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Herbstwetter!

Eine kühle Nordlage beschert uns seit einigen Tagen das erste „echte Herbstwetter“ des Jahres. Wir befinden uns in einem kühlen, windigen und regnerischen Witterungsabschnitt, immer wieder gibt es aber auch freundliche Momente. Für die Natur sind die Niederschläge ein wahrer Segen.

Vor nicht einmal 2 Wochen erlebten wir noch Sommerwetter vom feinsten – vier Sommertage zählt der September bis dato an der Wetterstation Dresden-Strehlen. Am 05. September lag die Tagesabweichung im Deutschlandmittel bei ca. 5 Grad. Am 09. September folgte eine Gewitterlage, welche besonders in Bautzen schwere Schäden brachte. Eine nahezu stationäre Linie mit Starkregenschauern und kräftigen Gewittern erstreckte sich vom Osterzgebirge bis in die Oberlausitz, den Schwerpunkt mit bis zu 120 mm Niederschlag in wenigen Stunden gab es genau über Bautzen. Aus der Ferne betrachtet, besonders aber im letzten Abendlicht, waren die Gewitterzellen äußerst fotogen:

Aus einem ehemaligen Hurrikan entwickelte sich zu Beginn der zweiten September-Dekade ein Trog, welcher zum 13. September vor der Iberischen Halbinsel anlegte und nochmal einen Schwall Warmluft nach Mitteleuropa brachte. Trog und korrespondierendes Bodentief wurden in den Tiefdruckkomplex über Fennoskandinavien eingegliedert, sodass sich ab dem 16. September endgültig eine zyklonale Nordlage durchsetzte. Dazu nachfolgend eine Übersicht der Großwetterlage am 17. September:

Ein abgeschlossener Höhentrog mit Zentrum über Südfinnland, sowie ein Höhenrücken von Spanien bis nach Grönland lassen polare Luftmassen nach Mitteleuropa ziehen (selbstverständlich angewärmt durch die Nordsee). Die Trogspitze liegt am 17. Sep. über Norditalien, was dort eine heftige Zyklogenese mit katastrophalen Unwettern induziert. Im 850hPa-Niveau sanken die Temperaturen auf etwa 0°C bis 4°C ab, mit den niedrigeren Werten an der Nordseeküste. In den Wintermonaten würde dieses „Blocking“ der atlantischen Frontalzone wohl ein gutes Setup für winterliches Wetter sein.

Generell sind Nord- und Nordwestlagen ideales Wetter für klassisches Aprilwetter, ausgelöst durch höhenkalte Luft. Im Herbst können die Auswirkungen besonders intensiv sein, da es bodennah oft noch sehr warm ist. An diesem Wochenende gab es einen besonders beeindruckenden Temperaturgradient vom Boden bis in die hohe Atmosphäre:

Quelle: UWYO

Exemplarisch sehen wir oben den Radiosondenaufstieg aus Lindenberg am 17. September um 20 Uhr MESZ. Am Boden wurden ca. 13°C gemessen, in 9000 m ü. NN (ca. 290 hPa) hingegen knapp -55°C, eine Temperaturdifferenz von 68 K sieht man auch bei ausgeprägter Höhenkaltluft eher selten. An der Nordseeküste war die Differenz zeitweise noch höher.

Die, durch Höhenkaltluft hervorgebrachte, Konvektion wurde durch einige Randentwicklungen weiter vorangetrieben. Fast schon „Frontartig“ anmutend erstreckt sich am 16. Sep. ein Regengebiet, mit eingelagerten Gewittern, von Schleswig-Holstein, über Ostfriesland, bis auf die Nordsee. In der DWD-Bodenanalyse wird diese Welle als Konvergenz kartiert, sie ist auf den Isobaren ganz klassisch als Wellenbewegung erkennbar.

Am Wochenende folgt eine weitere Randentwicklung, diesmal allerdings zusätzlich in Form eines Randtroges in der Höhe inklusive bodennaher Wellenentwicklung. Zeitweise entsteht sogar ein abgeschlossenes Höhentief, welches wieder zu entsprechender Konvektion führt. Ein weiterer Randtrog folgt am Sonntag, der vorerst letzte wird am Dienstag erwartet.

Ein paar Impressionen des windigen Herbstwetters vom Wochenende:

Probleme macht immer noch die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar gibt es bis in ca. 40 cm Tiefe aktuell eine weitestgehende Entspannung der Situation, bis in einem Meter Tiefe sieht es allerdings immer noch nicht gut aus. Die nutzbare Feldkapazität liegt hier teilweise immer noch unter 40 %. Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sei an dieser Stelle der interaktive DWD-Bodenfeuchte-Viewer zu empfehlen.

Oben wurde es schon angerissen, die Nordlage brachte das erste mal in diesem met. Herbst Luftmassen polaren Ursprunges zu uns. In den Alpen gab es oberhalb von etwa 1500 m die ersten Schneefälle.

Um 00:10 Uhr am 18.09.2022 wurde auf dem Fichtelberg das erste mal in diesem Herbst der SYNOP-Code WW70 gemeldet. Um 00:50 Uhr folgte WW69 und um 03:40 Uhr sogar WW72/73. Die genannten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen stellen Teile sog. SYNOP-Schlüssel dar, einer in der Meteorologie einheitlichen Codierung für Wettermeldungen. Diese SYNOP-Dateien haben mehrere Dutzend Stellen, üblich sind 55 Stellen. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es bei der FU Berlin (im Webarchiv). Nun aber zur Erklärung der Wettermeldungen vom Fichtelberg: Gemeldet wurden leichter Schneefall (WW70), mäßiger oder starker Schneeregen (WW69) und unterbrochener oder durchgehender, mäßiger Schneefall (WW72/73). Vereinfacht gesagt: Der erste Schnee! Zwar blieb er nicht liegen, einen Absatz ist er dennoch Wert 😉

Abschließend noch zum Wind, dieser spielte, wie in der Einleitung beschrieben, ebenso eine Rolle. Im Flachland blieb es bei Böen von Bft 5 bis 7, auf Sachsens höchster Erhebung gab es mit 97,2 km/h in der Nacht zum Sonntag hingegen schwere Sturmböen. An der Nordsee wurde es sogar orkanartig mit bis zu 104 km/h.

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Höhenkaltluft bringt zahlreiche Schauer und Gewitter

Nachdem die Kaltfront von Tief Nasim schweren Sturm bis ins Flachland brachte, gab es am Wochenende „Aprilwetter deluxe“ mit unzähligen Schauern und vielen Gewittern.

© wetterzentrale.de; bearbeitet

Am Samstag (09. April) befindet sich von Skandinavien bis nach Osteuropa eine ausgeprägte Tiefdruckzone. Rückseitig davon wird polare Kaltluft, besonders in der Höhe, nach Mitteleuropa befördert. Zudem befindet sich über Frankreich ein schwacher Zwischenhochkeil, welcher dem Westen Deutschlands schon eine etwas trockenere Luftmasse bringt.

Vertikalprofil Lindenberg, 09. April 02 Uhr MESZ; ©University of Wyoming

Im Sounding ist schön dieser enorme Temperaturgradient zu sehen. Am 09. April um 02 Uhr MESZ liegt die Bodentemperatur bei ca. 3°C, in ca. 9,5 km Höhe bei -60°C. Dieser enorme Temperaturgradient sorgte ab den Vormittagsstunden für ein kräftiges Aufleben der Schauer- und Gewitteraktivität. Der kräftige Höhenwind trägt sein übriges bei.


Der folgende Absatz beschreibt die Lage am 09. und 10. April in einem Bildbericht stark räumlich begrenzt, es wird nur auf einzelne Schauer/Gewitter eingegangen. Alles andere würde den Rahmen mehr als sprengen.

Um 13:30 Uhr ließ sich aus der Ferne dieser imposante Schauer zwischen Nossen und Wilsdruff beobachten. Die Cumuluswolke vorne links ist ein zweiter Schauer, zum Zeitpunkt befand sich dieser bei Herzogswalde/Mohorn.

Rasch mauserte sich der Schauer zu einem kräftigen Graupelgewitter mit einem schwachen Böenkragen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme (13:50 Uhr) befand sich das Gewitter zwischen Kesselsdorf und Freital. Zur „besten Zeit“ der Zelle wurde das 18 dBz-Top in 7 km Höhe registriert, das ist relativ hoch für Höhenkaltluft. Schaut man sich aber nochmal den Radiosondenaufstieg mit über 60K Temperaturgradient an, so verwundert das wenig. Die Zelle warf von Kesselsdorf bis nach Bannewitz zeitweise größeren Graupel.

Ein zweites, wieder äußerst fotogenes Gewitter bildete sich bereits gegen 14:40 Uhr als Schauer bei Halle (Saale).

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme (16:45 Uhr) befand sich die Gewitterzelle zwischen Nossen und Ziegenhain. Eigentlich kaum klassisch für Höhenkaltluft hat diese Zelle eine optisch sommerliche Struktur:

Auch diese Zelle hatte, wie die Zelle vom frühen Nachmittag, einen 18dBz-Top von ca. 7 km. Kurz vor den Toren Dresdens fiel das Gewitter leider wieder zusammen.

Südöstlich von Döbeln bildete sich gegen 17 Uhr eine neue Gewitterzelle, welche mehr oder weniger nahtlos an das oben beschriebene Gewitter angrenzte. Typisch für Höhenkaltluft gab es eine sehenswerte Rückseite zu bestaunen:

Am Sonntag (10. April) ging das Aprilwetter munter weiter. Allerdings machte sich der Hochdruckkeil aus Westen schon langsam bemerkbar, sodass der Sonntag mit dem Samstag kaum mithalten konnte.

Diese Aufnahme entstand am Sonntag um 13:30 Uhr, der Schauer befand sich zwischen Freital und Rabenau und brachte Graupel:

Ein zweiter Schauer kam hinterher:

Doch mehr gab es nicht zu beobachten.

Am Montag hatte sich der Hochdruckeinfluss vollständig durchgesetzt, nur noch Richtung Erzgebirge gab es flache Konvektion ohne Niederschlag.

Nach dem Frühlingswetter am heutigen Dienstag und am Mittwoch wird es ab Donnerstag wieder unbeständiger und kühler. Auch zu Ostern geht es etwas kühler weiter.

Heftiger Kaltfrontdurchgang mit schweren Sturmböen

Am Donnerstag beschäftigte uns eine kräftige Kaltfront, welche teilweise schwere Sturmböen bis ins Flachland brachte, exponiert gab es Orkanböen. Anschließend gab es klassisches Aprilwetter.

Die obere Grafik zeigt die DWD-Bodenanalyse vom 07. April um 20 Uhr MESZ. Die Frontalzone ist relativ weit nach Süden verschoben, das südliche Fennoskandien und Mitteleuropa liegt unter dem Einfluss eines Tiefdruckkomplexes über Südschweden. Die zugehörige Kaltfront zog am Donnerstag von Nordwest nach Südost über uns hinweg. Zeitweise war sie im Ansatz okkludiert, da sich kurzzeitig ein schwaches Randtief vor der Küste Irlands bildete (vgl. Bodenanalyse vom 06. April 18 UTC).

Während der Warmsektorsturm wie zu erwarten wenig spektakulär war (meist Böen 7-9 Bft, exponiert mehr), war der Kaltfrontdurchgang umso spannender.

Die Kaltfront erreichte unsere Region gegen 18 Uhr. Rund um Freiberg, aber auch im Westerzgebirge war diese dabei gewittrig durchsetzt, dort wurde ebenfalls eine zeitweise sehr starke Rotation festgestellt (s. Kachelmannwetter-Stormtracking). Auch an der Landesgrenze zu Brandenburg (Region Elsterwerda/Hoyerswerda) wurde eine starke bodennahe Rotation festgestellt. An der Kaltfront kam es kurzzeitig zu sehr heftigem Starkregen und schweren Sturmböen.

Die Regensummen hielten sich dennoch in Grenzen und waren sehr ungleich. Während in Radebeul bei Dresden nur 1,2 mm gemessen wurden, meldete Hartmannsdorf-Lehnmühle 6,7 mm Niederschlag in kurzer Zeit. Dresden-Klotzsche (DWD) meldete eine Spitzenböe von 81,4 km/h, Dresden-Loschwitz (Kachelmannwetter-Messnetz) knapp 102 km/h. Durch den Sturm und die ohnehin geschwächten Bäume wurden einige Schäden gemeldet. Einzelne Bäume stürzten um, auch Dachziegel lösten sich, wie ein Einsatz der freiwilligen Feuerwehr Freital zeigt:

Auch zwischen Pirna und Liebstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen, um ein zweites Beispiel zu nennen:

Rückseitig der Kaltfront beruhigte sich das Wetter kurzzeitig, anschließend kamen aus Nordwesten zahlreiche Schauer auf, teils mit Graupel. Wieder kam es zu Sturmböen, auf dem Collmberg wurde sogar eine Orkanböe mit 124 km/h gemessen.

Blick Richtung Osten auf die abziehende Kaltfront

Kräftige Kaltfront mit orkanartigen Böen

Am 21. Februar überquerten uns Ausläufer des nächsten Orkantiefs, diesmal „Antonia“ genannt. Im Fokus stand dabei die Kaltfront des Tiefs, welche in Sachsen orkanartige Böen, im westlichen NRW Orkanböen brachte. Erneut wurde es dabei heftiger als berechnet.

Waldspaziergänge sind aktuell wenig empfehlenswert (Archivbild)

An sich war die Wetterlage etwas wenig besonderes. Warm- und später Kaltfront einer klassischen Norwegerzyklone überquerte uns, anschließend floss höhenkalte Luft mit Schauern ein und ein weiteres Randtief brachte abschließend nochmal stürmische Böen. Dennoch brachte der Kaltfrontdurchgang, nicht zuletzt durch ohnehin geschwächte Wälder und Vorschäden, nochmals teils massive Schäden.

Viel zu analysieren gibt es diesmal nicht. Ähnlich wie bei Sturm „Ylenia“ gab es, diesmal speziell im Westen, gute Voraussetzungen für die Bildung einer wetteraktiven, organisierten Kaltfront mit mesozyklonalen Elementen.

Simuliert wurde im Voraus eine geringe Menge verfügbarer Energie, bodennah ca. 100 J/kg CAPE. Die Helizität in 0-3 km war mit über 500 m²/s² sehr hoch, ebenso die Windscherung. Sowohl die Scherung bis 1 km Höhe, als auch die Scherung bis 6 km Höhe lag bei 50 bis 80 kn. Scherung in tiefen Atmosphärenschichten ist bedeutend für die Tornadogefahr, die Scherung in der Höhe ist wichtig für die Stabilität/Langlebigkeit von Gewittersystemen. Die (meteorologisch betrachtet) besten Parameter gab es im Westen, Richtung Osten abnehmend.

Die Kaltfront zog gegen 23 Uhr am Niederrhein auf und zog dann weiter nach Osten. In ersterer Region wurde die Front, wie im Voraus berechnet, am stärksten. Sie war dort stark gewittrig durchsetzt, oft mit teils starker Rotation. Am NATO-Flugplatz Geilenkirchen wurden 119 km/h gemessen. Auch in anderen Landesteilen bildete die Kaltfront teils gewittrige, rotierende Segmente aus, zu sehr wollen wir da aber nicht ins Detail gehen.

In unserer Region kam die Kaltfront gegen 04:30 Uhr an, lokal gewittrig. Es kam kurzzeitig (meist nur wenige Minuten) zu teils heftigem Starkregen und Graupel, sowie schweren Sturmböen und orkanartigen Böen. In Chemnitz wurden 111 km/h gemessen, am Flugplatz Leipzig 103 km/h und in Dresden-Loschwitz 100 km/h. Die stärksten Böen traten in den meisten Fällen genau mit Frontdurchgang auf. Berechnet hatten nur die Modelle AROME sowie GFS im Ansatz solche Windgeschwindigkeiten, die anderen Modelle lagen, wie schon bei den voherigen Stürmen, zu niedrig.

Ab dem Morgen kam es zu Schauerwetter mit lokal nochmal (schweren) Sturmböen, teilweise waren die Schauer auch mit Graupelgewittern verbunden. Im Nordwesten zog am Nachmittag nochmal ein Randtief mit stürmischen Winden auf, als „Welle“ kam es auch in Sachsen zu Niederschlägen. Die Sturmserie ist vorerst nun vorbei, es wird zunehmend ruhiger, kräftige Sturmtiefs oder Orkane sind bis auf weiteres nicht in Sicht.

Schwere Schäden durch Orkantief „Ylenia“

Nach dem schweren Sturm „Nadine“ und dem Sturm „Roxana“ stand am Mittwoch und Donnerstag wieder ein schwerer Sturm an. „Ylenia“ sollte er heißen, vor allem die Kaltfront hatte es in sich.

In der Grafik sehen wir die Konstellation in der Nacht zum 17. Februar, die Bodendruckanalyse des DWD. Sofort ins Auge fällt ein großer Tiefdruckkomplex über dem südlichen Skandinavien. Uns interessiert (zumindest in diesem Beitrag) aber nur die Kerne bei Dänemark sowie deren Frontensysteme. Schauen wir uns die Bedingungen vor der Kaltfront an. Die Werte und Aussagen beziehen sich sowohl auf Radiosondenaufstiege, als auch auf Modellvorhersagen wenige Stunden vor Eintreffen.

Die Berechnungen

Simuliert wurde in allen Modellen einheitlich mindestens eine Linie mit Schauern und Gewittern, die eigentliche Kaltfront. Die meisten Modelle deuteten zudem noch die Ausbildung einer zweiten, präfrontalen Schauerlinie an, dazu hinter der Kaltfront zahlreiche Schauer und Gewitter. Vor der Kaltfront lagen die CAPE-Werte (Erklärung CAPE) bei ca. 100 bis 200 J/kg, dazu gab es eine extrem hohe Helizität (in 0-3 km, keine direkte Aufwindhelizität) von bis zu 800 m²/s², speziell in Thüringen (Helizität bedeutet vereinfacht gesagt den Drang der Luft zu Drehbewegungen). Ab Werten von ca. 200 bis 300 m²/s² ist die Tornadogefahr hoch. Die sog. „low level vertical wind shear“ (vertikale Windscherung in unteren Atmosphärenschichten) erreicht teilweise über 50 Knoten, was die Tornadogefahr nochmals massiv erhöht. Der KO-Index lag bei ca. 0, was eine labile Luftmasse bedeutet (Erklärung KO-Index). Im Großen und Ganzen konnte man also von einer sehr brisanten Ausgangssituation sprechen. All die genannten Parameter (und natürlich noch viele mehr) sprachen für die Ausbildung einer sehr organisierten Kaltfront, teils mit mesozyklonalen Elementen bzw. Bogensegmenten, welche die Möglichkeit einer „Line Echo Wave Pattern“ (LEWP), eine lange Gewitterlinie mit diesen eingelagerten Bogensegmenten, bildeten. ESTOFEX, das „European Storm Forecast Experiment“, gab im Voraus eine Level 3-Warnung heraus, die höchste der Warnstufen. Auch der Deutsche Wetterdienst warnte vor verbreiteten Orkanböen bzw. orkanartigen Böen, speziell an der Kaltfront, aber auch danach. Auch eine regionale Einschätzung war anhand der Modellvorhersagen bereits möglich. Die stärksten Teile der Front wurden zum einen über dem nördlichen Brandenburg, zum anderen im südlichen Brandenburg und in Sachsen simuliert. Das SuperHD-Modell berechnete beispielsweise eine oder mehrere LEWP mit entsprechend mesozyklonalen Elementen in den entsprechenden Regionen, ebenso die anderen hochauflösenden Modelle zumindest ansatzweise. Wie schon angesprochen wurden vor der Front noch einige Schauer bzw. Gewitter modelliert, im ICON-D2-Modell teilweise auch mesozyklonal. Hinter der Front sollte es bis Donnerstagabend zu klassischem Höhenkaltluft-Wetter mit vielen Schauern kommen.

So viel zu den Berechnungen. Hier sei noch anzumerken dass in den Modellen spätestens Mittwochabend eine klare Eingrenzung der Gebiete mit dem höchsten Unwetterpotenzial möglich war, sowohl im Hinblick auf Böen durch ein Runtermischen des Höhenwindes, als auch zum Tornadopotenzial. Hier wäre ein angepassteres Warnmanagement, gerade aufgrund des Potenziales stärkerer Tornados, wünschenswert und diskutabel gewesen.

Radaranalyse

Im Folgenden schauen wir uns die tatsächliche Entwicklung anhand des Radar-Archives an. Es geht zunächst nur um die reine Struktur der Kaltfront, die Messwerte folgen später.

Radarbild 01:15 Uhr

Das Radarbild um 01:15 Uhr MEZ zeigt die Kaltfront bereits sehr weit fortgeschritten. Sie ist als Band klar erkennbar, liegt zum Zeitpunkt etwa auf einer Linie Sauerland – Polnische Ostseeküste. Gerade in Brandenburg ist sie mit mehreren mesozyklonalen Teilen sehr gut organisiert, oft auch gewittrig. Dieser erste Schwerpunkt war ziemlich genau so von den Lokalmodellen berechnet.

Radarbild 02:45 Uhr

Um 02:45 liegt der aktivste Teil der Front von Halle (Saale) bis nach Frankfurt (Oder) und weiter nach Polen. Die bogenförmigen Teile sind eindeutig erkennbar. Hier lag auch der Schwerpunkt der Gewitteraktivität, Wetterleuchten war bis ins Erzgebirge sichtbar. Richtung Westen (gerade NRW) schleift die Kaltfront zunehmend. Auch diese Linie war so von den Lokalmodellen berechnet. Einzig die rotierenden Teile wurden etwas zu offensiv modelliert.

Radarbild 05:15 Uhr

Um kurz nach 05 Uhr sind neben der Kaltfront weitere starke Schauer zu erkennen, speziell im Erzgebirge, teils mit Gewittern verbunden. Die Kaltfront war beim Eintreffen in unsere Region weniger gut organisiert als noch in Brandenburg, hatte es aber durchaus in sich. Postfrontal kam es auch zu Landregen der stärkeren Art.

Bei der Verifikation der Modellvorhersagen in der (Ultra-)Kurzfrist bezüglich Konvektion kann man also sagen: Ins Schwarze getroffen. Die Schwerpunkte wurden sehr genau vorhergesagt.

Messwerte

Beim Blick auf die Messwerte beziehen wir uns auf die offiziellen DWD-Stationen sowie die Stationen wie auf Kachelmannwetter angegeben. Eine Übersicht der Top-10 für Sachsen:

  • 137 km/h in Dresden-Loschwitz
  • 126 km/h auf dem Collmberg
  • 106 km/h in Großpostwitz-Denkwitz
  • 104 km/h in Zinnwald-Georgenfeld
  • 102 km/h in Chemnitz
  • 100 km/h in Carlsfeld
  • 100 km/h in Lichtenhain-Mittelndorf
  • 99 km/h in Marienberg
  • 98 km/h in Leipzig/Halle (Flughafen)
  • 97 km/h in Nossen

Zu Dresden-Loschwitz muss gesagt werden, dass diese Station oft mit sehr hohen Werten auffällt. Dies liegt wahrscheinlich an einer deutlich exponierten Lage, sodass der Wert zwar stimmen sollte, er aber nicht repräsentativ für die Region ist. Einen ähnlichen Sachverhalt gibt es auf dem Collmberg.

Anschließend die fünf Deutschland-Maxima (auch nur DWD):

  • 152 km/h auf dem Großen Arber
  • 151 km/h auf dem Brocken
  • 134 km/h auf dem Leuchtturm Alte Weser
  • 133 km/h auf dem Kahlen Asten
  • 133 km/h in Weinbiet

Auch die Windspitzen wurden relativ gut vorhergesagt. Die lokalen Maxima in Orkanstärke wurden erreicht. Im Flachland wurden an einigen Stationen (s. DD-Loschwitz) auch extreme Orkanböen von 120 bis 140 km/h gemessen, auch dies sagten die Hochauflösenden Modelle gut vorher. Einzig AROME, das französische Lokalmodell, lag mit seinen Windspitzen laut Messwerten etwas zu hoch.

Niederschlagstechnisch ist nur der Erzgebirgsstau erwähnenswert, hier kamen Summen von 20 bis 30 Liter zusammen. Zinnwald-Georgenfeld kam beispielsweise auf insgesamt 27 l/m². Im Stau der Thüringer Mittelgebirge war es hingegen wesentlich heftiger, im Stau des Thüringer Waldes fielen lokal über 35 Liter in kurzer Zeit. Generell kann noch gesagt werden, dass es mit der Kaltfrontpassage oft zu heftigen Starkregenfällen kam, welche einzelne Straßen überfluteten und Keller volllaufen ließen. Bezüglich Schäden kam es zu den klassischen Sturmschäden, die leider drei Menschen das Leben kosteten. In NRW fiel am gesamten Donnerstag die Schule aus, die Bahn kämpfte mit massiven Einschränkungen und Problemen wegen umgestürzter Bäume, zwischenzeitlich wurde der gesamte Bahnverkehr in einigen Teilen Deutschlands eingestellt. Auch Flüge fielen aus. Zudem kam es zu regionalen Stromausfällen, auch in Sachsen. Insgesamt hielten sich die Schäden in Deutschland aber in Grenzen und waren weniger stark als erwartet, die Versicherungssumme beträgt nach vorläufigen Schätzungen wohl etwa eine halbe Milliarde Euro. Mehr oder weniger handelte es sich generell einfach schlichtweg um einen sehr starken Wintersturm, wie er jedes Jahr vorkommen kann. Bemerkenswert hingegen war die Kaltfront, in einem Februar ist das alles andere als gewöhnlich.

Weiter oben wurde von der Gefahr eines oder mehrerer kräftiger Tornados gesprochen. In Deutschland kam es zwar nicht dazu, dafür gab es im Nachbarland Polen wohl acht Tornados (Stand 17. Februar, Quelle siehe eingebetteter Tweet). Es war reiner Zufall, dass diese nur in Polen auftraten (wobei ein Auftreten auch hier in Deutschland nicht ausgeschlossen werden kann, schließlich kann man speziell Nachts Tornados kaum als solche einfach identifizieren). Bei weiteren Informationen werden diese hier natürlich entsprechend ergänzt.

Am Donnerstag (18. Februar) kam es dann noch zu klassischem Rückseitenwetter mit ausgeprägter Höhenkaltluft (Temperaturdifferenzen von teils über 40K ; eine genaue Analyse hierzu würde den Rahmen deutlich sprengen). Nichts wirklich außergewöhnliches, verbreitet kam es zu Schauern und Gewittern, teils mit Graupel und auch der Wind frischte nochmal bis zur Sturmstärke auf.

Höhenkaltluft-Schauer am 18. Februar, aufgenommen bei Freital

Abschließend noch ein paar weiterführende Links:

(abgerufen am 19. Februar)

Klassisches Rückseitenwetter mit langlebigen Schauerzellen

Rückseitig von Sturmtief „Roxana“ kam es zu einer klassischen Höhenkaltluftlage mit vielen Schauern und teils auch Gewittern. Wie schon im Titel erwähnt waren einige Schauer auch sehr langlebig.

Radarbild; (c) wetterzentrale.de

Wie auf obigem Radarbild unschwer zu erkennen erstreckte sich am Mittag des 07. Februar eine Schauerstaffel von der Nordsee bis zum Erz- und Fichtelgebirge. Ursache in diesem eigentlich klassischen Aprilwetter war ein enormer Temperaturgradient in der Höhe. Nehmen wir dazu beispielhaft den Radiosondenaufstieg von Lindenberg (Brandenburg) am 07. Februar um 07 Uhr. In 7000 Metern Höhe wurde zum Zeitpunkt eine Temperatur von ca. -48°C gemessen. Gleichzeitig lag die Temperatur in 2 Metern über dem Boden bei +2°C. Das macht eine Temperaturdifferenz von 50 Grad, was wirklich enorm ist.

Durch diese starken Temperaturgegensätze konnten sich etwaige Schauer auch entsprechend lange halten. Einen Schauer scheuen wir uns nun genauer an.

(c) wetterzentrale.de

Im Radarbild von 15 Uhr wurde der entsprechende Schauer in unserer Region markiert. Speziell südlich von Wilsdruff konnte der Schauer eine Reflektivität von ca. 50 bis 55 Dezibel aufweisen. Das bedeutet in etwa eine Regenrate von lokal 40 bis 70 mm/h (hätte es eine Stunde lang in der Intensität wie im Core (Zentrum) des Schauers geregnet, so wären Mengen von bis zu eben diesen 40 bis 70 mm zusammengekommen; trotz sehr hoher Radar-Auflösung von 250 m sind hier keine ganz genauen Angaben möglich). Das ist mehr als ein Monatssoll und hätte definitiv für Überflutungen gesorgt. Der Schauer zog allerdings mit etwa 70 km/h, weshalb der stärkste Niederschlag (hier in Form von Graupel und Schnee) nur wenige Sekunden andauerte.

(c) wetterzentrale.de

Dieses Radarbild von 08:30 zeigt etwas bemerkenswertes: genau der gleiche Schauer wurde bereits kurz nach 8 Uhr auf dem deutschen Radar registriert. Aufgelöst hat er sich erst um etwa 16:30 Uhr bei Prag:

https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/tschechische-republik/20220207-1525z.html

Der Schauer (zeitweise gewittrig, u.A. bei Rabenau (Sachsen)) konnte also eine Lebensdauer von über acht Stunden aufweisen. In Dresden wurden am Rande des Schauers Sturmböen von knapp 80 km/h registriert.

Mit einer guten Fernsicht konnte man den Schauer in seiner ganzen Schönheit bewundern. Auf dem folgenden Bild blickt man über Freital, wovon durch die enorme Intensität aber nicht mehr wirklich viel zu sehen war: