

Weitere Regenfälle und Gewitter – Update zur Bodenfeuchte-Situation

In den vergangenen Tagen gab es weitere, teilweise unwetterartige Regenfälle, durchsetzt von Gewittern. Nach der langen Trockenperiode seit März ist für die Natur jeder Regen willkommen, lokal gab es aber auch Überflutungen.

DWD-Bodenanalyse (zum Vergrößern klicken)

Ähnlich wie schon am vergangenen Wochenende gestalteten sich auch die vergangenen beiden Tage sehr verregnet. Ursache war erneut eine flache, gradientarme Tiefdruckrinne über der Mitte, dem Süden und Osten Deutschlands.

Bereits am Freitag (26. August) entwickelten sich in einer schwül-warmen Luftmasse verbreitet starke Gewitter mit lokal sehr hohen Regenmengen. In Dresden-Strehlen reichte es zuvor nochmal für einen Hitzetag, in Summe Nummer 10 des laufenden Monats und Nummer 24 des Jahres. Was folgte, waren nahezu stationäre Gewitterzellen und sehr große lokale Unterschiede. Auf wenigen Kilometern war von „nix“ bis zu Überflutungen alles anzutreffen. Einen guten Eindruck davon kann man sich mit den kalibrierten Radarsummen verschaffen. Die landkreisweit höchste 24-Stunden-Regenmenge gab es östlich von Stolpen zwischen Lauterbach und Rückersdorf an der Grenze zum Landkreis Bautzen, die Radaranalyse gibt hier eine Summe von 140 Litern aus. Fast völlig trocken blieb es am Freitag vom Tharandter Wald bis in die Dresdner Altstadt. Die gemessenen Regensummen waren aufgrund des zu dünnen Messnetzes unauffällig.

„Popcorn-Lage“ oder „Streuselkuchen“ am Mittag des 26. August; (c) wetterzentrale.de

Weitere Regenfälle folgten am Samstag, diese hatten allerdings eher Landregen-Charakter mit kleinräumigen, konvektiven Durchsetzungen. Von Samstag 04:50 Uhr bis Sonntag 04:50 Uhr war nahezu der gesamte Landkreis von kräftigen Regenfällen betroffen. Regenmengen über 50 Liter pro Quadratmeter gab es zum einen von Dippoldiswalde bis zum Erzgebirgskamm, zum anderen auch in der vorderen Sächsischen Schweiz.

Auf die Fläche gesehen wird der August beim Niederschlag unauffällig ausfallen. Das sächsische Flächenmittel liegt hier aktuell genau im Durchschnitt, beim Sommer werden wir bei etwa 70 Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990 landen. Ohne die Regenfälle der letzten 2 Wochen wären es vermutlich nur 40 Prozent geworden. Von Dresden bis in die Hintere Sächsische Schweiz sind seit Monatsbeginn auf die Fläche gesehen ca. 50 mm bis 120 mm Niederschlag gefallen. Im Osterzgebirge sind es verbreitet 90 mm bis lokal 200 mm geworden. Auch hierzu seien jedem näher Interessierten die kalibrierten Radarsummen zu empfehlen.

Dazu einige weiterführende Artikel zu den Unwettern in Sachsen:

Stellvertretend für das Osterzgebirge kann man am Meteogramm für Dippoldiswalde-Reinberg die zeitlich äußerst ungünstige Verteilung des Niederschlages sehen. Mehr als die Hälfte des gesamten Niederschlages in den drei Sommermonaten fielen in nur vier Tagen. Hier wird auch der Gesamtsommer mit 84 % des durchschnittlichen Niederschlages unauffällig ausfallen, sodass in der Sachsen-Statistik kein „Dürresommer 2022“ auftauchen wird. Im Deutschlandmittel sieht das natürlich etwas anders aus.

Wie im Titel geschrieben nun ein Update zur aktuellen Bodenfeuchte-Situation, stellvertretend verwenden wir wieder Dippoldiswalde. Eine stets aktuelle Übersicht gibt es im „Dürre-Spezial„.

Mit Stand der Berechnungen vom 28. August ist aktuell bis in eine Bodentiefe von 40 cm eine teilweise deutliche Entspannung erkennbar. Bis in 30 cm Tiefe ist sogar der Optimalzustand wiederhergestellt worden. In den nächsten Tagen wird es auch in tiefer gelegenen Bodenschichten langsam feuchter werden, von oben kommt allerdings bis auf weiteres nichts nach.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf die Phänologische Uhr: Mit der Fruchtreife vom Holunder sind wir im Frühherbst! Minimal früher als im langjährigen Durchschnitt, allerdings völlig im Rahmen wurde am 18. August der Spätsommer beendet.

Endlich Regen! Doch der Eindruck täuscht…

Am Wochenende kamen sie endlich, die lang ersehnten Regenfälle. Oft kam deutlich mehr als erwartet zusammen, zur Freude der Vegetation. Aber es gibt wieder mal starke regionale Unterschiede.

Mehrere Monate haben wir auf ergiebige, nachhaltig nützliche Niederschläge gewartet. Wenn es regnete, dann entweder nur bei lokalen Schauern und Gewittern, oder aber sämtlicher Niederschlag war nach wenigen Stunden wieder vollständig verdunstet. In der zweiten Hälfte der vergangenen Woche bildete sich eine Tiefdruckrinne aus, welche vor allem dem Süden und Osten hohe Regenmengen brachte. In einigen Medien wurde die Wetterlage auch als „Vb-Wetterlage“ bezeichnet, ein klassisches Vb (gesprochen: Fünf-B) entwickelte sich aber nicht. Hierzu müsste sich ein Tiefdruckgebiet über dem Golf von Genua entwickeln bzw. verstärken, um anschließend nach Norden zu ziehen. Das berühmteste Beispiel für ein Vb-Tief ist sicherlich das Jahrhunderthochwasser 2002.

Bereits im Voraus waren sich die Wettermodelle sehr uneins, wie genau sich die Regenfälle verteilen werden. Einen Eindruck von diesen Unsicherheiten kann man sich unschwer im Modellkarten-Archiv von Kachelmannwetter machen. Ziemlich sicher war, dass der Süden Bayerns und Baden-Württemberg viel Niederschlag zu erwarten hat. Dies traf auch in etwa so ein, der Deutsche Wetterdienst bewarnte genannte Gebiete zeitweise mit der höchsten Warnstufe vor Dauerregen.

Im Thema des Tages vom 18. August befasste sich der Deutsche Wetterdienst bereits mit den enormen Unsicherheiten. Eine Auswertung hierzu wurde im Thema des Tages vom 23. August vorgenommen.

Im Österreichischen Schwarzach unweit der deutschen Grenze wurden beispielhaft in 24 Stunden über 200 mm gemessen. Sachsen war von den Niederschlägen schwerpunktmäßig am 20. und 21. August betroffen. Ab der Nacht zum 20. August näherte sich aus Süden ein teils konvektiv durchsetztes Regengebiet, welches einige Stunden stationär verweilen wollte. Weitere Regenfälle gab es in der Nacht zum 23. August. Die akkumulierten Regenmengen von fünf ausgewählten Stationen der Region vom 19. August (jeweils 8 Uhr MESZ; sortiert nach höchster Regenmenge):

  • Dippoldiswalde-Reinberg: 86,4 mm
  • Zinnwald-Georgenfeld: 76,9 mm
  • Dresden-Strehlen: 64,9 mm
  • Dresden-Klotzsche: 56,0 mm
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 38,6 mm

Angaben ohne Gewähr, Datenquelle: DWD OpenData

Die höchsten Mengen gab es vor allem in einem Streifen von Moritzburg bis nach Zinnwald. Empfehlenswert sind auch die kalibierten Radarsummen über 72 Stunden, welche die Schwerpunkte sehr anschaulich darstellen.

Starkregenschauer am 14. August bei Bannewitz

Das Monatssoll für den August wurde damit allerdings nur lokal erreicht. Im Osterzgebirge hat dies (auf die DWD-Stationen bezogen) nur Dippoldiswalde-Reinberg geschafft, bei ca. 120 % (Stand: 23. August 08 Uhr) stehen wir dort aktuell. Nah dran ist inzwischen unter anderem Lichtenhain-Mittelndorf, was hier aber nicht ausschließlich auf den vergangenen Dauerregen, sondern auf ein lokales Regenereignis am 15. August zurückzuführen war (siehe auch den Beitrag „Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen“). Rund um Bärenfels und Kipsdorf (s. kalibrierte Radarsummen) fielen lokal eng begrenzt in diesem Monat 100 bis 120 l/m², auch hier dürfte das Monatssoll erreicht sein. Als gegenteiliges Beispiel kann Dresden-Hosterwitz herangezogen werden: Zum Erreichen der durchschnittlichen Regenmenge fehlen immer noch über 35 %. Zumindest der Pegel der Elbe hat sich wieder etwas erholen können, bei den kleineren Nebenflüssen ist noch keine Entspannung erkennbar.

Die Regenfälle wirken sich selbstverständlich auch auf die Bodenfeuchte aus. Dazu abschließend zwei Grafiken des DWD für Dippoldiswalde sowie Deutschneudorf (abgerufen am 23. August):

Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen

Sonnenanbeter kommen dieser Tage gänzlich auf ihre Kosten, bis auf den Samstag schien die Sonne in der vergangenen Woche fast von früh bis spät. Die Temperaturen pendeln auf einem sommerlichen Niveau und die Trockenheit geht weiter.

In der obigen Galerie sehen wir die Entwicklung der Großwetterlage der vergangenen fünf Tage. Zunächst hat sich von den Azoren bis nach Sibirien eine umfangreiche Hochdruckzone entwickelt, im Großwetterlagenkatalog nach Hess und Brezowski wird diese Wetterlage Hochdruckbrücke Mitteleuropa genannt. Durch einen Trogvorstoß über dem östlichen Nordatlantik sowie die Entwicklung eines Kaltlufttropfens über Ost-/Mitteleuropa wurde die Hochdruckbrücke durchbrochen und es hat sich wieder die bekannte Wetterlage des bisherigen Sommers eingestellt, der Trog Westeuropa. Er pumpt wieder subtropische Heißluft nach Mitteleuropa.

Nach der großen Hitze Anfang August mit Höchsttemperaturen von bis zu 37°C kühlte es in der vergangenen Woche etwas ab. Die Ostströmung hat zur Folge, dass es nur mäßig warm wurde, die 30°C-Marke wurde nach dem 05. August bisher nicht mehr erreicht. Auch die Tiefsttemperaturen waren äußerst angenehm und gut zum Durchlüften, das Erzgebirge meldete sogar mehrfach Frost. Selbst in Dresden gab es zeitweise nur einstellige Tiefsttemperaturen.

Altocumuli am 11. August 2022

Angesprochen wurde bereits der Kaltlufttropfen, in der Meteorologie auch gerne als „Höhen-Ei“ bezeichnet. Diese erschweren die Wettervorhersage erheblich, da ihre Zugbahn nur schwer zu berechnen ist. Unter einem Kaltlufttropfen versteht man eine Art „Blase“ mit kälterer Luft in der Höhe, welche gerne für starke Bewölkung, Regen oder, je nach Setup, auch für Gewitter sorgt.

Sonnenaufgang am 13. August

Dieser Kaltlufttropfen machte sich vor allem durch zeitweise Bewölkung bemerkbar. Am Samstag (13. August) gab es seit langem mal wieder einen relativ trüben Tag. Lausitz und Osterzgebirge waren dabei die bewölktesten Regionen, Dresden-Klotzsche (Flughafen) meldete nur ca. 1,7 Sonnenstunden, welche überwiegend am Morgen sowie am Abend gemessen wurden. Einzelne schwache Schauer waren dabei, überwiegend waren die Mengen aber nicht im „ernstzunehmenden“ Bereich. In Zinnwald-Georgenfeld wurden es immerhin 0,7 mm.

Die Vegetation ist teilweise nur noch spärlich vorhanden – die Bilder könnten auch unschwer aus der Steppe stammen

Die kommende Woche dürfte zumindest lokal eine minimale Liderung der Dürre bringen – Schauer und Gewitter stehen an. Zudem wird es wieder heiß. In der zweiten Wochenhälfte könnte es möglicherweise ergiebigere Regenfälle geben, dies ist allerdings noch sehr unsicher.