Archiv für den Monat August 2022

Weitere Regenfälle und Gewitter – Update zur Bodenfeuchte-Situation

In den vergangenen Tagen gab es weitere, teilweise unwetterartige Regenfälle, durchsetzt von Gewittern. Nach der langen Trockenperiode seit März ist für die Natur jeder Regen willkommen, lokal gab es aber auch Überflutungen.

DWD-Bodenanalyse (zum Vergrößern klicken)

Ähnlich wie schon am vergangenen Wochenende gestalteten sich auch die vergangenen beiden Tage sehr verregnet. Ursache war erneut eine flache, gradientarme Tiefdruckrinne über der Mitte, dem Süden und Osten Deutschlands.

Bereits am Freitag (26. August) entwickelten sich in einer schwül-warmen Luftmasse verbreitet starke Gewitter mit lokal sehr hohen Regenmengen. In Dresden-Strehlen reichte es zuvor nochmal für einen Hitzetag, in Summe Nummer 10 des laufenden Monats und Nummer 24 des Jahres. Was folgte, waren nahezu stationäre Gewitterzellen und sehr große lokale Unterschiede. Auf wenigen Kilometern war von „nix“ bis zu Überflutungen alles anzutreffen. Einen guten Eindruck davon kann man sich mit den kalibrierten Radarsummen verschaffen. Die landkreisweit höchste 24-Stunden-Regenmenge gab es östlich von Stolpen zwischen Lauterbach und Rückersdorf an der Grenze zum Landkreis Bautzen, die Radaranalyse gibt hier eine Summe von 140 Litern aus. Fast völlig trocken blieb es am Freitag vom Tharandter Wald bis in die Dresdner Altstadt. Die gemessenen Regensummen waren aufgrund des zu dünnen Messnetzes unauffällig.

„Popcorn-Lage“ oder „Streuselkuchen“ am Mittag des 26. August; (c) wetterzentrale.de

Weitere Regenfälle folgten am Samstag, diese hatten allerdings eher Landregen-Charakter mit kleinräumigen, konvektiven Durchsetzungen. Von Samstag 04:50 Uhr bis Sonntag 04:50 Uhr war nahezu der gesamte Landkreis von kräftigen Regenfällen betroffen. Regenmengen über 50 Liter pro Quadratmeter gab es zum einen von Dippoldiswalde bis zum Erzgebirgskamm, zum anderen auch in der vorderen Sächsischen Schweiz.

Auf die Fläche gesehen wird der August beim Niederschlag unauffällig ausfallen. Das sächsische Flächenmittel liegt hier aktuell genau im Durchschnitt, beim Sommer werden wir bei etwa 70 Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990 landen. Ohne die Regenfälle der letzten 2 Wochen wären es vermutlich nur 40 Prozent geworden. Von Dresden bis in die Hintere Sächsische Schweiz sind seit Monatsbeginn auf die Fläche gesehen ca. 50 mm bis 120 mm Niederschlag gefallen. Im Osterzgebirge sind es verbreitet 90 mm bis lokal 200 mm geworden. Auch hierzu seien jedem näher Interessierten die kalibrierten Radarsummen zu empfehlen.

Dazu einige weiterführende Artikel zu den Unwettern in Sachsen:

Stellvertretend für das Osterzgebirge kann man am Meteogramm für Dippoldiswalde-Reinberg die zeitlich äußerst ungünstige Verteilung des Niederschlages sehen. Mehr als die Hälfte des gesamten Niederschlages in den drei Sommermonaten fielen in nur vier Tagen. Hier wird auch der Gesamtsommer mit 84 % des durchschnittlichen Niederschlages unauffällig ausfallen, sodass in der Sachsen-Statistik kein „Dürresommer 2022“ auftauchen wird. Im Deutschlandmittel sieht das natürlich etwas anders aus.

Wie im Titel geschrieben nun ein Update zur aktuellen Bodenfeuchte-Situation, stellvertretend verwenden wir wieder Dippoldiswalde. Eine stets aktuelle Übersicht gibt es im „Dürre-Spezial„.

Mit Stand der Berechnungen vom 28. August ist aktuell bis in eine Bodentiefe von 40 cm eine teilweise deutliche Entspannung erkennbar. Bis in 30 cm Tiefe ist sogar der Optimalzustand wiederhergestellt worden. In den nächsten Tagen wird es auch in tiefer gelegenen Bodenschichten langsam feuchter werden, von oben kommt allerdings bis auf weiteres nichts nach.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf die Phänologische Uhr: Mit der Fruchtreife vom Holunder sind wir im Frühherbst! Minimal früher als im langjährigen Durchschnitt, allerdings völlig im Rahmen wurde am 18. August der Spätsommer beendet.

Endlich Regen! Doch der Eindruck täuscht…

Am Wochenende kamen sie endlich, die lang ersehnten Regenfälle. Oft kam deutlich mehr als erwartet zusammen, zur Freude der Vegetation. Aber es gibt wieder mal starke regionale Unterschiede.

Mehrere Monate haben wir auf ergiebige, nachhaltig nützliche Niederschläge gewartet. Wenn es regnete, dann entweder nur bei lokalen Schauern und Gewittern, oder aber sämtlicher Niederschlag war nach wenigen Stunden wieder vollständig verdunstet. In der zweiten Hälfte der vergangenen Woche bildete sich eine Tiefdruckrinne aus, welche vor allem dem Süden und Osten hohe Regenmengen brachte. In einigen Medien wurde die Wetterlage auch als „Vb-Wetterlage“ bezeichnet, ein klassisches Vb (gesprochen: Fünf-B) entwickelte sich aber nicht. Hierzu müsste sich ein Tiefdruckgebiet über dem Golf von Genua entwickeln bzw. verstärken, um anschließend nach Norden zu ziehen. Das berühmteste Beispiel für ein Vb-Tief ist sicherlich das Jahrhunderthochwasser 2002.

Bereits im Voraus waren sich die Wettermodelle sehr uneins, wie genau sich die Regenfälle verteilen werden. Einen Eindruck von diesen Unsicherheiten kann man sich unschwer im Modellkarten-Archiv von Kachelmannwetter machen. Ziemlich sicher war, dass der Süden Bayerns und Baden-Württemberg viel Niederschlag zu erwarten hat. Dies traf auch in etwa so ein, der Deutsche Wetterdienst bewarnte genannte Gebiete zeitweise mit der höchsten Warnstufe vor Dauerregen.

Im Thema des Tages vom 18. August befasste sich der Deutsche Wetterdienst bereits mit den enormen Unsicherheiten. Eine Auswertung hierzu wurde im Thema des Tages vom 23. August vorgenommen.

Im Österreichischen Schwarzach unweit der deutschen Grenze wurden beispielhaft in 24 Stunden über 200 mm gemessen. Sachsen war von den Niederschlägen schwerpunktmäßig am 20. und 21. August betroffen. Ab der Nacht zum 20. August näherte sich aus Süden ein teils konvektiv durchsetztes Regengebiet, welches einige Stunden stationär verweilen wollte. Weitere Regenfälle gab es in der Nacht zum 23. August. Die akkumulierten Regenmengen von fünf ausgewählten Stationen der Region vom 19. August (jeweils 8 Uhr MESZ; sortiert nach höchster Regenmenge):

  • Dippoldiswalde-Reinberg: 86,4 mm
  • Zinnwald-Georgenfeld: 76,9 mm
  • Dresden-Strehlen: 64,9 mm
  • Dresden-Klotzsche: 56,0 mm
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 38,6 mm

Angaben ohne Gewähr, Datenquelle: DWD OpenData

Die höchsten Mengen gab es vor allem in einem Streifen von Moritzburg bis nach Zinnwald. Empfehlenswert sind auch die kalibierten Radarsummen über 72 Stunden, welche die Schwerpunkte sehr anschaulich darstellen.

Starkregenschauer am 14. August bei Bannewitz

Das Monatssoll für den August wurde damit allerdings nur lokal erreicht. Im Osterzgebirge hat dies (auf die DWD-Stationen bezogen) nur Dippoldiswalde-Reinberg geschafft, bei ca. 120 % (Stand: 23. August 08 Uhr) stehen wir dort aktuell. Nah dran ist inzwischen unter anderem Lichtenhain-Mittelndorf, was hier aber nicht ausschließlich auf den vergangenen Dauerregen, sondern auf ein lokales Regenereignis am 15. August zurückzuführen war (siehe auch den Beitrag „Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen“). Rund um Bärenfels und Kipsdorf (s. kalibrierte Radarsummen) fielen lokal eng begrenzt in diesem Monat 100 bis 120 l/m², auch hier dürfte das Monatssoll erreicht sein. Als gegenteiliges Beispiel kann Dresden-Hosterwitz herangezogen werden: Zum Erreichen der durchschnittlichen Regenmenge fehlen immer noch über 35 %. Zumindest der Pegel der Elbe hat sich wieder etwas erholen können, bei den kleineren Nebenflüssen ist noch keine Entspannung erkennbar.

Die Regenfälle wirken sich selbstverständlich auch auf die Bodenfeuchte aus. Dazu abschließend zwei Grafiken des DWD für Dippoldiswalde sowie Deutschneudorf (abgerufen am 23. August):

Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen

Sonnenanbeter kommen dieser Tage gänzlich auf ihre Kosten, bis auf den Samstag schien die Sonne in der vergangenen Woche fast von früh bis spät. Die Temperaturen pendeln auf einem sommerlichen Niveau und die Trockenheit geht weiter.

In der obigen Galerie sehen wir die Entwicklung der Großwetterlage der vergangenen fünf Tage. Zunächst hat sich von den Azoren bis nach Sibirien eine umfangreiche Hochdruckzone entwickelt, im Großwetterlagenkatalog nach Hess und Brezowski wird diese Wetterlage Hochdruckbrücke Mitteleuropa genannt. Durch einen Trogvorstoß über dem östlichen Nordatlantik sowie die Entwicklung eines Kaltlufttropfens über Ost-/Mitteleuropa wurde die Hochdruckbrücke durchbrochen und es hat sich wieder die bekannte Wetterlage des bisherigen Sommers eingestellt, der Trog Westeuropa. Er pumpt wieder subtropische Heißluft nach Mitteleuropa.

Nach der großen Hitze Anfang August mit Höchsttemperaturen von bis zu 37°C kühlte es in der vergangenen Woche etwas ab. Die Ostströmung hat zur Folge, dass es nur mäßig warm wurde, die 30°C-Marke wurde nach dem 05. August bisher nicht mehr erreicht. Auch die Tiefsttemperaturen waren äußerst angenehm und gut zum Durchlüften, das Erzgebirge meldete sogar mehrfach Frost. Selbst in Dresden gab es zeitweise nur einstellige Tiefsttemperaturen.

Altocumuli am 11. August 2022

Angesprochen wurde bereits der Kaltlufttropfen, in der Meteorologie auch gerne als „Höhen-Ei“ bezeichnet. Diese erschweren die Wettervorhersage erheblich, da ihre Zugbahn nur schwer zu berechnen ist. Unter einem Kaltlufttropfen versteht man eine Art „Blase“ mit kälterer Luft in der Höhe, welche gerne für starke Bewölkung, Regen oder, je nach Setup, auch für Gewitter sorgt.

Sonnenaufgang am 13. August

Dieser Kaltlufttropfen machte sich vor allem durch zeitweise Bewölkung bemerkbar. Am Samstag (13. August) gab es seit langem mal wieder einen relativ trüben Tag. Lausitz und Osterzgebirge waren dabei die bewölktesten Regionen, Dresden-Klotzsche (Flughafen) meldete nur ca. 1,7 Sonnenstunden, welche überwiegend am Morgen sowie am Abend gemessen wurden. Einzelne schwache Schauer waren dabei, überwiegend waren die Mengen aber nicht im „ernstzunehmenden“ Bereich. In Zinnwald-Georgenfeld wurden es immerhin 0,7 mm.

Die Vegetation ist teilweise nur noch spärlich vorhanden – die Bilder könnten auch unschwer aus der Steppe stammen

Die kommende Woche dürfte zumindest lokal eine minimale Liderung der Dürre bringen – Schauer und Gewitter stehen an. Zudem wird es wieder heiß. In der zweiten Wochenhälfte könnte es möglicherweise ergiebigere Regenfälle geben, dies ist allerdings noch sehr unsicher.

Extreme Dürre setzt sich fort – Neuer Rekordsommer?

Bisher war der Sommer viel zu trocken – seit März steckt Sachsen in einer außergewöhnlichen Trockenperiode fest, das Wort „Dürre“ trifft es viel besser. In vielen Bundesländern ist der trockenste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn nicht unwahrscheinlich, auch bei der Temperatur werden wir wohl in den Top-5 der heißesten Sommer seit 1881 landen.

Pünktlich zum 01. August hat im Deutschlandmittel der phänologische Spätsommer begonnen, zwei Tage früher als im langjährigen Durchschnitt. Bis auf den phänologischen Winter und Vorfrühling lagen bisher alle Jahreszeiten bzgl. der Dauer relativ gut im Schnitt. Alles in Ordnung also? Mitnichten:

Zahlreiche Bäume leiden unter extremen Trockenstress. Das „harmloseste“ ist dabei wohl noch das „herbstliche Flair“ durch Blattverfärbung, einige Bäume haben schon ihr gesamtes Blattwerk abgeworfen oder sind teilweise völlig abgestorben. Vertrocknete Wiesen gehörten, spätestens seit dem Dürresommer 2018, zum Erscheinungsbild der Sommermonate, der Sommer 2022 legt allerdings nochmal nach und entlaubt durch fehlende Regenfälle ganze Wälder:

Insbesondere die eigentlich sehr robusten Birken fallen aktuell mit sehr intensiver Laubfärbung auf, viele dieser Bäume sind schon völlig kahl. Anders als bei der Borkenkäfer-Plage 2018-2020 sind nun nicht mehr hauptsächlich Fichten-Monokulturen betroffen, auch heimische Laubmischwälder haben unübersehbar mit der Dürre zu kämpfen. Viele Bäume hatten 2022 ein Mastjahr, auch aufgrund des relativ nassen Sommers 2021. Unter einem Mastjahr versteht man einen sehr starken Blütenansatz im Frühjahr, besonders Fichten fielen mit einer sehr starken Blüte auf. Dies raubte den Bäumen viel Energie und schwächte sie zusätzlich. Fichtenwälder, welche die Sommer 2018 bis 2020 relativ gut überstanden haben, bekommen dieses Jahr wieder massive Probleme. Die Landschaft ähnelt zunehmend, etwas überspitzt gesagt, einer Savanne, die Versteppung ganzer Landstriche in Deutschland ist zunehmend sichtbar (siehe Titelbild).

Neben den Wäldern leidet auch die Landwirtschaft sehr, besonders die Maisernte dürfte in Südwest- und Ostdeutschland teilweise ein Totalausfall werden. Einen Beitrag aus dem Südwesten gibt es im Wetter-Ticker von Wetteronline.

Ein besonders starkes Niederschlagsdefizit gibt es in diesem Sommer in den Mittelgebirgen. Von der Pfalz und dem Oberrhein bis in die Lausitz, aber auch im Norden Bayerns, in Hessen und bis an die Ostsee fehlt viel Regen. Die Niederschlagsmengen fünf ausgewählter Stationen im met. Sommer in unserer Region (Stand 10. August; Prozentangaben bezogen auf das Mittel 1961-1990):

  • Dresden-Strehlen: 48,2 l/m² (18 %)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 69,0 l/m² (28 %)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 69,7 l/m² (30 %)
  • Zinnwald-Georgenfeld: 117,4 l/m² (40 %)
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 148,7 l/m² (51 %)

Die höchsten Regensummen gab es klassisch im Erzgebirge. Dazu muss man aber sagen, dass die Summen aus Zinnwald und Deutschneudorf von zwei Einzelereignissen stark geprägt waren. An beiden Stationen fanden diese am 27. Juni statt, Zinnwald-Georgenfeld meldete eine 24h-Niederschlagssumme von 35,0 l/m², Deutschneudorf-Brüderwiese sogar 78,4 l/m². Letzterer Wert nimmt aktuell Platz 4 für die höchste Tagesniederschlagssumme des Sommers ein.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Dienstag eine Grafik bezüglich der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Im Deutschlandmittel wird dieser Rekord aktuell durch den Sommer 1911 (123,9 l/m²) gestellt, gefolgt von 2018 (129,4 l/m²). Der Sommer 2022 steht aktuell bei 103,1 l/m² deutschlandweit, im Sachsen-Mittel bei 77,5 l/m² (Rekord: Sommer 1904 mit 87,5 l/m²). In der nächsten Woche könnte es durch ein Höhentief Niederschläge geben, flächig wird dies allerdings nicht zur Linderung der Dürre beitragen. Auch die dritte Augustdekade bietet noch etwas Spielraum.

Bei der Mitteltemperatur steht der Sommer 2022 aktuell bei 18,9°C (Sachsen: 19,2°C). Im Deutschlandmittel ist 2003 mit einer Mitteltemperatur von 19,65°C aktuell das Maß der Dinge, auf Sachsen bezogen gab es 2019 mit einer Mitteltemperatur von 19,9°C den wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Angesichts der kommenden, voraussichtlich sehr warmen zweiten Augustdekade kann nicht ausgeschlossen werden, dass 2022 den wärmsten Sommer seit 1881 stellen wird. Stand jetzt wird es wohl nicht zu einem neuen Rekord reichen, ein Platz in den Top-5 scheint aber sehr wahrscheinlich. Tagesaktuelle Daten gibt es auf mtwetter.de.

Frostiges Erzgebirge

Nach einer Hitzewelle ist eine Abkühlung sicherlich immer willkommen. Im Erzgebirge wurde aus der Abkühlung Boden- und Luftfrost – nicht zum ersten Mal in diesem Sommer.

Reif auf Efeublättern – Symbolfoto

Rückseitig einer Kaltfront gab es ab der Nacht zum Samstag (06. August) einen Kaltlufteinbruch aus Norden. Während die meisten Regionen davon nur einstellige bzw. niedrig zweistellige Tiefsttemperaturen abbekamen, erwischte es das Erzgebirge erneut mit Frösten.

Marienberg-Kühnhaide

Mit einer Tiefsttemperatur von -1,7°C wurde es in der Nacht zum 07. August in Marienberg-Kühnhaide am kältesten. Die Ortschaft liegt in einer Senke im mittleren Erzgebirge und ist sehr oft der kälteste Ort Deutschlands. 5 cm über dem Erdboden sank die Temperatur sogar auf -4°C. Aktuelle Wetterdaten aus Kühnhaide gibt es unter anderem im Wetternetz Sachsen: Wetterstation Marienberg-Kühnhaide

Deutschneudorf-Brüderwiese

Der zweite „Kälte-Hotspot“ war Deutschneudorf-Brüderwiese. Zusammen mit Eslohe im Sauerland wurde dort mit 3,0°C die niedrigste Temperatur im offiziellen Messnetz registriert. Bodennah gab es Frost und das Thermometer zeigte 5 cm über dem Erdboden nur -1,3°C an.

Ungewöhnlich sind diese niedrigen Tiefstwerte im Hochsommer, speziell bodennah, nicht. In diesem meteorologischen Sommer gab es in Deutschneudorf-Brüderwiese bereits 8 Tage mit Bodenfrost (bezogen auf die Tagestiefsttemperatur, nicht zu verwechseln mit der nächtlichen Tiefsttemperatur). Die Messreihe in Deutschneudorf geht bis ins Jahr 2006 zurück. Im Zeitraum 2006 bis 2021 gab es dort pro meteorologischem Sommer durchschnittlich 5,6 Bodenfrosttage und 0,4 Tage mit Luftfrost:

Datenquelle: DWD OpenData; visualisiert durch osterzgebirgswetter.wordpress.com

Im betrachteten Zeitraum gab es an der DWD-Station Deutschneudorf-Brüderwiese (ID 07343) nur ein Jahr (2010) ohne Bodenfrost im meteorologischen Sommer. Im Jahr 2014 gab es hingegen 15 Bodenfrosttage. Der letzte Frosttag in den Monaten Juni bis August liegt schon 9 Jahre zurück. Ein Trend ist nicht erkennbar, was auch an der relativ kurzen Messreihe liegt. Die in diesem Sommer genannten 8 Tage mit Bodenfrost (Stand: 07. August 2022) liegen also über dem Mittel von 2006 bis 2021. Erwähnenswert hingegen ist, dass es zwischen 2007 und 2012 gleich 6 Sommer in Folge mit sehr wenig Bodenfrosttagen gab. Im gleichen Zeitraum gab es mehrere Winter, welch teils deutlich unterdurchschnittlich verliefen. Natürlich kann kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden, ein auffälliger Zufall hingegen ist es definitiv.

Mehrtägige Hitzewelle zum Auftakt in den August

Wir befinden und mitten in der heißesten Zeit des Jahres, den Hundstagen. Da darf eine intensive Hitzewelle schon mal vorkommen. Dennoch müssen wir wieder über neue Rekorde berichten.

Man muss schon gar nicht mehr viel erklären: Die Wetterlage ist quasi identisch zu jenen, welche die vergangenen Hitzewellen brachte. Ein Langwellentrog, welcher bis vor die Iberische Halbinsel reicht, „schaufelt“ gemeinsam mit einem Höhenrücken Heißluftmassen nach Mitteleuropa. Das Ausräumen der Hitze findet, erneut, ohne viel Niederschlag statt, die Dürre geht in eine neue Runde.

Heiße Tage…

Die Tageshöchsttemperaturen an drei ausgewählten Wetterstationen des DWD in der Region:

36,9°C wurden in Dresden-Strehlen in der Spitze gemessen. Auch deutschlandweit war der 04. August der bisher heißeste Tag des Monats. Die fünf höchsten Temperaturen:

  • Bad Kreuznach: 39,6°C
  • Kitzingen: 39,2°C
  • Waghäusel-Kirrlach: 39,1°C
  • Saarbrücken-Burbach: 39,0°C
  • Bad Neunkirchen-Mergentheim: 38,7°C

Neue Allzeitrekorde wurden unter anderem in Müllheim (38,7°C) und Weinbiet (38,0°C) verzeichnet. Zudem gab es viele neue Stationsrekorde für den Monat August, beispielsweise in Bad Kreuznach (39,6°C) oder auch Bernburg/Saale (38,0°C), letztere Messreihe reicht bis ins Jahr 1898 zurück.

… und sehr warme Nächte

Eine zusätzliche Wärmebelastung entstand durch die verringerte nächtliche Abkühlung. Speziell die Nächte auf den 04. und 05. August waren äußerst warm. Die höchste nächtliche Tiefsttemperatur meldete Kubschütz im Landkreis Bautzen am Morgen des 05. August, das Thermometer fiel dort nicht unter 25,8°C, was auch einen Stationsrekord für den Monat August bedeutete (0,3 K unter dem Allzeitrekord für ganz Sachsen, 4,2 K unter dem Deutschland-Allzeitrekord). In der Nacht zum 04. August meldete zudem Dresden-Klotzsche einen neuen Stationsrekord für den Monat August, es kühlte nicht unter 22,8°C ab.

Keine nennenswerten Regenmengen

In der Nacht zum Samstag, den 06. August, zog eine Kaltfront durch und räumte die Heißluft aus. Nur lokal gab es ein einzelnes Gewitter. Von Dippoldiswalde bis nach Bischofswerda hatte man Glück – wiederholter Starkregen brachte laut Radaranalyse lokal 7 bis 13 l/m². Dippoldiswalde-Reinberg war, zusammen mit dem Fichtelberg, sogar jene Station mit der höchsten gemessenen Regenmenge, 7,7 mm sind es geworden. Dresden-Gohlis, traditionell sehr trocken, musste sich mit 0,9 l/m² begnügen. Für eine Entspannung bei der anhaltenden Dürre reichen die gefallenen Mengen nicht im Ansatz.

Birken unter extrem starken Trockenstress
auf dieser Aufnahme leiden insbesondere die Birken unter massivem Trockenstress – der gesamte Wald ist extrem geschwächt