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Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen

Sonnenanbeter kommen dieser Tage gänzlich auf ihre Kosten, bis auf den Samstag schien die Sonne in der vergangenen Woche fast von früh bis spät. Die Temperaturen pendeln auf einem sommerlichen Niveau und die Trockenheit geht weiter.

In der obigen Galerie sehen wir die Entwicklung der Großwetterlage der vergangenen fünf Tage. Zunächst hat sich von den Azoren bis nach Sibirien eine umfangreiche Hochdruckzone entwickelt, im Großwetterlagenkatalog nach Hess und Brezowski wird diese Wetterlage Hochdruckbrücke Mitteleuropa genannt. Durch einen Trogvorstoß über dem östlichen Nordatlantik sowie die Entwicklung eines Kaltlufttropfens über Ost-/Mitteleuropa wurde die Hochdruckbrücke durchbrochen und es hat sich wieder die bekannte Wetterlage des bisherigen Sommers eingestellt, der Trog Westeuropa. Er pumpt wieder subtropische Heißluft nach Mitteleuropa.

Nach der großen Hitze Anfang August mit Höchsttemperaturen von bis zu 37°C kühlte es in der vergangenen Woche etwas ab. Die Ostströmung hat zur Folge, dass es nur mäßig warm wurde, die 30°C-Marke wurde nach dem 05. August bisher nicht mehr erreicht. Auch die Tiefsttemperaturen waren äußerst angenehm und gut zum Durchlüften, das Erzgebirge meldete sogar mehrfach Frost. Selbst in Dresden gab es zeitweise nur einstellige Tiefsttemperaturen.

Altocumuli am 11. August 2022

Angesprochen wurde bereits der Kaltlufttropfen, in der Meteorologie auch gerne als „Höhen-Ei“ bezeichnet. Diese erschweren die Wettervorhersage erheblich, da ihre Zugbahn nur schwer zu berechnen ist. Unter einem Kaltlufttropfen versteht man eine Art „Blase“ mit kälterer Luft in der Höhe, welche gerne für starke Bewölkung, Regen oder, je nach Setup, auch für Gewitter sorgt.

Sonnenaufgang am 13. August

Dieser Kaltlufttropfen machte sich vor allem durch zeitweise Bewölkung bemerkbar. Am Samstag (13. August) gab es seit langem mal wieder einen relativ trüben Tag. Lausitz und Osterzgebirge waren dabei die bewölktesten Regionen, Dresden-Klotzsche (Flughafen) meldete nur ca. 1,7 Sonnenstunden, welche überwiegend am Morgen sowie am Abend gemessen wurden. Einzelne schwache Schauer waren dabei, überwiegend waren die Mengen aber nicht im „ernstzunehmenden“ Bereich. In Zinnwald-Georgenfeld wurden es immerhin 0,7 mm.

Die Vegetation ist teilweise nur noch spärlich vorhanden – die Bilder könnten auch unschwer aus der Steppe stammen

Die kommende Woche dürfte zumindest lokal eine minimale Liderung der Dürre bringen – Schauer und Gewitter stehen an. Zudem wird es wieder heiß. In der zweiten Wochenhälfte könnte es möglicherweise ergiebigere Regenfälle geben, dies ist allerdings noch sehr unsicher.

Extreme Dürre setzt sich fort – Neuer Rekordsommer?

Bisher war der Sommer viel zu trocken – seit März steckt Sachsen in einer außergewöhnlichen Trockenperiode fest, das Wort „Dürre“ trifft es viel besser. In vielen Bundesländern ist der trockenste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn nicht unwahrscheinlich, auch bei der Temperatur werden wir wohl in den Top-5 der heißesten Sommer seit 1881 landen.

Pünktlich zum 01. August hat im Deutschlandmittel der phänologische Spätsommer begonnen, zwei Tage früher als im langjährigen Durchschnitt. Bis auf den phänologischen Winter und Vorfrühling lagen bisher alle Jahreszeiten bzgl. der Dauer relativ gut im Schnitt. Alles in Ordnung also? Mitnichten:

Zahlreiche Bäume leiden unter extremen Trockenstress. Das „harmloseste“ ist dabei wohl noch das „herbstliche Flair“ durch Blattverfärbung, einige Bäume haben schon ihr gesamtes Blattwerk abgeworfen oder sind teilweise völlig abgestorben. Vertrocknete Wiesen gehörten, spätestens seit dem Dürresommer 2018, zum Erscheinungsbild der Sommermonate, der Sommer 2022 legt allerdings nochmal nach und entlaubt durch fehlende Regenfälle ganze Wälder:

Insbesondere die eigentlich sehr robusten Birken fallen aktuell mit sehr intensiver Laubfärbung auf, viele dieser Bäume sind schon völlig kahl. Anders als bei der Borkenkäfer-Plage 2018-2020 sind nun nicht mehr hauptsächlich Fichten-Monokulturen betroffen, auch heimische Laubmischwälder haben unübersehbar mit der Dürre zu kämpfen. Viele Bäume hatten 2022 ein Mastjahr, auch aufgrund des relativ nassen Sommers 2021. Unter einem Mastjahr versteht man einen sehr starken Blütenansatz im Frühjahr, besonders Fichten fielen mit einer sehr starken Blüte auf. Dies raubte den Bäumen viel Energie und schwächte sie zusätzlich. Fichtenwälder, welche die Sommer 2018 bis 2020 relativ gut überstanden haben, bekommen dieses Jahr wieder massive Probleme. Die Landschaft ähnelt zunehmend, etwas überspitzt gesagt, einer Savanne, die Versteppung ganzer Landstriche in Deutschland ist zunehmend sichtbar (siehe Titelbild).

Neben den Wäldern leidet auch die Landwirtschaft sehr, besonders die Maisernte dürfte in Südwest- und Ostdeutschland teilweise ein Totalausfall werden. Einen Beitrag aus dem Südwesten gibt es im Wetter-Ticker von Wetteronline.

Ein besonders starkes Niederschlagsdefizit gibt es in diesem Sommer in den Mittelgebirgen. Von der Pfalz und dem Oberrhein bis in die Lausitz, aber auch im Norden Bayerns, in Hessen und bis an die Ostsee fehlt viel Regen. Die Niederschlagsmengen fünf ausgewählter Stationen im met. Sommer in unserer Region (Stand 10. August; Prozentangaben bezogen auf das Mittel 1961-1990):

  • Dresden-Strehlen: 48,2 l/m² (18 %)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 69,0 l/m² (28 %)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 69,7 l/m² (30 %)
  • Zinnwald-Georgenfeld: 117,4 l/m² (40 %)
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 148,7 l/m² (51 %)

Die höchsten Regensummen gab es klassisch im Erzgebirge. Dazu muss man aber sagen, dass die Summen aus Zinnwald und Deutschneudorf von zwei Einzelereignissen stark geprägt waren. An beiden Stationen fanden diese am 27. Juni statt, Zinnwald-Georgenfeld meldete eine 24h-Niederschlagssumme von 35,0 l/m², Deutschneudorf-Brüderwiese sogar 78,4 l/m². Letzterer Wert nimmt aktuell Platz 4 für die höchste Tagesniederschlagssumme des Sommers ein.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Dienstag eine Grafik bezüglich der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Im Deutschlandmittel wird dieser Rekord aktuell durch den Sommer 1911 (123,9 l/m²) gestellt, gefolgt von 2018 (129,4 l/m²). Der Sommer 2022 steht aktuell bei 103,1 l/m² deutschlandweit, im Sachsen-Mittel bei 77,5 l/m² (Rekord: Sommer 1904 mit 87,5 l/m²). In der nächsten Woche könnte es durch ein Höhentief Niederschläge geben, flächig wird dies allerdings nicht zur Linderung der Dürre beitragen. Auch die dritte Augustdekade bietet noch etwas Spielraum.

Bei der Mitteltemperatur steht der Sommer 2022 aktuell bei 18,9°C (Sachsen: 19,2°C). Im Deutschlandmittel ist 2003 mit einer Mitteltemperatur von 19,65°C aktuell das Maß der Dinge, auf Sachsen bezogen gab es 2019 mit einer Mitteltemperatur von 19,9°C den wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Angesichts der kommenden, voraussichtlich sehr warmen zweiten Augustdekade kann nicht ausgeschlossen werden, dass 2022 den wärmsten Sommer seit 1881 stellen wird. Stand jetzt wird es wohl nicht zu einem neuen Rekord reichen, ein Platz in den Top-5 scheint aber sehr wahrscheinlich. Tagesaktuelle Daten gibt es auf mtwetter.de.

Frostiges Erzgebirge

Nach einer Hitzewelle ist eine Abkühlung sicherlich immer willkommen. Im Erzgebirge wurde aus der Abkühlung Boden- und Luftfrost – nicht zum ersten Mal in diesem Sommer.

Reif auf Efeublättern – Symbolfoto

Rückseitig einer Kaltfront gab es ab der Nacht zum Samstag (06. August) einen Kaltlufteinbruch aus Norden. Während die meisten Regionen davon nur einstellige bzw. niedrig zweistellige Tiefsttemperaturen abbekamen, erwischte es das Erzgebirge erneut mit Frösten.

Marienberg-Kühnhaide

Mit einer Tiefsttemperatur von -1,7°C wurde es in der Nacht zum 07. August in Marienberg-Kühnhaide am kältesten. Die Ortschaft liegt in einer Senke im mittleren Erzgebirge und ist sehr oft der kälteste Ort Deutschlands. 5 cm über dem Erdboden sank die Temperatur sogar auf -4°C. Aktuelle Wetterdaten aus Kühnhaide gibt es unter anderem im Wetternetz Sachsen: Wetterstation Marienberg-Kühnhaide

Deutschneudorf-Brüderwiese

Der zweite „Kälte-Hotspot“ war Deutschneudorf-Brüderwiese. Zusammen mit Eslohe im Sauerland wurde dort mit 3,0°C die niedrigste Temperatur im offiziellen Messnetz registriert. Bodennah gab es Frost und das Thermometer zeigte 5 cm über dem Erdboden nur -1,3°C an.

Ungewöhnlich sind diese niedrigen Tiefstwerte im Hochsommer, speziell bodennah, nicht. In diesem meteorologischen Sommer gab es in Deutschneudorf-Brüderwiese bereits 8 Tage mit Bodenfrost (bezogen auf die Tagestiefsttemperatur, nicht zu verwechseln mit der nächtlichen Tiefsttemperatur). Die Messreihe in Deutschneudorf geht bis ins Jahr 2006 zurück. Im Zeitraum 2006 bis 2021 gab es dort pro meteorologischem Sommer durchschnittlich 5,6 Bodenfrosttage und 0,4 Tage mit Luftfrost:

Datenquelle: DWD OpenData; visualisiert durch osterzgebirgswetter.wordpress.com

Im betrachteten Zeitraum gab es an der DWD-Station Deutschneudorf-Brüderwiese (ID 07343) nur ein Jahr (2010) ohne Bodenfrost im meteorologischen Sommer. Im Jahr 2014 gab es hingegen 15 Bodenfrosttage. Der letzte Frosttag in den Monaten Juni bis August liegt schon 9 Jahre zurück. Ein Trend ist nicht erkennbar, was auch an der relativ kurzen Messreihe liegt. Die in diesem Sommer genannten 8 Tage mit Bodenfrost (Stand: 07. August 2022) liegen also über dem Mittel von 2006 bis 2021. Erwähnenswert hingegen ist, dass es zwischen 2007 und 2012 gleich 6 Sommer in Folge mit sehr wenig Bodenfrosttagen gab. Im gleichen Zeitraum gab es mehrere Winter, welch teils deutlich unterdurchschnittlich verliefen. Natürlich kann kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen werden, ein auffälliger Zufall hingegen ist es definitiv.

Mehrtägige Hitzewelle zum Auftakt in den August

Wir befinden und mitten in der heißesten Zeit des Jahres, den Hundstagen. Da darf eine intensive Hitzewelle schon mal vorkommen. Dennoch müssen wir wieder über neue Rekorde berichten.

Man muss schon gar nicht mehr viel erklären: Die Wetterlage ist quasi identisch zu jenen, welche die vergangenen Hitzewellen brachte. Ein Langwellentrog, welcher bis vor die Iberische Halbinsel reicht, „schaufelt“ gemeinsam mit einem Höhenrücken Heißluftmassen nach Mitteleuropa. Das Ausräumen der Hitze findet, erneut, ohne viel Niederschlag statt, die Dürre geht in eine neue Runde.

Heiße Tage…

Die Tageshöchsttemperaturen an drei ausgewählten Wetterstationen des DWD in der Region:

36,9°C wurden in Dresden-Strehlen in der Spitze gemessen. Auch deutschlandweit war der 04. August der bisher heißeste Tag des Monats. Die fünf höchsten Temperaturen:

  • Bad Kreuznach: 39,6°C
  • Kitzingen: 39,2°C
  • Waghäusel-Kirrlach: 39,1°C
  • Saarbrücken-Burbach: 39,0°C
  • Bad Neunkirchen-Mergentheim: 38,7°C

Neue Allzeitrekorde wurden unter anderem in Müllheim (38,7°C) und Weinbiet (38,0°C) verzeichnet. Zudem gab es viele neue Stationsrekorde für den Monat August, beispielsweise in Bad Kreuznach (39,6°C) oder auch Bernburg/Saale (38,0°C), letztere Messreihe reicht bis ins Jahr 1898 zurück.

… und sehr warme Nächte

Eine zusätzliche Wärmebelastung entstand durch die verringerte nächtliche Abkühlung. Speziell die Nächte auf den 04. und 05. August waren äußerst warm. Die höchste nächtliche Tiefsttemperatur meldete Kubschütz im Landkreis Bautzen am Morgen des 05. August, das Thermometer fiel dort nicht unter 25,8°C, was auch einen Stationsrekord für den Monat August bedeutete (0,3 K unter dem Allzeitrekord für ganz Sachsen, 4,2 K unter dem Deutschland-Allzeitrekord). In der Nacht zum 04. August meldete zudem Dresden-Klotzsche einen neuen Stationsrekord für den Monat August, es kühlte nicht unter 22,8°C ab.

Keine nennenswerten Regenmengen

In der Nacht zum Samstag, den 06. August, zog eine Kaltfront durch und räumte die Heißluft aus. Nur lokal gab es ein einzelnes Gewitter. Von Dippoldiswalde bis nach Bischofswerda hatte man Glück – wiederholter Starkregen brachte laut Radaranalyse lokal 7 bis 13 l/m². Dippoldiswalde-Reinberg war, zusammen mit dem Fichtelberg, sogar jene Station mit der höchsten gemessenen Regenmenge, 7,7 mm sind es geworden. Dresden-Gohlis, traditionell sehr trocken, musste sich mit 0,9 l/m² begnügen. Für eine Entspannung bei der anhaltenden Dürre reichen die gefallenen Mengen nicht im Ansatz.

Birken unter extrem starken Trockenstress
auf dieser Aufnahme leiden insbesondere die Birken unter massivem Trockenstress – der gesamte Wald ist extrem geschwächt

Zweite Hitzewelle des Jahres – Dürre hinterlässt erste sichtbare Schäden

Nach einer teilweise frostigen Nacht stand eine neue Hitzewelle an, die zweite des laufenden Jahres. Wir schauen diesmal weit über den Tellerrand und blicken auch auf das wütende „stille Unwetter“, die Dürre.

trockene Wiesen, trockene Felder und ein mehr als angeschlagener Wald…

Synoptik

Genau einen Monat nach der historischen Juni-Hitzewelle stand die zweite große Hitze des Jahres an. Synoptisch wurde vieles schon im Bericht vom 17. Juli erklärt. Der Osteuropa-Trog ist zwei Tage später weiter nach Russland gezogen, das zugehörige Bodentief liegt in etwa über dem Ural. Östlich eines Troges vor der französischen Atlantikküste hat sich ein Höhenrücken bis ins westliche Skandinavien aufgebaut. Bodennah sind über Mitteleuropa keine klaren Druckverhältnisse auszumachen.

Deutschland

In Sachsen war die Hitzewelle wenig besonders. Die sachsenweit höchste Temperatur wurde in Bad Muskau mit 38,1°C gemessen, Dresden-Strehlen registrierte am 20. Juli einen Tageshöchstwert von 37,2°C. Dippoldiswalde-Reinberg meldete 34,3°C, Zinnwald-Georgenfeld verfehlte einen Hitzetag um 1,7 K. Neue Julirekorde wurden nur an wenigen sächsischen Stationen registriert.

Blickt man auf Gesamt-Deutschland, so stellt sich die Hitze wesentlich historischer dar. Schauen wir uns zunächst die Höchsttemperaturen am 19. Juli an:

  • Duisburg-Baerl (NW): 39,5°C
  • Geilenkirchen (Flugplatz; NW): 39,3°C
  • Tönisvorst (NW): 39,2°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 39,1°C
  • Heinsberg-Schleiden (NW): 38,8°C

In Emstetten (Meteomedia/dtn-Messnetz) wurden bereits 40,0°C gemessen. Zum einen zählt dieser Messwert allerdings nicht zum ofiziellen DWD-Netz, zum anderen gibt es erhebliche Zweifel an der Verwendbarkeit dieses Wertes. J. Kachelmann kritisiert unter anderem einen nicht intakten Strahlungsschutz. Noch gab es nur wenige Allzeitrekorde, dies sollte sich aber am 20. Juli ändern:

  • Bad Neunkirchen-Mergentheim (BW): 40,3°C
  • Hamburg-Neuwiedenthal: 40,1°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 40,0°C
  • Huy-Pabstorf (SH): 40,0°C
  • Wendisch Evern (NI): 39,9°C

Zunächst zum Wert aus Bad Mergentheim: Der Deutsche Wetterdienst wird diese Messung zwar nicht gänzlich annulieren, sie allerdings nicht als Rekord werten. Ursächlich hierfür ist ein relativ ungünstiger Standort mit zu viel Bewuchs und Bebauung, siehe dazu einen Tweet der DWD-Pressestelle vom 21. Juli. Baden-Württemberg hat daher keinen neuen Hitzerekord aufgestellt.

Die eigentliche Aufmerksamkeit liegt allerdings auf den historischen Höchstwerten im Norden Deutschlands. Dort kannte man diese „Dimensionen“ der Temperatur bisher nicht, 40°C gab es in Hamburg seit Beginn der Aufzeichnungen nicht.

Unter den Top-50 der heißesten DWD-Wetterstationen Deutschlands gab es nur drei Stationen ohne einen neuen Allzeit-Hitzerekord. Besonders bemerkenswert ist aber wie schon beschrieben nicht die Hitze an sich, sondern die Orte mit den heißesten Temperaturen. Die klassischen „Hitze-Hotspots“ wie der Oberrheingraben waren kaum betroffen.

Lage in Großbritannien und Frankreich

In Großbritannien erreichte die Hitzewelle am 19. Juli 2022 ihren Höhepunkt. Die Heißluftmassen sind ungewöhnlich weit nach Norden voran gekommen. Im 850 hPa-Niveau befanden sich die wärmsten Luftmassen über dem Süden Englands mit Höhenwerten von 23°C bis 25°C. Am Boden (2 m Höhe) wurden die höchsten Werte allerdings an der Ostküste gemessen. An der Südküste war schlichtweg der Ärmelkanal als „Kühlung“ zu nah.

Die Hitzewelle stellte in Großbritannien einen neuen Allzeitrekord auf. In Coningsby (England), ziemlich an der Ostküste, wurden am 19. Juli 40,3°C gemessen. Selbst in Schottland gab es – für dortige Verhältnisse – extreme Hitze mit bis zu 35,1°C in Floors Castle, auch dies ist ein neuer Allzeitrekord.

Kurz noch ein Blick ins hitzeerprobtere Frankreich: Im Westen des Landes lagen die Höchsttemperaturen bei 37°C bis 43°C. Es gab hier zwar keinen neuen nationalen Hitzerekord, zahlreiche Stationsrekorde wurden allerdings gebrochen.

Ausräumen ohne nennenswerte Niederschläge

Zum wiederholten Mal ging das Ausräumen der Heißluft ohne nennenswerte Niederschläge oder gar Gewitter einher. Die „höchste“ Regensumme der Region wurde in Rechenberg-Bienenmühle-Holzhau mit 2,8 mm gemessen, in Dippoldiswalde-Reinberg fielen immerhin noch 2,1 mm in den Regenmesser. Auf dem Papier war nicht viel zu holen. Ein Mix aus turbulenter Höhenströmung, Erzgebirgs-Lee sowie dem Outflow einer Schauerlinie zwischen Radeberg und Altenberg (Radarbild zum Zeitpunkt) brachte immerhin eine ansehnliche Kombination aus Asperatus-Wolken und einem schwachen Böenkragen hervor:

Das „stille Unwetter“ Dürre

Da Trockenheit zunächst einmal keine unmittelbaren Schäden, wie zum Beispiel Überflutungen oder Hagelschlag, nehmen viele Menschen Dürre wenig direkt wahr. Am Nachmittag des 24. Juli liegt der Elbepegel in Dresden bei 71 cm bei einem Durchfluss von 106 m³/sek. Dies ist im Bereich des mittleren Niedrigwassers. Hätte es in Tschechien vor einigen Tagen/Wochen keine Starkniederschläge gegeben, wäre die Elbe inzwischen vermutlich bei einem bedrohlich niedrigen Wasserstand.

Wesentlich angespannter ist die Situation aktuell an kleinen Bächen bzw. der gesamten Vegetation. Wiesen und Felder sind völlig ausgetrocknet. Während sich erstere bei den nächsten Regenfällen ziemlich wahrscheinlich erholen werden, führt die Trockenheit aktuell zu massiven Ernteeinbußen der Landwirte. Auch das gesamte Ökosystem Wald ist aktuell mehr als gefährdet. Lokal sieht es aus wie im Herbst, Bäume werfen die Blätter ab oder sind schon völlig vertrocknet:

Für unzählige, schon geschwächte Fichten dürfte der Sommer 2022 der Todesstoß sein. Nach den Sommern 2018, 2019 und 2020 benötigte es jetzt eigentlich großräumige Landregenfälle, stattdessen sind bis auf weiteres keine „brauchbaren“ Regensummen zu erwarten. Auch die Laubbäume geben zunehmend „den Geist auf“ und versuchen sich durch Blattabwurf irgendwie durchzuschleppen.

Ein Waldsterben hat speziell mittel- bis langfristig erhebliche Folgen, auch für die Bevölkerung. Generell werden die Wälder anfälliger für Schäden durch Ereignisse jeder Art (Wind, Hagel, Starkregen, Insekten (z. B. Borkenkäfer), kürzere Trockenzeiten). Borkenkäfer-Holz hat schlechtere Heizwerte als gesundes Fichtenholz und kann wesentlich schlechter verarbeitet werden, somit gibt es Einbußen in der Forstwirtschaft. Desweiteren wird der Boden wesentlich anfälliger für Erosion, was auch die Gefahr von Überschwemmungen oder gar Hangrutschen birgt.

Bereits am Montag wird wieder Hitze erwartet. Bis zu 37°C werden berechnet. Es geht zwar recht schnell wieder etwas kühler weiter, bis auf lokale Ereignisse wird es bis auf weiteres keine Niederschläge geben:

Ensemble GFS 06z vom 24. Juli: Jede Linie zeigt einen Lauf, sog. Member. Sämtliche Signale auf Niederschlag sind äußerst verhalten.

Durchlüften vor der Hitzewelle – Frosttage mitten im Juli

In der kommenden Woche steht eine ausgewachsene Hitzewelle an – bis zu 38°C werden erwartet. Angesichts der heutigen Tiefsttemperaturen klingt das noch etwas unglaubwürdig, im Erzgebirge gab es sogar Frost.

Synoptik

500 hPa Geop. / Bodendruck; (c) wetter3.de

Die Synoptik ist relativ zügig erklärt: Zwischen einem Langwellentrog über Osteuropa und einem Tiefdruckgebiet vor der Iberischen Halbinsel hat sich ein kräftiger Höhenrücken aufgebaut, welcher am 17. Juli bis nach Westeuropa reicht. Gleichzeitig hat sich ein Bodenhochdruckgebiet über Mitteleuropa ausgebildet. Deutschland liegt aktuell noch an der Südwestflanke der Osteuropäischen Langwelle, was für eine relativ kühle Nordwestströmung sorgt. Die Temperaturen im 850 hPa-Niveau bewegten sich am Sonntagmorgen über dem Nordosten Deutschlands um nur 5°C bis 10°C.

Boden- und Luftfrost im Erzgebirge

Unter landesweit klarem Himmel und Hochdruckeinfluss kühlte es sich in der Nacht sehr stark ab. Das Erzgebirge ist – auch deutschlandweit betrachtet – ein „Favorit“ bzgl. starker Auskühlung durch Tal- und Muldenlagen. Im repräsentativen DWD-Messnetz meldete Deutschneudorf-Brüderwiese eine Tiefsttemperatur von 1,4°C. Deutlich kälter wurde es im bekannten Marienberg-Kühnhaide mit einer Tiefsttemperatur von -2,6°C. Dort wurden in Bodennähe sogar nur -5,8°C gemessen. Deutschneudorf-Brüderwiese meldete eine 5 cm-Tiefsttemperatur von -1,0°C. Eine Übersicht der deutschlandweiten Tiefstwerte in 5 cm Höhe:

  • Deutschneudorf-Brüderwiese (SN): -1,0°C
  • Schipkau-Klettwitz (BB): -0,2°C (neuer Juli-Negativrekord; Zeitreihe seit 07/1996)
  • Carlsfeld (SN): 0,0°C
  • Hoyerswerda (SN): 0,4°C (Julirekord aus 07/2018 eingestellt; Zeitreihe seit 01/2010)
  • Oberharz am Brocken-Stiege (ST): 0,6°C (Julirekord aus 07/1964 eingestellt; Zeitreihe seit 01/1947)

Besonders die Einstellung des Rekordes aus Oberharz/Stiege ist bemerkenswert, da hier eine sehr lange Zeitreihe (seit Januar 1947) vorliegt. Nächte wie diese zeigen eindrucksvoll, dass es auch in Zeiten der Klimaerwärmung weiterhin zu sehr kalten Witterungsabschnitten kommen kann. Zwar ist (Boden-) Frost in den Erzgebirgstälern auch im (Hoch-) Sommer nichts außergewöhnliches, angesichts der anstehenden Hitzewelle ist dies dennoch erwähnenswert.

Hitzewelle in der neuen Woche erwartet

Ab Dienstag wird auch in Sachsen eine neue Hitzewelle erwartet. Im Tiefland werden die Temperaturen voraussichtlich 35°C bis 38°C erreichen, je nachdem wie stark sich die Luftmasse erhitzen kann, können auch 40°C (inkl. neuer Allzeitrekorde) nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Im Fokus dieser Hitzewelle wird Großbritannien stehen, hier sind neue Allzeitrekorde und Temperaturen deutlich über 40°C sehr wahrscheinlich. Wie lange die Hitzewelle hier anhalten wird und ob das „Ausräumen“ mit signifikanten Niederschlägen einhergehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand verlässlich sagen.

Rückblick auf einen außergewöhnlichen Juni

Der Juni war, speziell im Osten Deutschlands, alles andere als gewöhnlich. Fast schon „wie üblich“ war es deutlich zu mild und deutlich zu trocken. Eine Analyse.

Kornblumen in einem trockenen Rapsfeld

Im Deutschlandmittel war der Juni genau 3 K gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 zu warm, was in dieser Hinsicht den sechstwärmsten Juni seit Messbeginn bedeutet. Zum Erreichen des Niederschlagssolls fehlte im Deutschlandmittel ca. ein Drittel. Eine ausführliche Analyse des Deutschlandwetters im Juni 2022 hat der Deutsche Wetterdienst in einem Presseartikel zusammengestellt.

Vor allem der Süden Deutschlands war im Juni von zahlreichen Schwergewitterlagen betroffen, welche auch mit schweren Verwüstungen durch Hagelstürme einhergingen. Besonders in Erinnerung bleiben wird allerdings die Rekord-Hitze vom 18. und 19. Juni. In einem 14-seitigen Dokument analysiert der DWD die Hitzewelle und ordnet sie klimatologisch ein. 39,2°C – das war der deutschlandweite Höchstwert, gemessen in Dresden-Strehlen und Cottbus.

Im Osterzgebirge und im Dresdner Raum war der Juni ca. 3 K bis 4 K zu warm, die Abweichung lag hier also etwas über dem Deutschlandmittel. Die Niederschlagsverteilung war ziemlich klassisch – das Erzgebirge vermeldete die höchsten Regenmengen und auch die geringeren Abweichungen zum Durchschnitt. Während in Dresden nur 30 bis 40 Prozent des langjährigen Mittels gefallen sind, meldeten die Wetterstationen des mittleren und östlichen Erzgebirges zumindest Werte über 50 % des Mittels. Über den Tellerrand geschaut: Besonders viel Niederschlag gab es im Raum Zittau: Stellvertretend meldete Bertsdorf-Hörnitz ca. 103 mm Niederschlag – über 150 % des Mittels. Darauf kommen wir später nochmal zurück.

Dresden-StrehlenDippoldiswalde-ReinbergZinnwald-Georgenfeld
Mitteltemperatur20,6°C (+3,8 K) 18,2°C (+3,2 K)15,5°C (+3,8 K)
Hitzetage 6 Tage 3 Tage 1 Tag
Sommertage 19 Tage 15 Tage 3 Tage
Tropennächte 1 Nacht / /
Gesamtniederschlag31,5 mm (34 %)42,3 mm (55 %)61,5 mm (65 %)
Übersicht einiger meteorologischer Kennwerte für drei ausgewählte Stationen

Generell kann der Juni als, erneut, deutlich zu trocken eingestuft werden. Das einzige größere Niederschlagsereignis in unserer Region fand am 27. Juni statt. Zunächst entwickelten sich in schwül-heißer Luft erste Gewitter, welche sich am Nachmittag zu Schwergewittern mit Überschwemmungen und teils größerem Hagel entwickelten:

Im Laufe der Nacht zog dann ein größeres Starkregengebiet aus Süden auf und brachte weitere Niederschläge. Deutschneudorf-Brüderwiese meldete eine 24-Stunden-Regensumme von 78,4 mm. Der dortige Rekordwert von 91,5 mm (01. Juni 2013) war allerdings nicht in Gefahr.

Eisschirm der Schwergewitterzelle am 27. Juni östlich von Freiberg

Weiter oben wurden bereits die höheren Summen Richtung Zittauer Gebirge und Ostsachsen angerissen. Zumindest in diesem Juni ist dies auf eine recht ungünstige Verteilung der Druckgebiete zurückzuführen – dabei geht es nur um wenige 100 Kilometer. In Bayern entstanden öfters große Gewitterkomplexe mit entsprechendem Starkregen. Die Komplexe „bogen“ über Tschechien nach Norden „ab“, dies geschah aber einige Kilometer zu weit östlich, um den meisten Teilen von Sachsen noch Regen zu bringen. Ostsachsen hingegen bekam von den Regengebieten zumindest oft noch einen Randtreffer mit. Der Lee des Erzgebirges tut sein übriges dazu.

Die anhaltende Trockenheit konnte durch die Starkregenereignisse natürlich nicht gelindert werden. Der Elbepegel stieg durch heftige Regenfälle in Tschechien hingegen zeitweise deutlich über den Mittelwert an – der hiesigen Vegetation nützte das allerdings herzlich wenig.

In den kommenden Tagen setzt sich – bis auf eine Unterbrechung am Donnerstag – das trockene Hochdruckwetter fort, wenn auch deutlich kühler als noch zuvor.

„Turbo-Hitze“ pulverisiert Allzeitrekorde – massive Verschärfung der Trockenheit

Zwei Tage mit extremer Hitze liegen hinter uns. Wir werfen einen Blick zurück auf die extreme Lage und versuchen uns an klimatologischen Einordnungen.

Synoptik

Wetterlage am 18. Juni, 08 Uhr MESZ; (c) wetter3.de

Schauen wir uns zunächst die Synoptik am Samstag an. Im 500 hPa-Niveau finden wir zunächst ein Tiefdrucksystem zwischen Island und Norwegen. Ein kleiner „Cut-Off“ befindet sich Samstagfrüh vor der Portugiesischen Küste, ein Höhenrücken erstreckt sich von Nordafrika bis nach Frankreich. Ein weiterer Höhentrog reicht bis nach Griechenland. Bodennah ist die Synoptik noch nicht allzu anders, Mitteleuropa liegt unter gradientarmen Druckverhältnissen.

Speziell der westlich von uns gelegene Trog transportiert am Samstag heiße Luftmassen nach Mitteleuropa. Um 20 Uhr Ortszeit erreicht den Südwesten Deutschland die 22°C-Isotherme im 850 hPa-Niveau:

Das Lindenberger Sounding zeigt zur selben Zeit ca. 17°C bis 18°C in 850 hPa. Trockanadiabatisch (1 K Temperaturabnahme je 100 Höhenmeter) können wir bei diesen Höhentemperaturen mit 31°C in Brandenburg bis 36°C im Oberrheingraben rechnen. Da man durch starke Einstrahlung im Sommer schnell eine überadiabatische Schichtung erhält, waren von vorn herein etwas höhere Temperaturen zu erwarten.

Samstag, 18. Juni

Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am Samstag in Bad Kreuznach (RP) sowie Waghäusel-Kirrlach (BW) mit 37,1°C gemessen. In Sachsen meldete Plauen die höchste Temperatur, 35,1°C wurden hier erreicht. Dresden-Hosterwitz lag zusammen mit Bad Muskau auf dem zweiten Platz mit 35,0°C. Deutschlandweit wurden genau vier neue Stationsrekorde für den Monat Juni aufgestellt, alle im Südwesten mit sehr langen Messreihen. Die Höchstwerte wurden allerdings sogar etwas gedrückt, Saharastaub dämpfte die Einstrahlung etwas:

Sonnenuntergang vom 18. Juni

Sonntag, 19. Juni und Rekordhitze

Der Sonntag wurde synoptisch betrachtet schon wesentlich interessanter. Diagonal über Deutschland baute sich entlang einer bodennahen Tiefdruckrinne eine markante Luftmassengrenze auf. Rückseitig lag eine teils strömungsparallel verlaufende Kaltfront, welche allerdings lange Zeit kaum wetterwirksam war. Eine Ausnahme stellt zu diesem Zeitpunkt noch der äußerste Norden dar, hier gab es teils kräftige Regenfälle.

Die 850 hPa-Werte stiegen bis Sonntagnachmittag auf bis zu 22°C:

Trockenadiabatisch hätten wir ca. 34°C bis 36°C zu erwarten gehabt. An den Höchstwerten zeigte sich aber die überadiabatische Schichtung.

Das deutschlandweite Maximum wurde an zwei Stationen erreicht. In Dresden-Strehlen zeigte das Thermometer am Sonntagnachmittag um genau 16:20 Uhr 39,2°C an. Der bisherige Junirekord wurde dort um 1,1 Grad übertroffen. Die Messreihe geht zurück bis ins Jahr 1936, der bisherige Rekord für den Monat Juni betrug bisher 38,1°C und war vom 30. Juni 2019.

Die zweite Station, welche die deutschlandweit höchste Temperatur am Sonntag gemessen hat, war Cottbus. Mit ebenfalls 39,2°C wurde der bisherige Monatsrekord (gemessen am 26. Juni 2019) ebenso um 1,1 Grad übertroffen. Allerdings war die Hitzewelle in Cottbus historisch: Die Aufzeichnungen dort gehen bis ins Jahr 1888 zurück. Noch nie seit mindestens 134 Jahren war es in Cottbus so heiß wie an diesem Sonntag – der bisherige Allzeitrekord von 38,9°C aus dem Juni 1921 wurde um 0,3 K übertroffen.

Beide Werte stellten auch einen neuen Rekord für den Monat Juni in den jeweiligen Bundesländern dar. Der absolute Deutschland-Junirekord wurde allerdings um 0,4 K verfehlt.

Zahlreiche Stationen haben am Sonntag neue Allzeitrekorde aufgestellt. Aufgrund der langen Messreihe seit 1934 sei noch der Flughafen Dresden-Klotzsche erwähnt: Mit 38,2°C wurde der Allzeitrekord aus dem August 2015 hier um 0,6 K übertroffen.

Die Spitzenwerte aus unserer Region (www.mtwetter.de); an allen Stationen wurde der bisherige Junirekord eingestellt:

  • Dresden-Strehlen: 39,2°C
  • Dresden-Hosterwitz: 38,9°C
  • Dresden-Klotzsche: 38,2°C (neuer Allzeitrekord)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 37,4°C (neuer Allzeitrekord)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 35,5°C
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 34,2°C
  • Zinnwald-Georgenfeld: 30,9°C

Niederschlag

Verbreitet wurde die Hitze ohne einen Tropfen Niederschlag ausgeräumt. Oft war die Grundschicht einfach zu trocken, um signifikante Schauer oder Gewitter zu produzieren. Ein winziger Schauer zog am Sonntagnachmittag durch die Sächsische Schweiz und brachte immerhin ganz lokal ein klein wenig Abkühlung:

Eine Ausnahme hingegen bildete eine Superzelle bei Weimar als lokale Überentwicklung:

Von der Eifel bis in den Süden Brandenburgs kam es durch die schleifende Kaltfront und einem eingelagerten Gewittersystem zu ordentlichen Regenmengen:

Waldbrand-Geruch bis nach Dresden – Katastrophenalarm aufgehoben

Am Sonntagabend konnte durch auffrischenden Wind sogar Brandgeruch bis nach Dresden wahrgenommen werden. Ursache dafür dürften wohl die massiven Waldbrände in Brandenburg gewesen sein, der bisher traurige Höhepunkt der Trockenheit. Einige weiterführende Links zu den Bränden:

Zeitweise wurde dort der Katastrophenalarm ausgerufen, inzwischen haben starke Regenfälle die Lage etwas entspannt.

Klimatologisch stellt diese kurze Hitze ein Novum dar: Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn war es in Deutschland so heiß wie am Wochenende. Allzeitrekorde wurden teilweise regelrecht pulverisiert – und das noch vor dem astronomischen Sommeranfang. Schon im Juni lodern große Waldbrände in Brandenburg (kleinere Brände gab es auch schon vor einigen Wochen). Mit ziemlicher Sicherheit sind dies direkte Folgen des Klimawandels.

Die nächste Hitze steht schon vor der Tür: Noch diese Woche werden erneut über 30°C erwartet.

Sommerlich anmutender Sommeranfang

Der Juni kann bisher mit nicht gerade unsommerlichem Wetter punkten – zumindest im Tiefland. Die Schattenseite ist der fehlende Niederschlag, verbreitet herrscht wieder eine ungewöhnlich starke Dürre vor.

Blicken wir kurz auf den Mai zurück und schauen uns einige Zahlen im sachsenweiten Mittel an:

  • Mittlere Temperatur: 14,6°C (+2,35K)
  • Gesamtniederschlag: 33,5 mm (50%)
  • Sonnenscheindauer: 273 Std. (142%)

Im Tiefland (repräsentativ DD-Strehlen) gab es im Mai bereits fünf Sommertage, im Bergland hingegen nochmal vier Bodenfrosttage. Die regionale Verteilung des Niederschlages hängte stark mit Schauern und Gewittern zusammen. Die höchsten Summen wurden wie üblich im Erzgebirge und dessen Vorland gemessen, der Raum Dresden kam nicht über 30 l/m² hinaus. Der größte Teil des Niederschlages ist auf die Gewitterlage vom 16. Mai zurückzuführen, was auch das letzte größere Niederschlagsereignis in unserer Region darstellt.

Meteogramm Mai 2022 für Dippoldiswalde-Reinberg; mtwetter.de

Der Juni gestaltet sich bisher vergleichsweise sommerlich. So meldet Dresden-Strehlen im laufenden Monat bereits vier Sommertage, Dippoldiswalde-Reinberg drei. Mit Ausnahmen sieht es auch beim Niederschlag sehr mau aus. Das Osterzgebirge und das Dresdner Umland kann vielerorts weniger als 10 l/m² Regen im laufenden Monat aufweisen. In der Sächsischen Schweiz sowie in Ostsachsen hat sich die Niederschlagssituation etwas entspannt. Zum einen ist dies auf lokale Niederschlagsereignisse zurückzuführen, zum anderen aber auch auf das Niederschlagsereignis vom 06. Juni:

In genannten Regionen kann der Juni bisher Regensummen von 20 bis 40 l/m² aufweisen. Auch der Mai war dort mit 50 bis 80 l/m² wesentlich nasser als das Osterzgebirge.

In den kommenden Tagen sind keine flächendeckenden Niederschläge zu erwarten, sodass sich die teilweise vorhandene Dürre (vgl. Dürremonitor des UFZ) wohl weiter verschärfen wird. Frühestens in der neuen Woche sind kräftigere Niederschläge im Bereich des Möglichen.

Gewitterlage am 16. Mai 2022

Am Montag beschäftigte uns die erste kräftige Gewitterlage des Jahres. Nachdem es schon vor einigen Wochen im Süden kräftige Gewitter gab, erfasste die Lage diesmal auch die Landesmitte und damit auch Sachsen.

Die Synoptik wäre eigentlich schnell erklärt. Zwischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik und Nordwest-Russland befindet sich ein Omega-artiger Höhenrücken, welcher weit nach Norden ausgreift. Knackpunkt ist allerdings ein schwacher Randtrog, der sich bis nach Mitteleuropa erstreckt und eine Bodentief-Rinne über Deutschland induziert:

Um 12 UTC (14 Uhr MESZ) befindet sich die Rinne etwa auf einer Linie Niederrhein-Oberösterreich. Nordöstlich davon befindet sich eine stabile Luftmasse, südwestlich ist die Luft labiler. Im äußersten Südwesten Deutschland (etwa Eifel-Schwarzwald und südwestlich davon) sickert zum Zeitpunkt wieder stabilere Luft ein.

In der Spitze sollten auf der labilen Seite 800 bis 1200 J/kg CAPE generiert werden. Allerdings fehlte dem Westen Deutschlands durch ein vorlaufendes Regengebiet wider Erwarten Einstrahlung, sodass es hier verbreitet nicht so stark kam wie erwartet (lokale starke Einzelentwicklungen ausgenommen). Die KO-Werte sollten bis ca. -10 absinken. Einen Deckel mit moderaten CIN-Werten gab es meist nur nach Durchzug von Schauern und Gewittern geben. Organisierte Zellen waren meist nicht zu erwarten, da es oft an hochreichender Scherung fehlte. Eher zu erwarten waren Einzelzellen sowie Verclusterungen, weshalb die größte Gefahr auch von Starkregenfällen und entsprechenden Überflutungen ausging.

Das Radarbild um 16 Uhr lässt sich in drei Regionen einteilen: Im Nordosten ist durch stabile Luft wenig bis gar nichts los. Von Ostfriesland bis ins Westerzgebirge erstreckt sich die Tiefdruckrinne mit zeitweiligen Niederschlägen, in Thüringen und Westsachsen waren diese auch etwas kräftiger. Vom Niederrhein bis nach Bayern befand sich eine Gewitterlinie, zum Teil verclustert, dahinter gab es nur noch einzelne Schauer und Gewitter. Zwischen Rinne und Gewitterlinie gab es am Nachmittag nochmal kräftige EInstrahlung, sodass nochmal, trotz Abkühlung durch den Regen, Energie generiert werden konnte. Die Höchsttemperaturen des Tages lagen bei 25 bis 29 Grad, im Bergland wurden 18 bis 23 Grad erreicht.

Gegen 18 Uhr überquerte der erste Regen das Osterzgebirge. Etwas Messbares kam aber nur in den seltensten Fällen runter. Im Norden Thüringens hatten sich währenddessen schon kräftige Gewitter gebildet und befanden sich um 18:40 etwa in einem Dreieck Eisenach-Weimar-Mühlhausen. Die Landesgrenze zu Sachsen überquerten die Gewitterzellen ab ca. 20 Uhr südwestlich von Leipzig, um 21 Uhr hatte sich ein starker Cluster gebildet.

Gewitterzelle über dem Tharandter Wald um 21:50 Uhr

Auch ab etwa 21 Uhr kam es zwischen Freiberg und Dresden, bis in die Sächsische Schweiz zu starken Neubildungen. Zeitweise konnten mesozyklonal anmutende Strukturen beobachtet werden (siehe Aufnahme), auch auf dem Doppler-Radar und der Radar-Analyse wurde kurzzeitig eine deutliche Rotation festgestellt. Anhand der Radarechos (lokal deutlich über 60 dBZ) sowie der Vertikalanalyse kam es wahrscheinlich auch zu Hagel.

Zwischen Freital und Wilsdruff kam es relativ schnell zu weiteren Neuentwicklungen. Wenn die „natürliche Beleuchtung“ durch Blitze stimmte, konnte eine äußerst beeindruckende Aufwindbasis beobachtet werden:

Aufwindbasis einer Gewitterzelle über der Gompitzer Höhe (Dresden) um 22:25 Uhr

Die Aufnahme des Aufwindes entstand nur wenige Kilometer südlich des Kernes. Im Hintergrund ist bereits die Böenfront des heranziehenden Clusters aus Mittelsachsen zu sehen. Der Blitz, welcher für diese äußerst ansehnliche Ausleuchtung der Kulisse sorgte, ist hier verlinkt. Es handelte sich um einen 41 kA starken, positiven Einschlag auf eine unbewaldete Anhöhe westlich von Klipphausen.

Wie oben bereits beschrieben trafen die Gewitter auf eine recht gute Scherung, was in Sachsen die Bildung eines nicht gerade kurzlebigen Systemes mit mesozyklonalen Elementen ermöglichte. Ein solches bildete sich auch südlich von Wilsdruff beim Eintreffen der starken Zellen aus Nordwesten:

Böenfront um 22:30 Uhr – kurz danach ist sie leider zerfallen

Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit ins Erzgebirge, auch hier kam es zeitweise zu rotierenden Zellen, kleinkörniger Hagel war ebenso dabei.

Die Niederschlagssummen hielten sich in unserer Region in Grenzen, es blieb meist bei 10 bis 30 l/m². Die lokalen Schwepunkte lassen sich gut auf der Radarsummen-Karte nachbetrachten. Von Weißenfels bis nach Döbeln gab es teilweise 30 bis 40 l/m² Regen in kurzer Zeit. Am meisten Regen hat Großweitzschen-Westewitz bei Döbeln gemessen, am Dienstagmorgen wurden 34,2 mm gemeldet (inklusive einzelner Regenfälle in der zweiten Nachthälfte). Dippoldiswalde-Reinberg meldete im gleichen Zeitraum 21,7 mm, von denen 18,3 mm auf die abendlichen Gewitter zurückzuführen sind. Warnwürdige Windböen wurden nicht gemessen, wenngleich es lokal mal zur ein oder anderen Sturmböe gekommen sein kann. Über größere Schäden ist nichts bekannt.

Als Fazit kann man die Gewitterlage als gelungenen Saisonauftakt bezeichnen. Bis auf lokale Überschwemmungen (vor allem in NRW, leider auch wieder im Ahrtal) kam es kaum zu unwetterartigen Entwicklungen. Quasi ein normales Sommergewitter, zwar mitten im Mai, was die Trockenheit zumindest kurzfristig etwas lindern konnte.