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Sturmserie geht weiter – Bilanz zu Orkan „Zeynep“

Die Serie schwerer Stürme seit Ende Januar reist nicht ab – Orkan „Zeynep beschäftigte uns am 18. Februar. Ein schwerer, teils außergewöhnlicher und historischer Wintersturm bricht Rekorde und bringt schwerste Schäden.

DWD-Bodenanalyse vom 18. Februar 06 UTC

Wie schon bei Orkan Ylenia beginnen wir mit der Großwetterlage. Bei Finnland sehen wir noch den abziehenden Tiefdruckkomplex vom Mittwoch. Über Großbritannien ist eindrucksvoll das Orkantief „Zeynep“ zu sehen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich aus einer kleinen Wirbelbewegung auf dem Atlantik ein ausgewachsenes Orkantief. Auffällig ist die fehlende Verbindung der Kaltfront zum restlichen Frontensystem, ein Indiz einer sog. „Shapiro-Keyser-Zyklone„, neben den Trogorkanen sind dies die schwersten außertropischen Stürme. Bei den Shapiro-Keyser-Zyklonen (im folgenden nur SKZ genannt) trennt sich die Kaltfront von der Warmfront bzw. Okklusion, welche sich einmal um den Kern herum wickelt. Dies führt zu einem massiven Trockeneinschub. Nun kann sich ein sogenannter „Sting Jet“ entwickeln, das sind heftigste Fallwinde, welche von den oberen Atmosphärenschichten ungebremst bis zum Boden „rasen“. Diese Sting Jets sind unvorhersehbar und extrem schwierig vorherzusehen, auch das macht die SKZ so gefährlich.

ESTOFEX bewarnte im Voraus große Regionen mit einem Level 2, der zweithöchsten Warnstufe. Es wurde aber betont, dass sich diese Warnungen nur auf konvektive Ereignisse beziehen, bezüglich Wind wäre also definitiv ein erneutes Level 3 ausgegeben worden. Zudem wurde speziell im Norden vor Gewittern mit heftigen Orkanböen gewarnt. Der Deutsche Wetterdienst geb für große Teile Deutschlands Warnstufe 3 von 4 aus, entlang der Küste sogar Warnstufe 4. Im Voraus prognostizierten die Modelle entlang der Küsten lokal Windgeschwindigkeiten von teils über 160 km/h – flächig. Auch die Kaltfront sollte mit Windböen in Orkanstärke daher kommen.

Am Freitagnachmittag tobte sich das Orkantief bereits über Großbritannien aus. In einer Region wurde der Sting Jet zum Verhängnis. Die Britische Wetterbehörde teilte am Nachmittag mit, dass eine Bö von 196 km/h auf der Isle of Wight gemessen wurde, ein neuer Rekord seit Aufzeichnungsbeginn. Auch an der Belgischen Küste wurden schon Böen über 150 km/h gemessen. Bezüglich Geschwindigkeiten wollen wir es bei einem Link zum DWD belassen, hier wird das gut herausgearbeitet: Thema des Tages vom 19. Februar. Dabei war, ebenfalls typisch für eine SKZ, die Kaltfront lokal weniger wetteraktiv als vermutet, gefährlicher war der Trockeneinschub unmittelbar hinter der Kaltfront

Vor allem NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurden heftig vom Sturm getroffen. Dort gab es oft Orkanböen (Fx Flughafen Münster-Osnabrück 122,4 km/h), an der Nordsee extreme Orkanböen (Fx LT Alte Weser 161,6 km/h). An der Station Dresden-Loschwitz wurden ebenfalls über 130 km/h gemessen. Die höchsten Windgeschwindigkeiten gab es mit dem Trogsektorsturm hinter der Kaltfront. Dort kam es auch zu Schauern und einzelnen Gewittern mit entsprechend hohen Windgeschwindigkeiten. Entsprechend heftig waren auch die Sturmschäden. Europaweit gab es mindestens neun Todesopfer durch den Sturm. Unzählige Bäume stürzten um, unzählige Dächer wurden abgedeckt. Ganze Gebäude wurden teilweise zum Einsturz gebracht, Autos wurden während der Fahrt vom Orkan von der Fahrbahn gerissen. Die Bahn stellte Ihr Angebot im Norden weitestgehend ein. Es gab zahlreiche Stromausfälle, durch eine Sturmflut mussten mehrere Regionen evakuiert werden. Mit einer Aufzählung aller Schäden wären wir vermutlich nächste Woche noch beschäftigt. Empfehlenswert ist dazu der Liveticker der Tagesschau zum Nachlesen vom Freitag und Samstag. Eine ebenfalls sehr empfehlenswerte und eindrucksvolle Bildergalerie hat der Spiegel zusammengestellt. Die Tagesschau hat desweiteren eine lesenswerte Bilanz verfasst. Abschließende Schadenssummen dürften erst in einigen Wochen zur Verfügung stehen, vermutlich wird es sich um mehrere Milliarden Euro handeln.

In unserer Region blieb es bei kleineren Schäden. Dennoch verlief der Orkan wesentlich anders als berechnet. Die Modelle rechneten nicht damit, dass sich der Sturm so weit nach Süden ausbreiten würde. Zudem war der Wind speziell in Nordrhein-Westfalen deutlich stärker als berechnet. Die extremen Berechnungen an der Küste bewahrheiteten sich hingegen nicht. Wie der DWD schon in seinem Thema des Tages schrieb, der Orkan wird zwar vielen lange in Erinnerung bleiben, in der Regel gab es aber keine neuen Rekorde. Die „großen Kaliber“ wie Anatol, Kyrill, Vivian oder gar Lothar und Quimburga werden weiter deutlich bedeutender in der Wetter-Historie bleiben.

Die Sturmserie wird auch in den nächsten Tagen nicht abreißen. Am Sonntag folgt ein neues kleines Tief, in der Nacht zu Montag und am Montag selbst sind wieder orkanartige Böen wahrscheinlich.

Sturmtief „Nadine“ Ende Januar verursacht schwere Schäden

Am 29. und 30. Januar 2022 beschäftigte uns der erste Sturm des Jahres. „Nadine“ brachte schwere Sturmböen bis ins Tiefland, an den Küsten gab es bei einer starken Sturmflut vollen Orkan. Schauen wir uns die Entwicklung etwas genauer an.

Lage von „Nadine“ am 30. Januar 00z Quelle: www.wetterzentrale.de

Das angesprochene Tiefdruckgebiet zog am 29. Januar unter Verstärkung von Grönland bis zur Ostsee, über welcher es den stärksten Kerndruck hatte. Die Station Koekar Bogskaer in der Ostsee registrierte am 30. Januar um 01 Uhr MEZ einen Luftdruck von 961,3 hPa. Bereits am Nachmittag des 29. wurden in Schleswig-Holstein Windböen in Orkanstärke bzw. orkanartige Windböen registriert. Der Sturm erreichte in der Nacht zu Sonntag seinen Höhepunkt, in Kiel gab es Windböen von über 140 km/h. Diverse andere Stationen in Küstennähe meldeten Böen bis über 150 km/h.

In Sachsen stand der Höhepunkt des Sturmes erst noch bevor, wenngleich exponierte Stationen wie der Collmberg (LK Nordsachsen) bereits orkanartige Böen meldeten. Bis zum Mittag wurden flächig schwere Sturmböen gemeldet, ehe sich das Wetter beruhigte.

Stärkste Windböen in Sachsen:

  • 113 km/h auf dem Collmberg (LK Nordsachsen)
  • 109 km/h in Großpostwitz-Denkwitz (LK Bautzen)
  • 96 km/h in Nossen (LK Meißen)
  • 94 km/h in Oschatz (LK Nordsachsen)
  • 92 km/h in Zinnwald-Georgenfeld (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
  • 92 km/h in Lichtenhain-Mittelndorf (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
  • 91 km/h in Dresden (Flughafen)
  • 90 km/h in Hoyerswerda (LK Bautzen)
  • 90 km/h in Chemnitz

Auch in unserer Region kam es teilweise zu größeren Schäden. Die folgenden Bilder sind am Morgen des 01. Februar im Poisenwald entstanden.

In Noddeutschland waren die Schäden aber um einiges heftiger. Teilweise kam es zu massiven Überschwemmungen. Ganze Strände einiger Nordseeinseln wurden weggespült. Ein Mensch stirbt. Dazu ein paar weiterführende Links:

Links jeweils abgerufen am 03. Februar 2022