Archiv für den Monat September 2022

Herbstwetter!

Eine kühle Nordlage beschert uns seit einigen Tagen das erste „echte Herbstwetter“ des Jahres. Wir befinden uns in einem kühlen, windigen und regnerischen Witterungsabschnitt, immer wieder gibt es aber auch freundliche Momente. Für die Natur sind die Niederschläge ein wahrer Segen.

Vor nicht einmal 2 Wochen erlebten wir noch Sommerwetter vom feinsten – vier Sommertage zählt der September bis dato an der Wetterstation Dresden-Strehlen. Am 05. September lag die Tagesabweichung im Deutschlandmittel bei ca. 5 Grad. Am 09. September folgte eine Gewitterlage, welche besonders in Bautzen schwere Schäden brachte. Eine nahezu stationäre Linie mit Starkregenschauern und kräftigen Gewittern erstreckte sich vom Osterzgebirge bis in die Oberlausitz, den Schwerpunkt mit bis zu 120 mm Niederschlag in wenigen Stunden gab es genau über Bautzen. Aus der Ferne betrachtet, besonders aber im letzten Abendlicht, waren die Gewitterzellen äußerst fotogen:

Aus einem ehemaligen Hurrikan entwickelte sich zu Beginn der zweiten September-Dekade ein Trog, welcher zum 13. September vor der Iberischen Halbinsel anlegte und nochmal einen Schwall Warmluft nach Mitteleuropa brachte. Trog und korrespondierendes Bodentief wurden in den Tiefdruckkomplex über Fennoskandinavien eingegliedert, sodass sich ab dem 16. September endgültig eine zyklonale Nordlage durchsetzte. Dazu nachfolgend eine Übersicht der Großwetterlage am 17. September:

Ein abgeschlossener Höhentrog mit Zentrum über Südfinnland, sowie ein Höhenrücken von Spanien bis nach Grönland lassen polare Luftmassen nach Mitteleuropa ziehen (selbstverständlich angewärmt durch die Nordsee). Die Trogspitze liegt am 17. Sep. über Norditalien, was dort eine heftige Zyklogenese mit katastrophalen Unwettern induziert. Im 850hPa-Niveau sanken die Temperaturen auf etwa 0°C bis 4°C ab, mit den niedrigeren Werten an der Nordseeküste. In den Wintermonaten würde dieses „Blocking“ der atlantischen Frontalzone wohl ein gutes Setup für winterliches Wetter sein.

Generell sind Nord- und Nordwestlagen ideales Wetter für klassisches Aprilwetter, ausgelöst durch höhenkalte Luft. Im Herbst können die Auswirkungen besonders intensiv sein, da es bodennah oft noch sehr warm ist. An diesem Wochenende gab es einen besonders beeindruckenden Temperaturgradient vom Boden bis in die hohe Atmosphäre:

Quelle: UWYO

Exemplarisch sehen wir oben den Radiosondenaufstieg aus Lindenberg am 17. September um 20 Uhr MESZ. Am Boden wurden ca. 13°C gemessen, in 9000 m ü. NN (ca. 290 hPa) hingegen knapp -55°C, eine Temperaturdifferenz von 68 K sieht man auch bei ausgeprägter Höhenkaltluft eher selten. An der Nordseeküste war die Differenz zeitweise noch höher.

Die, durch Höhenkaltluft hervorgebrachte, Konvektion wurde durch einige Randentwicklungen weiter vorangetrieben. Fast schon „Frontartig“ anmutend erstreckt sich am 16. Sep. ein Regengebiet, mit eingelagerten Gewittern, von Schleswig-Holstein, über Ostfriesland, bis auf die Nordsee. In der DWD-Bodenanalyse wird diese Welle als Konvergenz kartiert, sie ist auf den Isobaren ganz klassisch als Wellenbewegung erkennbar.

Am Wochenende folgt eine weitere Randentwicklung, diesmal allerdings zusätzlich in Form eines Randtroges in der Höhe inklusive bodennaher Wellenentwicklung. Zeitweise entsteht sogar ein abgeschlossenes Höhentief, welches wieder zu entsprechender Konvektion führt. Ein weiterer Randtrog folgt am Sonntag, der vorerst letzte wird am Dienstag erwartet.

Ein paar Impressionen des windigen Herbstwetters vom Wochenende:

Probleme macht immer noch die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar gibt es bis in ca. 40 cm Tiefe aktuell eine weitestgehende Entspannung der Situation, bis in einem Meter Tiefe sieht es allerdings immer noch nicht gut aus. Die nutzbare Feldkapazität liegt hier teilweise immer noch unter 40 %. Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sei an dieser Stelle der interaktive DWD-Bodenfeuchte-Viewer zu empfehlen.

Oben wurde es schon angerissen, die Nordlage brachte das erste mal in diesem met. Herbst Luftmassen polaren Ursprunges zu uns. In den Alpen gab es oberhalb von etwa 1500 m die ersten Schneefälle.

Um 00:10 Uhr am 18.09.2022 wurde auf dem Fichtelberg das erste mal in diesem Herbst der SYNOP-Code WW70 gemeldet. Um 00:50 Uhr folgte WW69 und um 03:40 Uhr sogar WW72/73. Die genannten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen stellen Teile sog. SYNOP-Schlüssel dar, einer in der Meteorologie einheitlichen Codierung für Wettermeldungen. Diese SYNOP-Dateien haben mehrere Dutzend Stellen, üblich sind 55 Stellen. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es bei der FU Berlin (im Webarchiv). Nun aber zur Erklärung der Wettermeldungen vom Fichtelberg: Gemeldet wurden leichter Schneefall (WW70), mäßiger oder starker Schneeregen (WW69) und unterbrochener oder durchgehender, mäßiger Schneefall (WW72/73). Vereinfacht gesagt: Der erste Schnee! Zwar blieb er nicht liegen, einen Absatz ist er dennoch Wert 😉

Abschließend noch zum Wind, dieser spielte, wie in der Einleitung beschrieben, ebenso eine Rolle. Im Flachland blieb es bei Böen von Bft 5 bis 7, auf Sachsens höchster Erhebung gab es mit 97,2 km/h in der Nacht zum Sonntag hingegen schwere Sturmböen. An der Nordsee wurde es sogar orkanartig mit bis zu 104 km/h.

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Der Herbst kommt mit kleinen Schritten

Die Regenfälle der vergangenen Wochen brachten, neben einer zeitweisen Entschärfung der Trockenheit, eine Wetterumstellung hin zu frühherbstlichen Temperaturen. Sommertage sind aktuell die Ausnahme, generell kann man den Wettercharackter als angenehm temperiert bezeichnen – auch wenn hier natürlich die Meinungen auseinander gehen.

Herbstliche Morgenstimmung zwischen Magerwiesen und Maisfeldern

Schon seit über einer Woche keinen Sommertag mehr, nach einem sehr warmen Sommer sicherlich etwas ungewohntes. In der vergangenen Woche schwankten die Höchsttemperaturen zwischen 20°C und 25°C im Dresdner Stadtgebiet (Tx DD-Strehlen am 30. August: 24,5°C), im Erzgebirge blieb es zeitweise sogar unter 15°C (Tx Zinnwald-Georgenfeld am 31. August: 14,3°C). Nachts kühlte es örtlich unter 5°C ab, wie zum Beispiel in Dippoldiswalde-Reinberg in der Nacht zum 02. September (Tn: 4,8°C). Luft- oder Bodenfrost blieb aus.

Die kommenden Tage werden wieder sommerlicher und auch die 25°C-Marke ist im Rahmen des Möglichen. Es bleibt allerdings unbeständig und so sind auch immer wieder einzelne Schauer mit dabei.