Gewitterlage am 16. Mai 2022

Am Montag beschäftigte uns die erste kräftige Gewitterlage des Jahres. Nachdem es schon vor einigen Wochen im Süden kräftige Gewitter gab, erfasste die Lage diesmal auch die Landesmitte und damit auch Sachsen.

Die Synoptik wäre eigentlich schnell erklärt. Zwischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik und Nordwest-Russland befindet sich ein Omega-artiger Höhenrücken, welcher weit nach Norden ausgreift. Knackpunkt ist allerdings ein schwacher Randtrog, der sich bis nach Mitteleuropa erstreckt und eine Bodentief-Rinne über Deutschland induziert:

Um 12 UTC (14 Uhr MESZ) befindet sich die Rinne etwa auf einer Linie Niederrhein-Oberösterreich. Nordöstlich davon befindet sich eine stabile Luftmasse, südwestlich ist die Luft labiler. Im äußersten Südwesten Deutschland (etwa Eifel-Schwarzwald und südwestlich davon) sickert zum Zeitpunkt wieder stabilere Luft ein.

In der Spitze sollten auf der labilen Seite 800 bis 1200 J/kg CAPE generiert werden. Allerdings fehlte dem Westen Deutschlands durch ein vorlaufendes Regengebiet wider Erwarten Einstrahlung, sodass es hier verbreitet nicht so stark kam wie erwartet (lokale starke Einzelentwicklungen ausgenommen). Die KO-Werte sollten bis ca. -10 absinken. Einen Deckel mit moderaten CIN-Werten gab es meist nur nach Durchzug von Schauern und Gewittern geben. Organisierte Zellen waren meist nicht zu erwarten, da es oft an hochreichender Scherung fehlte. Eher zu erwarten waren Einzelzellen sowie Verclusterungen, weshalb die größte Gefahr auch von Starkregenfällen und entsprechenden Überflutungen ausging.

Das Radarbild um 16 Uhr lässt sich in drei Regionen einteilen: Im Nordosten ist durch stabile Luft wenig bis gar nichts los. Von Ostfriesland bis ins Westerzgebirge erstreckt sich die Tiefdruckrinne mit zeitweiligen Niederschlägen, in Thüringen und Westsachsen waren diese auch etwas kräftiger. Vom Niederrhein bis nach Bayern befand sich eine Gewitterlinie, zum Teil verclustert, dahinter gab es nur noch einzelne Schauer und Gewitter. Zwischen Rinne und Gewitterlinie gab es am Nachmittag nochmal kräftige EInstrahlung, sodass nochmal, trotz Abkühlung durch den Regen, Energie generiert werden konnte. Die Höchsttemperaturen des Tages lagen bei 25 bis 29 Grad, im Bergland wurden 18 bis 23 Grad erreicht.

Gegen 18 Uhr überquerte der erste Regen das Osterzgebirge. Etwas Messbares kam aber nur in den seltensten Fällen runter. Im Norden Thüringens hatten sich währenddessen schon kräftige Gewitter gebildet und befanden sich um 18:40 etwa in einem Dreieck Eisenach-Weimar-Mühlhausen. Die Landesgrenze zu Sachsen überquerten die Gewitterzellen ab ca. 20 Uhr südwestlich von Leipzig, um 21 Uhr hatte sich ein starker Cluster gebildet.

Gewitterzelle über dem Tharandter Wald um 21:50 Uhr

Auch ab etwa 21 Uhr kam es zwischen Freiberg und Dresden, bis in die Sächsische Schweiz zu starken Neubildungen. Zeitweise konnten mesozyklonal anmutende Strukturen beobachtet werden (siehe Aufnahme), auch auf dem Doppler-Radar und der Radar-Analyse wurde kurzzeitig eine deutliche Rotation festgestellt. Anhand der Radarechos (lokal deutlich über 60 dBZ) sowie der Vertikalanalyse kam es wahrscheinlich auch zu Hagel.

Zwischen Freital und Wilsdruff kam es relativ schnell zu weiteren Neuentwicklungen. Wenn die „natürliche Beleuchtung“ durch Blitze stimmte, konnte eine äußerst beeindruckende Aufwindbasis beobachtet werden:

Aufwindbasis einer Gewitterzelle über der Gompitzer Höhe (Dresden) um 22:25 Uhr

Die Aufnahme des Aufwindes entstand nur wenige Kilometer südlich des Kernes. Im Hintergrund ist bereits die Böenfront des heranziehenden Clusters aus Mittelsachsen zu sehen. Der Blitz, welcher für diese äußerst ansehnliche Ausleuchtung der Kulisse sorgte, ist hier verlinkt. Es handelte sich um einen 41 kA starken, positiven Einschlag auf eine unbewaldete Anhöhe westlich von Klipphausen.

Wie oben bereits beschrieben trafen die Gewitter auf eine recht gute Scherung, was in Sachsen die Bildung eines nicht gerade kurzlebigen Systemes mit mesozyklonalen Elementen ermöglichte. Ein solches bildete sich auch südlich von Wilsdruff beim Eintreffen der starken Zellen aus Nordwesten:

Böenfront um 22:30 Uhr – kurz danach ist sie leider zerfallen

Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit ins Erzgebirge, auch hier kam es zeitweise zu rotierenden Zellen, kleinkörniger Hagel war ebenso dabei.

Die Niederschlagssummen hielten sich in unserer Region in Grenzen, es blieb meist bei 10 bis 30 l/m². Die lokalen Schwepunkte lassen sich gut auf der Radarsummen-Karte nachbetrachten. Von Weißenfels bis nach Döbeln gab es teilweise 30 bis 40 l/m² Regen in kurzer Zeit. Am meisten Regen hat Großweitzschen-Westewitz bei Döbeln gemessen, am Dienstagmorgen wurden 34,2 mm gemeldet (inklusive einzelner Regenfälle in der zweiten Nachthälfte). Dippoldiswalde-Reinberg meldete im gleichen Zeitraum 21,7 mm, von denen 18,3 mm auf die abendlichen Gewitter zurückzuführen sind. Warnwürdige Windböen wurden nicht gemessen, wenngleich es lokal mal zur ein oder anderen Sturmböe gekommen sein kann. Über größere Schäden ist nichts bekannt.

Als Fazit kann man die Gewitterlage als gelungenen Saisonauftakt bezeichnen. Bis auf lokale Überschwemmungen (vor allem in NRW, leider auch wieder im Ahrtal) kam es kaum zu unwetterartigen Entwicklungen. Quasi ein normales Sommergewitter, zwar mitten im Mai, was die Trockenheit zumindest kurzfristig etwas lindern konnte.

Die ersten Sommertage des Jahres

Das erste Mal in diesem Jahr haben wir diese Woche in unserer Region die 25-Grad-Marke überschritten. Freilich war es nicht überall so warm, 20°C stellten aber auch im Osterzgebirge keine Hürde dar.

Ursächlich für diese sommerlichen Temperaturen war eine warme Südwestströmung. Von den Kanarischen Inseln bis nach Skandinavien efand sich, zumindest in der Höhe, eine ausgedehnt Tiefdruckzone bzw. ein schwacher Höhentrog (Island bekam dabei nochmal äußerst winterliche Temperaturen ab). Bodennah stellte sich eine hochdruckbestimmte Westlage ein.

Schon am Dienstag (10. Mai) gab es in den wärmeren Regionen (z.B. im Leipziger Land oder im Elbtal) sommerliche Temperaturen. Sachsenweiter Spitzenreiter war Klitzschen bei Torgau mit 26,6°C, Dresden-Strehlen meldete eine Höchsttemperatur von 26,4°C. Noch wärmer wurde es am Mittwoch (11. Mai). Die obige Karte zeigt die Temperaturen in 850 hPa (ca. 1500 m Höhe) am Mittwochabend. Die wärmsten Temperaturen wurden mit 13 bis 16°C vom Schwarzwald bis in die Lausitz und südöstlich davon erreicht. An Sommertagen mit Hochdruckwetter werden diese Temperaturen gerne zur Einschätzung der zu erwartbaren Höchsttemperaturen verwendet. Bei trockener Luft steigt Luft trockenadiabatisch, das heißt ohne Abgabe von Energie, auf, was ca. 1K Temperaturabnahme je 100 m Höhenzunahme entspricht. Im Hochsommer kann man grob gesagt 15 bis 18 Grad auf die 850 hPa-Temperaturen aufschlagen um die Temperatur in 2 Meter Höhe abzuschäzten.

Deutschlandweit wurde die wärmste Temperatur in Ohlsbach (Baden-Württemberg) im Oberrheingraben mit 30,1°C gemessen. Dresden-Strehlen verfehlte den ersten Hitzetag nur knapp und meldete eine Höchsttemperatur von 29,6°C, was auch die höchste Temperatur in Sachsen war und deutschlandweit Platz 8 bedeutete. Im oberen Osterzgebirge war es nicht ganz so warm, in Zinnwald-Georgenfeld (knapp 900 m ü. NN) wurde eine Höchsttemperatur von 22,9°C gemessen. Der Fichtelberg hingegen schaffte es mit 19,8°C hingegen nicht über die 20-Grad-Marke hinaus.

Am Donnerstag-Vormittag wurde die Warmluft durch eine Kaltfront ausgeräumt. Gab es im Norden Deutschlands (speziell nördliches Brandenburg) am Mittwochabend noch kräftige Schauer und Gewitter, so kam die Kaltfront in Sachsen ohne einen einzigen Tropfen Regen an. Dabei wäre dieser weiterhin dringend nötig, siehe dazu den Artikel vom 06. Mai zur sich verschärfenden Trockenheit. Rückseitig dieser – zugegeben ziemlich enttäuschenden Kaltfront – verlief der Donnerstag mit Höchsttemperaturen von 17 bis 23 Grad wesentlich kühler.

Trockenheit nimmt wieder zu

Aktuell haben wir es mit frühlingshaftem Hochdruckwetter zu tun. Abseits einzelner Schauer im Erzgebirge bleibt es dabei durchweg trocken. Gerade im Frühling ist das allerdings problematisch, da die Vegetation auf Niederschläge angewiesen ist.

Blicken wir zunächst auf die Niederschläge im April:

Niederschlagssumme in Prozent des Mittels 1961-1990; Quelle: mtwetter.de

Deutlich ins Auge fällt eine ungleiche Verteilung der Niederschläge (Angaben in Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990). In der südlichen Mitte sowie im Norden Deutschlands wurde die zu erwartende Summe erreicht oder überschritten. Spitzenreiter ist Weinbiet mit mehr als der doppelten Monatssumme. Das Gegenteil findet sich im Raum Halle/Leipzig sowie in Teilen Brandenburgs. Am wenigsten Niederschlag fiel mit 8,6 l/m² (19%) in Wiesenburg im Westen Brandenburgs. Drei ausgewählte Werte aus unserer Region:

  • Dresden-Strehlen: 29,7 l/m² (42%)
  • Karsdorf (Rabenau): 44,4 l/m² (78%)
  • Rechenberg-Bienenmühle: 67,8 l/m² (124%)

Während im Erzgebirge die Summen weitestgehend erreicht oder überschritten worden, so ist erkennbar, dass das Erzgebirgsvorland samt Dresden teils deutlich unter dem Mittel liegt.

Quelle: UFZ; abgerufen am 06. Mai 2022

Der Dürremonitor des UFZ zeigt in weiten Teilen Ostdeutschlands, aber auch bis ins Münsterland und in Teilen des Südens eine außergewöhnliche Dürre in tiefen Bodenschichten. Das pflanzenverfügbare Wasser wird von der Ostseeküste bis an die Oder sowie vom Harz bis ins Leipziger Lang zunehmend knapp. Vom Niederrhein bis ins südliche Hessen sieht es ähnlich aus. Beim Oberboden sticht der Nordosten mit einer moderaten Dürre hervor.

Was eine naturnahe Bepflanzung ausmachen kann, sieht man anschaulich auf den folgenden beiden Bildern:

Während der Acker oberflächlich durch fehlende Bepflanzung stark ausgetrocknet und Erosionsanfällig ist, zeigt eine naturbelassene Wiese keinerlei Anzeichen von Trockenstress.

An der Niederschlagssituation wird sich auch in den kommenden Tagen wenig bis gar nichts ändern. Im Erzgebirge gab es in den letzten Tagen einzelne Schauer mit nur selten mehr als 3 l/m², zwischen Zittau und Löbau gab es auch ein Gewitter, mit 10 bis 15 l/m² konnte die Trockenheit dort immerhin lokal etwas abgemildert werden.

Schwacher Schauer am 04. Mai über dem Tharandter Wald

Das „Trauerspiel“ der Inversionen

Den meisten wird der Begriff „Inversion“ wohl bekannt sein. Bei Hochdruck-Wetterlagen im Winter lässt sich oft beobachten, wie es im Flachland sehr kalt und trüb bleibt, während die Bergregionen milde Temperaturen und sehr trockene Luft genießen können. Auch in den anderen Atmosphärenschichten kommen Inversionen häufig vor.

Am 27. April konnte man solch eine Inversion gut beobachten. Im Radiosondenaufstieg von Prag (27.04.; 12 UTC) ist die Inversion deutlich zu erkennen. Bei ca. 720 hPa macht die Temperaturkurve einen deutlichen Knick nach rechts, was eine starke Erwärmung bedeutet. Die Taupunktkurve macht im gleichen Niveau einen Knick nach links, die Luft wird also schlagartig sehr trocken.

Himmelsbild am 27. April, 13 Uhr

Beginnen wir bei der Wolkenuntergrenze. Da es in Sachsen leider keine Radiosondenaufstiege gibt, arbeiten wir mit den Daten aus Prag, da hier zum gegebenen Zeitpunkt eine sehr ähnliche Wetterlage vorherrschte (vgl. Satellitenbild). Unterschieden wird bei der Untergrenze zwischen erzwungener Hebung und thermischer Hebung.

Die erzwungene Hebung bezieht sich auf Hebungsvorgänge, welche durch externe Einflüsse (z. B. Orographie oder Hebung an einer Front) induziert werden. Dieses lässt sich simpel durch das LCL (Lifted Condensation Level) bestimmen. In den Wyoming-Soundings lässt sich es ablesen, ansonsten: Vom Bodentaupunkt aus dem konstanten Sättigungsmischverhältnis (in den Soundings werden dazu lila Linien als Hilfslinien angegeben) folgen. Zudem von der Bodentemperatur aus der Trockenadiabate folgen (grüne Linien als Hilfslinien), der Schnittpunkt beider Linien ist das LCL.

Die thermische Hebung bezieht sich auf Hebungsvorgänge, die einzig und alleine durch Thermik, ohne externe Einflüsse hervorgerufen werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es im Sommer auch abseits von Gebirgen zu Hitzegewittern kommt (Luftmassengewittern). Bei dieser Art von Hebung muss das CCL bestimmt werden (Cumulus Condensation Level). Dazu startet man beim Bodentaupunkt und folgt dem konstanten Sättigungsmischverhältnis, bis man die Temperaturkurve schneidet. Hier befindet sich das CCL. Annäherungsweise lässt sich das CCL durch eine Formel von Fritz Henning beschreiben:

Taupunktdifferenz (TEMP-TP) * 125 = Wolkenuntergrenze in Meter

Diese Formel bezieht zusätzlich noch eine tagesgangbedingte Veränderung der Luftfeuchtigkeit mit ein. Möchte man auf Nummer sicher gehen und diese noch deutlich genauer einbeziehen, so empfiehlt sich, das Sättigungsmischverhältnis zu mitteln. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es auch in der deutschsprachigen Wikipedia.

Da die obige Aufnahme im Erzgebirgsvorland entstanden ist, ist davon auszugehen, dass sowohl thermische, als auch erzwungene Hebung eine Rolle gespielt hat. Abgesehen davon befinden sich LCL und CCL zum Zeitpunkt auf etwa einer Höhe, weshalb die Frage nach Art der Hebung eher irrelevant ist.

Prag-Libus meldete am 27. April um 13 Uhr eine Taupunktdifferenz von 15,2°C. Mit der oben genannten Formal nach Henning ergibt dies eine ungefähre Wolkenuntergrenze von 1900 Meter (in Prag ist von thermischer Hebung auszugehen). Dieser Wert stimmt auch mit dem Radiosondenaufstieg überein.

Das EQL (Wolkenobergrenze) liegt in ca. 717 hPa, was auch die Höhe der Inversion und entsprechend auch die obere Grenze der Konvektion beschreibt. Optisch passiert dann in etwa dies:

Himmelsbild um 13:20 Uhr

Da es weiter zu Konvektion kommt, diese sich mangels Energie aber maximal bis zur Inversion durchsetzen kann, zieht sich der Himmel allmählich zu und die Einstrahlung wird gedämpft oder verschwindet ganz. Die Wolkenformation im Bild nennt sich Altocumulus stratiformis lacunosus cumulogenitus bzw. Cumulus altocumulomutatus.

Bei den typischen sommerlichen, wenig dynamischen Gewitterlagen stellen die Inversionen (egal auf welcher Höhe) ein massives Problem bei der Entwicklung von Gewitterzellen dar. Wenn die Inversion vertikal nur kurz vorhanden ist, kann bei genügend Hebung und Energie dieser Deckel durchbrochen werden. Ist die Inversion samt Deckel allerdings sehr stark ausgeprägt, kann schon früh davon ausgegangen werden, dass die Gewitterbildung zu stark gehemmt wird. Auch die Wettermodelle haben nicht selten ihre Probleme bei der Berechnung solcher Inversionen und die Auswirkungen auf die Konvektion.

Tiefdruck bringt wichtigen Dauerregen

Nachdem der Samstag unter dem Einfluss eines schwachen Hochdruckkeiles vielerorts sehr freundlich und frühlingshaft verlief (Tx bis zu 18°C) stand am Sonntag mit kräftigen Regenfällen genau das Gegenteil an. Langanhaltender Landregen brachte insbesondere den südlicheren Lagen der Region nicht gerade wenig Regen.

Bodennah befindet sich Deutschland am Samstag in einer nordöstlichen Strömung. Ursache ist ein blockierendes Hockdruckgebiet bei Island und Grönland, was eine sehr südlich verlaufende Frontalzone als Folge hat. Von den Azoren über Mitteleuropa bis ins nordwestliche Russland befinden sich mehrere Bodentiefs und mehrere Höhentiefs, letztere sorgten im Westen Deutschlands für Starkregenfälle (RR Bielefeld-Deppendorf: 40,3 mm).

Durch Warmluftadvektion (WLA) des Bodentiefkomplexes Süddeutschland/Tschechien kommt es von Baden-Württemberg bis nach Sachsen zu teils kräftigen Niederschlägen. Insbesondere in Staulagen (Erzgebirge) sowie bei konvektiver Verstärkung kommt es dabei auch zu höheren Regensummen.

Ab ca. 11 Uhr am Sonntag setzte im Osterzgebirge der erste Regen ein, welcher sich bis zum späten Nachmittag weiter verstärkte. Besonders kräftige Regenfälle gab es dabei an der Tschechisch-Sächsischen Grenze zwischen Altenberg und dem Zittauer Gebirge: www.kachelmannwetter.com

Die Radarauswertung ergibt Regenmengen von teilweise über 50 l/m² in der Region rund um Sebnitz. Dies ist aber wohl zu hoch angesetzt, die Messwerte stützen solche Summen nicht. Einige ausgewählte 24-Std.-Messwerte (Quelle Kachelmannwetter):

  • Zinnwald-Georgenfeld: 24,2 mm
  • Bad Gottleuba: 22,5 mm
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 20,9 mm
  • Lohmen: 16,6 mm
  • Dresden-Hosterwitz: 13,7 mm
  • Dresden-Flughafen: 7,0 mm

Zu erkennen ist, wie so oft, ein deutliches Süd-Nord-Gefälle mit den höchsten Regenmengen vom Erzgebirgskamm bis ins Erzgebirgsvorland (speziell Bannewitz und Freital), private Stationen (s. AWEKAS) meldeten auch hier Regenmengen von 15 bis 20 l/m², was angesichts der anstehenden trockenen Witterung sehr wichtige Summen waren.

Daten zum Monatssoll werden noch zeitnah ergänzt.

Wachstumsschub dank milden Frühlingstagen

Die letzten drei Tage brachten vielen Regionen im Lande das erste mal richtiges Frühlingswetter mit Temperaturen um 20°C oder mehr. Dies ging auch an der Vegetation nicht spurlos vorbei, die milden Temperaturen brachten einen kräftigen Wachstumsschub.

Phänologische Uhr, © dwd.de

Zunächst ein Blick auf die aktuelle Entwicklung in der Phänologie. Nach einem äußerst frühen Beginn des Vorfrühlings Ende Januar war auch der Erstfrühling (gekennzeichnet durch die Blüte der Forsythie) ca. eine Woche früher dran als im langjährigen Mittel. Im Südwesten des Landes gibt es bereits Meldungen über den Beginn der Apfelblüte, weshalb zu erwarten ist, dass auch der phänologische Vollfrühling bald Einzug halten wird. Je nach weiterer Wetterentwicklung ist damit zu rechnen, dass der Vollfrühling noch im April beginnen wird.

© dwd.de; Karte wird automatisch aktualisiert

Die höchsten Temperaturen brachte der 13. April:

  • Dresden-Strehlen: 21,7°C
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 21,2°C
  • Dresden Flughafen: 21,1°C
  • Dresden-Hosterwitz: 20,9°C
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 19,6°C
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 15,3°C
  • Zinnwald-Georgenfeld: 13,7°C

Eine akzeptable Schneedecke können nur noch die höchsten Lagen des Erzgebirges vorweisen. Meldete der Automat am Fichtelberg am 11. April noch eine Schneedecke von 44 cm (Private Messung: 77 cm; Quelle: Fichtelbergwetter), schrumpfte die Schneedecke bis zum 15. April auf 14 cm (Private Messung: xx cm).

Ein paar Frühlingsimpressionen:

Höhenkaltluft bringt zahlreiche Schauer und Gewitter

Nachdem die Kaltfront von Tief Nasim schweren Sturm bis ins Flachland brachte, gab es am Wochenende „Aprilwetter deluxe“ mit unzähligen Schauern und vielen Gewittern.

© wetterzentrale.de; bearbeitet

Am Samstag (09. April) befindet sich von Skandinavien bis nach Osteuropa eine ausgeprägte Tiefdruckzone. Rückseitig davon wird polare Kaltluft, besonders in der Höhe, nach Mitteleuropa befördert. Zudem befindet sich über Frankreich ein schwacher Zwischenhochkeil, welcher dem Westen Deutschlands schon eine etwas trockenere Luftmasse bringt.

Vertikalprofil Lindenberg, 09. April 02 Uhr MESZ; ©University of Wyoming

Im Sounding ist schön dieser enorme Temperaturgradient zu sehen. Am 09. April um 02 Uhr MESZ liegt die Bodentemperatur bei ca. 3°C, in ca. 9,5 km Höhe bei -60°C. Dieser enorme Temperaturgradient sorgte ab den Vormittagsstunden für ein kräftiges Aufleben der Schauer- und Gewitteraktivität. Der kräftige Höhenwind trägt sein übriges bei.


Der folgende Absatz beschreibt die Lage am 09. und 10. April in einem Bildbericht stark räumlich begrenzt, es wird nur auf einzelne Schauer/Gewitter eingegangen. Alles andere würde den Rahmen mehr als sprengen.

Um 13:30 Uhr ließ sich aus der Ferne dieser imposante Schauer zwischen Nossen und Wilsdruff beobachten. Die Cumuluswolke vorne links ist ein zweiter Schauer, zum Zeitpunkt befand sich dieser bei Herzogswalde/Mohorn.

Rasch mauserte sich der Schauer zu einem kräftigen Graupelgewitter mit einem schwachen Böenkragen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (13:50 Uhr) befand sich das Gewitter zwischen Kesselsdorf und Freital. Zur „besten Zeit“ der Zelle wurde das 18 dBz-Top in 7 km Höhe registriert, das ist relativ hoch für Höhenkaltluft. Schaut man sich aber nochmal den Radiosondenaufstieg mit über 60K Temperaturgradient an, so verwundert das wenig. Die Zelle warf von Kesselsdorf bis nach Bannewitz zeitweise größeren Graupel.

Ein zweites, wieder äußerst fotogenes Gewitter bildete sich bereits gegen 14:40 Uhr als Schauer bei Halle (Saale).

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (16:45 Uhr) befand sich die Gewitterzelle zwischen Nossen und Ziegenhain. Eigentlich kaum klassisch für Höhenkaltluft hat diese Zelle eine optisch sommerliche Struktur:

Auch diese Zelle hatte, wie die Zelle vom frühen Nachmittag, einen 18dBz-Top von ca. 7 km. Kurz vor den Toren Dresdens fiel das Gewitter leider wieder zusammen.

Südöstlich von Döbeln bildete sich gegen 17 Uhr eine neue Gewitterzelle, welche mehr oder weniger nahtlos an das oben beschriebene Gewitter angrenzte. Typisch für Höhenkaltluft gab es eine sehenswerte Rückseite zu bestaunen:

Am Sonntag (10. April) ging das Aprilwetter munter weiter. Allerdings machte sich der Hochdruckkeil aus Westen schon langsam bemerkbar, sodass der Sonntag mit dem Samstag kaum mithalten konnte.

Diese Aufnahme entstand am Sonntag um 13:30 Uhr, der Schauer befand sich zwischen Freital und Rabenau und brachte Graupel:

Ein zweiter Schauer kam hinterher:

Doch mehr gab es nicht zu beobachten.

Am Montag hatte sich der Hochdruckeinfluss vollständig durchgesetzt, nur noch Richtung Erzgebirge gab es flache Konvektion ohne Niederschlag.

Nach dem Frühlingswetter am heutigen Dienstag und am Mittwoch wird es ab Donnerstag wieder unbeständiger und kühler. Auch zu Ostern geht es etwas kühler weiter.

Heftiger Kaltfrontdurchgang mit schweren Sturmböen

Am Donnerstag beschäftigte uns eine kräftige Kaltfront, welche teilweise schwere Sturmböen bis ins Flachland brachte, exponiert gab es Orkanböen. Anschließend gab es klassisches Aprilwetter.

Die obere Grafik zeigt die DWD-Bodenanalyse vom 07. April um 20 Uhr MESZ. Die Frontalzone ist relativ weit nach Süden verschoben, das südliche Fennoskandien und Mitteleuropa liegt unter dem Einfluss eines Tiefdruckkomplexes über Südschweden. Die zugehörige Kaltfront zog am Donnerstag von Nordwest nach Südost über uns hinweg. Zeitweise war sie im Ansatz okkludiert, da sich kurzzeitig ein schwaches Randtief vor der Küste Irlands bildete (vgl. Bodenanalyse vom 06. April 18 UTC).

Während der Warmsektorsturm wie zu erwarten wenig spektakulär war (meist Böen 7-9 Bft, exponiert mehr), war der Kaltfrontdurchgang umso spannender.

Die Kaltfront erreichte unsere Region gegen 18 Uhr. Rund um Freiberg, aber auch im Westerzgebirge war diese dabei gewittrig durchsetzt, dort wurde ebenfalls eine zeitweise sehr starke Rotation festgestellt (s. Kachelmannwetter-Stormtracking). Auch an der Landesgrenze zu Brandenburg (Region Elsterwerda/Hoyerswerda) wurde eine starke bodennahe Rotation festgestellt. An der Kaltfront kam es kurzzeitig zu sehr heftigem Starkregen und schweren Sturmböen.

Die Regensummen hielten sich dennoch in Grenzen und waren sehr ungleich. Während in Radebeul bei Dresden nur 1,2 mm gemessen wurden, meldete Hartmannsdorf-Lehnmühle 6,7 mm Niederschlag in kurzer Zeit. Dresden-Klotzsche (DWD) meldete eine Spitzenböe von 81,4 km/h, Dresden-Loschwitz (Kachelmannwetter-Messnetz) knapp 102 km/h. Durch den Sturm und die ohnehin geschwächten Bäume wurden einige Schäden gemeldet. Einzelne Bäume stürzten um, auch Dachziegel lösten sich, wie ein Einsatz der freiwilligen Feuerwehr Freital zeigt:

Auch zwischen Pirna und Liebstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen, um ein zweites Beispiel zu nennen:

Rückseitig der Kaltfront beruhigte sich das Wetter kurzzeitig, anschließend kamen aus Nordwesten zahlreiche Schauer auf, teils mit Graupel. Wieder kam es zu Sturmböen, auf dem Collmberg wurde sogar eine Orkanböe mit 124 km/h gemessen.

Blick Richtung Osten auf die abziehende Kaltfront

Winterlicher Start in den April – Sturmserie in der neuen Woche möglich

Nach einem frühlingshaften und sehr trockenem März meldete sich der Winter zu Beginn des zweiten Frühlingsmonats nochmal zurück. Ein Kaltlufteinbruch brachte Schneefälle und Fröste bis ins Flachland – ausgerechnet am 1. April.

Im sachsenweiten Flächenmittel schloss der März mit einer Mitteltemperatur von 4,2°C ca. 1,1 K (verglichen mit dem Klimamittel 1961-1990) zu mild ab. Zudem fielen nur knapp 38% des Niederschlages, dafür wurde das Sonnenscheinmittel um mehr als 100% übertroffen – Rekord an unzähligen Stationen.

Der April hingegen startet mit einem Kaltlufteinbruch und Schneefällen. Ursächlich dafür ist die Großwetterlage HNZ (Hoch Nordmeer, zyklonal). Vom Nordmeer bis vor die Küste Spaniens befindet sich ein blockierendes Hochdruckgebiet, in der Höhe entwickelt sich ein kräftiger Höhenrücken, welcher durch einen Trog weiter westlich gestützt wird. Ein zweiter Höhentrog befindet sich über West- und Mitteleuropa bis nach Nordafrika. Bodennah hat sich dabei vom Mittelmeer bis nach Osteuropa ein Tiefdrucksystem entwickelt.

Der Kaltluftausbruch bis zum Mittelmeer induziert nun eine rasante Zyklogenese, die Tiefdruckgebiete verursachen Aufgleitschneefälle:

Am 2. April ziehen sich die Schneefälle in den Süden zurück. Vom Sauerland bis nach Baden-Württemberg und Bayern sowie in der Eifel, dem Thüringer Wald und den höheren Lagen des Erzgebirges bildete sich eine ziemlich dicke Schneedecke. Nicht selten gab es neue Monatsrekorde für die höchste April-Schneedecke seit Aufzeichnungsbeginn. In den genannten Regionen fielen innerhalb kurzer Zeit Neuschneemengen von teils 20 bis 30 cm – Anfang April ist das alles andere als gewöhnlich.

Ebenfalls bemerkenswert waren die Tiefsttemperaturen, insbesondere in der Nacht zum Sonntag (03. April) kühlte stark aus. In den Mittelgebirgen wurden Tiefstwerte von weniger als -10°C gemessen. Sehr problematisch ist dies für die bereits blühenden Bäume, stärkere Frostschäden sind zu erwarten.

Kirschblüte

Sturmserie in der neuen Woche möglich

Ab Montag wird das Wetter wieder turbulenter: Sturmtiefs und Regenfälle sind zu erwarten. Den Anfang macht der Montag mit einem Tiefdruckgebiet über dem südlichen Skandinavien, welches (schwere) Sturmböen bis ins Flachland bringt.

Berechnung des französischen Lokalmodells für den 04. April; wxcharts.com

Auch der Dienstag wird stürmisch, am Mittwoch beruhigt sich das Wetter etwas. Ab Donnerstag deuten die Wettermodelle neue Sturmfelder an. Wieder zieht ein Tiefdruckgebiet nördlich an uns vorbei und bringt Sturm. Seit einigen Läufen werden nun aber auch Randtiefs/Schnellläufer simuliert, welche die Gefahr von Orkanen im Binnenland und entsprechendem Schadenpotenzial mit sich bringen. Auch die neuerliche Entwicklung einer Shapiro-Keyser-Zyklone kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Dass es zu der Entwicklung solcher Randtiefs kommt scheint ziemlich sicher, völlig unsicher ist hingegen wo und wie stark diese sein werden.

Beispielhafte Berechnung eines Randtiefs, hier für Samstag nach ECMWF; wxcharts.com

Neben den Stürmen wird auch Dauerregen ein Thema. Je nach Modell werden Regensummen von 50 bis 150 l/m² simuliert, letztere Summen würden in Staulagen der Gebirge erreicht und definitiv für Hochwasser sorgen. Letztlich muss man aber wie schon gesagt die weiteren Berechnungen abwarten.

Trockenes Hochdruckwetter dauert an – Sonnenschein-Rekord geknackt

Seit Ende Februar herrscht in weiten Teilen der Region trockenes und meist sehr sonniges Hochdruckwetter. Eine Ausnahme bildete das erste Märzwochenende sowie die Monatsmitte mit einem Kaltlufteinbruch bzw. etwas Regen.

Beim Niederschlag war der März bisher wesentlich zu trocken. Verglichen mit anderen Bundesländern steht Sachsen allerdings noch relativ gut da. Ein paar Zahlen aus der Region:

Quelle: DWD Opendata

In etwa sind in den meisten Orten ca. 10 bis 20 Prozent des langjährigen Mittels gefallen. Das sächsische Flächenmittel liegt aktuell bei knapp 20%, was auf etwas mehr Niederschlag im Westen des Bundeslandes zurückzuführen ist. In Teilen Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs gab es im gesamten Monat noch gar keinen Niederschlag, in Berchtesgaden sind immerhin lokal schon über 30 l/m² gefallen. Die Waldbrandgefahr ist erneut hoch, sie liegt bei Stufe 3 bis 4.

Der Dürremonitor des UFZ zeigt, verglichen mit den Vorjahren, in einigen Teilen des Landes wieder eine schwere Dürre an:

Dürresituation Gesamtboden; (c) ufz.de

Die Bodenfeuchte ist im Erzgebirgsvorland aber vertretbar und noch wenig besorgniserregend. Lehmiger Boden ist noch relativ gut gesättigt, unter lehmigen Sand (zweite Grafik) liegt die nutzbare Feldkapazität bei 60% bis 90% (mit den niedrigeren Werten im Dresdner Raum).

Temperaturmäßig ist der März aktuell leicht zu mild. Die Abweichungen reichen von +0,5 K in Deutschneudorf-Brüderwiese bis +1,8 K in Lichtenhain-Mittelndorf (Flächenmittel Sachsen: +1,0 K; bezogen auf das Mittel 1961-1990). Die Grünlandtemperatursumme von 200 K ist im Elbtal bereits Mitte März erreicht worden, im Erzgebirge wird sich der Vegetationsbeginn noch einige Zeit hinziehen (GTS Zinnwald-Georgenfeld: 61,9 K; Stand 25. März).

Einen neuen Rekord hat der Monat bereits aufgestellt: Noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es so sonnig wie in diesem März. Im Deutschlandmittel gab es im März schon 200 Sonnenstunden (Stand 25. März). Der bisherige Rekord stammt aus 1953.

Die Niederschlagssituation wird sich in den kommenden Tagen voraussichtlich etwas entschärfen. Das Wetter wird unter Tiefdruckeinfluss zunehmend unbeständiger und Regen wird erwartet. Nächste Woche könnte es zu einem markanten Kaltlufteinbruch mit Schnee bis in tiefere Lagen kommen, das ist allerdings noch sehr unsicher. Anschließend wird es aber wohl wieder wärmer.