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Herbstwetter!

Eine kühle Nordlage beschert uns seit einigen Tagen das erste „echte Herbstwetter“ des Jahres. Wir befinden uns in einem kühlen, windigen und regnerischen Witterungsabschnitt, immer wieder gibt es aber auch freundliche Momente. Für die Natur sind die Niederschläge ein wahrer Segen.

Vor nicht einmal 2 Wochen erlebten wir noch Sommerwetter vom feinsten – vier Sommertage zählt der September bis dato an der Wetterstation Dresden-Strehlen. Am 05. September lag die Tagesabweichung im Deutschlandmittel bei ca. 5 Grad. Am 09. September folgte eine Gewitterlage, welche besonders in Bautzen schwere Schäden brachte. Eine nahezu stationäre Linie mit Starkregenschauern und kräftigen Gewittern erstreckte sich vom Osterzgebirge bis in die Oberlausitz, den Schwerpunkt mit bis zu 120 mm Niederschlag in wenigen Stunden gab es genau über Bautzen. Aus der Ferne betrachtet, besonders aber im letzten Abendlicht, waren die Gewitterzellen äußerst fotogen:

Aus einem ehemaligen Hurrikan entwickelte sich zu Beginn der zweiten September-Dekade ein Trog, welcher zum 13. September vor der Iberischen Halbinsel anlegte und nochmal einen Schwall Warmluft nach Mitteleuropa brachte. Trog und korrespondierendes Bodentief wurden in den Tiefdruckkomplex über Fennoskandinavien eingegliedert, sodass sich ab dem 16. September endgültig eine zyklonale Nordlage durchsetzte. Dazu nachfolgend eine Übersicht der Großwetterlage am 17. September:

Ein abgeschlossener Höhentrog mit Zentrum über Südfinnland, sowie ein Höhenrücken von Spanien bis nach Grönland lassen polare Luftmassen nach Mitteleuropa ziehen (selbstverständlich angewärmt durch die Nordsee). Die Trogspitze liegt am 17. Sep. über Norditalien, was dort eine heftige Zyklogenese mit katastrophalen Unwettern induziert. Im 850hPa-Niveau sanken die Temperaturen auf etwa 0°C bis 4°C ab, mit den niedrigeren Werten an der Nordseeküste. In den Wintermonaten würde dieses „Blocking“ der atlantischen Frontalzone wohl ein gutes Setup für winterliches Wetter sein.

Generell sind Nord- und Nordwestlagen ideales Wetter für klassisches Aprilwetter, ausgelöst durch höhenkalte Luft. Im Herbst können die Auswirkungen besonders intensiv sein, da es bodennah oft noch sehr warm ist. An diesem Wochenende gab es einen besonders beeindruckenden Temperaturgradient vom Boden bis in die hohe Atmosphäre:

Quelle: UWYO

Exemplarisch sehen wir oben den Radiosondenaufstieg aus Lindenberg am 17. September um 20 Uhr MESZ. Am Boden wurden ca. 13°C gemessen, in 9000 m ü. NN (ca. 290 hPa) hingegen knapp -55°C, eine Temperaturdifferenz von 68 K sieht man auch bei ausgeprägter Höhenkaltluft eher selten. An der Nordseeküste war die Differenz zeitweise noch höher.

Die, durch Höhenkaltluft hervorgebrachte, Konvektion wurde durch einige Randentwicklungen weiter vorangetrieben. Fast schon „Frontartig“ anmutend erstreckt sich am 16. Sep. ein Regengebiet, mit eingelagerten Gewittern, von Schleswig-Holstein, über Ostfriesland, bis auf die Nordsee. In der DWD-Bodenanalyse wird diese Welle als Konvergenz kartiert, sie ist auf den Isobaren ganz klassisch als Wellenbewegung erkennbar.

Am Wochenende folgt eine weitere Randentwicklung, diesmal allerdings zusätzlich in Form eines Randtroges in der Höhe inklusive bodennaher Wellenentwicklung. Zeitweise entsteht sogar ein abgeschlossenes Höhentief, welches wieder zu entsprechender Konvektion führt. Ein weiterer Randtrog folgt am Sonntag, der vorerst letzte wird am Dienstag erwartet.

Ein paar Impressionen des windigen Herbstwetters vom Wochenende:

Probleme macht immer noch die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar gibt es bis in ca. 40 cm Tiefe aktuell eine weitestgehende Entspannung der Situation, bis in einem Meter Tiefe sieht es allerdings immer noch nicht gut aus. Die nutzbare Feldkapazität liegt hier teilweise immer noch unter 40 %. Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sei an dieser Stelle der interaktive DWD-Bodenfeuchte-Viewer zu empfehlen.

Oben wurde es schon angerissen, die Nordlage brachte das erste mal in diesem met. Herbst Luftmassen polaren Ursprunges zu uns. In den Alpen gab es oberhalb von etwa 1500 m die ersten Schneefälle.

Um 00:10 Uhr am 18.09.2022 wurde auf dem Fichtelberg das erste mal in diesem Herbst der SYNOP-Code WW70 gemeldet. Um 00:50 Uhr folgte WW69 und um 03:40 Uhr sogar WW72/73. Die genannten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen stellen Teile sog. SYNOP-Schlüssel dar, einer in der Meteorologie einheitlichen Codierung für Wettermeldungen. Diese SYNOP-Dateien haben mehrere Dutzend Stellen, üblich sind 55 Stellen. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es bei der FU Berlin (im Webarchiv). Nun aber zur Erklärung der Wettermeldungen vom Fichtelberg: Gemeldet wurden leichter Schneefall (WW70), mäßiger oder starker Schneeregen (WW69) und unterbrochener oder durchgehender, mäßiger Schneefall (WW72/73). Vereinfacht gesagt: Der erste Schnee! Zwar blieb er nicht liegen, einen Absatz ist er dennoch Wert 😉

Abschließend noch zum Wind, dieser spielte, wie in der Einleitung beschrieben, ebenso eine Rolle. Im Flachland blieb es bei Böen von Bft 5 bis 7, auf Sachsens höchster Erhebung gab es mit 97,2 km/h in der Nacht zum Sonntag hingegen schwere Sturmböen. An der Nordsee wurde es sogar orkanartig mit bis zu 104 km/h.

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Weitere Regenfälle und Gewitter – Update zur Bodenfeuchte-Situation

In den vergangenen Tagen gab es weitere, teilweise unwetterartige Regenfälle, durchsetzt von Gewittern. Nach der langen Trockenperiode seit März ist für die Natur jeder Regen willkommen, lokal gab es aber auch Überflutungen.

DWD-Bodenanalyse (zum Vergrößern klicken)

Ähnlich wie schon am vergangenen Wochenende gestalteten sich auch die vergangenen beiden Tage sehr verregnet. Ursache war erneut eine flache, gradientarme Tiefdruckrinne über der Mitte, dem Süden und Osten Deutschlands.

Bereits am Freitag (26. August) entwickelten sich in einer schwül-warmen Luftmasse verbreitet starke Gewitter mit lokal sehr hohen Regenmengen. In Dresden-Strehlen reichte es zuvor nochmal für einen Hitzetag, in Summe Nummer 10 des laufenden Monats und Nummer 24 des Jahres. Was folgte, waren nahezu stationäre Gewitterzellen und sehr große lokale Unterschiede. Auf wenigen Kilometern war von „nix“ bis zu Überflutungen alles anzutreffen. Einen guten Eindruck davon kann man sich mit den kalibrierten Radarsummen verschaffen. Die landkreisweit höchste 24-Stunden-Regenmenge gab es östlich von Stolpen zwischen Lauterbach und Rückersdorf an der Grenze zum Landkreis Bautzen, die Radaranalyse gibt hier eine Summe von 140 Litern aus. Fast völlig trocken blieb es am Freitag vom Tharandter Wald bis in die Dresdner Altstadt. Die gemessenen Regensummen waren aufgrund des zu dünnen Messnetzes unauffällig.

„Popcorn-Lage“ oder „Streuselkuchen“ am Mittag des 26. August; (c) wetterzentrale.de

Weitere Regenfälle folgten am Samstag, diese hatten allerdings eher Landregen-Charakter mit kleinräumigen, konvektiven Durchsetzungen. Von Samstag 04:50 Uhr bis Sonntag 04:50 Uhr war nahezu der gesamte Landkreis von kräftigen Regenfällen betroffen. Regenmengen über 50 Liter pro Quadratmeter gab es zum einen von Dippoldiswalde bis zum Erzgebirgskamm, zum anderen auch in der vorderen Sächsischen Schweiz.

Auf die Fläche gesehen wird der August beim Niederschlag unauffällig ausfallen. Das sächsische Flächenmittel liegt hier aktuell genau im Durchschnitt, beim Sommer werden wir bei etwa 70 Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990 landen. Ohne die Regenfälle der letzten 2 Wochen wären es vermutlich nur 40 Prozent geworden. Von Dresden bis in die Hintere Sächsische Schweiz sind seit Monatsbeginn auf die Fläche gesehen ca. 50 mm bis 120 mm Niederschlag gefallen. Im Osterzgebirge sind es verbreitet 90 mm bis lokal 200 mm geworden. Auch hierzu seien jedem näher Interessierten die kalibrierten Radarsummen zu empfehlen.

Dazu einige weiterführende Artikel zu den Unwettern in Sachsen:

Stellvertretend für das Osterzgebirge kann man am Meteogramm für Dippoldiswalde-Reinberg die zeitlich äußerst ungünstige Verteilung des Niederschlages sehen. Mehr als die Hälfte des gesamten Niederschlages in den drei Sommermonaten fielen in nur vier Tagen. Hier wird auch der Gesamtsommer mit 84 % des durchschnittlichen Niederschlages unauffällig ausfallen, sodass in der Sachsen-Statistik kein „Dürresommer 2022“ auftauchen wird. Im Deutschlandmittel sieht das natürlich etwas anders aus.

Wie im Titel geschrieben nun ein Update zur aktuellen Bodenfeuchte-Situation, stellvertretend verwenden wir wieder Dippoldiswalde. Eine stets aktuelle Übersicht gibt es im „Dürre-Spezial„.

Mit Stand der Berechnungen vom 28. August ist aktuell bis in eine Bodentiefe von 40 cm eine teilweise deutliche Entspannung erkennbar. Bis in 30 cm Tiefe ist sogar der Optimalzustand wiederhergestellt worden. In den nächsten Tagen wird es auch in tiefer gelegenen Bodenschichten langsam feuchter werden, von oben kommt allerdings bis auf weiteres nichts nach.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf die Phänologische Uhr: Mit der Fruchtreife vom Holunder sind wir im Frühherbst! Minimal früher als im langjährigen Durchschnitt, allerdings völlig im Rahmen wurde am 18. August der Spätsommer beendet.

Endlich Regen! Doch der Eindruck täuscht…

Am Wochenende kamen sie endlich, die lang ersehnten Regenfälle. Oft kam deutlich mehr als erwartet zusammen, zur Freude der Vegetation. Aber es gibt wieder mal starke regionale Unterschiede.

Mehrere Monate haben wir auf ergiebige, nachhaltig nützliche Niederschläge gewartet. Wenn es regnete, dann entweder nur bei lokalen Schauern und Gewittern, oder aber sämtlicher Niederschlag war nach wenigen Stunden wieder vollständig verdunstet. In der zweiten Hälfte der vergangenen Woche bildete sich eine Tiefdruckrinne aus, welche vor allem dem Süden und Osten hohe Regenmengen brachte. In einigen Medien wurde die Wetterlage auch als „Vb-Wetterlage“ bezeichnet, ein klassisches Vb (gesprochen: Fünf-B) entwickelte sich aber nicht. Hierzu müsste sich ein Tiefdruckgebiet über dem Golf von Genua entwickeln bzw. verstärken, um anschließend nach Norden zu ziehen. Das berühmteste Beispiel für ein Vb-Tief ist sicherlich das Jahrhunderthochwasser 2002.

Bereits im Voraus waren sich die Wettermodelle sehr uneins, wie genau sich die Regenfälle verteilen werden. Einen Eindruck von diesen Unsicherheiten kann man sich unschwer im Modellkarten-Archiv von Kachelmannwetter machen. Ziemlich sicher war, dass der Süden Bayerns und Baden-Württemberg viel Niederschlag zu erwarten hat. Dies traf auch in etwa so ein, der Deutsche Wetterdienst bewarnte genannte Gebiete zeitweise mit der höchsten Warnstufe vor Dauerregen.

Im Thema des Tages vom 18. August befasste sich der Deutsche Wetterdienst bereits mit den enormen Unsicherheiten. Eine Auswertung hierzu wurde im Thema des Tages vom 23. August vorgenommen.

Im Österreichischen Schwarzach unweit der deutschen Grenze wurden beispielhaft in 24 Stunden über 200 mm gemessen. Sachsen war von den Niederschlägen schwerpunktmäßig am 20. und 21. August betroffen. Ab der Nacht zum 20. August näherte sich aus Süden ein teils konvektiv durchsetztes Regengebiet, welches einige Stunden stationär verweilen wollte. Weitere Regenfälle gab es in der Nacht zum 23. August. Die akkumulierten Regenmengen von fünf ausgewählten Stationen der Region vom 19. August (jeweils 8 Uhr MESZ; sortiert nach höchster Regenmenge):

  • Dippoldiswalde-Reinberg: 86,4 mm
  • Zinnwald-Georgenfeld: 76,9 mm
  • Dresden-Strehlen: 64,9 mm
  • Dresden-Klotzsche: 56,0 mm
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 38,6 mm

Angaben ohne Gewähr, Datenquelle: DWD OpenData

Die höchsten Mengen gab es vor allem in einem Streifen von Moritzburg bis nach Zinnwald. Empfehlenswert sind auch die kalibierten Radarsummen über 72 Stunden, welche die Schwerpunkte sehr anschaulich darstellen.

Starkregenschauer am 14. August bei Bannewitz

Das Monatssoll für den August wurde damit allerdings nur lokal erreicht. Im Osterzgebirge hat dies (auf die DWD-Stationen bezogen) nur Dippoldiswalde-Reinberg geschafft, bei ca. 120 % (Stand: 23. August 08 Uhr) stehen wir dort aktuell. Nah dran ist inzwischen unter anderem Lichtenhain-Mittelndorf, was hier aber nicht ausschließlich auf den vergangenen Dauerregen, sondern auf ein lokales Regenereignis am 15. August zurückzuführen war (siehe auch den Beitrag „Von der Hochdruckbrücke und einem Kaltlufttropfen“). Rund um Bärenfels und Kipsdorf (s. kalibrierte Radarsummen) fielen lokal eng begrenzt in diesem Monat 100 bis 120 l/m², auch hier dürfte das Monatssoll erreicht sein. Als gegenteiliges Beispiel kann Dresden-Hosterwitz herangezogen werden: Zum Erreichen der durchschnittlichen Regenmenge fehlen immer noch über 35 %. Zumindest der Pegel der Elbe hat sich wieder etwas erholen können, bei den kleineren Nebenflüssen ist noch keine Entspannung erkennbar.

Die Regenfälle wirken sich selbstverständlich auch auf die Bodenfeuchte aus. Dazu abschließend zwei Grafiken des DWD für Dippoldiswalde sowie Deutschneudorf (abgerufen am 23. August):

Mehrtägige Hitzewelle zum Auftakt in den August

Wir befinden und mitten in der heißesten Zeit des Jahres, den Hundstagen. Da darf eine intensive Hitzewelle schon mal vorkommen. Dennoch müssen wir wieder über neue Rekorde berichten.

Man muss schon gar nicht mehr viel erklären: Die Wetterlage ist quasi identisch zu jenen, welche die vergangenen Hitzewellen brachte. Ein Langwellentrog, welcher bis vor die Iberische Halbinsel reicht, „schaufelt“ gemeinsam mit einem Höhenrücken Heißluftmassen nach Mitteleuropa. Das Ausräumen der Hitze findet, erneut, ohne viel Niederschlag statt, die Dürre geht in eine neue Runde.

Heiße Tage…

Die Tageshöchsttemperaturen an drei ausgewählten Wetterstationen des DWD in der Region:

36,9°C wurden in Dresden-Strehlen in der Spitze gemessen. Auch deutschlandweit war der 04. August der bisher heißeste Tag des Monats. Die fünf höchsten Temperaturen:

  • Bad Kreuznach: 39,6°C
  • Kitzingen: 39,2°C
  • Waghäusel-Kirrlach: 39,1°C
  • Saarbrücken-Burbach: 39,0°C
  • Bad Neunkirchen-Mergentheim: 38,7°C

Neue Allzeitrekorde wurden unter anderem in Müllheim (38,7°C) und Weinbiet (38,0°C) verzeichnet. Zudem gab es viele neue Stationsrekorde für den Monat August, beispielsweise in Bad Kreuznach (39,6°C) oder auch Bernburg/Saale (38,0°C), letztere Messreihe reicht bis ins Jahr 1898 zurück.

… und sehr warme Nächte

Eine zusätzliche Wärmebelastung entstand durch die verringerte nächtliche Abkühlung. Speziell die Nächte auf den 04. und 05. August waren äußerst warm. Die höchste nächtliche Tiefsttemperatur meldete Kubschütz im Landkreis Bautzen am Morgen des 05. August, das Thermometer fiel dort nicht unter 25,8°C, was auch einen Stationsrekord für den Monat August bedeutete (0,3 K unter dem Allzeitrekord für ganz Sachsen, 4,2 K unter dem Deutschland-Allzeitrekord). In der Nacht zum 04. August meldete zudem Dresden-Klotzsche einen neuen Stationsrekord für den Monat August, es kühlte nicht unter 22,8°C ab.

Keine nennenswerten Regenmengen

In der Nacht zum Samstag, den 06. August, zog eine Kaltfront durch und räumte die Heißluft aus. Nur lokal gab es ein einzelnes Gewitter. Von Dippoldiswalde bis nach Bischofswerda hatte man Glück – wiederholter Starkregen brachte laut Radaranalyse lokal 7 bis 13 l/m². Dippoldiswalde-Reinberg war, zusammen mit dem Fichtelberg, sogar jene Station mit der höchsten gemessenen Regenmenge, 7,7 mm sind es geworden. Dresden-Gohlis, traditionell sehr trocken, musste sich mit 0,9 l/m² begnügen. Für eine Entspannung bei der anhaltenden Dürre reichen die gefallenen Mengen nicht im Ansatz.

Birken unter extrem starken Trockenstress
auf dieser Aufnahme leiden insbesondere die Birken unter massivem Trockenstress – der gesamte Wald ist extrem geschwächt

Rückblick auf einen außergewöhnlichen Juni

Der Juni war, speziell im Osten Deutschlands, alles andere als gewöhnlich. Fast schon „wie üblich“ war es deutlich zu mild und deutlich zu trocken. Eine Analyse.

Kornblumen in einem trockenen Rapsfeld

Im Deutschlandmittel war der Juni genau 3 K gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 zu warm, was in dieser Hinsicht den sechstwärmsten Juni seit Messbeginn bedeutet. Zum Erreichen des Niederschlagssolls fehlte im Deutschlandmittel ca. ein Drittel. Eine ausführliche Analyse des Deutschlandwetters im Juni 2022 hat der Deutsche Wetterdienst in einem Presseartikel zusammengestellt.

Vor allem der Süden Deutschlands war im Juni von zahlreichen Schwergewitterlagen betroffen, welche auch mit schweren Verwüstungen durch Hagelstürme einhergingen. Besonders in Erinnerung bleiben wird allerdings die Rekord-Hitze vom 18. und 19. Juni. In einem 14-seitigen Dokument analysiert der DWD die Hitzewelle und ordnet sie klimatologisch ein. 39,2°C – das war der deutschlandweite Höchstwert, gemessen in Dresden-Strehlen und Cottbus.

Im Osterzgebirge und im Dresdner Raum war der Juni ca. 3 K bis 4 K zu warm, die Abweichung lag hier also etwas über dem Deutschlandmittel. Die Niederschlagsverteilung war ziemlich klassisch – das Erzgebirge vermeldete die höchsten Regenmengen und auch die geringeren Abweichungen zum Durchschnitt. Während in Dresden nur 30 bis 40 Prozent des langjährigen Mittels gefallen sind, meldeten die Wetterstationen des mittleren und östlichen Erzgebirges zumindest Werte über 50 % des Mittels. Über den Tellerrand geschaut: Besonders viel Niederschlag gab es im Raum Zittau: Stellvertretend meldete Bertsdorf-Hörnitz ca. 103 mm Niederschlag – über 150 % des Mittels. Darauf kommen wir später nochmal zurück.

Dresden-StrehlenDippoldiswalde-ReinbergZinnwald-Georgenfeld
Mitteltemperatur20,6°C (+3,8 K) 18,2°C (+3,2 K)15,5°C (+3,8 K)
Hitzetage 6 Tage 3 Tage 1 Tag
Sommertage 19 Tage 15 Tage 3 Tage
Tropennächte 1 Nacht / /
Gesamtniederschlag31,5 mm (34 %)42,3 mm (55 %)61,5 mm (65 %)
Übersicht einiger meteorologischer Kennwerte für drei ausgewählte Stationen

Generell kann der Juni als, erneut, deutlich zu trocken eingestuft werden. Das einzige größere Niederschlagsereignis in unserer Region fand am 27. Juni statt. Zunächst entwickelten sich in schwül-heißer Luft erste Gewitter, welche sich am Nachmittag zu Schwergewittern mit Überschwemmungen und teils größerem Hagel entwickelten:

Im Laufe der Nacht zog dann ein größeres Starkregengebiet aus Süden auf und brachte weitere Niederschläge. Deutschneudorf-Brüderwiese meldete eine 24-Stunden-Regensumme von 78,4 mm. Der dortige Rekordwert von 91,5 mm (01. Juni 2013) war allerdings nicht in Gefahr.

Eisschirm der Schwergewitterzelle am 27. Juni östlich von Freiberg

Weiter oben wurden bereits die höheren Summen Richtung Zittauer Gebirge und Ostsachsen angerissen. Zumindest in diesem Juni ist dies auf eine recht ungünstige Verteilung der Druckgebiete zurückzuführen – dabei geht es nur um wenige 100 Kilometer. In Bayern entstanden öfters große Gewitterkomplexe mit entsprechendem Starkregen. Die Komplexe „bogen“ über Tschechien nach Norden „ab“, dies geschah aber einige Kilometer zu weit östlich, um den meisten Teilen von Sachsen noch Regen zu bringen. Ostsachsen hingegen bekam von den Regengebieten zumindest oft noch einen Randtreffer mit. Der Lee des Erzgebirges tut sein übriges dazu.

Die anhaltende Trockenheit konnte durch die Starkregenereignisse natürlich nicht gelindert werden. Der Elbepegel stieg durch heftige Regenfälle in Tschechien hingegen zeitweise deutlich über den Mittelwert an – der hiesigen Vegetation nützte das allerdings herzlich wenig.

In den kommenden Tagen setzt sich – bis auf eine Unterbrechung am Donnerstag – das trockene Hochdruckwetter fort, wenn auch deutlich kühler als noch zuvor.

Gewitterlage am 16. Mai 2022

Am Montag beschäftigte uns die erste kräftige Gewitterlage des Jahres. Nachdem es schon vor einigen Wochen im Süden kräftige Gewitter gab, erfasste die Lage diesmal auch die Landesmitte und damit auch Sachsen.

Die Synoptik wäre eigentlich schnell erklärt. Zwischen Tiefdruckgebieten über dem Atlantik und Nordwest-Russland befindet sich ein Omega-artiger Höhenrücken, welcher weit nach Norden ausgreift. Knackpunkt ist allerdings ein schwacher Randtrog, der sich bis nach Mitteleuropa erstreckt und eine Bodentief-Rinne über Deutschland induziert:

Um 12 UTC (14 Uhr MESZ) befindet sich die Rinne etwa auf einer Linie Niederrhein-Oberösterreich. Nordöstlich davon befindet sich eine stabile Luftmasse, südwestlich ist die Luft labiler. Im äußersten Südwesten Deutschland (etwa Eifel-Schwarzwald und südwestlich davon) sickert zum Zeitpunkt wieder stabilere Luft ein.

In der Spitze sollten auf der labilen Seite 800 bis 1200 J/kg CAPE generiert werden. Allerdings fehlte dem Westen Deutschlands durch ein vorlaufendes Regengebiet wider Erwarten Einstrahlung, sodass es hier verbreitet nicht so stark kam wie erwartet (lokale starke Einzelentwicklungen ausgenommen). Die KO-Werte sollten bis ca. -10 absinken. Einen Deckel mit moderaten CIN-Werten gab es meist nur nach Durchzug von Schauern und Gewittern geben. Organisierte Zellen waren meist nicht zu erwarten, da es oft an hochreichender Scherung fehlte. Eher zu erwarten waren Einzelzellen sowie Verclusterungen, weshalb die größte Gefahr auch von Starkregenfällen und entsprechenden Überflutungen ausging.

Das Radarbild um 16 Uhr lässt sich in drei Regionen einteilen: Im Nordosten ist durch stabile Luft wenig bis gar nichts los. Von Ostfriesland bis ins Westerzgebirge erstreckt sich die Tiefdruckrinne mit zeitweiligen Niederschlägen, in Thüringen und Westsachsen waren diese auch etwas kräftiger. Vom Niederrhein bis nach Bayern befand sich eine Gewitterlinie, zum Teil verclustert, dahinter gab es nur noch einzelne Schauer und Gewitter. Zwischen Rinne und Gewitterlinie gab es am Nachmittag nochmal kräftige EInstrahlung, sodass nochmal, trotz Abkühlung durch den Regen, Energie generiert werden konnte. Die Höchsttemperaturen des Tages lagen bei 25 bis 29 Grad, im Bergland wurden 18 bis 23 Grad erreicht.

Gegen 18 Uhr überquerte der erste Regen das Osterzgebirge. Etwas Messbares kam aber nur in den seltensten Fällen runter. Im Norden Thüringens hatten sich währenddessen schon kräftige Gewitter gebildet und befanden sich um 18:40 etwa in einem Dreieck Eisenach-Weimar-Mühlhausen. Die Landesgrenze zu Sachsen überquerten die Gewitterzellen ab ca. 20 Uhr südwestlich von Leipzig, um 21 Uhr hatte sich ein starker Cluster gebildet.

Gewitterzelle über dem Tharandter Wald um 21:50 Uhr

Auch ab etwa 21 Uhr kam es zwischen Freiberg und Dresden, bis in die Sächsische Schweiz zu starken Neubildungen. Zeitweise konnten mesozyklonal anmutende Strukturen beobachtet werden (siehe Aufnahme), auch auf dem Doppler-Radar und der Radar-Analyse wurde kurzzeitig eine deutliche Rotation festgestellt. Anhand der Radarechos (lokal deutlich über 60 dBZ) sowie der Vertikalanalyse kam es wahrscheinlich auch zu Hagel.

Zwischen Freital und Wilsdruff kam es relativ schnell zu weiteren Neuentwicklungen. Wenn die „natürliche Beleuchtung“ durch Blitze stimmte, konnte eine äußerst beeindruckende Aufwindbasis beobachtet werden:

Aufwindbasis einer Gewitterzelle über der Gompitzer Höhe (Dresden) um 22:25 Uhr

Die Aufnahme des Aufwindes entstand nur wenige Kilometer südlich des Kernes. Im Hintergrund ist bereits die Böenfront des heranziehenden Clusters aus Mittelsachsen zu sehen. Der Blitz, welcher für diese äußerst ansehnliche Ausleuchtung der Kulisse sorgte, ist hier verlinkt. Es handelte sich um einen 41 kA starken, positiven Einschlag auf eine unbewaldete Anhöhe westlich von Klipphausen.

Wie oben bereits beschrieben trafen die Gewitter auf eine recht gute Scherung, was in Sachsen die Bildung eines nicht gerade kurzlebigen Systemes mit mesozyklonalen Elementen ermöglichte. Ein solches bildete sich auch südlich von Wilsdruff beim Eintreffen der starken Zellen aus Nordwesten:

Böenfront um 22:30 Uhr – kurz danach ist sie leider zerfallen

Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewittertätigkeit ins Erzgebirge, auch hier kam es zeitweise zu rotierenden Zellen, kleinkörniger Hagel war ebenso dabei.

Die Niederschlagssummen hielten sich in unserer Region in Grenzen, es blieb meist bei 10 bis 30 l/m². Die lokalen Schwepunkte lassen sich gut auf der Radarsummen-Karte nachbetrachten. Von Weißenfels bis nach Döbeln gab es teilweise 30 bis 40 l/m² Regen in kurzer Zeit. Am meisten Regen hat Großweitzschen-Westewitz bei Döbeln gemessen, am Dienstagmorgen wurden 34,2 mm gemeldet (inklusive einzelner Regenfälle in der zweiten Nachthälfte). Dippoldiswalde-Reinberg meldete im gleichen Zeitraum 21,7 mm, von denen 18,3 mm auf die abendlichen Gewitter zurückzuführen sind. Warnwürdige Windböen wurden nicht gemessen, wenngleich es lokal mal zur ein oder anderen Sturmböe gekommen sein kann. Über größere Schäden ist nichts bekannt.

Als Fazit kann man die Gewitterlage als gelungenen Saisonauftakt bezeichnen. Bis auf lokale Überschwemmungen (vor allem in NRW, leider auch wieder im Ahrtal) kam es kaum zu unwetterartigen Entwicklungen. Quasi ein normales Sommergewitter, zwar mitten im Mai, was die Trockenheit zumindest kurzfristig etwas lindern konnte.

Tiefdruck bringt wichtigen Dauerregen

Nachdem der Samstag unter dem Einfluss eines schwachen Hochdruckkeiles vielerorts sehr freundlich und frühlingshaft verlief (Tx bis zu 18°C) stand am Sonntag mit kräftigen Regenfällen genau das Gegenteil an. Langanhaltender Landregen brachte insbesondere den südlicheren Lagen der Region nicht gerade wenig Regen.

Bodennah befindet sich Deutschland am Samstag in einer nordöstlichen Strömung. Ursache ist ein blockierendes Hockdruckgebiet bei Island und Grönland, was eine sehr südlich verlaufende Frontalzone als Folge hat. Von den Azoren über Mitteleuropa bis ins nordwestliche Russland befinden sich mehrere Bodentiefs und mehrere Höhentiefs, letztere sorgten im Westen Deutschlands für Starkregenfälle (RR Bielefeld-Deppendorf: 40,3 mm).

Durch Warmluftadvektion (WLA) des Bodentiefkomplexes Süddeutschland/Tschechien kommt es von Baden-Württemberg bis nach Sachsen zu teils kräftigen Niederschlägen. Insbesondere in Staulagen (Erzgebirge) sowie bei konvektiver Verstärkung kommt es dabei auch zu höheren Regensummen.

Ab ca. 11 Uhr am Sonntag setzte im Osterzgebirge der erste Regen ein, welcher sich bis zum späten Nachmittag weiter verstärkte. Besonders kräftige Regenfälle gab es dabei an der Tschechisch-Sächsischen Grenze zwischen Altenberg und dem Zittauer Gebirge: www.kachelmannwetter.com

Die Radarauswertung ergibt Regenmengen von teilweise über 50 l/m² in der Region rund um Sebnitz. Dies ist aber wohl zu hoch angesetzt, die Messwerte stützen solche Summen nicht. Einige ausgewählte 24-Std.-Messwerte (Quelle Kachelmannwetter):

  • Zinnwald-Georgenfeld: 24,2 mm
  • Bad Gottleuba: 22,5 mm
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 20,9 mm
  • Lohmen: 16,6 mm
  • Dresden-Hosterwitz: 13,7 mm
  • Dresden-Flughafen: 7,0 mm

Zu erkennen ist, wie so oft, ein deutliches Süd-Nord-Gefälle mit den höchsten Regenmengen vom Erzgebirgskamm bis ins Erzgebirgsvorland (speziell Bannewitz und Freital), private Stationen (s. AWEKAS) meldeten auch hier Regenmengen von 15 bis 20 l/m², was angesichts der anstehenden trockenen Witterung sehr wichtige Summen waren.