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Herbstwetter!

Eine kühle Nordlage beschert uns seit einigen Tagen das erste „echte Herbstwetter“ des Jahres. Wir befinden uns in einem kühlen, windigen und regnerischen Witterungsabschnitt, immer wieder gibt es aber auch freundliche Momente. Für die Natur sind die Niederschläge ein wahrer Segen.

Vor nicht einmal 2 Wochen erlebten wir noch Sommerwetter vom feinsten – vier Sommertage zählt der September bis dato an der Wetterstation Dresden-Strehlen. Am 05. September lag die Tagesabweichung im Deutschlandmittel bei ca. 5 Grad. Am 09. September folgte eine Gewitterlage, welche besonders in Bautzen schwere Schäden brachte. Eine nahezu stationäre Linie mit Starkregenschauern und kräftigen Gewittern erstreckte sich vom Osterzgebirge bis in die Oberlausitz, den Schwerpunkt mit bis zu 120 mm Niederschlag in wenigen Stunden gab es genau über Bautzen. Aus der Ferne betrachtet, besonders aber im letzten Abendlicht, waren die Gewitterzellen äußerst fotogen:

Aus einem ehemaligen Hurrikan entwickelte sich zu Beginn der zweiten September-Dekade ein Trog, welcher zum 13. September vor der Iberischen Halbinsel anlegte und nochmal einen Schwall Warmluft nach Mitteleuropa brachte. Trog und korrespondierendes Bodentief wurden in den Tiefdruckkomplex über Fennoskandinavien eingegliedert, sodass sich ab dem 16. September endgültig eine zyklonale Nordlage durchsetzte. Dazu nachfolgend eine Übersicht der Großwetterlage am 17. September:

Ein abgeschlossener Höhentrog mit Zentrum über Südfinnland, sowie ein Höhenrücken von Spanien bis nach Grönland lassen polare Luftmassen nach Mitteleuropa ziehen (selbstverständlich angewärmt durch die Nordsee). Die Trogspitze liegt am 17. Sep. über Norditalien, was dort eine heftige Zyklogenese mit katastrophalen Unwettern induziert. Im 850hPa-Niveau sanken die Temperaturen auf etwa 0°C bis 4°C ab, mit den niedrigeren Werten an der Nordseeküste. In den Wintermonaten würde dieses „Blocking“ der atlantischen Frontalzone wohl ein gutes Setup für winterliches Wetter sein.

Generell sind Nord- und Nordwestlagen ideales Wetter für klassisches Aprilwetter, ausgelöst durch höhenkalte Luft. Im Herbst können die Auswirkungen besonders intensiv sein, da es bodennah oft noch sehr warm ist. An diesem Wochenende gab es einen besonders beeindruckenden Temperaturgradient vom Boden bis in die hohe Atmosphäre:

Quelle: UWYO

Exemplarisch sehen wir oben den Radiosondenaufstieg aus Lindenberg am 17. September um 20 Uhr MESZ. Am Boden wurden ca. 13°C gemessen, in 9000 m ü. NN (ca. 290 hPa) hingegen knapp -55°C, eine Temperaturdifferenz von 68 K sieht man auch bei ausgeprägter Höhenkaltluft eher selten. An der Nordseeküste war die Differenz zeitweise noch höher.

Die, durch Höhenkaltluft hervorgebrachte, Konvektion wurde durch einige Randentwicklungen weiter vorangetrieben. Fast schon „Frontartig“ anmutend erstreckt sich am 16. Sep. ein Regengebiet, mit eingelagerten Gewittern, von Schleswig-Holstein, über Ostfriesland, bis auf die Nordsee. In der DWD-Bodenanalyse wird diese Welle als Konvergenz kartiert, sie ist auf den Isobaren ganz klassisch als Wellenbewegung erkennbar.

Am Wochenende folgt eine weitere Randentwicklung, diesmal allerdings zusätzlich in Form eines Randtroges in der Höhe inklusive bodennaher Wellenentwicklung. Zeitweise entsteht sogar ein abgeschlossenes Höhentief, welches wieder zu entsprechender Konvektion führt. Ein weiterer Randtrog folgt am Sonntag, der vorerst letzte wird am Dienstag erwartet.

Ein paar Impressionen des windigen Herbstwetters vom Wochenende:

Probleme macht immer noch die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar gibt es bis in ca. 40 cm Tiefe aktuell eine weitestgehende Entspannung der Situation, bis in einem Meter Tiefe sieht es allerdings immer noch nicht gut aus. Die nutzbare Feldkapazität liegt hier teilweise immer noch unter 40 %. Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sei an dieser Stelle der interaktive DWD-Bodenfeuchte-Viewer zu empfehlen.

Oben wurde es schon angerissen, die Nordlage brachte das erste mal in diesem met. Herbst Luftmassen polaren Ursprunges zu uns. In den Alpen gab es oberhalb von etwa 1500 m die ersten Schneefälle.

Um 00:10 Uhr am 18.09.2022 wurde auf dem Fichtelberg das erste mal in diesem Herbst der SYNOP-Code WW70 gemeldet. Um 00:50 Uhr folgte WW69 und um 03:40 Uhr sogar WW72/73. Die genannten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen stellen Teile sog. SYNOP-Schlüssel dar, einer in der Meteorologie einheitlichen Codierung für Wettermeldungen. Diese SYNOP-Dateien haben mehrere Dutzend Stellen, üblich sind 55 Stellen. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es bei der FU Berlin (im Webarchiv). Nun aber zur Erklärung der Wettermeldungen vom Fichtelberg: Gemeldet wurden leichter Schneefall (WW70), mäßiger oder starker Schneeregen (WW69) und unterbrochener oder durchgehender, mäßiger Schneefall (WW72/73). Vereinfacht gesagt: Der erste Schnee! Zwar blieb er nicht liegen, einen Absatz ist er dennoch Wert 😉

Abschließend noch zum Wind, dieser spielte, wie in der Einleitung beschrieben, ebenso eine Rolle. Im Flachland blieb es bei Böen von Bft 5 bis 7, auf Sachsens höchster Erhebung gab es mit 97,2 km/h in der Nacht zum Sonntag hingegen schwere Sturmböen. An der Nordsee wurde es sogar orkanartig mit bis zu 104 km/h.

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Höhenkaltluft bringt zahlreiche Schauer und Gewitter

Nachdem die Kaltfront von Tief Nasim schweren Sturm bis ins Flachland brachte, gab es am Wochenende „Aprilwetter deluxe“ mit unzähligen Schauern und vielen Gewittern.

© wetterzentrale.de; bearbeitet

Am Samstag (09. April) befindet sich von Skandinavien bis nach Osteuropa eine ausgeprägte Tiefdruckzone. Rückseitig davon wird polare Kaltluft, besonders in der Höhe, nach Mitteleuropa befördert. Zudem befindet sich über Frankreich ein schwacher Zwischenhochkeil, welcher dem Westen Deutschlands schon eine etwas trockenere Luftmasse bringt.

Vertikalprofil Lindenberg, 09. April 02 Uhr MESZ; ©University of Wyoming

Im Sounding ist schön dieser enorme Temperaturgradient zu sehen. Am 09. April um 02 Uhr MESZ liegt die Bodentemperatur bei ca. 3°C, in ca. 9,5 km Höhe bei -60°C. Dieser enorme Temperaturgradient sorgte ab den Vormittagsstunden für ein kräftiges Aufleben der Schauer- und Gewitteraktivität. Der kräftige Höhenwind trägt sein übriges bei.


Der folgende Absatz beschreibt die Lage am 09. und 10. April in einem Bildbericht stark räumlich begrenzt, es wird nur auf einzelne Schauer/Gewitter eingegangen. Alles andere würde den Rahmen mehr als sprengen.

Um 13:30 Uhr ließ sich aus der Ferne dieser imposante Schauer zwischen Nossen und Wilsdruff beobachten. Die Cumuluswolke vorne links ist ein zweiter Schauer, zum Zeitpunkt befand sich dieser bei Herzogswalde/Mohorn.

Rasch mauserte sich der Schauer zu einem kräftigen Graupelgewitter mit einem schwachen Böenkragen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (13:50 Uhr) befand sich das Gewitter zwischen Kesselsdorf und Freital. Zur „besten Zeit“ der Zelle wurde das 18 dBz-Top in 7 km Höhe registriert, das ist relativ hoch für Höhenkaltluft. Schaut man sich aber nochmal den Radiosondenaufstieg mit über 60K Temperaturgradient an, so verwundert das wenig. Die Zelle warf von Kesselsdorf bis nach Bannewitz zeitweise größeren Graupel.

Ein zweites, wieder äußerst fotogenes Gewitter bildete sich bereits gegen 14:40 Uhr als Schauer bei Halle (Saale).

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (16:45 Uhr) befand sich die Gewitterzelle zwischen Nossen und Ziegenhain. Eigentlich kaum klassisch für Höhenkaltluft hat diese Zelle eine optisch sommerliche Struktur:

Auch diese Zelle hatte, wie die Zelle vom frühen Nachmittag, einen 18dBz-Top von ca. 7 km. Kurz vor den Toren Dresdens fiel das Gewitter leider wieder zusammen.

Südöstlich von Döbeln bildete sich gegen 17 Uhr eine neue Gewitterzelle, welche mehr oder weniger nahtlos an das oben beschriebene Gewitter angrenzte. Typisch für Höhenkaltluft gab es eine sehenswerte Rückseite zu bestaunen:

Am Sonntag (10. April) ging das Aprilwetter munter weiter. Allerdings machte sich der Hochdruckkeil aus Westen schon langsam bemerkbar, sodass der Sonntag mit dem Samstag kaum mithalten konnte.

Diese Aufnahme entstand am Sonntag um 13:30 Uhr, der Schauer befand sich zwischen Freital und Rabenau und brachte Graupel:

Ein zweiter Schauer kam hinterher:

Doch mehr gab es nicht zu beobachten.

Am Montag hatte sich der Hochdruckeinfluss vollständig durchgesetzt, nur noch Richtung Erzgebirge gab es flache Konvektion ohne Niederschlag.

Nach dem Frühlingswetter am heutigen Dienstag und am Mittwoch wird es ab Donnerstag wieder unbeständiger und kühler. Auch zu Ostern geht es etwas kühler weiter.