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Herbstwetter!

Eine kühle Nordlage beschert uns seit einigen Tagen das erste „echte Herbstwetter“ des Jahres. Wir befinden uns in einem kühlen, windigen und regnerischen Witterungsabschnitt, immer wieder gibt es aber auch freundliche Momente. Für die Natur sind die Niederschläge ein wahrer Segen.

Vor nicht einmal 2 Wochen erlebten wir noch Sommerwetter vom feinsten – vier Sommertage zählt der September bis dato an der Wetterstation Dresden-Strehlen. Am 05. September lag die Tagesabweichung im Deutschlandmittel bei ca. 5 Grad. Am 09. September folgte eine Gewitterlage, welche besonders in Bautzen schwere Schäden brachte. Eine nahezu stationäre Linie mit Starkregenschauern und kräftigen Gewittern erstreckte sich vom Osterzgebirge bis in die Oberlausitz, den Schwerpunkt mit bis zu 120 mm Niederschlag in wenigen Stunden gab es genau über Bautzen. Aus der Ferne betrachtet, besonders aber im letzten Abendlicht, waren die Gewitterzellen äußerst fotogen:

Aus einem ehemaligen Hurrikan entwickelte sich zu Beginn der zweiten September-Dekade ein Trog, welcher zum 13. September vor der Iberischen Halbinsel anlegte und nochmal einen Schwall Warmluft nach Mitteleuropa brachte. Trog und korrespondierendes Bodentief wurden in den Tiefdruckkomplex über Fennoskandinavien eingegliedert, sodass sich ab dem 16. September endgültig eine zyklonale Nordlage durchsetzte. Dazu nachfolgend eine Übersicht der Großwetterlage am 17. September:

Ein abgeschlossener Höhentrog mit Zentrum über Südfinnland, sowie ein Höhenrücken von Spanien bis nach Grönland lassen polare Luftmassen nach Mitteleuropa ziehen (selbstverständlich angewärmt durch die Nordsee). Die Trogspitze liegt am 17. Sep. über Norditalien, was dort eine heftige Zyklogenese mit katastrophalen Unwettern induziert. Im 850hPa-Niveau sanken die Temperaturen auf etwa 0°C bis 4°C ab, mit den niedrigeren Werten an der Nordseeküste. In den Wintermonaten würde dieses „Blocking“ der atlantischen Frontalzone wohl ein gutes Setup für winterliches Wetter sein.

Generell sind Nord- und Nordwestlagen ideales Wetter für klassisches Aprilwetter, ausgelöst durch höhenkalte Luft. Im Herbst können die Auswirkungen besonders intensiv sein, da es bodennah oft noch sehr warm ist. An diesem Wochenende gab es einen besonders beeindruckenden Temperaturgradient vom Boden bis in die hohe Atmosphäre:

Quelle: UWYO

Exemplarisch sehen wir oben den Radiosondenaufstieg aus Lindenberg am 17. September um 20 Uhr MESZ. Am Boden wurden ca. 13°C gemessen, in 9000 m ü. NN (ca. 290 hPa) hingegen knapp -55°C, eine Temperaturdifferenz von 68 K sieht man auch bei ausgeprägter Höhenkaltluft eher selten. An der Nordseeküste war die Differenz zeitweise noch höher.

Die, durch Höhenkaltluft hervorgebrachte, Konvektion wurde durch einige Randentwicklungen weiter vorangetrieben. Fast schon „Frontartig“ anmutend erstreckt sich am 16. Sep. ein Regengebiet, mit eingelagerten Gewittern, von Schleswig-Holstein, über Ostfriesland, bis auf die Nordsee. In der DWD-Bodenanalyse wird diese Welle als Konvergenz kartiert, sie ist auf den Isobaren ganz klassisch als Wellenbewegung erkennbar.

Am Wochenende folgt eine weitere Randentwicklung, diesmal allerdings zusätzlich in Form eines Randtroges in der Höhe inklusive bodennaher Wellenentwicklung. Zeitweise entsteht sogar ein abgeschlossenes Höhentief, welches wieder zu entsprechender Konvektion führt. Ein weiterer Randtrog folgt am Sonntag, der vorerst letzte wird am Dienstag erwartet.

Ein paar Impressionen des windigen Herbstwetters vom Wochenende:

Probleme macht immer noch die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar gibt es bis in ca. 40 cm Tiefe aktuell eine weitestgehende Entspannung der Situation, bis in einem Meter Tiefe sieht es allerdings immer noch nicht gut aus. Die nutzbare Feldkapazität liegt hier teilweise immer noch unter 40 %. Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sei an dieser Stelle der interaktive DWD-Bodenfeuchte-Viewer zu empfehlen.

Oben wurde es schon angerissen, die Nordlage brachte das erste mal in diesem met. Herbst Luftmassen polaren Ursprunges zu uns. In den Alpen gab es oberhalb von etwa 1500 m die ersten Schneefälle.

Um 00:10 Uhr am 18.09.2022 wurde auf dem Fichtelberg das erste mal in diesem Herbst der SYNOP-Code WW70 gemeldet. Um 00:50 Uhr folgte WW69 und um 03:40 Uhr sogar WW72/73. Die genannten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen stellen Teile sog. SYNOP-Schlüssel dar, einer in der Meteorologie einheitlichen Codierung für Wettermeldungen. Diese SYNOP-Dateien haben mehrere Dutzend Stellen, üblich sind 55 Stellen. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es bei der FU Berlin (im Webarchiv). Nun aber zur Erklärung der Wettermeldungen vom Fichtelberg: Gemeldet wurden leichter Schneefall (WW70), mäßiger oder starker Schneeregen (WW69) und unterbrochener oder durchgehender, mäßiger Schneefall (WW72/73). Vereinfacht gesagt: Der erste Schnee! Zwar blieb er nicht liegen, einen Absatz ist er dennoch Wert 😉

Abschließend noch zum Wind, dieser spielte, wie in der Einleitung beschrieben, ebenso eine Rolle. Im Flachland blieb es bei Böen von Bft 5 bis 7, auf Sachsens höchster Erhebung gab es mit 97,2 km/h in der Nacht zum Sonntag hingegen schwere Sturmböen. An der Nordsee wurde es sogar orkanartig mit bis zu 104 km/h.

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Weitere Regenfälle und Gewitter – Update zur Bodenfeuchte-Situation

In den vergangenen Tagen gab es weitere, teilweise unwetterartige Regenfälle, durchsetzt von Gewittern. Nach der langen Trockenperiode seit März ist für die Natur jeder Regen willkommen, lokal gab es aber auch Überflutungen.

DWD-Bodenanalyse (zum Vergrößern klicken)

Ähnlich wie schon am vergangenen Wochenende gestalteten sich auch die vergangenen beiden Tage sehr verregnet. Ursache war erneut eine flache, gradientarme Tiefdruckrinne über der Mitte, dem Süden und Osten Deutschlands.

Bereits am Freitag (26. August) entwickelten sich in einer schwül-warmen Luftmasse verbreitet starke Gewitter mit lokal sehr hohen Regenmengen. In Dresden-Strehlen reichte es zuvor nochmal für einen Hitzetag, in Summe Nummer 10 des laufenden Monats und Nummer 24 des Jahres. Was folgte, waren nahezu stationäre Gewitterzellen und sehr große lokale Unterschiede. Auf wenigen Kilometern war von „nix“ bis zu Überflutungen alles anzutreffen. Einen guten Eindruck davon kann man sich mit den kalibrierten Radarsummen verschaffen. Die landkreisweit höchste 24-Stunden-Regenmenge gab es östlich von Stolpen zwischen Lauterbach und Rückersdorf an der Grenze zum Landkreis Bautzen, die Radaranalyse gibt hier eine Summe von 140 Litern aus. Fast völlig trocken blieb es am Freitag vom Tharandter Wald bis in die Dresdner Altstadt. Die gemessenen Regensummen waren aufgrund des zu dünnen Messnetzes unauffällig.

„Popcorn-Lage“ oder „Streuselkuchen“ am Mittag des 26. August; (c) wetterzentrale.de

Weitere Regenfälle folgten am Samstag, diese hatten allerdings eher Landregen-Charakter mit kleinräumigen, konvektiven Durchsetzungen. Von Samstag 04:50 Uhr bis Sonntag 04:50 Uhr war nahezu der gesamte Landkreis von kräftigen Regenfällen betroffen. Regenmengen über 50 Liter pro Quadratmeter gab es zum einen von Dippoldiswalde bis zum Erzgebirgskamm, zum anderen auch in der vorderen Sächsischen Schweiz.

Auf die Fläche gesehen wird der August beim Niederschlag unauffällig ausfallen. Das sächsische Flächenmittel liegt hier aktuell genau im Durchschnitt, beim Sommer werden wir bei etwa 70 Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990 landen. Ohne die Regenfälle der letzten 2 Wochen wären es vermutlich nur 40 Prozent geworden. Von Dresden bis in die Hintere Sächsische Schweiz sind seit Monatsbeginn auf die Fläche gesehen ca. 50 mm bis 120 mm Niederschlag gefallen. Im Osterzgebirge sind es verbreitet 90 mm bis lokal 200 mm geworden. Auch hierzu seien jedem näher Interessierten die kalibrierten Radarsummen zu empfehlen.

Dazu einige weiterführende Artikel zu den Unwettern in Sachsen:

Stellvertretend für das Osterzgebirge kann man am Meteogramm für Dippoldiswalde-Reinberg die zeitlich äußerst ungünstige Verteilung des Niederschlages sehen. Mehr als die Hälfte des gesamten Niederschlages in den drei Sommermonaten fielen in nur vier Tagen. Hier wird auch der Gesamtsommer mit 84 % des durchschnittlichen Niederschlages unauffällig ausfallen, sodass in der Sachsen-Statistik kein „Dürresommer 2022“ auftauchen wird. Im Deutschlandmittel sieht das natürlich etwas anders aus.

Wie im Titel geschrieben nun ein Update zur aktuellen Bodenfeuchte-Situation, stellvertretend verwenden wir wieder Dippoldiswalde. Eine stets aktuelle Übersicht gibt es im „Dürre-Spezial„.

Mit Stand der Berechnungen vom 28. August ist aktuell bis in eine Bodentiefe von 40 cm eine teilweise deutliche Entspannung erkennbar. Bis in 30 cm Tiefe ist sogar der Optimalzustand wiederhergestellt worden. In den nächsten Tagen wird es auch in tiefer gelegenen Bodenschichten langsam feuchter werden, von oben kommt allerdings bis auf weiteres nichts nach.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf die Phänologische Uhr: Mit der Fruchtreife vom Holunder sind wir im Frühherbst! Minimal früher als im langjährigen Durchschnitt, allerdings völlig im Rahmen wurde am 18. August der Spätsommer beendet.

Extreme Dürre setzt sich fort – Neuer Rekordsommer?

Bisher war der Sommer viel zu trocken – seit März steckt Sachsen in einer außergewöhnlichen Trockenperiode fest, das Wort „Dürre“ trifft es viel besser. In vielen Bundesländern ist der trockenste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn nicht unwahrscheinlich, auch bei der Temperatur werden wir wohl in den Top-5 der heißesten Sommer seit 1881 landen.

Pünktlich zum 01. August hat im Deutschlandmittel der phänologische Spätsommer begonnen, zwei Tage früher als im langjährigen Durchschnitt. Bis auf den phänologischen Winter und Vorfrühling lagen bisher alle Jahreszeiten bzgl. der Dauer relativ gut im Schnitt. Alles in Ordnung also? Mitnichten:

Zahlreiche Bäume leiden unter extremen Trockenstress. Das „harmloseste“ ist dabei wohl noch das „herbstliche Flair“ durch Blattverfärbung, einige Bäume haben schon ihr gesamtes Blattwerk abgeworfen oder sind teilweise völlig abgestorben. Vertrocknete Wiesen gehörten, spätestens seit dem Dürresommer 2018, zum Erscheinungsbild der Sommermonate, der Sommer 2022 legt allerdings nochmal nach und entlaubt durch fehlende Regenfälle ganze Wälder:

Insbesondere die eigentlich sehr robusten Birken fallen aktuell mit sehr intensiver Laubfärbung auf, viele dieser Bäume sind schon völlig kahl. Anders als bei der Borkenkäfer-Plage 2018-2020 sind nun nicht mehr hauptsächlich Fichten-Monokulturen betroffen, auch heimische Laubmischwälder haben unübersehbar mit der Dürre zu kämpfen. Viele Bäume hatten 2022 ein Mastjahr, auch aufgrund des relativ nassen Sommers 2021. Unter einem Mastjahr versteht man einen sehr starken Blütenansatz im Frühjahr, besonders Fichten fielen mit einer sehr starken Blüte auf. Dies raubte den Bäumen viel Energie und schwächte sie zusätzlich. Fichtenwälder, welche die Sommer 2018 bis 2020 relativ gut überstanden haben, bekommen dieses Jahr wieder massive Probleme. Die Landschaft ähnelt zunehmend, etwas überspitzt gesagt, einer Savanne, die Versteppung ganzer Landstriche in Deutschland ist zunehmend sichtbar (siehe Titelbild).

Neben den Wäldern leidet auch die Landwirtschaft sehr, besonders die Maisernte dürfte in Südwest- und Ostdeutschland teilweise ein Totalausfall werden. Einen Beitrag aus dem Südwesten gibt es im Wetter-Ticker von Wetteronline.

Ein besonders starkes Niederschlagsdefizit gibt es in diesem Sommer in den Mittelgebirgen. Von der Pfalz und dem Oberrhein bis in die Lausitz, aber auch im Norden Bayerns, in Hessen und bis an die Ostsee fehlt viel Regen. Die Niederschlagsmengen fünf ausgewählter Stationen im met. Sommer in unserer Region (Stand 10. August; Prozentangaben bezogen auf das Mittel 1961-1990):

  • Dresden-Strehlen: 48,2 l/m² (18 %)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 69,0 l/m² (28 %)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 69,7 l/m² (30 %)
  • Zinnwald-Georgenfeld: 117,4 l/m² (40 %)
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 148,7 l/m² (51 %)

Die höchsten Regensummen gab es klassisch im Erzgebirge. Dazu muss man aber sagen, dass die Summen aus Zinnwald und Deutschneudorf von zwei Einzelereignissen stark geprägt waren. An beiden Stationen fanden diese am 27. Juni statt, Zinnwald-Georgenfeld meldete eine 24h-Niederschlagssumme von 35,0 l/m², Deutschneudorf-Brüderwiese sogar 78,4 l/m². Letzterer Wert nimmt aktuell Platz 4 für die höchste Tagesniederschlagssumme des Sommers ein.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Dienstag eine Grafik bezüglich der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Im Deutschlandmittel wird dieser Rekord aktuell durch den Sommer 1911 (123,9 l/m²) gestellt, gefolgt von 2018 (129,4 l/m²). Der Sommer 2022 steht aktuell bei 103,1 l/m² deutschlandweit, im Sachsen-Mittel bei 77,5 l/m² (Rekord: Sommer 1904 mit 87,5 l/m²). In der nächsten Woche könnte es durch ein Höhentief Niederschläge geben, flächig wird dies allerdings nicht zur Linderung der Dürre beitragen. Auch die dritte Augustdekade bietet noch etwas Spielraum.

Bei der Mitteltemperatur steht der Sommer 2022 aktuell bei 18,9°C (Sachsen: 19,2°C). Im Deutschlandmittel ist 2003 mit einer Mitteltemperatur von 19,65°C aktuell das Maß der Dinge, auf Sachsen bezogen gab es 2019 mit einer Mitteltemperatur von 19,9°C den wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Angesichts der kommenden, voraussichtlich sehr warmen zweiten Augustdekade kann nicht ausgeschlossen werden, dass 2022 den wärmsten Sommer seit 1881 stellen wird. Stand jetzt wird es wohl nicht zu einem neuen Rekord reichen, ein Platz in den Top-5 scheint aber sehr wahrscheinlich. Tagesaktuelle Daten gibt es auf mtwetter.de.

Mehrtägige Hitzewelle zum Auftakt in den August

Wir befinden und mitten in der heißesten Zeit des Jahres, den Hundstagen. Da darf eine intensive Hitzewelle schon mal vorkommen. Dennoch müssen wir wieder über neue Rekorde berichten.

Man muss schon gar nicht mehr viel erklären: Die Wetterlage ist quasi identisch zu jenen, welche die vergangenen Hitzewellen brachte. Ein Langwellentrog, welcher bis vor die Iberische Halbinsel reicht, „schaufelt“ gemeinsam mit einem Höhenrücken Heißluftmassen nach Mitteleuropa. Das Ausräumen der Hitze findet, erneut, ohne viel Niederschlag statt, die Dürre geht in eine neue Runde.

Heiße Tage…

Die Tageshöchsttemperaturen an drei ausgewählten Wetterstationen des DWD in der Region:

36,9°C wurden in Dresden-Strehlen in der Spitze gemessen. Auch deutschlandweit war der 04. August der bisher heißeste Tag des Monats. Die fünf höchsten Temperaturen:

  • Bad Kreuznach: 39,6°C
  • Kitzingen: 39,2°C
  • Waghäusel-Kirrlach: 39,1°C
  • Saarbrücken-Burbach: 39,0°C
  • Bad Neunkirchen-Mergentheim: 38,7°C

Neue Allzeitrekorde wurden unter anderem in Müllheim (38,7°C) und Weinbiet (38,0°C) verzeichnet. Zudem gab es viele neue Stationsrekorde für den Monat August, beispielsweise in Bad Kreuznach (39,6°C) oder auch Bernburg/Saale (38,0°C), letztere Messreihe reicht bis ins Jahr 1898 zurück.

… und sehr warme Nächte

Eine zusätzliche Wärmebelastung entstand durch die verringerte nächtliche Abkühlung. Speziell die Nächte auf den 04. und 05. August waren äußerst warm. Die höchste nächtliche Tiefsttemperatur meldete Kubschütz im Landkreis Bautzen am Morgen des 05. August, das Thermometer fiel dort nicht unter 25,8°C, was auch einen Stationsrekord für den Monat August bedeutete (0,3 K unter dem Allzeitrekord für ganz Sachsen, 4,2 K unter dem Deutschland-Allzeitrekord). In der Nacht zum 04. August meldete zudem Dresden-Klotzsche einen neuen Stationsrekord für den Monat August, es kühlte nicht unter 22,8°C ab.

Keine nennenswerten Regenmengen

In der Nacht zum Samstag, den 06. August, zog eine Kaltfront durch und räumte die Heißluft aus. Nur lokal gab es ein einzelnes Gewitter. Von Dippoldiswalde bis nach Bischofswerda hatte man Glück – wiederholter Starkregen brachte laut Radaranalyse lokal 7 bis 13 l/m². Dippoldiswalde-Reinberg war, zusammen mit dem Fichtelberg, sogar jene Station mit der höchsten gemessenen Regenmenge, 7,7 mm sind es geworden. Dresden-Gohlis, traditionell sehr trocken, musste sich mit 0,9 l/m² begnügen. Für eine Entspannung bei der anhaltenden Dürre reichen die gefallenen Mengen nicht im Ansatz.

Birken unter extrem starken Trockenstress
auf dieser Aufnahme leiden insbesondere die Birken unter massivem Trockenstress – der gesamte Wald ist extrem geschwächt

Rückblick auf einen außergewöhnlichen Juni

Der Juni war, speziell im Osten Deutschlands, alles andere als gewöhnlich. Fast schon „wie üblich“ war es deutlich zu mild und deutlich zu trocken. Eine Analyse.

Kornblumen in einem trockenen Rapsfeld

Im Deutschlandmittel war der Juni genau 3 K gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 zu warm, was in dieser Hinsicht den sechstwärmsten Juni seit Messbeginn bedeutet. Zum Erreichen des Niederschlagssolls fehlte im Deutschlandmittel ca. ein Drittel. Eine ausführliche Analyse des Deutschlandwetters im Juni 2022 hat der Deutsche Wetterdienst in einem Presseartikel zusammengestellt.

Vor allem der Süden Deutschlands war im Juni von zahlreichen Schwergewitterlagen betroffen, welche auch mit schweren Verwüstungen durch Hagelstürme einhergingen. Besonders in Erinnerung bleiben wird allerdings die Rekord-Hitze vom 18. und 19. Juni. In einem 14-seitigen Dokument analysiert der DWD die Hitzewelle und ordnet sie klimatologisch ein. 39,2°C – das war der deutschlandweite Höchstwert, gemessen in Dresden-Strehlen und Cottbus.

Im Osterzgebirge und im Dresdner Raum war der Juni ca. 3 K bis 4 K zu warm, die Abweichung lag hier also etwas über dem Deutschlandmittel. Die Niederschlagsverteilung war ziemlich klassisch – das Erzgebirge vermeldete die höchsten Regenmengen und auch die geringeren Abweichungen zum Durchschnitt. Während in Dresden nur 30 bis 40 Prozent des langjährigen Mittels gefallen sind, meldeten die Wetterstationen des mittleren und östlichen Erzgebirges zumindest Werte über 50 % des Mittels. Über den Tellerrand geschaut: Besonders viel Niederschlag gab es im Raum Zittau: Stellvertretend meldete Bertsdorf-Hörnitz ca. 103 mm Niederschlag – über 150 % des Mittels. Darauf kommen wir später nochmal zurück.

Dresden-StrehlenDippoldiswalde-ReinbergZinnwald-Georgenfeld
Mitteltemperatur20,6°C (+3,8 K) 18,2°C (+3,2 K)15,5°C (+3,8 K)
Hitzetage 6 Tage 3 Tage 1 Tag
Sommertage 19 Tage 15 Tage 3 Tage
Tropennächte 1 Nacht / /
Gesamtniederschlag31,5 mm (34 %)42,3 mm (55 %)61,5 mm (65 %)
Übersicht einiger meteorologischer Kennwerte für drei ausgewählte Stationen

Generell kann der Juni als, erneut, deutlich zu trocken eingestuft werden. Das einzige größere Niederschlagsereignis in unserer Region fand am 27. Juni statt. Zunächst entwickelten sich in schwül-heißer Luft erste Gewitter, welche sich am Nachmittag zu Schwergewittern mit Überschwemmungen und teils größerem Hagel entwickelten:

Im Laufe der Nacht zog dann ein größeres Starkregengebiet aus Süden auf und brachte weitere Niederschläge. Deutschneudorf-Brüderwiese meldete eine 24-Stunden-Regensumme von 78,4 mm. Der dortige Rekordwert von 91,5 mm (01. Juni 2013) war allerdings nicht in Gefahr.

Eisschirm der Schwergewitterzelle am 27. Juni östlich von Freiberg

Weiter oben wurden bereits die höheren Summen Richtung Zittauer Gebirge und Ostsachsen angerissen. Zumindest in diesem Juni ist dies auf eine recht ungünstige Verteilung der Druckgebiete zurückzuführen – dabei geht es nur um wenige 100 Kilometer. In Bayern entstanden öfters große Gewitterkomplexe mit entsprechendem Starkregen. Die Komplexe „bogen“ über Tschechien nach Norden „ab“, dies geschah aber einige Kilometer zu weit östlich, um den meisten Teilen von Sachsen noch Regen zu bringen. Ostsachsen hingegen bekam von den Regengebieten zumindest oft noch einen Randtreffer mit. Der Lee des Erzgebirges tut sein übriges dazu.

Die anhaltende Trockenheit konnte durch die Starkregenereignisse natürlich nicht gelindert werden. Der Elbepegel stieg durch heftige Regenfälle in Tschechien hingegen zeitweise deutlich über den Mittelwert an – der hiesigen Vegetation nützte das allerdings herzlich wenig.

In den kommenden Tagen setzt sich – bis auf eine Unterbrechung am Donnerstag – das trockene Hochdruckwetter fort, wenn auch deutlich kühler als noch zuvor.

„Turbo-Hitze“ pulverisiert Allzeitrekorde – massive Verschärfung der Trockenheit

Zwei Tage mit extremer Hitze liegen hinter uns. Wir werfen einen Blick zurück auf die extreme Lage und versuchen uns an klimatologischen Einordnungen.

Synoptik

Wetterlage am 18. Juni, 08 Uhr MESZ; (c) wetter3.de

Schauen wir uns zunächst die Synoptik am Samstag an. Im 500 hPa-Niveau finden wir zunächst ein Tiefdrucksystem zwischen Island und Norwegen. Ein kleiner „Cut-Off“ befindet sich Samstagfrüh vor der Portugiesischen Küste, ein Höhenrücken erstreckt sich von Nordafrika bis nach Frankreich. Ein weiterer Höhentrog reicht bis nach Griechenland. Bodennah ist die Synoptik noch nicht allzu anders, Mitteleuropa liegt unter gradientarmen Druckverhältnissen.

Speziell der westlich von uns gelegene Trog transportiert am Samstag heiße Luftmassen nach Mitteleuropa. Um 20 Uhr Ortszeit erreicht den Südwesten Deutschland die 22°C-Isotherme im 850 hPa-Niveau:

Das Lindenberger Sounding zeigt zur selben Zeit ca. 17°C bis 18°C in 850 hPa. Trockanadiabatisch (1 K Temperaturabnahme je 100 Höhenmeter) können wir bei diesen Höhentemperaturen mit 31°C in Brandenburg bis 36°C im Oberrheingraben rechnen. Da man durch starke Einstrahlung im Sommer schnell eine überadiabatische Schichtung erhält, waren von vorn herein etwas höhere Temperaturen zu erwarten.

Samstag, 18. Juni

Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am Samstag in Bad Kreuznach (RP) sowie Waghäusel-Kirrlach (BW) mit 37,1°C gemessen. In Sachsen meldete Plauen die höchste Temperatur, 35,1°C wurden hier erreicht. Dresden-Hosterwitz lag zusammen mit Bad Muskau auf dem zweiten Platz mit 35,0°C. Deutschlandweit wurden genau vier neue Stationsrekorde für den Monat Juni aufgestellt, alle im Südwesten mit sehr langen Messreihen. Die Höchstwerte wurden allerdings sogar etwas gedrückt, Saharastaub dämpfte die Einstrahlung etwas:

Sonnenuntergang vom 18. Juni

Sonntag, 19. Juni und Rekordhitze

Der Sonntag wurde synoptisch betrachtet schon wesentlich interessanter. Diagonal über Deutschland baute sich entlang einer bodennahen Tiefdruckrinne eine markante Luftmassengrenze auf. Rückseitig lag eine teils strömungsparallel verlaufende Kaltfront, welche allerdings lange Zeit kaum wetterwirksam war. Eine Ausnahme stellt zu diesem Zeitpunkt noch der äußerste Norden dar, hier gab es teils kräftige Regenfälle.

Die 850 hPa-Werte stiegen bis Sonntagnachmittag auf bis zu 22°C:

Trockenadiabatisch hätten wir ca. 34°C bis 36°C zu erwarten gehabt. An den Höchstwerten zeigte sich aber die überadiabatische Schichtung.

Das deutschlandweite Maximum wurde an zwei Stationen erreicht. In Dresden-Strehlen zeigte das Thermometer am Sonntagnachmittag um genau 16:20 Uhr 39,2°C an. Der bisherige Junirekord wurde dort um 1,1 Grad übertroffen. Die Messreihe geht zurück bis ins Jahr 1936, der bisherige Rekord für den Monat Juni betrug bisher 38,1°C und war vom 30. Juni 2019.

Die zweite Station, welche die deutschlandweit höchste Temperatur am Sonntag gemessen hat, war Cottbus. Mit ebenfalls 39,2°C wurde der bisherige Monatsrekord (gemessen am 26. Juni 2019) ebenso um 1,1 Grad übertroffen. Allerdings war die Hitzewelle in Cottbus historisch: Die Aufzeichnungen dort gehen bis ins Jahr 1888 zurück. Noch nie seit mindestens 134 Jahren war es in Cottbus so heiß wie an diesem Sonntag – der bisherige Allzeitrekord von 38,9°C aus dem Juni 1921 wurde um 0,3 K übertroffen.

Beide Werte stellten auch einen neuen Rekord für den Monat Juni in den jeweiligen Bundesländern dar. Der absolute Deutschland-Junirekord wurde allerdings um 0,4 K verfehlt.

Zahlreiche Stationen haben am Sonntag neue Allzeitrekorde aufgestellt. Aufgrund der langen Messreihe seit 1934 sei noch der Flughafen Dresden-Klotzsche erwähnt: Mit 38,2°C wurde der Allzeitrekord aus dem August 2015 hier um 0,6 K übertroffen.

Die Spitzenwerte aus unserer Region (www.mtwetter.de); an allen Stationen wurde der bisherige Junirekord eingestellt:

  • Dresden-Strehlen: 39,2°C
  • Dresden-Hosterwitz: 38,9°C
  • Dresden-Klotzsche: 38,2°C (neuer Allzeitrekord)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 37,4°C (neuer Allzeitrekord)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 35,5°C
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 34,2°C
  • Zinnwald-Georgenfeld: 30,9°C

Niederschlag

Verbreitet wurde die Hitze ohne einen Tropfen Niederschlag ausgeräumt. Oft war die Grundschicht einfach zu trocken, um signifikante Schauer oder Gewitter zu produzieren. Ein winziger Schauer zog am Sonntagnachmittag durch die Sächsische Schweiz und brachte immerhin ganz lokal ein klein wenig Abkühlung:

Eine Ausnahme hingegen bildete eine Superzelle bei Weimar als lokale Überentwicklung:

Von der Eifel bis in den Süden Brandenburgs kam es durch die schleifende Kaltfront und einem eingelagerten Gewittersystem zu ordentlichen Regenmengen:

Waldbrand-Geruch bis nach Dresden – Katastrophenalarm aufgehoben

Am Sonntagabend konnte durch auffrischenden Wind sogar Brandgeruch bis nach Dresden wahrgenommen werden. Ursache dafür dürften wohl die massiven Waldbrände in Brandenburg gewesen sein, der bisher traurige Höhepunkt der Trockenheit. Einige weiterführende Links zu den Bränden:

Zeitweise wurde dort der Katastrophenalarm ausgerufen, inzwischen haben starke Regenfälle die Lage etwas entspannt.

Klimatologisch stellt diese kurze Hitze ein Novum dar: Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn war es in Deutschland so heiß wie am Wochenende. Allzeitrekorde wurden teilweise regelrecht pulverisiert – und das noch vor dem astronomischen Sommeranfang. Schon im Juni lodern große Waldbrände in Brandenburg (kleinere Brände gab es auch schon vor einigen Wochen). Mit ziemlicher Sicherheit sind dies direkte Folgen des Klimawandels.

Die nächste Hitze steht schon vor der Tür: Noch diese Woche werden erneut über 30°C erwartet.

Gewitterlage am 16. Mai 2022

Am Montag beschäftigte uns die erste kräftige Gewitterlage des Jahres. Nachdem es schon vor einigen Wochen im Süden kräftige Gewitter gab, erfasste die Lage diesmal auch die Landesmitte und damit auch Sachsen.

Die Synoptik wäre eigentlich schnell erklärt. Zwischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik und Nordwest-Russland befindet sich ein Omega-artiger Höhenrücken, welcher weit nach Norden ausgreift. Knackpunkt ist allerdings ein schwacher Randtrog, der sich bis nach Mitteleuropa erstreckt und eine Bodentief-Rinne über Deutschland induziert:

Um 12 UTC (14 Uhr MESZ) befindet sich die Rinne etwa auf einer Linie Niederrhein-Oberösterreich. Nordöstlich davon befindet sich eine stabile Luftmasse, südwestlich ist die Luft labiler. Im äußersten Südwesten Deutschland (etwa Eifel-Schwarzwald und südwestlich davon) sickert zum Zeitpunkt wieder stabilere Luft ein.

In der Spitze sollten auf der labilen Seite 800 bis 1200 J/kg CAPE generiert werden. Allerdings fehlte dem Westen Deutschlands durch ein vorlaufendes Regengebiet wider Erwarten Einstrahlung, sodass es hier verbreitet nicht so stark kam wie erwartet (lokale starke Einzelentwicklungen ausgenommen). Die KO-Werte sollten bis ca. -10 absinken. Einen Deckel mit moderaten CIN-Werten gab es meist nur nach Durchzug von Schauern und Gewittern geben. Organisierte Zellen waren meist nicht zu erwarten, da es oft an hochreichender Scherung fehlte. Eher zu erwarten waren Einzelzellen sowie Verclusterungen, weshalb die größte Gefahr auch von Starkregenfällen und entsprechenden Überflutungen ausging.

Das Radarbild um 16 Uhr lässt sich in drei Regionen einteilen: Im Nordosten ist durch stabile Luft wenig bis gar nichts los. Von Ostfriesland bis ins Westerzgebirge erstreckt sich die Tiefdruckrinne mit zeitweiligen Niederschlägen, in Thüringen und Westsachsen waren diese auch etwas kräftiger. Vom Niederrhein bis nach Bayern befand sich eine Gewitterlinie, zum Teil verclustert, dahinter gab es nur noch einzelne Schauer und Gewitter. Zwischen Rinne und Gewitterlinie gab es am Nachmittag nochmal kräftige EInstrahlung, sodass nochmal, trotz Abkühlung durch den Regen, Energie generiert werden konnte. Die Höchsttemperaturen des Tages lagen bei 25 bis 29 Grad, im Bergland wurden 18 bis 23 Grad erreicht.

Gegen 18 Uhr überquerte der erste Regen das Osterzgebirge. Etwas Messbares kam aber nur in den seltensten Fällen runter. Im Norden Thüringens hatten sich währenddessen schon kräftige Gewitter gebildet und befanden sich um 18:40 etwa in einem Dreieck Eisenach-Weimar-Mühlhausen. Die Landesgrenze zu Sachsen überquerten die Gewitterzellen ab ca. 20 Uhr südwestlich von Leipzig, um 21 Uhr hatte sich ein starker Cluster gebildet.

Gewitterzelle über dem Tharandter Wald um 21:50 Uhr

Auch ab etwa 21 Uhr kam es zwischen Freiberg und Dresden, bis in die Sächsische Schweiz zu starken Neubildungen. Zeitweise konnten mesozyklonal anmutende Strukturen beobachtet werden (siehe Aufnahme), auch auf dem Doppler-Radar und der Radar-Analyse wurde kurzzeitig eine deutliche Rotation festgestellt. Anhand der Radarechos (lokal deutlich über 60 dBZ) sowie der Vertikalanalyse kam es wahrscheinlich auch zu Hagel.

Zwischen Freital und Wilsdruff kam es relativ schnell zu weiteren Neuentwicklungen. Wenn die „natürliche Beleuchtung“ durch Blitze stimmte, konnte eine äußerst beeindruckende Aufwindbasis beobachtet werden:

Aufwindbasis einer Gewitterzelle über der Gompitzer Höhe (Dresden) um 22:25 Uhr

Die Aufnahme des Aufwindes entstand nur wenige Kilometer südlich des Kernes. Im Hintergrund ist bereits die Böenfront des heranziehenden Clusters aus Mittelsachsen zu sehen. Der Blitz, welcher für diese äußerst ansehnliche Ausleuchtung der Kulisse sorgte, ist hier verlinkt. Es handelte sich um einen 41 kA starken, positiven Einschlag auf eine unbewaldete Anhöhe westlich von Klipphausen.

Wie oben bereits beschrieben trafen die Gewitter auf eine recht gute Scherung, was in Sachsen die Bildung eines nicht gerade kurzlebigen Systemes mit mesozyklonalen Elementen ermöglichte. Ein solches bildete sich auch südlich von Wilsdruff beim Eintreffen der starken Zellen aus Nordwesten:

Böenfront um 22:30 Uhr – kurz danach ist sie leider zerfallen

Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit ins Erzgebirge, auch hier kam es zeitweise zu rotierenden Zellen, kleinkörniger Hagel war ebenso dabei.

Die Niederschlagssummen hielten sich in unserer Region in Grenzen, es blieb meist bei 10 bis 30 l/m². Die lokalen Schwepunkte lassen sich gut auf der Radarsummen-Karte nachbetrachten. Von Weißenfels bis nach Döbeln gab es teilweise 30 bis 40 l/m² Regen in kurzer Zeit. Am meisten Regen hat Großweitzschen-Westewitz bei Döbeln gemessen, am Dienstagmorgen wurden 34,2 mm gemeldet (inklusive einzelner Regenfälle in der zweiten Nachthälfte). Dippoldiswalde-Reinberg meldete im gleichen Zeitraum 21,7 mm, von denen 18,3 mm auf die abendlichen Gewitter zurückzuführen sind. Warnwürdige Windböen wurden nicht gemessen, wenngleich es lokal mal zur ein oder anderen Sturmböe gekommen sein kann. Über größere Schäden ist nichts bekannt.

Als Fazit kann man die Gewitterlage als gelungenen Saisonauftakt bezeichnen. Bis auf lokale Überschwemmungen (vor allem in NRW, leider auch wieder im Ahrtal) kam es kaum zu unwetterartigen Entwicklungen. Quasi ein normales Sommergewitter, zwar mitten im Mai, was die Trockenheit zumindest kurzfristig etwas lindern konnte.

Höhenkaltluft bringt zahlreiche Schauer und Gewitter

Nachdem die Kaltfront von Tief Nasim schweren Sturm bis ins Flachland brachte, gab es am Wochenende „Aprilwetter deluxe“ mit unzähligen Schauern und vielen Gewittern.

© wetterzentrale.de; bearbeitet

Am Samstag (09. April) befindet sich von Skandinavien bis nach Osteuropa eine ausgeprägte Tiefdruckzone. Rückseitig davon wird polare Kaltluft, besonders in der Höhe, nach Mitteleuropa befördert. Zudem befindet sich über Frankreich ein schwacher Zwischenhochkeil, welcher dem Westen Deutschlands schon eine etwas trockenere Luftmasse bringt.

Vertikalprofil Lindenberg, 09. April 02 Uhr MESZ; ©University of Wyoming

Im Sounding ist schön dieser enorme Temperaturgradient zu sehen. Am 09. April um 02 Uhr MESZ liegt die Bodentemperatur bei ca. 3°C, in ca. 9,5 km Höhe bei -60°C. Dieser enorme Temperaturgradient sorgte ab den Vormittagsstunden für ein kräftiges Aufleben der Schauer- und Gewitteraktivität. Der kräftige Höhenwind trägt sein übriges bei.


Der folgende Absatz beschreibt die Lage am 09. und 10. April in einem Bildbericht stark räumlich begrenzt, es wird nur auf einzelne Schauer/Gewitter eingegangen. Alles andere würde den Rahmen mehr als sprengen.

Um 13:30 Uhr ließ sich aus der Ferne dieser imposante Schauer zwischen Nossen und Wilsdruff beobachten. Die Cumuluswolke vorne links ist ein zweiter Schauer, zum Zeitpunkt befand sich dieser bei Herzogswalde/Mohorn.

Rasch mauserte sich der Schauer zu einem kräftigen Graupelgewitter mit einem schwachen Böenkragen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (13:50 Uhr) befand sich das Gewitter zwischen Kesselsdorf und Freital. Zur „besten Zeit“ der Zelle wurde das 18 dBz-Top in 7 km Höhe registriert, das ist relativ hoch für Höhenkaltluft. Schaut man sich aber nochmal den Radiosondenaufstieg mit über 60K Temperaturgradient an, so verwundert das wenig. Die Zelle warf von Kesselsdorf bis nach Bannewitz zeitweise größeren Graupel.

Ein zweites, wieder äußerst fotogenes Gewitter bildete sich bereits gegen 14:40 Uhr als Schauer bei Halle (Saale).

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (16:45 Uhr) befand sich die Gewitterzelle zwischen Nossen und Ziegenhain. Eigentlich kaum klassisch für Höhenkaltluft hat diese Zelle eine optisch sommerliche Struktur:

Auch diese Zelle hatte, wie die Zelle vom frühen Nachmittag, einen 18dBz-Top von ca. 7 km. Kurz vor den Toren Dresdens fiel das Gewitter leider wieder zusammen.

Südöstlich von Döbeln bildete sich gegen 17 Uhr eine neue Gewitterzelle, welche mehr oder weniger nahtlos an das oben beschriebene Gewitter angrenzte. Typisch für Höhenkaltluft gab es eine sehenswerte Rückseite zu bestaunen:

Am Sonntag (10. April) ging das Aprilwetter munter weiter. Allerdings machte sich der Hochdruckkeil aus Westen schon langsam bemerkbar, sodass der Sonntag mit dem Samstag kaum mithalten konnte.

Diese Aufnahme entstand am Sonntag um 13:30 Uhr, der Schauer befand sich zwischen Freital und Rabenau und brachte Graupel:

Ein zweiter Schauer kam hinterher:

Doch mehr gab es nicht zu beobachten.

Am Montag hatte sich der Hochdruckeinfluss vollständig durchgesetzt, nur noch Richtung Erzgebirge gab es flache Konvektion ohne Niederschlag.

Nach dem Frühlingswetter am heutigen Dienstag und am Mittwoch wird es ab Donnerstag wieder unbeständiger und kühler. Auch zu Ostern geht es etwas kühler weiter.

Heftiger Kaltfrontdurchgang mit schweren Sturmböen

Am Donnerstag beschäftigte uns eine kräftige Kaltfront, welche teilweise schwere Sturmböen bis ins Flachland brachte, exponiert gab es Orkanböen. Anschließend gab es klassisches Aprilwetter.

Die obere Grafik zeigt die DWD-Bodenanalyse vom 07. April um 20 Uhr MESZ. Die Frontalzone ist relativ weit nach Süden verschoben, das südliche Fennoskandien und Mitteleuropa liegt unter dem Einfluss eines Tiefdruckkomplexes über Südschweden. Die zugehörige Kaltfront zog am Donnerstag von Nordwest nach Südost über uns hinweg. Zeitweise war sie im Ansatz okkludiert, da sich kurzzeitig ein schwaches Randtief vor der Küste Irlands bildete (vgl. Bodenanalyse vom 06. April 18 UTC).

Während der Warmsektorsturm wie zu erwarten wenig spektakulär war (meist Böen 7-9 Bft, exponiert mehr), war der Kaltfrontdurchgang umso spannender.

Die Kaltfront erreichte unsere Region gegen 18 Uhr. Rund um Freiberg, aber auch im Westerzgebirge war diese dabei gewittrig durchsetzt, dort wurde ebenfalls eine zeitweise sehr starke Rotation festgestellt (s. Kachelmannwetter-Stormtracking). Auch an der Landesgrenze zu Brandenburg (Region Elsterwerda/Hoyerswerda) wurde eine starke bodennahe Rotation festgestellt. An der Kaltfront kam es kurzzeitig zu sehr heftigem Starkregen und schweren Sturmböen.

Die Regensummen hielten sich dennoch in Grenzen und waren sehr ungleich. Während in Radebeul bei Dresden nur 1,2 mm gemessen wurden, meldete Hartmannsdorf-Lehnmühle 6,7 mm Niederschlag in kurzer Zeit. Dresden-Klotzsche (DWD) meldete eine Spitzenböe von 81,4 km/h, Dresden-Loschwitz (Kachelmannwetter-Messnetz) knapp 102 km/h. Durch den Sturm und die ohnehin geschwächten Bäume wurden einige Schäden gemeldet. Einzelne Bäume stürzten um, auch Dachziegel lösten sich, wie ein Einsatz der freiwilligen Feuerwehr Freital zeigt:

Auch zwischen Pirna und Liebstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen, um ein zweites Beispiel zu nennen:

Rückseitig der Kaltfront beruhigte sich das Wetter kurzzeitig, anschließend kamen aus Nordwesten zahlreiche Schauer auf, teils mit Graupel. Wieder kam es zu Sturmböen, auf dem Collmberg wurde sogar eine Orkanböe mit 124 km/h gemessen.

Blick Richtung Osten auf die abziehende Kaltfront

Kräftige Kaltfront mit orkanartigen Böen

Am 21. Februar überquerten uns Ausläufer des nächsten Orkantiefs, diesmal „Antonia“ genannt. Im Fokus stand dabei die Kaltfront des Tiefs, welche in Sachsen orkanartige Böen, im westlichen NRW Orkanböen brachte. Erneut wurde es dabei heftiger als berechnet.

Waldspaziergänge sind aktuell wenig empfehlenswert (Archivbild)

An sich war die Wetterlage etwas wenig besonderes. Warm- und später Kaltfront einer klassischen Norwegerzyklone überquerte uns, anschließend floss höhenkalte Luft mit Schauern ein und ein weiteres Randtief brachte abschließend nochmal stürmische Böen. Dennoch brachte der Kaltfrontdurchgang, nicht zuletzt durch ohnehin geschwächte Wälder und Vorschäden, nochmals teils massive Schäden.

Viel zu analysieren gibt es diesmal nicht. Ähnlich wie bei Sturm „Ylenia“ gab es, diesmal speziell im Westen, gute Voraussetzungen für die Bildung einer wetteraktiven, organisierten Kaltfront mit mesozyklonalen Elementen.

Simuliert wurde im Voraus eine geringe Menge verfügbarer Energie, bodennah ca. 100 J/kg CAPE. Die Helizität in 0-3 km war mit über 500 m²/s² sehr hoch, ebenso die Windscherung. Sowohl die Scherung bis 1 km Höhe, als auch die Scherung bis 6 km Höhe lag bei 50 bis 80 kn. Scherung in tiefen Atmosphärenschichten ist bedeutend für die Tornadogefahr, die Scherung in der Höhe ist wichtig für die Stabilität/Langlebigkeit von Gewittersystemen. Die (meteorologisch betrachtet) besten Parameter gab es im Westen, Richtung Osten abnehmend.

Die Kaltfront zog gegen 23 Uhr am Niederrhein auf und zog dann weiter nach Osten. In ersterer Region wurde die Front, wie im Voraus berechnet, am stärksten. Sie war dort stark gewittrig durchsetzt, oft mit teils starker Rotation. Am NATO-Flugplatz Geilenkirchen wurden 119 km/h gemessen. Auch in anderen Landesteilen bildete die Kaltfront teils gewittrige, rotierende Segmente aus, zu sehr wollen wir da aber nicht ins Detail gehen.

In unserer Region kam die Kaltfront gegen 04:30 Uhr an, lokal gewittrig. Es kam kurzzeitig (meist nur wenige Minuten) zu teils heftigem Starkregen und Graupel, sowie schweren Sturmböen und orkanartigen Böen. In Chemnitz wurden 111 km/h gemessen, am Flugplatz Leipzig 103 km/h und in Dresden-Loschwitz 100 km/h. Die stärksten Böen traten in den meisten Fällen genau mit Frontdurchgang auf. Berechnet hatten nur die Modelle AROME sowie GFS im Ansatz solche Windgeschwindigkeiten, die anderen Modelle lagen, wie schon bei den voherigen Stürmen, zu niedrig.

Ab dem Morgen kam es zu Schauerwetter mit lokal nochmal (schweren) Sturmböen, teilweise waren die Schauer auch mit Graupelgewittern verbunden. Im Nordwesten zog am Nachmittag nochmal ein Randtief mit stürmischen Winden auf, als „Welle“ kam es auch in Sachsen zu Niederschlägen. Die Sturmserie ist vorerst nun vorbei, es wird zunehmend ruhiger, kräftige Sturmtiefs oder Orkane sind bis auf weiteres nicht in Sicht.