Zweite Hitzewelle des Jahres – Dürre hinterlässt erste sichtbare Schäden

Nach einer teilweise frostigen Nacht stand eine neue Hitzewelle an, die zweite des laufenden Jahres. Wir schauen diesmal weit über den Tellerrand und blicken auch auf das wütende „stille Unwetter“, die Dürre.

trockene Wiesen, trockene Felder und ein mehr als angeschlagener Wald…

Synoptik

Genau einen Monat nach der historischen Juni-Hitzewelle stand die zweite große Hitze des Jahres an. Synoptisch wurde vieles schon im Bericht vom 17. Juli erklärt. Der Osteuropa-Trog ist zwei Tage später weiter nach Russland gezogen, das zugehörige Bodentief liegt in etwa über dem Ural. Östlich eines Troges vor der französischen Atlantikküste hat sich ein Höhenrücken bis ins westliche Skandinavien aufgebaut. Bodennah sind über Mitteleuropa keine klaren Druckverhältnisse auszumachen.

Deutschland

In Sachsen war die Hitzewelle wenig besonders. Die sachsenweit höchste Temperatur wurde in Bad Muskau mit 38,1°C gemessen, Dresden-Strehlen registrierte am 20. Juli einen Tageshöchstwert von 37,2°C. Dippoldiswalde-Reinberg meldete 34,3°C, Zinnwald-Georgenfeld verfehlte einen Hitzetag um 1,7 K. Neue Julirekorde wurden nur an wenigen sächsischen Stationen registriert.

Blickt man auf Gesamt-Deutschland, so stellt sich die Hitze wesentlich historischer dar. Schauen wir uns zunächst die Höchsttemperaturen am 19. Juli an:

  • Duisburg-Baerl (NW): 39,5°C
  • Geilenkirchen (Flugplatz; NW): 39,3°C
  • Tönisvorst (NW): 39,2°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 39,1°C
  • Heinsberg-Schleiden (NW): 38,8°C

In Emstetten (Meteomedia/dtn-Messnetz) wurden bereits 40,0°C gemessen. Zum einen zählt dieser Messwert allerdings nicht zum ofiziellen DWD-Netz, zum anderen gibt es erhebliche Zweifel an der Verwendbarkeit dieses Wertes. J. Kachelmann kritisiert unter anderem einen nicht intakten Strahlungsschutz. Noch gab es nur wenige Allzeitrekorde, dies sollte sich aber am 20. Juli ändern:

  • Bad Neunkirchen-Mergentheim (BW): 40,3°C
  • Hamburg-Neuwiedenthal: 40,1°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 40,0°C
  • Huy-Pabstorf (SH): 40,0°C
  • Wendisch Evern (NI): 39,9°C

Zunächst zum Wert aus Bad Mergentheim: Der Deutsche Wetterdienst wird diese Messung zwar nicht gänzlich annulieren, sie allerdings nicht als Rekord werten. Ursächlich hierfür ist ein relativ ungünstiger Standort mit zu viel Bewuchs und Bebauung, siehe dazu einen Tweet der DWD-Pressestelle vom 21. Juli. Baden-Württemberg hat daher keinen neuen Hitzerekord aufgestellt.

Die eigentliche Aufmerksamkeit liegt allerdings auf den historischen Höchstwerten im Norden Deutschlands. Dort kannte man diese „Dimensionen“ der Temperatur bisher nicht, 40°C gab es in Hamburg seit Beginn der Aufzeichnungen nicht.

Unter den Top-50 der heißesten DWD-Wetterstationen Deutschlands gab es nur drei Stationen ohne einen neuen Allzeit-Hitzerekord. Besonders bemerkenswert ist aber wie schon beschrieben nicht die Hitze an sich, sondern die Orte mit den heißesten Temperaturen. Die klassischen „Hitze-Hotspots“ wie der Oberrheingraben waren kaum betroffen.

Lage in Großbritannien und Frankreich

In Großbritannien erreichte die Hitzewelle am 19. Juli 2022 ihren Höhepunkt. Die Heißluftmassen sind ungewöhnlich weit nach Norden voran gekommen. Im 850 hPa-Niveau befanden sich die wärmsten Luftmassen über dem Süden Englands mit Höhenwerten von 23°C bis 25°C. Am Boden (2 m Höhe) wurden die höchsten Werte allerdings an der Ostküste gemessen. An der Südküste war schlichtweg der Ärmelkanal als „Kühlung“ zu nah.

Die Hitzewelle stellte in Großbritannien einen neuen Allzeitrekord auf. In Coningsby (England), ziemlich an der Ostküste, wurden am 19. Juli 40,3°C gemessen. Selbst in Schottland gab es – für dortige Verhältnisse – extreme Hitze mit bis zu 35,1°C in Floors Castle, auch dies ist ein neuer Allzeitrekord.

Kurz noch ein Blick ins hitzeerprobtere Frankreich: Im Westen des Landes lagen die Höchsttemperaturen bei 37°C bis 43°C. Es gab hier zwar keinen neuen nationalen Hitzerekord, zahlreiche Stationsrekorde wurden allerdings gebrochen.

Ausräumen ohne nennenswerte Niederschläge

Zum wiederholten Mal ging das Ausräumen der Heißluft ohne nennenswerte Niederschläge oder gar Gewitter einher. Die „höchste“ Regensumme der Region wurde in Rechenberg-Bienenmühle-Holzhau mit 2,8 mm gemessen, in Dippoldiswalde-Reinberg fielen immerhin noch 2,1 mm in den Regenmesser. Auf dem Papier war nicht viel zu holen. Ein Mix aus turbulenter Höhenströmung, Erzgebirgs-Lee sowie dem Outflow einer Schauerlinie zwischen Radeberg und Altenberg (Radarbild zum Zeitpunkt) brachte immerhin eine ansehnliche Kombination aus Asperatus-Wolken und einem schwachen Böenkragen hervor:

Das „stille Unwetter“ Dürre

Da Trockenheit zunächst einmal keine unmittelbaren Schäden, wie zum Beispiel Überflutungen oder Hagelschlag, nehmen viele Menschen Dürre wenig direkt wahr. Am Nachmittag des 24. Juli liegt der Elbepegel in Dresden bei 71 cm bei einem Durchfluss von 106 m³/sek. Dies ist im Bereich des mittleren Niedrigwassers. Hätte es in Tschechien vor einigen Tagen/Wochen keine Starkniederschläge gegeben, wäre die Elbe inzwischen vermutlich bei einem bedrohlich niedrigen Wasserstand.

Wesentlich angespannter ist die Situation aktuell an kleinen Bächen bzw. der gesamten Vegetation. Wiesen und Felder sind völlig ausgetrocknet. Während sich erstere bei den nächsten Regenfällen ziemlich wahrscheinlich erholen werden, führt die Trockenheit aktuell zu massiven Ernteeinbußen der Landwirte. Auch das gesamte Ökosystem Wald ist aktuell mehr als gefährdet. Lokal sieht es aus wie im Herbst, Bäume werfen die Blätter ab oder sind schon völlig vertrocknet:

Für unzählige, schon geschwächte Fichten dürfte der Sommer 2022 der Todesstoß sein. Nach den Sommern 2018, 2019 und 2020 benötigte es jetzt eigentlich großräumige Landregenfälle, stattdessen sind bis auf weiteres keine „brauchbaren“ Regensummen zu erwarten. Auch die Laubbäume geben zunehmend „den Geist auf“ und versuchen sich durch Blattabwurf irgendwie durchzuschleppen.

Ein Waldsterben hat speziell mittel- bis langfristig erhebliche Folgen, auch für die Bevölkerung. Generell werden die Wälder anfälliger für Schäden durch Ereignisse jeder Art (Wind, Hagel, Starkregen, Insekten (z. B. Borkenkäfer), kürzere Trockenzeiten). Borkenkäfer-Holz hat schlechtere Heizwerte als gesundes Fichtenholz und kann wesentlich schlechter verarbeitet werden, somit gibt es Einbußen in der Forstwirtschaft. Desweiteren wird der Boden wesentlich anfälliger für Erosion, was auch die Gefahr von Überschwemmungen oder gar Hangrutschen birgt.

Bereits am Montag wird wieder Hitze erwartet. Bis zu 37°C werden berechnet. Es geht zwar recht schnell wieder etwas kühler weiter, bis auf lokale Ereignisse wird es bis auf weiteres keine Niederschläge geben:

Ensemble GFS 06z vom 24. Juli: Jede Linie zeigt einen Lauf, sog. Member. Sämtliche Signale auf Niederschlag sind äußerst verhalten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..