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Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen

Sonnenanbeter kommen dieser Tage gänzlich auf ihre Kosten, bis auf den Samstag schien die Sonne in der vergangenen Woche fast von früh bis spät. Die Temperaturen pendeln auf einem sommerlichen Niveau und die Trockenheit geht weiter.

In der obigen Galerie sehen wir die Entwicklung der Großwetterlage der vergangenen fünf Tage. Zunächst hat sich von den Azoren bis nach Sibirien eine umfangreiche Hochdruckzone entwickelt, im Großwetterlagenkatalog nach Hess und Brezowski wird diese Wetterlage Hochdruckbrücke Mitteleuropa genannt. Durch einen Trogvorstoß über dem östlichen Nordatlantik sowie die Entwicklung eines Kaltlufttropfens über Ost-/Mitteleuropa wurde die Hochdruckbrücke durchbrochen und es hat sich wieder die bekannte Wetterlage des bisherigen Sommers eingestellt, der Trog Westeuropa. Er pumpt wieder subtropische Heißluft nach Mitteleuropa.

Nach der großen Hitze Anfang August mit Höchsttemperaturen von bis zu 37°C kühlte es in der vergangenen Woche etwas ab. Die Ostströmung hat zur Folge, dass es nur mäßig warm wurde, die 30°C-Marke wurde nach dem 05. August bisher nicht mehr erreicht. Auch die Tiefsttemperaturen waren äußerst angenehm und gut zum Durchlüften, das Erzgebirge meldete sogar mehrfach Frost. Selbst in Dresden gab es zeitweise nur einstellige Tiefsttemperaturen.

Altocumuli am 11. August 2022

Angesprochen wurde bereits der Kaltlufttropfen, in der Meteorologie auch gerne als „Höhen-Ei“ bezeichnet. Diese erschweren die Wettervorhersage erheblich, da ihre Zugbahn nur schwer zu berechnen ist. Unter einem Kaltlufttropfen versteht man eine Art „Blase“ mit kälterer Luft in der Höhe, welche gerne für starke Bewölkung, Regen oder, je nach Setup, auch für Gewitter sorgt.

Sonnenaufgang am 13. August

Dieser Kaltlufttropfen machte sich vor allem durch zeitweise Bewölkung bemerkbar. Am Samstag (13. August) gab es seit langem mal wieder einen relativ trüben Tag. Lausitz und Osterzgebirge waren dabei die bewölktesten Regionen, Dresden-Klotzsche (Flughafen) meldete nur ca. 1,7 Sonnenstunden, welche überwiegend am Morgen sowie am Abend gemessen wurden. Einzelne schwache Schauer waren dabei, überwiegend waren die Mengen aber nicht im „ernstzunehmenden“ Bereich. In Zinnwald-Georgenfeld wurden es immerhin 0,7 mm.

Die Vegetation ist teilweise nur noch spärlich vorhanden – die Bilder könnten auch unschwer aus der Steppe stammen

Die kommende Woche dürfte zumindest lokal eine minimale Liderung der Dürre bringen – Schauer und Gewitter stehen an. Zudem wird es wieder heiß. In der zweiten Wochenhälfte könnte es möglicherweise ergiebigere Regenfälle geben, dies ist allerdings noch sehr unsicher.

Extreme Dürre setzt sich fort – Neuer Rekordsommer?

Bisher war der Sommer viel zu trocken – seit März steckt Sachsen in einer außergewöhnlichen Trockenperiode fest, das Wort „Dürre“ trifft es viel besser. In vielen Bundesländern ist der trockenste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn nicht unwahrscheinlich, auch bei der Temperatur werden wir wohl in den Top-5 der heißesten Sommer seit 1881 landen.

Pünktlich zum 01. August hat im Deutschlandmittel der phänologische Spätsommer begonnen, zwei Tage früher als im langjährigen Durchschnitt. Bis auf den phänologischen Winter und Vorfrühling lagen bisher alle Jahreszeiten bzgl. der Dauer relativ gut im Schnitt. Alles in Ordnung also? Mitnichten:

Zahlreiche Bäume leiden unter extremen Trockenstress. Das „harmloseste“ ist dabei wohl noch das „herbstliche Flair“ durch Blattverfärbung, einige Bäume haben schon ihr gesamtes Blattwerk abgeworfen oder sind teilweise völlig abgestorben. Vertrocknete Wiesen gehörten, spätestens seit dem Dürresommer 2018, zum Erscheinungsbild der Sommermonate, der Sommer 2022 legt allerdings nochmal nach und entlaubt durch fehlende Regenfälle ganze Wälder:

Insbesondere die eigentlich sehr robusten Birken fallen aktuell mit sehr intensiver Laubfärbung auf, viele dieser Bäume sind schon völlig kahl. Anders als bei der Borkenkäfer-Plage 2018-2020 sind nun nicht mehr hauptsächlich Fichten-Monokulturen betroffen, auch heimische Laubmischwälder haben unübersehbar mit der Dürre zu kämpfen. Viele Bäume hatten 2022 ein Mastjahr, auch aufgrund des relativ nassen Sommers 2021. Unter einem Mastjahr versteht man einen sehr starken Blütenansatz im Frühjahr, besonders Fichten fielen mit einer sehr starken Blüte auf. Dies raubte den Bäumen viel Energie und schwächte sie zusätzlich. Fichtenwälder, welche die Sommer 2018 bis 2020 relativ gut überstanden haben, bekommen dieses Jahr wieder massive Probleme. Die Landschaft ähnelt zunehmend, etwas überspitzt gesagt, einer Savanne, die Versteppung ganzer Landstriche in Deutschland ist zunehmend sichtbar (siehe Titelbild).

Neben den Wäldern leidet auch die Landwirtschaft sehr, besonders die Maisernte dürfte in Südwest- und Ostdeutschland teilweise ein Totalausfall werden. Einen Beitrag aus dem Südwesten gibt es im Wetter-Ticker von Wetteronline.

Ein besonders starkes Niederschlagsdefizit gibt es in diesem Sommer in den Mittelgebirgen. Von der Pfalz und dem Oberrhein bis in die Lausitz, aber auch im Norden Bayerns, in Hessen und bis an die Ostsee fehlt viel Regen. Die Niederschlagsmengen fünf ausgewählter Stationen im met. Sommer in unserer Region (Stand 10. August; Prozentangaben bezogen auf das Mittel 1961-1990):

  • Dresden-Strehlen: 48,2 l/m² (18 %)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 69,0 l/m² (28 %)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 69,7 l/m² (30 %)
  • Zinnwald-Georgenfeld: 117,4 l/m² (40 %)
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 148,7 l/m² (51 %)

Die höchsten Regensummen gab es klassisch im Erzgebirge. Dazu muss man aber sagen, dass die Summen aus Zinnwald und Deutschneudorf von zwei Einzelereignissen stark geprägt waren. An beiden Stationen fanden diese am 27. Juni statt, Zinnwald-Georgenfeld meldete eine 24h-Niederschlagssumme von 35,0 l/m², Deutschneudorf-Brüderwiese sogar 78,4 l/m². Letzterer Wert nimmt aktuell Platz 4 für die höchste Tagesniederschlagssumme des Sommers ein.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Dienstag eine Grafik bezüglich der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Im Deutschlandmittel wird dieser Rekord aktuell durch den Sommer 1911 (123,9 l/m²) gestellt, gefolgt von 2018 (129,4 l/m²). Der Sommer 2022 steht aktuell bei 103,1 l/m² deutschlandweit, im Sachsen-Mittel bei 77,5 l/m² (Rekord: Sommer 1904 mit 87,5 l/m²). In der nächsten Woche könnte es durch ein Höhentief Niederschläge geben, flächig wird dies allerdings nicht zur Linderung der Dürre beitragen. Auch die dritte Augustdekade bietet noch etwas Spielraum.

Bei der Mitteltemperatur steht der Sommer 2022 aktuell bei 18,9°C (Sachsen: 19,2°C). Im Deutschlandmittel ist 2003 mit einer Mitteltemperatur von 19,65°C aktuell das Maß der Dinge, auf Sachsen bezogen gab es 2019 mit einer Mitteltemperatur von 19,9°C den wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Angesichts der kommenden, voraussichtlich sehr warmen zweiten Augustdekade kann nicht ausgeschlossen werden, dass 2022 den wärmsten Sommer seit 1881 stellen wird. Stand jetzt wird es wohl nicht zu einem neuen Rekord reichen, ein Platz in den Top-5 scheint aber sehr wahrscheinlich. Tagesaktuelle Daten gibt es auf mtwetter.de.

Mehrtägige Hitzewelle zum Auftakt in den August

Wir befinden und mitten in der heißesten Zeit des Jahres, den Hundstagen. Da darf eine intensive Hitzewelle schon mal vorkommen. Dennoch müssen wir wieder über neue Rekorde berichten.

Man muss schon gar nicht mehr viel erklären: Die Wetterlage ist quasi identisch zu jenen, welche die vergangenen Hitzewellen brachte. Ein Langwellentrog, welcher bis vor die Iberische Halbinsel reicht, „schaufelt“ gemeinsam mit einem Höhenrücken Heißluftmassen nach Mitteleuropa. Das Ausräumen der Hitze findet, erneut, ohne viel Niederschlag statt, die Dürre geht in eine neue Runde.

Heiße Tage…

Die Tageshöchsttemperaturen an drei ausgewählten Wetterstationen des DWD in der Region:

36,9°C wurden in Dresden-Strehlen in der Spitze gemessen. Auch deutschlandweit war der 04. August der bisher heißeste Tag des Monats. Die fünf höchsten Temperaturen:

  • Bad Kreuznach: 39,6°C
  • Kitzingen: 39,2°C
  • Waghäusel-Kirrlach: 39,1°C
  • Saarbrücken-Burbach: 39,0°C
  • Bad Neunkirchen-Mergentheim: 38,7°C

Neue Allzeitrekorde wurden unter anderem in Müllheim (38,7°C) und Weinbiet (38,0°C) verzeichnet. Zudem gab es viele neue Stationsrekorde für den Monat August, beispielsweise in Bad Kreuznach (39,6°C) oder auch Bernburg/Saale (38,0°C), letztere Messreihe reicht bis ins Jahr 1898 zurück.

… und sehr warme Nächte

Eine zusätzliche Wärmebelastung entstand durch die verringerte nächtliche Abkühlung. Speziell die Nächte auf den 04. und 05. August waren äußerst warm. Die höchste nächtliche Tiefsttemperatur meldete Kubschütz im Landkreis Bautzen am Morgen des 05. August, das Thermometer fiel dort nicht unter 25,8°C, was auch einen Stationsrekord für den Monat August bedeutete (0,3 K unter dem Allzeitrekord für ganz Sachsen, 4,2 K unter dem Deutschland-Allzeitrekord). In der Nacht zum 04. August meldete zudem Dresden-Klotzsche einen neuen Stationsrekord für den Monat August, es kühlte nicht unter 22,8°C ab.

Keine nennenswerten Regenmengen

In der Nacht zum Samstag, den 06. August, zog eine Kaltfront durch und räumte die Heißluft aus. Nur lokal gab es ein einzelnes Gewitter. Von Dippoldiswalde bis nach Bischofswerda hatte man Glück – wiederholter Starkregen brachte laut Radaranalyse lokal 7 bis 13 l/m². Dippoldiswalde-Reinberg war, zusammen mit dem Fichtelberg, sogar jene Station mit der höchsten gemessenen Regenmenge, 7,7 mm sind es geworden. Dresden-Gohlis, traditionell sehr trocken, musste sich mit 0,9 l/m² begnügen. Für eine Entspannung bei der anhaltenden Dürre reichen die gefallenen Mengen nicht im Ansatz.

Birken unter extrem starken Trockenstress
auf dieser Aufnahme leiden insbesondere die Birken unter massivem Trockenstress – der gesamte Wald ist extrem geschwächt

Zweite Hitzewelle des Jahres – Dürre hinterlässt erste sichtbare Schäden

Nach einer teilweise frostigen Nacht stand eine neue Hitzewelle an, die zweite des laufenden Jahres. Wir schauen diesmal weit über den Tellerrand und blicken auch auf das wütende „stille Unwetter“, die Dürre.

trockene Wiesen, trockene Felder und ein mehr als angeschlagener Wald…

Synoptik

Genau einen Monat nach der historischen Juni-Hitzewelle stand die zweite große Hitze des Jahres an. Synoptisch wurde vieles schon im Bericht vom 17. Juli erklärt. Der Osteuropa-Trog ist zwei Tage später weiter nach Russland gezogen, das zugehörige Bodentief liegt in etwa über dem Ural. Östlich eines Troges vor der französischen Atlantikküste hat sich ein Höhenrücken bis ins westliche Skandinavien aufgebaut. Bodennah sind über Mitteleuropa keine klaren Druckverhältnisse auszumachen.

Deutschland

In Sachsen war die Hitzewelle wenig besonders. Die sachsenweit höchste Temperatur wurde in Bad Muskau mit 38,1°C gemessen, Dresden-Strehlen registrierte am 20. Juli einen Tageshöchstwert von 37,2°C. Dippoldiswalde-Reinberg meldete 34,3°C, Zinnwald-Georgenfeld verfehlte einen Hitzetag um 1,7 K. Neue Julirekorde wurden nur an wenigen sächsischen Stationen registriert.

Blickt man auf Gesamt-Deutschland, so stellt sich die Hitze wesentlich historischer dar. Schauen wir uns zunächst die Höchsttemperaturen am 19. Juli an:

  • Duisburg-Baerl (NW): 39,5°C
  • Geilenkirchen (Flugplatz; NW): 39,3°C
  • Tönisvorst (NW): 39,2°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 39,1°C
  • Heinsberg-Schleiden (NW): 38,8°C

In Emstetten (Meteomedia/dtn-Messnetz) wurden bereits 40,0°C gemessen. Zum einen zählt dieser Messwert allerdings nicht zum ofiziellen DWD-Netz, zum anderen gibt es erhebliche Zweifel an der Verwendbarkeit dieses Wertes. J. Kachelmann kritisiert unter anderem einen nicht intakten Strahlungsschutz. Noch gab es nur wenige Allzeitrekorde, dies sollte sich aber am 20. Juli ändern:

  • Bad Neunkirchen-Mergentheim (BW): 40,3°C
  • Hamburg-Neuwiedenthal: 40,1°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 40,0°C
  • Huy-Pabstorf (SH): 40,0°C
  • Wendisch Evern (NI): 39,9°C

Zunächst zum Wert aus Bad Mergentheim: Der Deutsche Wetterdienst wird diese Messung zwar nicht gänzlich annulieren, sie allerdings nicht als Rekord werten. Ursächlich hierfür ist ein relativ ungünstiger Standort mit zu viel Bewuchs und Bebauung, siehe dazu einen Tweet der DWD-Pressestelle vom 21. Juli. Baden-Württemberg hat daher keinen neuen Hitzerekord aufgestellt.

Die eigentliche Aufmerksamkeit liegt allerdings auf den historischen Höchstwerten im Norden Deutschlands. Dort kannte man diese „Dimensionen“ der Temperatur bisher nicht, 40°C gab es in Hamburg seit Beginn der Aufzeichnungen nicht.

Unter den Top-50 der heißesten DWD-Wetterstationen Deutschlands gab es nur drei Stationen ohne einen neuen Allzeit-Hitzerekord. Besonders bemerkenswert ist aber wie schon beschrieben nicht die Hitze an sich, sondern die Orte mit den heißesten Temperaturen. Die klassischen „Hitze-Hotspots“ wie der Oberrheingraben waren kaum betroffen.

Lage in Großbritannien und Frankreich

In Großbritannien erreichte die Hitzewelle am 19. Juli 2022 ihren Höhepunkt. Die Heißluftmassen sind ungewöhnlich weit nach Norden voran gekommen. Im 850 hPa-Niveau befanden sich die wärmsten Luftmassen über dem Süden Englands mit Höhenwerten von 23°C bis 25°C. Am Boden (2 m Höhe) wurden die höchsten Werte allerdings an der Ostküste gemessen. An der Südküste war schlichtweg der Ärmelkanal als „Kühlung“ zu nah.

Die Hitzewelle stellte in Großbritannien einen neuen Allzeitrekord auf. In Coningsby (England), ziemlich an der Ostküste, wurden am 19. Juli 40,3°C gemessen. Selbst in Schottland gab es – für dortige Verhältnisse – extreme Hitze mit bis zu 35,1°C in Floors Castle, auch dies ist ein neuer Allzeitrekord.

Kurz noch ein Blick ins hitzeerprobtere Frankreich: Im Westen des Landes lagen die Höchsttemperaturen bei 37°C bis 43°C. Es gab hier zwar keinen neuen nationalen Hitzerekord, zahlreiche Stationsrekorde wurden allerdings gebrochen.

Ausräumen ohne nennenswerte Niederschläge

Zum wiederholten Mal ging das Ausräumen der Heißluft ohne nennenswerte Niederschläge oder gar Gewitter einher. Die „höchste“ Regensumme der Region wurde in Rechenberg-Bienenmühle-Holzhau mit 2,8 mm gemessen, in Dippoldiswalde-Reinberg fielen immerhin noch 2,1 mm in den Regenmesser. Auf dem Papier war nicht viel zu holen. Ein Mix aus turbulenter Höhenströmung, Erzgebirgs-Lee sowie dem Outflow einer Schauerlinie zwischen Radeberg und Altenberg (Radarbild zum Zeitpunkt) brachte immerhin eine ansehnliche Kombination aus Asperatus-Wolken und einem schwachen Böenkragen hervor:

Das „stille Unwetter“ Dürre

Da Trockenheit zunächst einmal keine unmittelbaren Schäden, wie zum Beispiel Überflutungen oder Hagelschlag, nehmen viele Menschen Dürre wenig direkt wahr. Am Nachmittag des 24. Juli liegt der Elbepegel in Dresden bei 71 cm bei einem Durchfluss von 106 m³/sek. Dies ist im Bereich des mittleren Niedrigwassers. Hätte es in Tschechien vor einigen Tagen/Wochen keine Starkniederschläge gegeben, wäre die Elbe inzwischen vermutlich bei einem bedrohlich niedrigen Wasserstand.

Wesentlich angespannter ist die Situation aktuell an kleinen Bächen bzw. der gesamten Vegetation. Wiesen und Felder sind völlig ausgetrocknet. Während sich erstere bei den nächsten Regenfällen ziemlich wahrscheinlich erholen werden, führt die Trockenheit aktuell zu massiven Ernteeinbußen der Landwirte. Auch das gesamte Ökosystem Wald ist aktuell mehr als gefährdet. Lokal sieht es aus wie im Herbst, Bäume werfen die Blätter ab oder sind schon völlig vertrocknet:

Für unzählige, schon geschwächte Fichten dürfte der Sommer 2022 der Todesstoß sein. Nach den Sommern 2018, 2019 und 2020 benötigte es jetzt eigentlich großräumige Landregenfälle, stattdessen sind bis auf weiteres keine „brauchbaren“ Regensummen zu erwarten. Auch die Laubbäume geben zunehmend „den Geist auf“ und versuchen sich durch Blattabwurf irgendwie durchzuschleppen.

Ein Waldsterben hat speziell mittel- bis langfristig erhebliche Folgen, auch für die Bevölkerung. Generell werden die Wälder anfälliger für Schäden durch Ereignisse jeder Art (Wind, Hagel, Starkregen, Insekten (z. B. Borkenkäfer), kürzere Trockenzeiten). Borkenkäfer-Holz hat schlechtere Heizwerte als gesundes Fichtenholz und kann wesentlich schlechter verarbeitet werden, somit gibt es Einbußen in der Forstwirtschaft. Desweiteren wird der Boden wesentlich anfälliger für Erosion, was auch die Gefahr von Überschwemmungen oder gar Hangrutschen birgt.

Bereits am Montag wird wieder Hitze erwartet. Bis zu 37°C werden berechnet. Es geht zwar recht schnell wieder etwas kühler weiter, bis auf lokale Ereignisse wird es bis auf weiteres keine Niederschläge geben:

Ensemble GFS 06z vom 24. Juli: Jede Linie zeigt einen Lauf, sog. Member. Sämtliche Signale auf Niederschlag sind äußerst verhalten.

Rückblick auf einen außergewöhnlichen Juni

Der Juni war, speziell im Osten Deutschlands, alles andere als gewöhnlich. Fast schon „wie üblich“ war es deutlich zu mild und deutlich zu trocken. Eine Analyse.

Kornblumen in einem trockenen Rapsfeld

Im Deutschlandmittel war der Juni genau 3 K gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 zu warm, was in dieser Hinsicht den sechstwärmsten Juni seit Messbeginn bedeutet. Zum Erreichen des Niederschlagssolls fehlte im Deutschlandmittel ca. ein Drittel. Eine ausführliche Analyse des Deutschlandwetters im Juni 2022 hat der Deutsche Wetterdienst in einem Presseartikel zusammengestellt.

Vor allem der Süden Deutschlands war im Juni von zahlreichen Schwergewitterlagen betroffen, welche auch mit schweren Verwüstungen durch Hagelstürme einhergingen. Besonders in Erinnerung bleiben wird allerdings die Rekord-Hitze vom 18. und 19. Juni. In einem 14-seitigen Dokument analysiert der DWD die Hitzewelle und ordnet sie klimatologisch ein. 39,2°C – das war der deutschlandweite Höchstwert, gemessen in Dresden-Strehlen und Cottbus.

Im Osterzgebirge und im Dresdner Raum war der Juni ca. 3 K bis 4 K zu warm, die Abweichung lag hier also etwas über dem Deutschlandmittel. Die Niederschlagsverteilung war ziemlich klassisch – das Erzgebirge vermeldete die höchsten Regenmengen und auch die geringeren Abweichungen zum Durchschnitt. Während in Dresden nur 30 bis 40 Prozent des langjährigen Mittels gefallen sind, meldeten die Wetterstationen des mittleren und östlichen Erzgebirges zumindest Werte über 50 % des Mittels. Über den Tellerrand geschaut: Besonders viel Niederschlag gab es im Raum Zittau: Stellvertretend meldete Bertsdorf-Hörnitz ca. 103 mm Niederschlag – über 150 % des Mittels. Darauf kommen wir später nochmal zurück.

Dresden-StrehlenDippoldiswalde-ReinbergZinnwald-Georgenfeld
Mitteltemperatur20,6°C (+3,8 K) 18,2°C (+3,2 K)15,5°C (+3,8 K)
Hitzetage 6 Tage 3 Tage 1 Tag
Sommertage 19 Tage 15 Tage 3 Tage
Tropennächte 1 Nacht / /
Gesamtniederschlag31,5 mm (34 %)42,3 mm (55 %)61,5 mm (65 %)
Übersicht einiger meteorologischer Kennwerte für drei ausgewählte Stationen

Generell kann der Juni als, erneut, deutlich zu trocken eingestuft werden. Das einzige größere Niederschlagsereignis in unserer Region fand am 27. Juni statt. Zunächst entwickelten sich in schwül-heißer Luft erste Gewitter, welche sich am Nachmittag zu Schwergewittern mit Überschwemmungen und teils größerem Hagel entwickelten:

Im Laufe der Nacht zog dann ein größeres Starkregengebiet aus Süden auf und brachte weitere Niederschläge. Deutschneudorf-Brüderwiese meldete eine 24-Stunden-Regensumme von 78,4 mm. Der dortige Rekordwert von 91,5 mm (01. Juni 2013) war allerdings nicht in Gefahr.

Eisschirm der Schwergewitterzelle am 27. Juni östlich von Freiberg

Weiter oben wurden bereits die höheren Summen Richtung Zittauer Gebirge und Ostsachsen angerissen. Zumindest in diesem Juni ist dies auf eine recht ungünstige Verteilung der Druckgebiete zurückzuführen – dabei geht es nur um wenige 100 Kilometer. In Bayern entstanden öfters große Gewitterkomplexe mit entsprechendem Starkregen. Die Komplexe „bogen“ über Tschechien nach Norden „ab“, dies geschah aber einige Kilometer zu weit östlich, um den meisten Teilen von Sachsen noch Regen zu bringen. Ostsachsen hingegen bekam von den Regengebieten zumindest oft noch einen Randtreffer mit. Der Lee des Erzgebirges tut sein übriges dazu.

Die anhaltende Trockenheit konnte durch die Starkregenereignisse natürlich nicht gelindert werden. Der Elbepegel stieg durch heftige Regenfälle in Tschechien hingegen zeitweise deutlich über den Mittelwert an – der hiesigen Vegetation nützte das allerdings herzlich wenig.

In den kommenden Tagen setzt sich – bis auf eine Unterbrechung am Donnerstag – das trockene Hochdruckwetter fort, wenn auch deutlich kühler als noch zuvor.

Sommerlich anmutender Sommeranfang

Der Juni kann bisher mit nicht gerade unsommerlichem Wetter punkten – zumindest im Tiefland. Die Schattenseite ist der fehlende Niederschlag, verbreitet herrscht wieder eine ungewöhnlich starke Dürre vor.

Blicken wir kurz auf den Mai zurück und schauen uns einige Zahlen im sachsenweiten Mittel an:

  • Mittlere Temperatur: 14,6°C (+2,35K)
  • Gesamtniederschlag: 33,5 mm (50%)
  • Sonnenscheindauer: 273 Std. (142%)

Im Tiefland (repräsentativ DD-Strehlen) gab es im Mai bereits fünf Sommertage, im Bergland hingegen nochmal vier Bodenfrosttage. Die regionale Verteilung des Niederschlages hängte stark mit Schauern und Gewittern zusammen. Die höchsten Summen wurden wie üblich im Erzgebirge und dessen Vorland gemessen, der Raum Dresden kam nicht über 30 l/m² hinaus. Der größte Teil des Niederschlages ist auf die Gewitterlage vom 16. Mai zurückzuführen, was auch das letzte größere Niederschlagsereignis in unserer Region darstellt.

Meteogramm Mai 2022 für Dippoldiswalde-Reinberg; mtwetter.de

Der Juni gestaltet sich bisher vergleichsweise sommerlich. So meldet Dresden-Strehlen im laufenden Monat bereits vier Sommertage, Dippoldiswalde-Reinberg drei. Mit Ausnahmen sieht es auch beim Niederschlag sehr mau aus. Das Osterzgebirge und das Dresdner Umland kann vielerorts weniger als 10 l/m² Regen im laufenden Monat aufweisen. In der Sächsischen Schweiz sowie in Ostsachsen hat sich die Niederschlagssituation etwas entspannt. Zum einen ist dies auf lokale Niederschlagsereignisse zurückzuführen, zum anderen aber auch auf das Niederschlagsereignis vom 06. Juni:

In genannten Regionen kann der Juni bisher Regensummen von 20 bis 40 l/m² aufweisen. Auch der Mai war dort mit 50 bis 80 l/m² wesentlich nasser als das Osterzgebirge.

In den kommenden Tagen sind keine flächendeckenden Niederschläge zu erwarten, sodass sich die teilweise vorhandene Dürre (vgl. Dürremonitor des UFZ) wohl weiter verschärfen wird. Frühestens in der neuen Woche sind kräftigere Niederschläge im Bereich des Möglichen.

Die ersten Sommertage des Jahres

Das erste Mal in diesem Jahr haben wir diese Woche in unserer Region die 25-Grad-Marke überschritten. Freilich war es nicht überall so warm, 20°C stellten aber auch im Osterzgebirge keine Hürde dar.

Ursächlich für diese sommerlichen Temperaturen war eine warme Südwestströmung. Von den Kanarischen Inseln bis nach Skandinavien efand sich, zumindest in der Höhe, eine ausgedehnt Tiefdruckzone bzw. ein schwacher Höhentrog (Island bekam dabei nochmal äußerst winterliche Temperaturen ab). Bodennah stellte sich eine hochdruckbestimmte Westlage ein.

Schon am Dienstag (10. Mai) gab es in den wärmeren Regionen (z.B. im Leipziger Land oder im Elbtal) sommerliche Temperaturen. Sachsenweiter Spitzenreiter war Klitzschen bei Torgau mit 26,6°C, Dresden-Strehlen meldete eine Höchsttemperatur von 26,4°C. Noch wärmer wurde es am Mittwoch (11. Mai). Die obige Karte zeigt die Temperaturen in 850 hPa (ca. 1500 m Höhe) am Mittwochabend. Die wärmsten Temperaturen wurden mit 13 bis 16°C vom Schwarzwald bis in die Lausitz und südöstlich davon erreicht. An Sommertagen mit Hochdruckwetter werden diese Temperaturen gerne zur Einschätzung der zu erwartbaren Höchsttemperaturen verwendet. Bei trockener Luft steigt Luft trockenadiabatisch, das heißt ohne Abgabe von Energie, auf, was ca. 1K Temperaturabnahme je 100 m Höhenzunahme entspricht. Im Hochsommer kann man grob gesagt 15 bis 18 Grad auf die 850 hPa-Temperaturen aufschlagen um die Temperatur in 2 Meter Höhe abzuschäzten.

Deutschlandweit wurde die wärmste Temperatur in Ohlsbach (Baden-Württemberg) im Oberrheingraben mit 30,1°C gemessen. Dresden-Strehlen verfehlte den ersten Hitzetag nur knapp und meldete eine Höchsttemperatur von 29,6°C, was auch die höchste Temperatur in Sachsen war und deutschlandweit Platz 8 bedeutete. Im oberen Osterzgebirge war es nicht ganz so warm, in Zinnwald-Georgenfeld (knapp 900 m ü. NN) wurde eine Höchsttemperatur von 22,9°C gemessen. Der Fichtelberg hingegen schaffte es mit 19,8°C hingegen nicht über die 20-Grad-Marke hinaus.

Am Donnerstag-Vormittag wurde die Warmluft durch eine Kaltfront ausgeräumt. Gab es im Norden Deutschlands (speziell nördliches Brandenburg) am Mittwochabend noch kräftige Schauer und Gewitter, so kam die Kaltfront in Sachsen ohne einen einzigen Tropfen Regen an. Dabei wäre dieser weiterhin dringend nötig, siehe dazu den Artikel vom 06. Mai zur sich verschärfenden Trockenheit. Rückseitig dieser – zugegeben ziemlich enttäuschenden Kaltfront – verlief der Donnerstag mit Höchsttemperaturen von 17 bis 23 Grad wesentlich kühler.

Trockenheit nimmt wieder zu

Aktuell haben wir es mit frühlingshaftem Hochdruckwetter zu tun. Abseits einzelner Schauer im Erzgebirge bleibt es dabei durchweg trocken. Gerade im Frühling ist das allerdings problematisch, da die Vegetation auf Niederschläge angewiesen ist.

Blicken wir zunächst auf die Niederschläge im April:

Niederschlagssumme in Prozent des Mittels 1961-1990; Quelle: mtwetter.de

Deutlich ins Auge fällt eine ungleiche Verteilung der Niederschläge (Angaben in Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990). In der südlichen Mitte sowie im Norden Deutschlands wurde die zu erwartende Summe erreicht oder überschritten. Spitzenreiter ist Weinbiet mit mehr als der doppelten Monatssumme. Das Gegenteil findet sich im Raum Halle/Leipzig sowie in Teilen Brandenburgs. Am wenigsten Niederschlag fiel mit 8,6 l/m² (19%) in Wiesenburg im Westen Brandenburgs. Drei ausgewählte Werte aus unserer Region:

  • Dresden-Strehlen: 29,7 l/m² (42%)
  • Karsdorf (Rabenau): 44,4 l/m² (78%)
  • Rechenberg-Bienenmühle: 67,8 l/m² (124%)

Während im Erzgebirge die Summen weitestgehend erreicht oder überschritten worden, so ist erkennbar, dass das Erzgebirgsvorland samt Dresden teils deutlich unter dem Mittel liegt.

Quelle: UFZ; abgerufen am 06. Mai 2022

Der Dürremonitor des UFZ zeigt in weiten Teilen Ostdeutschlands, aber auch bis ins Münsterland und in Teilen des Südens eine außergewöhnliche Dürre in tiefen Bodenschichten. Das pflanzenverfügbare Wasser wird von der Ostseeküste bis an die Oder sowie vom Harz bis ins Leipziger Lang zunehmend knapp. Vom Niederrhein bis ins südliche Hessen sieht es ähnlich aus. Beim Oberboden sticht der Nordosten mit einer moderaten Dürre hervor.

Was eine naturnahe Bepflanzung ausmachen kann, sieht man anschaulich auf den folgenden beiden Bildern:

Während der Acker oberflächlich durch fehlende Bepflanzung stark ausgetrocknet und Erosionsanfällig ist, zeigt eine naturbelassene Wiese keinerlei Anzeichen von Trockenstress.

An der Niederschlagssituation wird sich auch in den kommenden Tagen wenig bis gar nichts ändern. Im Erzgebirge gab es in den letzten Tagen einzelne Schauer mit nur selten mehr als 3 l/m², zwischen Zittau und Löbau gab es auch ein Gewitter, mit 10 bis 15 l/m² konnte die Trockenheit dort immerhin lokal etwas abgemildert werden.

Schwacher Schauer am 04. Mai über dem Tharandter Wald