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„Turbo-Hitze“ pulverisiert Allzeitrekorde – massive Verschärfung der Trockenheit

Zwei Tage mit extremer Hitze liegen hinter uns. Wir werfen einen Blick zurück auf die extreme Lage und versuchen uns an klimatologischen Einordnungen.

Wetterlage am 18. Juni, 08 Uhr MESZ; (c) wetter3.de

Schauen wir uns zunächst die Synoptik am Samstag an. Im 500 hPa-Niveau finden wir zunächst ein Tiefdrucksystem zwischen Island und Norwegen. Ein kleiner „Cut-Off“ befindet sich Samstagfrüh vor der Portugiesischen Küste, ein Höhenrücken erstreckt sich von Nordafrika bis nach Frankreich. Ein weiterer Höhentrog reicht bis nach Griechenland. Bodennah ist die Synoptik noch nicht allzu anders, Mitteleuropa liegt unter gradientarmen Druckverhältnissen.

Speziell der westlich von uns gelegene Trog transportiert am Samstag heiße Luftmassen nach Mitteleuropa. Um 20 Uhr Ortszeit erreicht den Südwesten Deutschland die 22°C-Isotherme im 850 hPa-Niveau:

Das Lindenberger Sounding zeigt zur selben Zeit ca. 17°C bis 18°C in 850 hPa. Trockanadiabatisch (1 K Temperaturabnahme je 100 Höhenmeter) können wir bei diesen Höhentemperaturen mit 31°C in Brandenburg bis 36°C im Oberrheingraben rechnen. Da man durch starke Einstrahlung im Sommer schnell eine überadiabatische Schichtung erhält, waren von vorn herein etwas höhere Temperaturen zu erwarten.

Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am Samstag in Bad Kreuznach (RP) sowie Waghäusel-Kirrlach (BW) mit 37,1°C gemessen. In Sachsen meldete Plauen die höchste Temperatur, 35,1°C wurden hier erreicht. Dresden-Hosterwitz lag zusammen mit Bad Muskau auf dem zweiten Platz mit 35,0°C. Deutschlandweit wurden genau vier neue Stationsrekorde für den Monat Juni aufgestellt, alle im Südwesten mit sehr langen Messreihen. Die Höchstwerte wurden allerdings sogar etwas gedrückt, Saharastaub dämpfte die Einstrahlung etwas:

Sonnenuntergang vom 18. Juni

Der Sonntag wurde synoptisch betrachtet schon wesentlich interessanter. Diagonal über Deutschland baute sich entlang einer bodennahen Tiefdruckrinne eine markante Luftmassengrenze auf. Rückseitig lag eine teils strömungsparallel verlaufende Kaltfront, welche allerdings lange Zeit kaum wetterwirksam war. Eine Ausnahme stellt zu diesem Zeitpunkt noch der äußerste Norden dar, hier gab es teils kräftige Regenfälle.

Die 850 hPa-Werte stiegen bis Sonntagnachmittag auf bis zu 22°C:

Trockenadiabatisch hätten wir ca. 34°C bis 36°C zu erwarten gehabt. An den Höchstwerten zeigte sich aber die überadiabatische Schichtung.

Das deutschlandweite Maximum wurde an zwei Stationen erreicht. In Dresden-Strehlen zeigte das Thermometer am Sonntagnachmittag um genau 16:20 Uhr 39,2°C an. Der bisherige Junirekord wurde dort um 1,1 Grad übertroffen. Die Messreihe geht zurück bis ins Jahr 1936, der bisherige Rekord für den Monat Juni betrug bisher 38,1°C und war vom 30. Juni 2019.

Die zweite Station, welche die deutschlandweit höchste Temperatur am Sonntag gemessen hat, war Cottbus. Mit ebenfalls 39,2°C wurde der bisherige Monatsrekord (gemessen am 26. Juni 2019) ebenso um 1,1 Grad übertroffen. Allerdings war die Hitzewelle in Cottbus historisch: Die Aufzeichnungen dort gehen bis ins Jahr 1888 zurück. Noch nie seit mindestens 134 Jahren war es in Cottbus so heiß wie an diesem Sonntag – der bisherige Allzeitrekord von 38,9°C aus dem Juni 1921 wurde um 0,3 K übertroffen.

Beide Werte stellten auch einen neuen Rekord für den Monat Juni in den jeweiligen Bundesländern dar. Der absolute Deutschland-Junirekord wurde allerdings um 0,4 K verfehlt.

Zahlreiche Stationen haben am Sonntag neue Allzeitrekorde aufgestellt. Aufgrund der langen Messreihe seit 1934 sei noch der Flughafen Dresden-Klotzsche erwähnt: Mit 38,2°C wurde der Allzeitrekord aus dem August 2015 hier um 0,6 K übertroffen.

Die Spitzenwerte aus unserer Region (www.mtwetter.de); an allen Stationen wurde der bisherige Junirekord eingestellt:

  • Dresden-Strehlen: 39,2°C
  • Dresden-Hosterwitz: 38,9°C
  • Dresden-Klotzsche: 38,2°C (neuer Allzeitrekord)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 37,4°C (neuer Allzeitrekord)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 35,5°C
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 34,2°C
  • Zinnwald-Georgenfeld: 30,9°C

Verbreitet wurde die Hitze ohne einen Tropfen Niederschlag ausgeräumt. Oft war die Grundschicht einfach zu trocken, um signifikante Schauer oder Gewitter zu produzieren. Ein winziger Schauer zog am Sonntagnachmittag durch die Sächsische Schweiz und brachte immerhin ganz lokal ein klein wenig Abkühlung:

Eine Ausnahme hingegen bildete eine Superzelle bei Weimar als lokale Überentwicklung:

Von der Eifel bis in den Süden Brandenburgs kam es durch die schleifende Kaltfront und einem eingelagerten Gewittersystem zu ordentlichen Regenmengen:

Am Sonntagabend konnte durch auffrischenden Wind sogar Brandgeruch bis nach Dresden wahrgenommen werden. Ursache dafür dürften wohl die massiven Waldbrände in Brandenburg gewesen sein, der bisher traurige Höhepunkt der Trockenheit. Einige weiterführende Links zu den Bränden:

Zeitweise wurde dort der Katastrophenalarm ausgerufen, inzwischen haben starke Regenfälle die Lage etwas entspannt.

Klimatologisch stellt diese kurze Hitze ein Novum dar: Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn war es in Deutschland so heiß wie am Wochenende. Allzeitrekorde wurden teilweise regelrecht pulverisiert – und das noch vor dem astronomischen Sommeranfang. Schon im Juni lodern große Waldbrände in Brandenburg (kleinere Brände gab es auch schon vor einigen Wochen). Mit ziemlicher Sicherheit sind dies direkte Folgen des Klimawandels.

Die nächste Hitze steht schon vor der Tür: Noch diese Woche werden erneut über 30°C erwartet.

Gewitterlage am 16. Mai 2022

Am Montag beschäftigte uns die erste kräftige Gewitterlage des Jahres. Nachdem es schon vor einigen Wochen im Süden kräftige Gewitter gab, erfasste die Lage diesmal auch die Landesmitte und damit auch Sachsen.

Die Synoptik wäre eigentlich schnell erklärt. Zwischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik und Nordwest-Russland befindet sich ein Omega-artiger Höhenrücken, welcher weit nach Norden ausgreift. Knackpunkt ist allerdings ein schwacher Randtrog, der sich bis nach Mitteleuropa erstreckt und eine Bodentief-Rinne über Deutschland induziert:

Um 12 UTC (14 Uhr MESZ) befindet sich die Rinne etwa auf einer Linie Niederrhein-Oberösterreich. Nordöstlich davon befindet sich eine stabile Luftmasse, südwestlich ist die Luft labiler. Im äußersten Südwesten Deutschland (etwa Eifel-Schwarzwald und südwestlich davon) sickert zum Zeitpunkt wieder stabilere Luft ein.

In der Spitze sollten auf der labilen Seite 800 bis 1200 J/kg CAPE generiert werden. Allerdings fehlte dem Westen Deutschlands durch ein vorlaufendes Regengebiet wider Erwarten Einstrahlung, sodass es hier verbreitet nicht so stark kam wie erwartet (lokale starke Einzelentwicklungen ausgenommen). Die KO-Werte sollten bis ca. -10 absinken. Einen Deckel mit moderaten CIN-Werten gab es meist nur nach Durchzug von Schauern und Gewittern geben. Organisierte Zellen waren meist nicht zu erwarten, da es oft an hochreichender Scherung fehlte. Eher zu erwarten waren Einzelzellen sowie Verclusterungen, weshalb die größte Gefahr auch von Starkregenfällen und entsprechenden Überflutungen ausging.

Das Radarbild um 16 Uhr lässt sich in drei Regionen einteilen: Im Nordosten ist durch stabile Luft wenig bis gar nichts los. Von Ostfriesland bis ins Westerzgebirge erstreckt sich die Tiefdruckrinne mit zeitweiligen Niederschlägen, in Thüringen und Westsachsen waren diese auch etwas kräftiger. Vom Niederrhein bis nach Bayern befand sich eine Gewitterlinie, zum Teil verclustert, dahinter gab es nur noch einzelne Schauer und Gewitter. Zwischen Rinne und Gewitterlinie gab es am Nachmittag nochmal kräftige EInstrahlung, sodass nochmal, trotz Abkühlung durch den Regen, Energie generiert werden konnte. Die Höchsttemperaturen des Tages lagen bei 25 bis 29 Grad, im Bergland wurden 18 bis 23 Grad erreicht.

Gegen 18 Uhr überquerte der erste Regen das Osterzgebirge. Etwas Messbares kam aber nur in den seltensten Fällen runter. Im Norden Thüringens hatten sich währenddessen schon kräftige Gewitter gebildet und befanden sich um 18:40 etwa in einem Dreieck Eisenach-Weimar-Mühlhausen. Die Landesgrenze zu Sachsen überquerten die Gewitterzellen ab ca. 20 Uhr südwestlich von Leipzig, um 21 Uhr hatte sich ein starker Cluster gebildet.

Gewitterzelle über dem Tharandter Wald um 21:50 Uhr

Auch ab etwa 21 Uhr kam es zwischen Freiberg und Dresden, bis in die Sächsische Schweiz zu starken Neubildungen. Zeitweise konnten mesozyklonal anmutende Strukturen beobachtet werden (siehe Aufnahme), auch auf dem Doppler-Radar und der Radar-Analyse wurde kurzzeitig eine deutliche Rotation festgestellt. Anhand der Radarechos (lokal deutlich über 60 dBZ) sowie der Vertikalanalyse kam es wahrscheinlich auch zu Hagel.

Zwischen Freital und Wilsdruff kam es relativ schnell zu weiteren Neuentwicklungen. Wenn die „natürliche Beleuchtung“ durch Blitze stimmte, konnte eine äußerst beeindruckende Aufwindbasis beobachtet werden:

Aufwindbasis einer Gewitterzelle über der Gompitzer Höhe (Dresden) um 22:25 Uhr

Die Aufnahme des Aufwindes entstand nur wenige Kilometer südlich des Kernes. Im Hintergrund ist bereits die Böenfront des heranziehenden Clusters aus Mittelsachsen zu sehen. Der Blitz, welcher für diese äußerst ansehnliche Ausleuchtung der Kulisse sorgte, ist hier verlinkt. Es handelte sich um einen 41 kA starken, positiven Einschlag auf eine unbewaldete Anhöhe westlich von Klipphausen.

Wie oben bereits beschrieben trafen die Gewitter auf eine recht gute Scherung, was in Sachsen die Bildung eines nicht gerade kurzlebigen Systemes mit mesozyklonalen Elementen ermöglichte. Ein solches bildete sich auch südlich von Wilsdruff beim Eintreffen der starken Zellen aus Nordwesten:

Böenfront um 22:30 Uhr – kurz danach ist sie leider zerfallen

Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit ins Erzgebirge, auch hier kam es zeitweise zu rotierenden Zellen, kleinkörniger Hagel war ebenso dabei.

Die Niederschlagssummen hielten sich in unserer Region in Grenzen, es blieb meist bei 10 bis 30 l/m². Die lokalen Schwepunkte lassen sich gut auf der Radarsummen-Karte nachbetrachten. Von Weißenfels bis nach Döbeln gab es teilweise 30 bis 40 l/m² Regen in kurzer Zeit. Am meisten Regen hat Großweitzschen-Westewitz bei Döbeln gemessen, am Dienstagmorgen wurden 34,2 mm gemeldet (inklusive einzelner Regenfälle in der zweiten Nachthälfte). Dippoldiswalde-Reinberg meldete im gleichen Zeitraum 21,7 mm, von denen 18,3 mm auf die abendlichen Gewitter zurückzuführen sind. Warnwürdige Windböen wurden nicht gemessen, wenngleich es lokal mal zur ein oder anderen Sturmböe gekommen sein kann. Über größere Schäden ist nichts bekannt.

Als Fazit kann man die Gewitterlage als gelungenen Saisonauftakt bezeichnen. Bis auf lokale Überschwemmungen (vor allem in NRW, leider auch wieder im Ahrtal) kam es kaum zu unwetterartigen Entwicklungen. Quasi ein normales Sommergewitter, zwar mitten im Mai, was die Trockenheit zumindest kurzfristig etwas lindern konnte.

Höhenkaltluft bringt zahlreiche Schauer und Gewitter

Nachdem die Kaltfront von Tief Nasim schweren Sturm bis ins Flachland brachte, gab es am Wochenende „Aprilwetter deluxe“ mit unzähligen Schauern und vielen Gewittern.

© wetterzentrale.de; bearbeitet

Am Samstag (09. April) befindet sich von Skandinavien bis nach Osteuropa eine ausgeprägte Tiefdruckzone. Rückseitig davon wird polare Kaltluft, besonders in der Höhe, nach Mitteleuropa befördert. Zudem befindet sich über Frankreich ein schwacher Zwischenhochkeil, welcher dem Westen Deutschlands schon eine etwas trockenere Luftmasse bringt.

Vertikalprofil Lindenberg, 09. April 02 Uhr MESZ; ©University of Wyoming

Im Sounding ist schön dieser enorme Temperaturgradient zu sehen. Am 09. April um 02 Uhr MESZ liegt die Bodentemperatur bei ca. 3°C, in ca. 9,5 km Höhe bei -60°C. Dieser enorme Temperaturgradient sorgte ab den Vormittagsstunden für ein kräftiges Aufleben der Schauer- und Gewitteraktivität. Der kräftige Höhenwind trägt sein übriges bei.


Der folgende Absatz beschreibt die Lage am 09. und 10. April in einem Bildbericht stark räumlich begrenzt, es wird nur auf einzelne Schauer/Gewitter eingegangen. Alles andere würde den Rahmen mehr als sprengen.

Um 13:30 Uhr ließ sich aus der Ferne dieser imposante Schauer zwischen Nossen und Wilsdruff beobachten. Die Cumuluswolke vorne links ist ein zweiter Schauer, zum Zeitpunkt befand sich dieser bei Herzogswalde/Mohorn.

Rasch mauserte sich der Schauer zu einem kräftigen Graupelgewitter mit einem schwachen Böenkragen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (13:50 Uhr) befand sich das Gewitter zwischen Kesselsdorf und Freital. Zur „besten Zeit“ der Zelle wurde das 18 dBz-Top in 7 km Höhe registriert, das ist relativ hoch für Höhenkaltluft. Schaut man sich aber nochmal den Radiosondenaufstieg mit über 60K Temperaturgradient an, so verwundert das wenig. Die Zelle warf von Kesselsdorf bis nach Bannewitz zeitweise größeren Graupel.

Ein zweites, wieder äußerst fotogenes Gewitter bildete sich bereits gegen 14:40 Uhr als Schauer bei Halle (Saale).

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (16:45 Uhr) befand sich die Gewitterzelle zwischen Nossen und Ziegenhain. Eigentlich kaum klassisch für Höhenkaltluft hat diese Zelle eine optisch sommerliche Struktur:

Auch diese Zelle hatte, wie die Zelle vom frühen Nachmittag, einen 18dBz-Top von ca. 7 km. Kurz vor den Toren Dresdens fiel das Gewitter leider wieder zusammen.

Südöstlich von Döbeln bildete sich gegen 17 Uhr eine neue Gewitterzelle, welche mehr oder weniger nahtlos an das oben beschriebene Gewitter angrenzte. Typisch für Höhenkaltluft gab es eine sehenswerte Rückseite zu bestaunen:

Am Sonntag (10. April) ging das Aprilwetter munter weiter. Allerdings machte sich der Hochdruckkeil aus Westen schon langsam bemerkbar, sodass der Sonntag mit dem Samstag kaum mithalten konnte.

Diese Aufnahme entstand am Sonntag um 13:30 Uhr, der Schauer befand sich zwischen Freital und Rabenau und brachte Graupel:

Ein zweiter Schauer kam hinterher:

Doch mehr gab es nicht zu beobachten.

Am Montag hatte sich der Hochdruckeinfluss vollständig durchgesetzt, nur noch Richtung Erzgebirge gab es flache Konvektion ohne Niederschlag.

Nach dem Frühlingswetter am heutigen Dienstag und am Mittwoch wird es ab Donnerstag wieder unbeständiger und kühler. Auch zu Ostern geht es etwas kühler weiter.

Heftiger Kaltfrontdurchgang mit schweren Sturmböen

Am Donnerstag beschäftigte uns eine kräftige Kaltfront, welche teilweise schwere Sturmböen bis ins Flachland brachte, exponiert gab es Orkanböen. Anschließend gab es klassisches Aprilwetter.

Die obere Grafik zeigt die DWD-Bodenanalyse vom 07. April um 20 Uhr MESZ. Die Frontalzone ist relativ weit nach Süden verschoben, das südliche Fennoskandien und Mitteleuropa liegt unter dem Einfluss eines Tiefdruckkomplexes über Südschweden. Die zugehörige Kaltfront zog am Donnerstag von Nordwest nach Südost über uns hinweg. Zeitweise war sie im Ansatz okkludiert, da sich kurzzeitig ein schwaches Randtief vor der Küste Irlands bildete (vgl. Bodenanalyse vom 06. April 18 UTC).

Während der Warmsektorsturm wie zu erwarten wenig spektakulär war (meist Böen 7-9 Bft, exponiert mehr), war der Kaltfrontdurchgang umso spannender.

Die Kaltfront erreichte unsere Region gegen 18 Uhr. Rund um Freiberg, aber auch im Westerzgebirge war diese dabei gewittrig durchsetzt, dort wurde ebenfalls eine zeitweise sehr starke Rotation festgestellt (s. Kachelmannwetter-Stormtracking). Auch an der Landesgrenze zu Brandenburg (Region Elsterwerda/Hoyerswerda) wurde eine starke bodennahe Rotation festgestellt. An der Kaltfront kam es kurzzeitig zu sehr heftigem Starkregen und schweren Sturmböen.

Die Regensummen hielten sich dennoch in Grenzen und waren sehr ungleich. Während in Radebeul bei Dresden nur 1,2 mm gemessen wurden, meldete Hartmannsdorf-Lehnmühle 6,7 mm Niederschlag in kurzer Zeit. Dresden-Klotzsche (DWD) meldete eine Spitzenböe von 81,4 km/h, Dresden-Loschwitz (Kachelmannwetter-Messnetz) knapp 102 km/h. Durch den Sturm und die ohnehin geschwächten Bäume wurden einige Schäden gemeldet. Einzelne Bäume stürzten um, auch Dachziegel lösten sich, wie ein Einsatz der freiwilligen Feuerwehr Freital zeigt:

Auch zwischen Pirna und Liebstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen, um ein zweites Beispiel zu nennen:

Rückseitig der Kaltfront beruhigte sich das Wetter kurzzeitig, anschließend kamen aus Nordwesten zahlreiche Schauer auf, teils mit Graupel. Wieder kam es zu Sturmböen, auf dem Collmberg wurde sogar eine Orkanböe mit 124 km/h gemessen.

Blick Richtung Osten auf die abziehende Kaltfront

Kräftige Kaltfront mit orkanartigen Böen

Am 21. Februar überquerten uns Ausläufer des nächsten Orkantiefs, diesmal „Antonia“ genannt. Im Fokus stand dabei die Kaltfront des Tiefs, welche in Sachsen orkanartige Böen, im westlichen NRW Orkanböen brachte. Erneut wurde es dabei heftiger als berechnet.

Waldspaziergänge sind aktuell wenig empfehlenswert (Archivbild)

An sich war die Wetterlage etwas wenig besonderes. Warm- und später Kaltfront einer klassischen Norwegerzyklone überquerte uns, anschließend floss höhenkalte Luft mit Schauern ein und ein weiteres Randtief brachte abschließend nochmal stürmische Böen. Dennoch brachte der Kaltfrontdurchgang, nicht zuletzt durch ohnehin geschwächte Wälder und Vorschäden, nochmals teils massive Schäden.

Viel zu analysieren gibt es diesmal nicht. Ähnlich wie bei Sturm „Ylenia“ gab es, diesmal speziell im Westen, gute Voraussetzungen für die Bildung einer wetteraktiven, organisierten Kaltfront mit mesozyklonalen Elementen.

Simuliert wurde im Voraus eine geringe Menge verfügbarer Energie, bodennah ca. 100 J/kg CAPE. Die Helizität in 0-3 km war mit über 500 m²/s² sehr hoch, ebenso die Windscherung. Sowohl die Scherung bis 1 km Höhe, als auch die Scherung bis 6 km Höhe lag bei 50 bis 80 kn. Scherung in tiefen Atmosphärenschichten ist bedeutend für die Tornadogefahr, die Scherung in der Höhe ist wichtig für die Stabilität/Langlebigkeit von Gewittersystemen. Die (meteorologisch betrachtet) besten Parameter gab es im Westen, Richtung Osten abnehmend.

Die Kaltfront zog gegen 23 Uhr am Niederrhein auf und zog dann weiter nach Osten. In ersterer Region wurde die Front, wie im Voraus berechnet, am stärksten. Sie war dort stark gewittrig durchsetzt, oft mit teils starker Rotation. Am NATO-Flugplatz Geilenkirchen wurden 119 km/h gemessen. Auch in anderen Landesteilen bildete die Kaltfront teils gewittrige, rotierende Segmente aus, zu sehr wollen wir da aber nicht ins Detail gehen.

In unserer Region kam die Kaltfront gegen 04:30 Uhr an, lokal gewittrig. Es kam kurzzeitig (meist nur wenige Minuten) zu teils heftigem Starkregen und Graupel, sowie schweren Sturmböen und orkanartigen Böen. In Chemnitz wurden 111 km/h gemessen, am Flugplatz Leipzig 103 km/h und in Dresden-Loschwitz 100 km/h. Die stärksten Böen traten in den meisten Fällen genau mit Frontdurchgang auf. Berechnet hatten nur die Modelle AROME sowie GFS im Ansatz solche Windgeschwindigkeiten, die anderen Modelle lagen, wie schon bei den voherigen Stürmen, zu niedrig.

Ab dem Morgen kam es zu Schauerwetter mit lokal nochmal (schweren) Sturmböen, teilweise waren die Schauer auch mit Graupelgewittern verbunden. Im Nordwesten zog am Nachmittag nochmal ein Randtief mit stürmischen Winden auf, als „Welle“ kam es auch in Sachsen zu Niederschlägen. Die Sturmserie ist vorerst nun vorbei, es wird zunehmend ruhiger, kräftige Sturmtiefs oder Orkane sind bis auf weiteres nicht in Sicht.

Sturmserie geht weiter – Bilanz zu Orkan „Zeynep“

Die Serie schwerer Stürme seit Ende Januar reist nicht ab – Orkan „Zeynep beschäftigte uns am 18. Februar. Ein schwerer, teils außergewöhnlicher und historischer Wintersturm bricht Rekorde und bringt schwerste Schäden.

DWD-Bodenanalyse vom 18. Februar 06 UTC

Wie schon bei Orkan Ylenia beginnen wir mit der Großwetterlage. Bei Finnland sehen wir noch den abziehenden Tiefdruckkomplex vom Mittwoch. Über Großbritannien ist eindrucksvoll das Orkantief „Zeynep“ zu sehen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich aus einer kleinen Wirbelbewegung auf dem Atlantik ein ausgewachsenes Orkantief. Auffällig ist die fehlende Verbindung der Kaltfront zum restlichen Frontensystem, ein Indiz einer sog. „Shapiro-Keyser-Zyklone„, neben den Trogorkanen sind dies die schwersten außertropischen Stürme. Bei den Shapiro-Keyser-Zyklonen (im folgenden nur SKZ genannt) trennt sich die Kaltfront von der Warmfront bzw. Okklusion, welche sich einmal um den Kern herum wickelt. Dies führt zu einem massiven Trockeneinschub. Nun kann sich ein sogenannter „Sting Jet“ entwickeln, das sind heftigste Fallwinde, welche von den oberen Atmosphärenschichten ungebremst bis zum Boden „rasen“. Diese Sting Jets sind unvorhersehbar und extrem schwierig vorherzusehen, auch das macht die SKZ so gefährlich.

ESTOFEX bewarnte im Voraus große Regionen mit einem Level 2, der zweithöchsten Warnstufe. Es wurde aber betont, dass sich diese Warnungen nur auf konvektive Ereignisse beziehen, bezüglich Wind wäre also definitiv ein erneutes Level 3 ausgegeben worden. Zudem wurde speziell im Norden vor Gewittern mit heftigen Orkanböen gewarnt. Der Deutsche Wetterdienst geb für große Teile Deutschlands Warnstufe 3 von 4 aus, entlang der Küste sogar Warnstufe 4. Im Voraus prognostizierten die Modelle entlang der Küsten lokal Windgeschwindigkeiten von teils über 160 km/h – flächig. Auch die Kaltfront sollte mit Windböen in Orkanstärke daher kommen.

Am Freitagnachmittag tobte sich das Orkantief bereits über Großbritannien aus. In einer Region wurde der Sting Jet zum Verhängnis. Die Britische Wetterbehörde teilte am Nachmittag mit, dass eine Bö von 196 km/h auf der Isle of Wight gemessen wurde, ein neuer Rekord seit Aufzeichnungsbeginn. Auch an der Belgischen Küste wurden schon Böen über 150 km/h gemessen. Bezüglich Geschwindigkeiten wollen wir es bei einem Link zum DWD belassen, hier wird das gut herausgearbeitet: Thema des Tages vom 19. Februar. Dabei war, ebenfalls typisch für eine SKZ, die Kaltfront lokal weniger wetteraktiv als vermutet, gefährlicher war der Trockeneinschub unmittelbar hinter der Kaltfront

Vor allem NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurden heftig vom Sturm getroffen. Dort gab es oft Orkanböen (Fx Flughafen Münster-Osnabrück 122,4 km/h), an der Nordsee extreme Orkanböen (Fx LT Alte Weser 161,6 km/h). An der Station Dresden-Loschwitz wurden ebenfalls über 130 km/h gemessen. Die höchsten Windgeschwindigkeiten gab es mit dem Trogsektorsturm hinter der Kaltfront. Dort kam es auch zu Schauern und einzelnen Gewittern mit entsprechend hohen Windgeschwindigkeiten. Entsprechend heftig waren auch die Sturmschäden. Europaweit gab es mindestens neun Todesopfer durch den Sturm. Unzählige Bäume stürzten um, unzählige Dächer wurden abgedeckt. Ganze Gebäude wurden teilweise zum Einsturz gebracht, Autos wurden während der Fahrt vom Orkan von der Fahrbahn gerissen. Die Bahn stellte Ihr Angebot im Norden weitestgehend ein. Es gab zahlreiche Stromausfälle, durch eine Sturmflut mussten mehrere Regionen evakuiert werden. Mit einer Aufzählung aller Schäden wären wir vermutlich nächste Woche noch beschäftigt. Empfehlenswert ist dazu der Liveticker der Tagesschau zum Nachlesen vom Freitag und Samstag. Eine ebenfalls sehr empfehlenswerte und eindrucksvolle Bildergalerie hat der Spiegel zusammengestellt. Die Tagesschau hat desweiteren eine lesenswerte Bilanz verfasst. Abschließende Schadenssummen dürften erst in einigen Wochen zur Verfügung stehen, vermutlich wird es sich um mehrere Milliarden Euro handeln.

In unserer Region blieb es bei kleineren Schäden. Dennoch verlief der Orkan wesentlich anders als berechnet. Die Modelle rechneten nicht damit, dass sich der Sturm so weit nach Süden ausbreiten würde. Zudem war der Wind speziell in Nordrhein-Westfalen deutlich stärker als berechnet. Die extremen Berechnungen an der Küste bewahrheiteten sich hingegen nicht. Wie der DWD schon in seinem Thema des Tages schrieb, der Orkan wird zwar vielen lange in Erinnerung bleiben, in der Regel gab es aber keine neuen Rekorde. Die „großen Kaliber“ wie Anatol, Kyrill, Vivian oder gar Lothar und Quimburga werden weiter deutlich bedeutender in der Wetter-Historie bleiben.

Die Sturmserie wird auch in den nächsten Tagen nicht abreißen. Am Sonntag folgt ein neues kleines Tief, in der Nacht zu Montag und am Montag selbst sind wieder orkanartige Böen wahrscheinlich.

Schwere Schäden durch Orkantief „Ylenia“

Nach dem schweren Sturm „Nadine“ und dem Sturm „Roxana“ stand am Mittwoch und Donnerstag wieder ein schwerer Sturm an. „Ylenia“ sollte er heißen, vor allem die Kaltfront hatte es in sich.

In der Grafik sehen wir die Konstellation in der Nacht zum 17. Februar, die Bodendruckanalyse des DWD. Sofort ins Auge fällt ein großer Tiefdruckkomplex über dem südlichen Skandinavien. Uns interessiert (zumindest in diesem Beitrag) aber nur die Kerne bei Dänemark sowie deren Frontensysteme. Schauen wir uns die Bedingungen vor der Kaltfront an. Die Werte und Aussagen beziehen sich sowohl auf Radiosondenaufstiege, als auch auf Modellvorhersagen wenige Stunden vor Eintreffen.

Die Berechnungen

Simuliert wurde in allen Modellen einheitlich mindestens eine Linie mit Schauern und Gewittern, die eigentliche Kaltfront. Die meisten Modelle deuteten zudem noch die Ausbildung einer zweiten, präfrontalen Schauerlinie an, dazu hinter der Kaltfront zahlreiche Schauer und Gewitter. Vor der Kaltfront lagen die CAPE-Werte (Erklärung CAPE) bei ca. 100 bis 200 J/kg, dazu gab es eine extrem hohe Helizität (in 0-3 km, keine direkte Aufwindhelizität) von bis zu 800 m²/s², speziell in Thüringen (Helizität bedeutet vereinfacht gesagt den Drang der Luft zu Drehbewegungen). Ab Werten von ca. 200 bis 300 m²/s² ist die Tornadogefahr hoch. Die sog. „low level vertical wind shear“ (vertikale Windscherung in unteren Atmosphärenschichten) erreicht teilweise über 50 Knoten, was die Tornadogefahr nochmals massiv erhöht. Der KO-Index lag bei ca. 0, was eine labile Luftmasse bedeutet (Erklärung KO-Index). Im Großen und Ganzen konnte man also von einer sehr brisanten Ausgangssituation sprechen. All die genannten Parameter (und natürlich noch viele mehr) sprachen für die Ausbildung einer sehr organisierten Kaltfront, teils mit mesozyklonalen Elementen bzw. Bogensegmenten, welche die Möglichkeit einer „Line Echo Wave Pattern“ (LEWP), eine lange Gewitterlinie mit diesen eingelagerten Bogensegmenten, bildeten. ESTOFEX, das „European Storm Forecast Experiment“, gab im Voraus eine Level 3-Warnung heraus, die höchste der Warnstufen. Auch der Deutsche Wetterdienst warnte vor verbreiteten Orkanböen bzw. orkanartigen Böen, speziell an der Kaltfront, aber auch danach. Auch eine regionale Einschätzung war anhand der Modellvorhersagen bereits möglich. Die stärksten Teile der Front wurden zum einen über dem nördlichen Brandenburg, zum anderen im südlichen Brandenburg und in Sachsen simuliert. Das SuperHD-Modell berechnete beispielsweise eine oder mehrere LEWP mit entsprechend mesozyklonalen Elementen in den entsprechenden Regionen, ebenso die anderen hochauflösenden Modelle zumindest ansatzweise. Wie schon angesprochen wurden vor der Front noch einige Schauer bzw. Gewitter modelliert, im ICON-D2-Modell teilweise auch mesozyklonal. Hinter der Front sollte es bis Donnerstagabend zu klassischem Höhenkaltluft-Wetter mit vielen Schauern kommen.

So viel zu den Berechnungen. Hier sei noch anzumerken dass in den Modellen spätestens Mittwochabend eine klare Eingrenzung der Gebiete mit dem höchsten Unwetterpotenzial möglich war, sowohl im Hinblick auf Böen durch ein Runtermischen des Höhenwindes, als auch zum Tornadopotenzial. Hier wäre ein angepassteres Warnmanagement, gerade aufgrund des Potenziales stärkerer Tornados, wünschenswert und diskutabel gewesen.

Radaranalyse

Im Folgenden schauen wir uns die tatsächliche Entwicklung anhand des Radar-Archives an. Es geht zunächst nur um die reine Struktur der Kaltfront, die Messwerte folgen später.

Radarbild 01:15 Uhr

Das Radarbild um 01:15 Uhr MEZ zeigt die Kaltfront bereits sehr weit fortgeschritten. Sie ist als Band klar erkennbar, liegt zum Zeitpunkt etwa auf einer Linie Sauerland – Polnische Ostseeküste. Gerade in Brandenburg ist sie mit mehreren mesozyklonalen Teilen sehr gut organisiert, oft auch gewittrig. Dieser erste Schwerpunkt war ziemlich genau so von den Lokalmodellen berechnet.

Radarbild 02:45 Uhr

Um 02:45 liegt der aktivste Teil der Front von Halle (Saale) bis nach Frankfurt (Oder) und weiter nach Polen. Die bogenförmigen Teile sind eindeutig erkennbar. Hier lag auch der Schwerpunkt der Gewitteraktivität, Wetterleuchten war bis ins Erzgebirge sichtbar. Richtung Westen (gerade NRW) schleift die Kaltfront zunehmend. Auch diese Linie war so von den Lokalmodellen berechnet. Einzig die rotierenden Teile wurden etwas zu offensiv modelliert.

Radarbild 05:15 Uhr

Um kurz nach 05 Uhr sind neben der Kaltfront weitere starke Schauer zu erkennen, speziell im Erzgebirge, teils mit Gewittern verbunden. Die Kaltfront war beim Eintreffen in unsere Region weniger gut organisiert als noch in Brandenburg, hatte es aber durchaus in sich. Postfrontal kam es auch zu Landregen der stärkeren Art.

Bei der Verifikation der Modellvorhersagen in der (Ultra-)Kurzfrist bezüglich Konvektion kann man also sagen: Ins Schwarze getroffen. Die Schwerpunkte wurden sehr genau vorhergesagt.

Messwerte

Beim Blick auf die Messwerte beziehen wir uns auf die offiziellen DWD-Stationen sowie die Stationen wie auf Kachelmannwetter angegeben. Eine Übersicht der Top-10 für Sachsen:

  • 137 km/h in Dresden-Loschwitz
  • 126 km/h auf dem Collmberg
  • 106 km/h in Großpostwitz-Denkwitz
  • 104 km/h in Zinnwald-Georgenfeld
  • 102 km/h in Chemnitz
  • 100 km/h in Carlsfeld
  • 100 km/h in Lichtenhain-Mittelndorf
  • 99 km/h in Marienberg
  • 98 km/h in Leipzig/Halle (Flughafen)
  • 97 km/h in Nossen

Zu Dresden-Loschwitz muss gesagt werden, dass diese Station oft mit sehr hohen Werten auffällt. Dies liegt wahrscheinlich an einer deutlich exponierten Lage, sodass der Wert zwar stimmen sollte, er aber nicht repräsentativ für die Region ist. Einen ähnlichen Sachverhalt gibt es auf dem Collmberg.

Anschließend die fünf Deutschland-Maxima (auch nur DWD):

  • 152 km/h auf dem Großen Arber
  • 151 km/h auf dem Brocken
  • 134 km/h auf dem Leuchtturm Alte Weser
  • 133 km/h auf dem Kahlen Asten
  • 133 km/h in Weinbiet

Auch die Windspitzen wurden relativ gut vorhergesagt. Die lokalen Maxima in Orkanstärke wurden erreicht. Im Flachland wurden an einigen Stationen (s. DD-Loschwitz) auch extreme Orkanböen von 120 bis 140 km/h gemessen, auch dies sagten die Hochauflösenden Modelle gut vorher. Einzig AROME, das französische Lokalmodell, lag mit seinen Windspitzen laut Messwerten etwas zu hoch.

Niederschlagstechnisch ist nur der Erzgebirgsstau erwähnenswert, hier kamen Summen von 20 bis 30 Liter zusammen. Zinnwald-Georgenfeld kam beispielsweise auf insgesamt 27 l/m². Im Stau der Thüringer Mittelgebirge war es hingegen wesentlich heftiger, im Stau des Thüringer Waldes fielen lokal über 35 Liter in kurzer Zeit. Generell kann noch gesagt werden, dass es mit der Kaltfrontpassage oft zu heftigen Starkregenfällen kam, welche einzelne Straßen überfluteten und Keller volllaufen ließen. Bezüglich Schäden kam es zu den klassischen Sturmschäden, die leider drei Menschen das Leben kosteten. In NRW fiel am gesamten Donnerstag die Schule aus, die Bahn kämpfte mit massiven Einschränkungen und Problemen wegen umgestürzter Bäume, zwischenzeitlich wurde der gesamte Bahnverkehr in einigen Teilen Deutschlands eingestellt. Auch Flüge fielen aus. Zudem kam es zu regionalen Stromausfällen, auch in Sachsen. Insgesamt hielten sich die Schäden in Deutschland aber in Grenzen und waren weniger stark als erwartet, die Versicherungssumme beträgt nach vorläufigen Schätzungen wohl etwa eine halbe Milliarde Euro. Mehr oder weniger handelte es sich generell einfach schlichtweg um einen sehr starken Wintersturm, wie er jedes Jahr vorkommen kann. Bemerkenswert hingegen war die Kaltfront, in einem Februar ist das alles andere als gewöhnlich.

Weiter oben wurde von der Gefahr eines oder mehrerer kräftiger Tornados gesprochen. In Deutschland kam es zwar nicht dazu, dafür gab es im Nachbarland Polen wohl acht Tornados (Stand 17. Februar, Quelle siehe eingebetteter Tweet). Es war reiner Zufall, dass diese nur in Polen auftraten (wobei ein Auftreten auch hier in Deutschland nicht ausgeschlossen werden kann, schließlich kann man speziell Nachts Tornados kaum als solche einfach identifizieren). Bei weiteren Informationen werden diese hier natürlich entsprechend ergänzt.

Am Donnerstag (18. Februar) kam es dann noch zu klassischem Rückseitenwetter mit ausgeprägter Höhenkaltluft (Temperaturdifferenzen von teils über 40K ; eine genaue Analyse hierzu würde den Rahmen deutlich sprengen). Nichts wirklich außergewöhnliches, verbreitet kam es zu Schauern und Gewittern, teils mit Graupel und auch der Wind frischte nochmal bis zur Sturmstärke auf.

Höhenkaltluft-Schauer am 18. Februar, aufgenommen bei Freital

Abschließend noch ein paar weiterführende Links:

(abgerufen am 19. Februar)

Klassisches Rückseitenwetter mit langlebigen Schauerzellen

Rückseitig von Sturmtief „Roxana“ kam es zu einer klassischen Höhenkaltluftlage mit vielen Schauern und teils auch Gewittern. Wie schon im Titel erwähnt waren einige Schauer auch sehr langlebig.

Radarbild; (c) wetterzentrale.de

Wie auf obigem Radarbild unschwer zu erkennen erstreckte sich am Mittag des 07. Februar eine Schauerstaffel von der Nordsee bis zum Erz- und Fichtelgebirge. Ursache in diesem eigentlich klassischen Aprilwetter war ein enormer Temperaturgradient in der Höhe. Nehmen wir dazu beispielhaft den Radiosondenaufstieg von Lindenberg (Brandenburg) am 07. Februar um 07 Uhr. In 7000 Metern Höhe wurde zum Zeitpunkt eine Temperatur von ca. -48°C gemessen. Gleichzeitig lag die Temperatur in 2 Metern über dem Boden bei +2°C. Das macht eine Temperaturdifferenz von 50 Grad, was wirklich enorm ist.

Durch diese starken Temperaturgegensätze konnten sich etwaige Schauer auch entsprechend lange halten. Einen Schauer scheuen wir uns nun genauer an.

(c) wetterzentrale.de

Im Radarbild von 15 Uhr wurde der entsprechende Schauer in unserer Region markiert. Speziell südlich von Wilsdruff konnte der Schauer eine Reflektivität von ca. 50 bis 55 Dezibel aufweisen. Das bedeutet in etwa eine Regenrate von lokal 40 bis 70 mm/h (hätte es eine Stunde lang in der Intensität wie im Core (Zentrum) des Schauers geregnet, so wären Mengen von bis zu eben diesen 40 bis 70 mm zusammengekommen; trotz sehr hoher Radar-Auflösung von 250 m sind hier keine ganz genauen Angaben möglich). Das ist mehr als ein Monatssoll und hätte definitiv für Überflutungen gesorgt. Der Schauer zog allerdings mit etwa 70 km/h, weshalb der stärkste Niederschlag (hier in Form von Graupel und Schnee) nur wenige Sekunden andauerte.

(c) wetterzentrale.de

Dieses Radarbild von 08:30 zeigt etwas bemerkenswertes: genau der gleiche Schauer wurde bereits kurz nach 8 Uhr auf dem deutschen Radar registriert. Aufgelöst hat er sich erst um etwa 16:30 Uhr bei Prag:

https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/tschechische-republik/20220207-1525z.html

Der Schauer (zeitweise gewittrig, u.A. bei Rabenau (Sachsen)) konnte also eine Lebensdauer von über acht Stunden aufweisen. In Dresden wurden am Rande des Schauers Sturmböen von knapp 80 km/h registriert.

Mit einer guten Fernsicht konnte man den Schauer in seiner ganzen Schönheit bewundern. Auf dem folgenden Bild blickt man über Freital, wovon durch die enorme Intensität aber nicht mehr wirklich viel zu sehen war:

Ruppiger Kaltfrontdurchgang mit eingelagerten Gewittern

Eine gut organisierte, beinahe lehrbuchhafte Kaltfront überquerte Deutschland am Freitagabend und in der Nacht zu Samstag. Durch die relativ gute Organisation der Kaltfront wurden schon im Voraus schwere Sturmböen erwartet, auch sollte die Front teils gewittrig durchsetzt sein.

Am Freitagnachmittag erreichte die Front bereits den äußersten Nordwesten. Kurzzeitig kam es zu stärkerem Regen und auch zu einzelnen Sturmböen sowie lokal zu Blitz und Donner. Nördlich der Altmarkt schwächte sich die Front ab dem Abend ab.

http://www.wetterzentrale.de

Am späten Abend gegen 23:30 Uhr erstreckte sich die Kaltfront vom Schwarzwald bis in die Lausitz. Verbreitet kam es zu (schweren) Sturmböen, auch in unserer Region. Lichtenhain-Mitteldorf in der Sächsischen Schweiz registrierte eine Böe von 91 km/h, Dresden-Klotzsche 88 km/h.

Zusammen mit einem starken Druckanstieg kam es zu einem kräftigen Temperatursturz um fast 5K (K=Kelvin, gleiche Schrittweite wie °C). Die Niederschlagsmengen waren hier wenig erwähnenswert. Postfrontal kam es noch zu einzelnen Schauern, teils mit Graupel, ehe es klassisch auflockerte und den Samstag in einen freundlichen Gesamteindruck rückte.