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Trockenheit nimmt wieder zu

Aktuell haben wir es mit frühlingshaftem Hochdruckwetter zu tun. Abseits einzelner Schauer im Erzgebirge bleibt es dabei durchweg trocken. Gerade im Frühling ist das allerdings problematisch, da die Vegetation auf Niederschläge angewiesen ist.

Blicken wir zunächst auf die Niederschläge im April:

Niederschlagssumme in Prozent des Mittels 1961-1990; Quelle: mtwetter.de

Deutlich ins Auge fällt eine ungleiche Verteilung der Niederschläge (Angaben in Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990). In der südlichen Mitte sowie im Norden Deutschlands wurde die zu erwartende Summe erreicht oder überschritten. Spitzenreiter ist Weinbiet mit mehr als der doppelten Monatssumme. Das Gegenteil findet sich im Raum Halle/Leipzig sowie in Teilen Brandenburgs. Am wenigsten Niederschlag fiel mit 8,6 l/m² (19%) in Wiesenburg im Westen Brandenburgs. Drei ausgewählte Werte aus unserer Region:

  • Dresden-Strehlen: 29,7 l/m² (42%)
  • Karsdorf (Rabenau): 44,4 l/m² (78%)
  • Rechenberg-Bienenmühle: 67,8 l/m² (124%)

Während im Erzgebirge die Summen weitestgehend erreicht oder überschritten worden, so ist erkennbar, dass das Erzgebirgsvorland samt Dresden teils deutlich unter dem Mittel liegt.

Quelle: UFZ; abgerufen am 06. Mai 2022

Der Dürremonitor des UFZ zeigt in weiten Teilen Ostdeutschlands, aber auch bis ins Münsterland und in Teilen des Südens eine außergewöhnliche Dürre in tiefen Bodenschichten. Das pflanzenverfügbare Wasser wird von der Ostseeküste bis an die Oder sowie vom Harz bis ins Leipziger Lang zunehmend knapp. Vom Niederrhein bis ins südliche Hessen sieht es ähnlich aus. Beim Oberboden sticht der Nordosten mit einer moderaten Dürre hervor.

Was eine naturnahe Bepflanzung ausmachen kann, sieht man anschaulich auf den folgenden beiden Bildern:

Während der Acker oberflächlich durch fehlende Bepflanzung stark ausgetrocknet und Erosionsanfällig ist, zeigt eine naturbelassene Wiese keinerlei Anzeichen von Trockenstress.

An der Niederschlagssituation wird sich auch in den kommenden Tagen wenig bis gar nichts ändern. Im Erzgebirge gab es in den letzten Tagen einzelne Schauer mit nur selten mehr als 3 l/m², zwischen Zittau und Löbau gab es auch ein Gewitter, mit 10 bis 15 l/m² konnte die Trockenheit dort immerhin lokal etwas abgemildert werden.

Schwacher Schauer am 04. Mai über dem Tharandter Wald

Klassisches Rückseitenwetter mit langlebigen Schauerzellen

Rückseitig von Sturmtief „Roxana“ kam es zu einer klassischen Höhenkaltluftlage mit vielen Schauern und teils auch Gewittern. Wie schon im Titel erwähnt waren einige Schauer auch sehr langlebig.

Radarbild; (c) wetterzentrale.de

Wie auf obigem Radarbild unschwer zu erkennen erstreckte sich am Mittag des 07. Februar eine Schauerstaffel von der Nordsee bis zum Erz- und Fichtelgebirge. Ursache in diesem eigentlich klassischen Aprilwetter war ein enormer Temperaturgradient in der Höhe. Nehmen wir dazu beispielhaft den Radiosondenaufstieg von Lindenberg (Brandenburg) am 07. Februar um 07 Uhr. In 7000 Metern Höhe wurde zum Zeitpunkt eine Temperatur von ca. -48°C gemessen. Gleichzeitig lag die Temperatur in 2 Metern über dem Boden bei +2°C. Das macht eine Temperaturdifferenz von 50 Grad, was wirklich enorm ist.

Durch diese starken Temperaturgegensätze konnten sich etwaige Schauer auch entsprechend lange halten. Einen Schauer scheuen wir uns nun genauer an.

(c) wetterzentrale.de

Im Radarbild von 15 Uhr wurde der entsprechende Schauer in unserer Region markiert. Speziell südlich von Wilsdruff konnte der Schauer eine Reflektivität von ca. 50 bis 55 Dezibel aufweisen. Das bedeutet in etwa eine Regenrate von lokal 40 bis 70 mm/h (hätte es eine Stunde lang in der Intensität wie im Core (Zentrum) des Schauers geregnet, so wären Mengen von bis zu eben diesen 40 bis 70 mm zusammengekommen; trotz sehr hoher Radar-Auflösung von 250 m sind hier keine ganz genauen Angaben möglich). Das ist mehr als ein Monatssoll und hätte definitiv für Überflutungen gesorgt. Der Schauer zog allerdings mit etwa 70 km/h, weshalb der stärkste Niederschlag (hier in Form von Graupel und Schnee) nur wenige Sekunden andauerte.

(c) wetterzentrale.de

Dieses Radarbild von 08:30 zeigt etwas bemerkenswertes: genau der gleiche Schauer wurde bereits kurz nach 8 Uhr auf dem deutschen Radar registriert. Aufgelöst hat er sich erst um etwa 16:30 Uhr bei Prag:

https://kachelmannwetter.com/de/regenradar/tschechische-republik/20220207-1525z.html

Der Schauer (zeitweise gewittrig, u.A. bei Rabenau (Sachsen)) konnte also eine Lebensdauer von über acht Stunden aufweisen. In Dresden wurden am Rande des Schauers Sturmböen von knapp 80 km/h registriert.

Mit einer guten Fernsicht konnte man den Schauer in seiner ganzen Schönheit bewundern. Auf dem folgenden Bild blickt man über Freital, wovon durch die enorme Intensität aber nicht mehr wirklich viel zu sehen war: