Archiv für den Monat Februar 2022

Frühlingswetter mit Einschränkungen

Nachdem die Sturm- und Orkanserie mit „Antonia“ zu Ende gegangen ist, dominiert wieder der frühlingshafte Gesamteindruck. Dennoch ist und bleibt es noch ein paar Tage meteorologischer Winter, entsprechend wird der Eindruck etwas getrübt.

Wetterlage am 25. Februar

Die Wetterlage ähnelt jener der vergangenen Wochen. Tiefdruck nördlich und Hochdruck südlich von uns. Ersterer macht sich noch durch Niederschläge bemerkbar, diese sind aber oft nachts gefallen, sodass der ein oder andere wohl kaum etwas mitbekommen hat. Mal war es Schauerwetter, gestern (24. Februar) auch eine neuerliche Kaltfront.

Der Februar liegt niederschlagstechnisch aktuell im Soll bzw. darüber. Die meisten Niederschläge gab es traditionell im Erzgebirge (Zinnwald-Georgenfeld: 100 l/m²). In Dresden liegen die Summen zwischen 34 l/m² (Strehlen) und 43 l/m² (Klotzsche). Dippoldiswalde liegt bei 59 l/m². (Quelle: mtwetter.de; Stand 24. Februar). Temperaturmäßig liegt Dresden-Hosterwitz bei +5,4 Grad, Zinnwald-Georgenfeld bei +3,8 Grad. Die Grünlandtemperatursumme liegt zwischen 21 K (Zinnwald-Georgenfeld) und 167 K (Dresden-Hosterwitz). Ab 200 K ist in der Agrarmeteorologie der Wachstumsbeginn erreicht. Nähere Informationen zur GTS gibt es u.A. in der Wikipedia. Ein paar Impressionen der Frühlingsboten aus den vergangenen Tagen:

Durch den zunehmenden Hochdruckeinfluss werden auch die Nächte wieder kälter. Einen Vorgeschmack brachte der Donnerstagmorgen. Die tiefste Temperatur des Landkreises wurde mit -5,2°C in Dippoldiswalde gemessen. Deutschlandweit war es an nur vier Messstationen kälter. Auch die kommenden Nächte werden verbreitet frostig, Tiefsttemperaturen von 0°C bis -5°C sind zu erwarten.

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Kräftige Kaltfront mit orkanartigen Böen

Am 21. Februar überquerten uns Ausläufer des nächsten Orkantiefs, diesmal „Antonia“ genannt. Im Fokus stand dabei die Kaltfront des Tiefs, welche in Sachsen orkanartige Böen, im westlichen NRW Orkanböen brachte. Erneut wurde es dabei heftiger als berechnet.

Waldspaziergänge sind aktuell wenig empfehlenswert (Archivbild)

An sich war die Wetterlage etwas wenig besonderes. Warm- und später Kaltfront einer klassischen Norwegerzyklone überquerte uns, anschließend floss höhenkalte Luft mit Schauern ein und ein weiteres Randtief brachte abschließend nochmal stürmische Böen. Dennoch brachte der Kaltfrontdurchgang, nicht zuletzt durch ohnehin geschwächte Wälder und Vorschäden, nochmals teils massive Schäden.

Viel zu analysieren gibt es diesmal nicht. Ähnlich wie bei Sturm „Ylenia“ gab es, diesmal speziell im Westen, gute Voraussetzungen für die Bildung einer wetteraktiven, organisierten Kaltfront mit mesozyklonalen Elementen.

Simuliert wurde im Voraus eine geringe Menge verfügbarer Energie, bodennah ca. 100 J/kg CAPE. Die Helizität in 0-3 km war mit über 500 m²/s² sehr hoch, ebenso die Windscherung. Sowohl die Scherung bis 1 km Höhe, als auch die Scherung bis 6 km Höhe lag bei 50 bis 80 kn. Scherung in tiefen Atmosphärenschichten ist bedeutend für die Tornadogefahr, die Scherung in der Höhe ist wichtig für die Stabilität/Langlebigkeit von Gewittersystemen. Die (meteorologisch betrachtet) besten Parameter gab es im Westen, Richtung Osten abnehmend.

Die Kaltfront zog gegen 23 Uhr am Niederrhein auf und zog dann weiter nach Osten. In ersterer Region wurde die Front, wie im Voraus berechnet, am stärksten. Sie war dort stark gewittrig durchsetzt, oft mit teils starker Rotation. Am NATO-Flugplatz Geilenkirchen wurden 119 km/h gemessen. Auch in anderen Landesteilen bildete die Kaltfront teils gewittrige, rotierende Segmente aus, zu sehr wollen wir da aber nicht ins Detail gehen.

In unserer Region kam die Kaltfront gegen 04:30 Uhr an, lokal gewittrig. Es kam kurzzeitig (meist nur wenige Minuten) zu teils heftigem Starkregen und Graupel, sowie schweren Sturmböen und orkanartigen Böen. In Chemnitz wurden 111 km/h gemessen, am Flugplatz Leipzig 103 km/h und in Dresden-Loschwitz 100 km/h. Die stärksten Böen traten in den meisten Fällen genau mit Frontdurchgang auf. Berechnet hatten nur die Modelle AROME sowie GFS im Ansatz solche Windgeschwindigkeiten, die anderen Modelle lagen, wie schon bei den voherigen Stürmen, zu niedrig.

Ab dem Morgen kam es zu Schauerwetter mit lokal nochmal (schweren) Sturmböen, teilweise waren die Schauer auch mit Graupelgewittern verbunden. Im Nordwesten zog am Nachmittag nochmal ein Randtief mit stürmischen Winden auf, als „Welle“ kam es auch in Sachsen zu Niederschlägen. Die Sturmserie ist vorerst nun vorbei, es wird zunehmend ruhiger, kräftige Sturmtiefs oder Orkane sind bis auf weiteres nicht in Sicht.

Sturmserie geht weiter – Bilanz zu Orkan „Zeynep“

Die Serie schwerer Stürme seit Ende Januar reist nicht ab – Orkan „Zeynep beschäftigte uns am 18. Februar. Ein schwerer, teils außergewöhnlicher und historischer Wintersturm bricht Rekorde und bringt schwerste Schäden.

DWD-Bodenanalyse vom 18. Februar 06 UTC

Wie schon bei Orkan Ylenia beginnen wir mit der Großwetterlage. Bei Finnland sehen wir noch den abziehenden Tiefdruckkomplex vom Mittwoch. Über Großbritannien ist eindrucksvoll das Orkantief „Zeynep“ zu sehen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich aus einer kleinen Wirbelbewegung auf dem Atlantik ein ausgewachsenes Orkantief. Auffällig ist die fehlende Verbindung der Kaltfront zum restlichen Frontensystem, ein Indiz einer sog. „Shapiro-Keyser-Zyklone„, neben den Trogorkanen sind dies die schwersten außertropischen Stürme. Bei den Shapiro-Keyser-Zyklonen (im folgenden nur SKZ genannt) trennt sich die Kaltfront von der Warmfront bzw. Okklusion, welche sich einmal um den Kern herum wickelt. Dies führt zu einem massiven Trockeneinschub. Nun kann sich ein sogenannter „Sting Jet“ entwickeln, das sind heftigste Fallwinde, welche von den oberen Atmosphärenschichten ungebremst bis zum Boden „rasen“. Diese Sting Jets sind unvorhersehbar und extrem schwierig vorherzusehen, auch das macht die SKZ so gefährlich.

ESTOFEX bewarnte im Voraus große Regionen mit einem Level 2, der zweithöchsten Warnstufe. Es wurde aber betont, dass sich diese Warnungen nur auf konvektive Ereignisse beziehen, bezüglich Wind wäre also definitiv ein erneutes Level 3 ausgegeben worden. Zudem wurde speziell im Norden vor Gewittern mit heftigen Orkanböen gewarnt. Der Deutsche Wetterdienst geb für große Teile Deutschlands Warnstufe 3 von 4 aus, entlang der Küste sogar Warnstufe 4. Im Voraus prognostizierten die Modelle entlang der Küsten lokal Windgeschwindigkeiten von teils über 160 km/h – flächig. Auch die Kaltfront sollte mit Windböen in Orkanstärke daher kommen.

Am Freitagnachmittag tobte sich das Orkantief bereits über Großbritannien aus. In einer Region wurde der Sting Jet zum Verhängnis. Die Britische Wetterbehörde teilte am Nachmittag mit, dass eine Bö von 196 km/h auf der Isle of Wight gemessen wurde, ein neuer Rekord seit Aufzeichnungsbeginn. Auch an der Belgischen Küste wurden schon Böen über 150 km/h gemessen. Bezüglich Geschwindigkeiten wollen wir es bei einem Link zum DWD belassen, hier wird das gut herausgearbeitet: Thema des Tages vom 19. Februar. Dabei war, ebenfalls typisch für eine SKZ, die Kaltfront lokal weniger wetteraktiv als vermutet, gefährlicher war der Trockeneinschub unmittelbar hinter der Kaltfront

Vor allem NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurden heftig vom Sturm getroffen. Dort gab es oft Orkanböen (Fx Flughafen Münster-Osnabrück 122,4 km/h), an der Nordsee extreme Orkanböen (Fx LT Alte Weser 161,6 km/h). An der Station Dresden-Loschwitz wurden ebenfalls über 130 km/h gemessen. Die höchsten Windgeschwindigkeiten gab es mit dem Trogsektorsturm hinter der Kaltfront. Dort kam es auch zu Schauern und einzelnen Gewittern mit entsprechend hohen Windgeschwindigkeiten. Entsprechend heftig waren auch die Sturmschäden. Europaweit gab es mindestens neun Todesopfer durch den Sturm. Unzählige Bäume stürzten um, unzählige Dächer wurden abgedeckt. Ganze Gebäude wurden teilweise zum Einsturz gebracht, Autos wurden während der Fahrt vom Orkan von der Fahrbahn gerissen. Die Bahn stellte Ihr Angebot im Norden weitestgehend ein. Es gab zahlreiche Stromausfälle, durch eine Sturmflut mussten mehrere Regionen evakuiert werden. Mit einer Aufzählung aller Schäden wären wir vermutlich nächste Woche noch beschäftigt. Empfehlenswert ist dazu der Liveticker der Tagesschau zum Nachlesen vom Freitag und Samstag. Eine ebenfalls sehr empfehlenswerte und eindrucksvolle Bildergalerie hat der Spiegel zusammengestellt. Die Tagesschau hat desweiteren eine lesenswerte Bilanz verfasst. Abschließende Schadenssummen dürften erst in einigen Wochen zur Verfügung stehen, vermutlich wird es sich um mehrere Milliarden Euro handeln.

In unserer Region blieb es bei kleineren Schäden. Dennoch verlief der Orkan wesentlich anders als berechnet. Die Modelle rechneten nicht damit, dass sich der Sturm so weit nach Süden ausbreiten würde. Zudem war der Wind speziell in Nordrhein-Westfalen deutlich stärker als berechnet. Die extremen Berechnungen an der Küste bewahrheiteten sich hingegen nicht. Wie der DWD schon in seinem Thema des Tages schrieb, der Orkan wird zwar vielen lange in Erinnerung bleiben, in der Regel gab es aber keine neuen Rekorde. Die „großen Kaliber“ wie Anatol, Kyrill, Vivian oder gar Lothar und Quimburga werden weiter deutlich bedeutender in der Wetter-Historie bleiben.

Die Sturmserie wird auch in den nächsten Tagen nicht abreißen. Am Sonntag folgt ein neues kleines Tief, in der Nacht zu Montag und am Montag selbst sind wieder orkanartige Böen wahrscheinlich.

Schwere Schäden durch Orkantief „Ylenia“

Nach dem schweren Sturm „Nadine“ und dem Sturm „Roxana“ stand am Mittwoch und Donnerstag wieder ein schwerer Sturm an. „Ylenia“ sollte er heißen, vor allem die Kaltfront hatte es in sich.

In der Grafik sehen wir die Konstellation in der Nacht zum 17. Februar, die Bodendruckanalyse des DWD. Sofort ins Auge fällt ein großer Tiefdruckkomplex über dem südlichen Skandinavien. Uns interessiert (zumindest in diesem Beitrag) aber nur die Kerne bei Dänemark sowie deren Frontensysteme. Schauen wir uns die Bedingungen vor der Kaltfront an. Die Werte und Aussagen beziehen sich sowohl auf Radiosondenaufstiege, als auch auf Modellvorhersagen wenige Stunden vor Eintreffen.

Die Berechnungen

Simuliert wurde in allen Modellen einheitlich mindestens eine Linie mit Schauern und Gewittern, die eigentliche Kaltfront. Die meisten Modelle deuteten zudem noch die Ausbildung einer zweiten, präfrontalen Schauerlinie an, dazu hinter der Kaltfront zahlreiche Schauer und Gewitter. Vor der Kaltfront lagen die CAPE-Werte (Erklärung CAPE) bei ca. 100 bis 200 J/kg, dazu gab es eine extrem hohe Helizität (in 0-3 km, keine direkte Aufwindhelizität) von bis zu 800 m²/s², speziell in Thüringen (Helizität bedeutet vereinfacht gesagt den Drang der Luft zu Drehbewegungen). Ab Werten von ca. 200 bis 300 m²/s² ist die Tornadogefahr hoch. Die sog. „low level vertical wind shear“ (vertikale Windscherung in unteren Atmosphärenschichten) erreicht teilweise über 50 Knoten, was die Tornadogefahr nochmals massiv erhöht. Der KO-Index lag bei ca. 0, was eine labile Luftmasse bedeutet (Erklärung KO-Index). Im Großen und Ganzen konnte man also von einer sehr brisanten Ausgangssituation sprechen. All die genannten Parameter (und natürlich noch viele mehr) sprachen für die Ausbildung einer sehr organisierten Kaltfront, teils mit mesozyklonalen Elementen bzw. Bogensegmenten, welche die Möglichkeit einer „Line Echo Wave Pattern“ (LEWP), eine lange Gewitterlinie mit diesen eingelagerten Bogensegmenten, bildeten. ESTOFEX, das „European Storm Forecast Experiment“, gab im Voraus eine Level 3-Warnung heraus, die höchste der Warnstufen. Auch der Deutsche Wetterdienst warnte vor verbreiteten Orkanböen bzw. orkanartigen Böen, speziell an der Kaltfront, aber auch danach. Auch eine regionale Einschätzung war anhand der Modellvorhersagen bereits möglich. Die stärksten Teile der Front wurden zum einen über dem nördlichen Brandenburg, zum anderen im südlichen Brandenburg und in Sachsen simuliert. Das SuperHD-Modell berechnete beispielsweise eine oder mehrere LEWP mit entsprechend mesozyklonalen Elementen in den entsprechenden Regionen, ebenso die anderen hochauflösenden Modelle zumindest ansatzweise. Wie schon angesprochen wurden vor der Front noch einige Schauer bzw. Gewitter modelliert, im ICON-D2-Modell teilweise auch mesozyklonal. Hinter der Front sollte es bis Donnerstagabend zu klassischem Höhenkaltluft-Wetter mit vielen Schauern kommen.

So viel zu den Berechnungen. Hier sei noch anzumerken dass in den Modellen spätestens Mittwochabend eine klare Eingrenzung der Gebiete mit dem höchsten Unwetterpotenzial möglich war, sowohl im Hinblick auf Böen durch ein Runtermischen des Höhenwindes, als auch zum Tornadopotenzial. Hier wäre ein angepassteres Warnmanagement, gerade aufgrund des Potenziales stärkerer Tornados, wünschenswert und diskutabel gewesen.

Radaranalyse

Im Folgenden schauen wir uns die tatsächliche Entwicklung anhand des Radar-Archives an. Es geht zunächst nur um die reine Struktur der Kaltfront, die Messwerte folgen später.

Radarbild 01:15 Uhr

Das Radarbild um 01:15 Uhr MEZ zeigt die Kaltfront bereits sehr weit fortgeschritten. Sie ist als Band klar erkennbar, liegt zum Zeitpunkt etwa auf einer Linie Sauerland – Polnische Ostseeküste. Gerade in Brandenburg ist sie mit mehreren mesozyklonalen Teilen sehr gut organisiert, oft auch gewittrig. Dieser erste Schwerpunkt war ziemlich genau so von den Lokalmodellen berechnet.

Radarbild 02:45 Uhr

Um 02:45 liegt der aktivste Teil der Front von Halle (Saale) bis nach Frankfurt (Oder) und weiter nach Polen. Die bogenförmigen Teile sind eindeutig erkennbar. Hier lag auch der Schwerpunkt der Gewitteraktivität, Wetterleuchten war bis ins Erzgebirge sichtbar. Richtung Westen (gerade NRW) schleift die Kaltfront zunehmend. Auch diese Linie war so von den Lokalmodellen berechnet. Einzig die rotierenden Teile wurden etwas zu offensiv modelliert.

Radarbild 05:15 Uhr

Um kurz nach 05 Uhr sind neben der Kaltfront weitere starke Schauer zu erkennen, speziell im Erzgebirge, teils mit Gewittern verbunden. Die Kaltfront war beim Eintreffen in unsere Region weniger gut organisiert als noch in Brandenburg, hatte es aber durchaus in sich. Postfrontal kam es auch zu Landregen der stärkeren Art.

Bei der Verifikation der Modellvorhersagen in der (Ultra-)Kurzfrist bezüglich Konvektion kann man also sagen: Ins Schwarze getroffen. Die Schwerpunkte wurden sehr genau vorhergesagt.

Messwerte

Beim Blick auf die Messwerte beziehen wir uns auf die offiziellen DWD-Stationen sowie die Stationen wie auf Kachelmannwetter angegeben. Eine Übersicht der Top-10 für Sachsen:

  • 137 km/h in Dresden-Loschwitz
  • 126 km/h auf dem Collmberg
  • 106 km/h in Großpostwitz-Denkwitz
  • 104 km/h in Zinnwald-Georgenfeld
  • 102 km/h in Chemnitz
  • 100 km/h in Carlsfeld
  • 100 km/h in Lichtenhain-Mittelndorf
  • 99 km/h in Marienberg
  • 98 km/h in Leipzig/Halle (Flughafen)
  • 97 km/h in Nossen

Zu Dresden-Loschwitz muss gesagt werden, dass diese Station oft mit sehr hohen Werten auffällt. Dies liegt wahrscheinlich an einer deutlich exponierten Lage, sodass der Wert zwar stimmen sollte, er aber nicht repräsentativ für die Region ist. Einen ähnlichen Sachverhalt gibt es auf dem Collmberg.

Anschließend die fünf Deutschland-Maxima (auch nur DWD):

  • 152 km/h auf dem Großen Arber
  • 151 km/h auf dem Brocken
  • 134 km/h auf dem Leuchtturm Alte Weser
  • 133 km/h auf dem Kahlen Asten
  • 133 km/h in Weinbiet

Auch die Windspitzen wurden relativ gut vorhergesagt. Die lokalen Maxima in Orkanstärke wurden erreicht. Im Flachland wurden an einigen Stationen (s. DD-Loschwitz) auch extreme Orkanböen von 120 bis 140 km/h gemessen, auch dies sagten die Hochauflösenden Modelle gut vorher. Einzig AROME, das französische Lokalmodell, lag mit seinen Windspitzen laut Messwerten etwas zu hoch.

Niederschlagstechnisch ist nur der Erzgebirgsstau erwähnenswert, hier kamen Summen von 20 bis 30 Liter zusammen. Zinnwald-Georgenfeld kam beispielsweise auf insgesamt 27 l/m². Im Stau der Thüringer Mittelgebirge war es hingegen wesentlich heftiger, im Stau des Thüringer Waldes fielen lokal über 35 Liter in kurzer Zeit. Generell kann noch gesagt werden, dass es mit der Kaltfrontpassage oft zu heftigen Starkregenfällen kam, welche einzelne Straßen überfluteten und Keller volllaufen ließen. Bezüglich Schäden kam es zu den klassischen Sturmschäden, die leider drei Menschen das Leben kosteten. In NRW fiel am gesamten Donnerstag die Schule aus, die Bahn kämpfte mit massiven Einschränkungen und Problemen wegen umgestürzter Bäume, zwischenzeitlich wurde der gesamte Bahnverkehr in einigen Teilen Deutschlands eingestellt. Auch Flüge fielen aus. Zudem kam es zu regionalen Stromausfällen, auch in Sachsen. Insgesamt hielten sich die Schäden in Deutschland aber in Grenzen und waren weniger stark als erwartet, die Versicherungssumme beträgt nach vorläufigen Schätzungen wohl etwa eine halbe Milliarde Euro. Mehr oder weniger handelte es sich generell einfach schlichtweg um einen sehr starken Wintersturm, wie er jedes Jahr vorkommen kann. Bemerkenswert hingegen war die Kaltfront, in einem Februar ist das alles andere als gewöhnlich.

Weiter oben wurde von der Gefahr eines oder mehrerer kräftiger Tornados gesprochen. In Deutschland kam es zwar nicht dazu, dafür gab es im Nachbarland Polen wohl acht Tornados (Stand 17. Februar, Quelle siehe eingebetteter Tweet). Es war reiner Zufall, dass diese nur in Polen auftraten (wobei ein Auftreten auch hier in Deutschland nicht ausgeschlossen werden kann, schließlich kann man speziell Nachts Tornados kaum als solche einfach identifizieren). Bei weiteren Informationen werden diese hier natürlich entsprechend ergänzt.

Am Donnerstag (18. Februar) kam es dann noch zu klassischem Rückseitenwetter mit ausgeprägter Höhenkaltluft (Temperaturdifferenzen von teils über 40K ; eine genaue Analyse hierzu würde den Rahmen deutlich sprengen). Nichts wirklich außergewöhnliches, verbreitet kam es zu Schauern und Gewittern, teils mit Graupel und auch der Wind frischte nochmal bis zur Sturmstärke auf.

Höhenkaltluft-Schauer am 18. Februar, aufgenommen bei Freital

Abschließend noch ein paar weiterführende Links:

(abgerufen am 19. Februar)

Der Vorfrühling ist da

Von den Temperaturen unverkennbar, auch in der Natur ist der Frühling eingekehrt. Ein kurzer Beitrag mit ein paar Zahlen und Impressionen dazu.

dwd.de

Um den Beginn der Jahreszeiten in der Natur auszumachen werden die sog. phänologischen Jahreszeiten verwendet. DIese orientieren sich nicht an den Temperaturverhältnissen, sondern am Stand der Natur. In der obigen Grafik sehen wir die „Phänologische Uhr“, Stand 15. Februar. Kennzeichen einer phänologischen Jahreszeit ist immer eine bestimmte Pflanze (bzw. deren Blüte), beim Vorfrühling ist das die Haselblüte.

Im langjährigen Mittel beginnt die Haselblüte etwa am 11. Februar. Dieses Jahr war ca. zwei Wochen zu früh dran, der phänologische Vorfrühling begann schon am 27. Januar.

Vor allem die letzten Tage waren teilweise sehr mild, dazu ausgesprochen sonnig. In der Spitze konnten wir Tageshöchsttemperaturen von bis zu 12°C vermerken, was für Mitte Februar selbstverständlich viel zu mild ist. In Dresden-Strehlen stehen wir aktuell bei einer Abweichung von +4,6 K. Ein paar Impressionen dazu:

Weg zum Obernaundorfer Marktsteig – im Hintergrund das verschneite Erzgebirge

„Wintereinbruch“ mitten im Februar

Nach einem fast frühlingshaft anmutenden Donnerstag beschäftigten uns am Freitag zwei sehr kleinräumige Tiefdruckgebiete. Diese brachten kurzzeitig bis in tiefe Lagen Schnee, etwas weiter oben wurde es sogar richtig winterlich.

Frühlingshaft anmutendes Wetter am 10. Februar

Am Donnerstag (10. Februar) passte das Wetter nun so gar nicht zum Datum. Bis zum Mittag war es verbreitet Sonnig, dazu gab es frühlingshafte Temperaturen. Sachsenweiter Spitzenreiter war die Station Dresden-Strehlen mit 13,4°C. Repräsentativ für die tieferen Lagen im Osterzgebirge kam Dippoldiswalde-Reinberg auf ein Maximum von 11,4°C und sogar Zinnwald-Georgenfeld auf knapp 880 m ü. NN meldete 5,6°C. Die erste Februardekade konnte in der Region somit Abweichugen von 3,5 K (Zinnwald) bis 5,2 K (DD-Strehlen) aufweisen.

Ein kleines Tief in der Nacht zu Freitag erinnerte und dann aber nochmal höflich an die eigentliche Jahreszeit. Die schleifende Kaltfront von Tief „Tanyalak“ brachte teilweise Schneefälle bis weit in die Niederungen. Gab es zunächst bis in die Hochlagen Regen, so ging der Niederschlag allmählich in Schnee über. Am Freitagmorgen lag oberhalb von ca. 300 Metern zunehmend Schnee. Hier kam es aber auch auf die genaue Lage an, denn nicht überall fiel in der Nacht zu Freitag gleich viel. Während Nossen auf 306 m bereits 3 cm Schnee meldete, so lag westlich des Weißeritztales noch kaum etwas (zumindest meldeten dies die automatischen Wetterstationen). Bedeutender war hingegen ein Niederschlagsgebiet, welches die Region von ca. 8 bis 10 Uhr überquerte. Starke Schneefälle zuckerten die Landschaft ab etwa 200m Höhe an, oberhalb von ca. 350 m war es tief verschneit. Genaue Schneehöhen werden wir aber niemals erfahren, denn automatische Wetterstationen mit Schneehöhenmessung (mit zugegebenermaßen sehr ungenauen Werten) melden nur aus Dresden-Klotzsche, Lichtenhain und Zinnwald. Abseits der Gebirge taute der Schnee relativ zügig wieder. Die Schneehöhen am Samstagmorgen (DWD; in Klammern die Meldung vom Vortag):

  • Zinnwald-Georgenfeld: 42 cm (38 cm)
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 26 cm (21 cm)
  • Holzhau: 18 cm (14 cm)

Ein paar Impressionen vom „Stundenschnee“, entstanden am Stieglitzberg bei Obernaundorf (Schneehöhe ca. 2 bis 5 cm):

Nach dem Niederschlag klarte es in der Nacht zu Samstag vielfach auf und seit langem gab es auch im Tiefland wieder Frost. Die Tiefstwerte am Morgen des 12. Februar:

  • Zinnwald-Georgenfeld: -8,1°C
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: -6,1°C
  • Dippoldiswalde-Reinberg: -4,1°C
  • Dresden-Strehlen: -3,0°C
  • Dresden-Klotzsche: -3,0°C
  • Dresden-Hosterwitz: -2,3°C
  • Nossen: -2,2°C

Auch am Samstagnachmittag war der Frost noch in einigen Regionen zu spüren, die Poisenteiche im Poisenwald waren mit einer dünnen Eisschicht überzogen und in geschützten Lagen herrschte weiter leichter Bodenfrost.

Poisenteiche, gespeist vom „Fütterungsgraben“

Kurze Bilanz zu Sturmtief „Roxana“

Am Sonntag, den 06. Februar kam es nach „Nadine“ zu einem weiteren Sturm. Nachdem wir gestern schon das Rückseitenwetter am Montag betrachteten, soll heute der Fokus nochmal auf dem Sturm an sich liegen.

Auf der nebenstehenden Karte sehen wir die Position des Sturmtiefs über Skandinavien. Zusammen mit dem Azorenhoch kommt es zu zu einer klassisch starken Westströmung mit Sturmpotenzial. Beim Verhältnis Azorenhoch-Islandtief spricht man vom NAO-Index. Dieser ist aktuell klar positiv, was bedeutet, dass die Wetterlage sehr zonal (West-Ost-Ausrichtung) ausgerichtet ist. Je nach Einfluss der Tiefdruckgebiete ist es stürmisch/regnerisch oder einfach nur trüb.

Der Wind spielte diesmal eine eher untergeordnete Rolle. Die Windspitzen in Sachsen:

  • 119 km/h auf dem Collmberg (LK Nordsachsen, stark exponierte Lage)
  • 107 km/h in Chemnitz
  • 95 km/h in Zinnwald-Georgenfeld (LK SOE)
  • 86 km/h in Leipzig (Flughafen)
  • 83 km/h in Dresden (Flughafen)

Der Collmberg in Nordsachsen kann immer für einer Abschätzung des Potenziales einer Sturmlage herbeigezogen werden, da die Messstation sehr exponiert ist. Durch fehlende Durchmischung konnten sich die Böen in Orkanstärke diesmal allerdings kaum bis ins Flachland durchsetzen.

Ein weiterer Punkt war diesmal der Niederschlag. In Westdeutschland, speziell in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, kamen teilweise hohe Regensummen zusammen, oft ein ganzes Monatssoll an nur einem Tag. Spitzenreiter bei den Regensummen war Königsbach-Stein (BW) mit fast 60 Litern in 24 Stunden, was lokal zu Überflutungen führte. In unserer Region blieb es regentechnisch entspannter. Im Ost-Erzgebirge wurden Summen von 10 bis 20 l/m² gemessen, weiter im Flachland waren es oft nicht einmal 10 Liter. Eine Ausnahme bildete aber die Sächsische Schweiz und das Zittauer Gebirge. Durch langanhaltende Stauniederschläge fielen hier teils bis zu 30 l/m² Niederschlag.

Die Schäden durch Sturm hielten sich in der Regel in Grenzen, es blieb meist bei einzelnen umgestürzten Bäumen und entsprechenden Auswirkungen, allerdings auch einigen Verletzten. Ein paar Links dazu, auch mit einem ausführlicherem Bericht zu den Hochwassern:

Links jeweils abgerufen am 10. Februar

Klassisches Rückseitenwetter mit langlebigen Schauerzellen

Rückseitig von Sturmtief „Roxana“ kam es zu einer klassischen Höhenkaltluftlage mit vielen Schauern und teils auch Gewittern. Wie schon im Titel erwähnt waren einige Schauer auch sehr langlebig.

Radarbild; (c) wetterzentrale.de

Wie auf obigem Radarbild unschwer zu erkennen erstreckte sich am Mittag des 07. Februar eine Schauerstaffel von der Nordsee bis zum Erz- und Fichtelgebirge. Ursache in diesem eigentlich klassischen Aprilwetter war ein enormer Temperaturgradient in der Höhe. Nehmen wir dazu beispielhaft den Radiosondenaufstieg von Lindenberg (Brandenburg) am 07. Februar um 07 Uhr. In 7000 Metern Höhe wurde zum Zeitpunkt eine Temperatur von ca. -48°C gemessen. Gleichzeitig lag die Temperatur in 2 Metern über dem Boden bei +2°C. Das macht eine Temperaturdifferenz von 50 Grad, was wirklich enorm ist.

Durch diese starken Temperaturgegensätze konnten sich etwaige Schauer auch entsprechend lange halten. Einen Schauer scheuen wir uns nun genauer an.

(c) wetterzentrale.de

Im Radarbild von 15 Uhr wurde der entsprechende Schauer in unserer Region markiert. Speziell südlich von Wilsdruff konnte der Schauer eine Reflektivität von ca. 50 bis 55 Dezibel aufweisen. Das bedeutet in etwa eine Regenrate von lokal 40 bis 70 mm/h (hätte es eine Stunde lang in der Intensität wie im Core (Zentrum) des Schauers geregnet, so wären Mengen von bis zu eben diesen 40 bis 70 mm zusammengekommen; trotz sehr hoher Radar-Auflösung von 250 m sind hier keine ganz genauen Angaben möglich). Das ist mehr als ein Monatssoll und hätte definitiv für Überflutungen gesorgt. Der Schauer zog allerdings mit etwa 70 km/h, weshalb der stärkste Niederschlag (hier in Form von Graupel und Schnee) nur wenige Sekunden andauerte.

(c) wetterzentrale.de

Dieses Radarbild von 08:30 zeigt etwas bemerkenswertes: genau der gleiche Schauer wurde bereits kurz nach 8 Uhr auf dem deutschen Radar registriert. Aufgelöst hat er sich erst um etwa 16:30 Uhr bei Prag:

https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/tschechische-republik/20220207-1525z.html

Der Schauer (zeitweise gewittrig, u.A. bei Rabenau (Sachsen)) konnte also eine Lebensdauer von über acht Stunden aufweisen. In Dresden wurden am Rande des Schauers Sturmböen von knapp 80 km/h registriert.

Mit einer guten Fernsicht konnte man den Schauer in seiner ganzen Schönheit bewundern. Auf dem folgenden Bild blickt man über Freital, wovon durch die enorme Intensität aber nicht mehr wirklich viel zu sehen war:

Ruppiger Kaltfrontdurchgang mit eingelagerten Gewittern

Eine gut organisierte, beinahe lehrbuchhafte Kaltfront überquerte Deutschland am Freitagabend und in der Nacht zu Samstag. Durch die relativ gute Organisation der Kaltfront wurden schon im Voraus schwere Sturmböen erwartet, auch sollte die Front teils gewittrig durchsetzt sein.

Am Freitagnachmittag erreichte die Front bereits den äußersten Nordwesten. Kurzzeitig kam es zu stärkerem Regen und auch zu einzelnen Sturmböen sowie lokal zu Blitz und Donner. Nördlich der Altmarkt schwächte sich die Front ab dem Abend ab.

http://www.wetterzentrale.de

Am späten Abend gegen 23:30 Uhr erstreckte sich die Kaltfront vom Schwarzwald bis in die Lausitz. Verbreitet kam es zu (schweren) Sturmböen, auch in unserer Region. Lichtenhain-Mitteldorf in der Sächsischen Schweiz registrierte eine Böe von 91 km/h, Dresden-Klotzsche 88 km/h.

Zusammen mit einem starken Druckanstieg kam es zu einem kräftigen Temperatursturz um fast 5K (K=Kelvin, gleiche Schrittweite wie °C). Die Niederschlagsmengen waren hier wenig erwähnenswert. Postfrontal kam es noch zu einzelnen Schauern, teils mit Graupel, ehe es klassisch auflockerte und den Samstag in einen freundlichen Gesamteindruck rückte.

Sturmtief „Nadine“ Ende Januar verursacht schwere Schäden

Am 29. und 30. Januar 2022 beschäftigte uns der erste Sturm des Jahres. „Nadine“ brachte schwere Sturmböen bis ins Tiefland, an den Küsten gab es bei einer starken Sturmflut vollen Orkan. Schauen wir uns die Entwicklung etwas genauer an.

Lage von „Nadine“ am 30. Januar 00z Quelle: www.wetterzentrale.de

Das angesprochene Tiefdruckgebiet zog am 29. Januar unter Verstärkung von Grönland bis zur Ostsee, über welcher es den stärksten Kerndruck hatte. Die Station Koekar Bogskaer in der Ostsee registrierte am 30. Januar um 01 Uhr MEZ einen Luftdruck von 961,3 hPa. Bereits am Nachmittag des 29. wurden in Schleswig-Holstein Windböen in Orkanstärke bzw. orkanartige Windböen registriert. Der Sturm erreichte in der Nacht zu Sonntag seinen Höhepunkt, in Kiel gab es Windböen von über 140 km/h. Diverse andere Stationen in Küstennähe meldeten Böen bis über 150 km/h.

In Sachsen stand der Höhepunkt des Sturmes erst noch bevor, wenngleich exponierte Stationen wie der Collmberg (LK Nordsachsen) bereits orkanartige Böen meldeten. Bis zum Mittag wurden flächig schwere Sturmböen gemeldet, ehe sich das Wetter beruhigte.

Stärkste Windböen in Sachsen:

  • 113 km/h auf dem Collmberg (LK Nordsachsen)
  • 109 km/h in Großpostwitz-Denkwitz (LK Bautzen)
  • 96 km/h in Nossen (LK Meißen)
  • 94 km/h in Oschatz (LK Nordsachsen)
  • 92 km/h in Zinnwald-Georgenfeld (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
  • 92 km/h in Lichtenhain-Mittelndorf (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
  • 91 km/h in Dresden (Flughafen)
  • 90 km/h in Hoyerswerda (LK Bautzen)
  • 90 km/h in Chemnitz

Auch in unserer Region kam es teilweise zu größeren Schäden. Die folgenden Bilder sind am Morgen des 01. Februar im Poisenwald entstanden.

In Noddeutschland waren die Schäden aber um einiges heftiger. Teilweise kam es zu massiven Überschwemmungen. Ganze Strände einiger Nordseeinseln wurden weggespült. Ein Mensch stirbt. Dazu ein paar weiterführende Links:

Links jeweils abgerufen am 03. Februar 2022