Endlich Regen! Doch der Eindruck täuscht…

Am Wochenende kamen sie endlich, die lang ersehnten Regenfälle. Oft kam deutlich mehr als erwartet zusammen, zur Freude der Vegetation. Aber es gibt wieder mal starke regionale Unterschiede.

Mehrere Monate haben wir auf ergiebige, nachhaltig nützliche Niederschläge gewartet. Wenn es regnete, dann entweder nur bei lokalen Schauern und Gewittern, oder aber sämtlicher Niederschlag war nach wenigen Stunden wieder vollständig verdunstet. In der zweiten Hälfte der vergangenen Woche bildete sich eine Tiefdruckrinne aus, welche vor allem dem Süden und Osten hohe Regenmengen brachte. In einigen Medien wurde die Wetterlage auch als „Vb-Wetterlage“ bezeichnet, ein klassisches Vb (gesprochen: Fünf-B) entwickelte sich aber nicht. Hierzu müsste sich ein Tiefdruckgebiet über dem Golf von Genua entwickeln bzw. verstärken, um anschließend nach Norden zu ziehen. Das berühmteste Beispiel für ein Vb-Tief ist sicherlich das Jahrhunderthochwasser 2002.

Bereits im Voraus waren sich die Wettermodelle sehr uneins, wie genau sich die Regenfälle verteilen werden. Einen Eindruck von diesen Unsicherheiten kann man sich unschwer im Modellkarten-Archiv von Kachelmannwetter machen. Ziemlich sicher war, dass der Süden Bayerns und Baden-Württemberg viel Niederschlag zu erwarten hat. Dies traf auch in etwa so ein, der Deutsche Wetterdienst bewarnte genannte Gebiete zeitweise mit der höchsten Warnstufe vor Dauerregen.

Im Thema des Tages vom 18. August befasste sich der Deutsche Wetterdienst bereits mit den enormen Unsicherheiten. Eine Auswertung hierzu wurde im Thema des Tages vom 23. August vorgenommen.

Im Österreichischen Schwarzach unweit der deutschen Grenze wurden beispielhaft in 24 Stunden über 200 mm gemessen. Sachsen war von den Niederschlägen schwerpunktmäßig am 20. und 21. August betroffen. Ab der Nacht zum 20. August näherte sich aus Süden ein teils konvektiv durchsetztes Regengebiet, welches einige Stunden stationär verweilen wollte. Weitere Regenfälle gab es in der Nacht zum 23. August. Die akkumulierten Regenmengen von fünf ausgewählten Stationen der Region vom 19. August (jeweils 8 Uhr MESZ; sortiert nach höchster Regenmenge):

  • Dippoldiswalde-Reinberg: 86,4 mm
  • Zinnwald-Georgenfeld: 76,9 mm
  • Dresden-Strehlen: 64,9 mm
  • Dresden-Klotzsche: 56,0 mm
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 38,6 mm

Angaben ohne Gewähr, Datenquelle: DWD OpenData

Die höchsten Mengen gab es vor allem in einem Streifen von Moritzburg bis nach Zinnwald. Empfehlenswert sind auch die kalibierten Radarsummen über 72 Stunden, welche die Schwerpunkte sehr anschaulich darstellen.

Starkregenschauer am 14. August bei Bannewitz

Das Monatssoll für den August wurde damit allerdings nur lokal erreicht. Im Osterzgebirge hat dies (auf die DWD-Stationen bezogen) nur Dippoldiswalde-Reinberg geschafft, bei ca. 120 % (Stand: 23. August 08 Uhr) stehen wir dort aktuell. Nah dran ist inzwischen unter anderem Lichtenhain-Mittelndorf, was hier aber nicht ausschließlich auf den vergangenen Dauerregen, sondern auf ein lokales Regenereignis am 15. August zurückzuführen war (siehe auch den Beitrag „Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen“). Rund um Bärenfels und Kipsdorf (s. kalibrierte Radarsummen) fielen lokal eng begrenzt in diesem Monat 100 bis 120 l/m², auch hier dürfte das Monatssoll erreicht sein. Als gegenteiliges Beispiel kann Dresden-Hosterwitz herangezogen werden: Zum Erreichen der durchschnittlichen Regenmenge fehlen immer noch über 35 %. Zumindest der Pegel der Elbe hat sich wieder etwas erholen können, bei den kleineren Nebenflüssen ist noch keine Entspannung erkennbar.

Die Regenfälle wirken sich selbstverständlich auch auf die Bodenfeuchte aus. Dazu abschließend zwei Grafiken des DWD für Dippoldiswalde sowie Deutschneudorf (abgerufen am 23. August):

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Ein Gedanke zu „Endlich Regen! Doch der Eindruck täuscht…

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