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Herbstwetter!

Eine kühle Nordlage beschert uns seit einigen Tagen das erste „echte Herbstwetter“ des Jahres. Wir befinden uns in einem kühlen, windigen und regnerischen Witterungsabschnitt, immer wieder gibt es aber auch freundliche Momente. Für die Natur sind die Niederschläge ein wahrer Segen.

Vor nicht einmal 2 Wochen erlebten wir noch Sommerwetter vom feinsten – vier Sommertage zählt der September bis dato an der Wetterstation Dresden-Strehlen. Am 05. September lag die Tagesabweichung im Deutschlandmittel bei ca. 5 Grad. Am 09. September folgte eine Gewitterlage, welche besonders in Bautzen schwere Schäden brachte. Eine nahezu stationäre Linie mit Starkregenschauern und kräftigen Gewittern erstreckte sich vom Osterzgebirge bis in die Oberlausitz, den Schwerpunkt mit bis zu 120 mm Niederschlag in wenigen Stunden gab es genau über Bautzen. Aus der Ferne betrachtet, besonders aber im letzten Abendlicht, waren die Gewitterzellen äußerst fotogen:

Aus einem ehemaligen Hurrikan entwickelte sich zu Beginn der zweiten September-Dekade ein Trog, welcher zum 13. September vor der Iberischen Halbinsel anlegte und nochmal einen Schwall Warmluft nach Mitteleuropa brachte. Trog und korrespondierendes Bodentief wurden in den Tiefdruckkomplex über Fennoskandinavien eingegliedert, sodass sich ab dem 16. September endgültig eine zyklonale Nordlage durchsetzte. Dazu nachfolgend eine Übersicht der Großwetterlage am 17. September:

Ein abgeschlossener Höhentrog mit Zentrum über Südfinnland, sowie ein Höhenrücken von Spanien bis nach Grönland lassen polare Luftmassen nach Mitteleuropa ziehen (selbstverständlich angewärmt durch die Nordsee). Die Trogspitze liegt am 17. Sep. über Norditalien, was dort eine heftige Zyklogenese mit katastrophalen Unwettern induziert. Im 850hPa-Niveau sanken die Temperaturen auf etwa 0°C bis 4°C ab, mit den niedrigeren Werten an der Nordseeküste. In den Wintermonaten würde dieses „Blocking“ der atlantischen Frontalzone wohl ein gutes Setup für winterliches Wetter sein.

Generell sind Nord- und Nordwestlagen ideales Wetter für klassisches Aprilwetter, ausgelöst durch höhenkalte Luft. Im Herbst können die Auswirkungen besonders intensiv sein, da es bodennah oft noch sehr warm ist. An diesem Wochenende gab es einen besonders beeindruckenden Temperaturgradient vom Boden bis in die hohe Atmosphäre:

Quelle: UWYO

Exemplarisch sehen wir oben den Radiosondenaufstieg aus Lindenberg am 17. September um 20 Uhr MESZ. Am Boden wurden ca. 13°C gemessen, in 9000 m ü. NN (ca. 290 hPa) hingegen knapp -55°C, eine Temperaturdifferenz von 68 K sieht man auch bei ausgeprägter Höhenkaltluft eher selten. An der Nordseeküste war die Differenz zeitweise noch höher.

Die, durch Höhenkaltluft hervorgebrachte, Konvektion wurde durch einige Randentwicklungen weiter vorangetrieben. Fast schon „Frontartig“ anmutend erstreckt sich am 16. Sep. ein Regengebiet, mit eingelagerten Gewittern, von Schleswig-Holstein, über Ostfriesland, bis auf die Nordsee. In der DWD-Bodenanalyse wird diese Welle als Konvergenz kartiert, sie ist auf den Isobaren ganz klassisch als Wellenbewegung erkennbar.

Am Wochenende folgt eine weitere Randentwicklung, diesmal allerdings zusätzlich in Form eines Randtroges in der Höhe inklusive bodennaher Wellenentwicklung. Zeitweise entsteht sogar ein abgeschlossenes Höhentief, welches wieder zu entsprechender Konvektion führt. Ein weiterer Randtrog folgt am Sonntag, der vorerst letzte wird am Dienstag erwartet.

Ein paar Impressionen des windigen Herbstwetters vom Wochenende:

Probleme macht immer noch die aktuelle Bodenfeuchte. Zwar gibt es bis in ca. 40 cm Tiefe aktuell eine weitestgehende Entspannung der Situation, bis in einem Meter Tiefe sieht es allerdings immer noch nicht gut aus. Die nutzbare Feldkapazität liegt hier teilweise immer noch unter 40 %. Da es regional sehr große Unterschiede gibt, sei an dieser Stelle der interaktive DWD-Bodenfeuchte-Viewer zu empfehlen.

Oben wurde es schon angerissen, die Nordlage brachte das erste mal in diesem met. Herbst Luftmassen polaren Ursprunges zu uns. In den Alpen gab es oberhalb von etwa 1500 m die ersten Schneefälle.

Um 00:10 Uhr am 18.09.2022 wurde auf dem Fichtelberg das erste mal in diesem Herbst der SYNOP-Code WW70 gemeldet. Um 00:50 Uhr folgte WW69 und um 03:40 Uhr sogar WW72/73. Die genannten Buchstaben-Zahlen-Kombinationen stellen Teile sog. SYNOP-Schlüssel dar, einer in der Meteorologie einheitlichen Codierung für Wettermeldungen. Diese SYNOP-Dateien haben mehrere Dutzend Stellen, üblich sind 55 Stellen. Eine ausführliche Erklärung dazu gibt es bei der FU Berlin (im Webarchiv). Nun aber zur Erklärung der Wettermeldungen vom Fichtelberg: Gemeldet wurden leichter Schneefall (WW70), mäßiger oder starker Schneeregen (WW69) und unterbrochener oder durchgehender, mäßiger Schneefall (WW72/73). Vereinfacht gesagt: Der erste Schnee! Zwar blieb er nicht liegen, einen Absatz ist er dennoch Wert 😉

Abschließend noch zum Wind, dieser spielte, wie in der Einleitung beschrieben, ebenso eine Rolle. Im Flachland blieb es bei Böen von Bft 5 bis 7, auf Sachsens höchster Erhebung gab es mit 97,2 km/h in der Nacht zum Sonntag hingegen schwere Sturmböen. An der Nordsee wurde es sogar orkanartig mit bis zu 104 km/h.

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Weitere Regenfälle und Gewitter – Update zur Bodenfeuchte-Situation

In den vergangenen Tagen gab es weitere, teilweise unwetterartige Regenfälle, durchsetzt von Gewittern. Nach der langen Trockenperiode seit März ist für die Natur jeder Regen willkommen, lokal gab es aber auch Überflutungen.

DWD-Bodenanalyse (zum Vergrößern klicken)

Ähnlich wie schon am vergangenen Wochenende gestalteten sich auch die vergangenen beiden Tage sehr verregnet. Ursache war erneut eine flache, gradientarme Tiefdruckrinne über der Mitte, dem Süden und Osten Deutschlands.

Bereits am Freitag (26. August) entwickelten sich in einer schwül-warmen Luftmasse verbreitet starke Gewitter mit lokal sehr hohen Regenmengen. In Dresden-Strehlen reichte es zuvor nochmal für einen Hitzetag, in Summe Nummer 10 des laufenden Monats und Nummer 24 des Jahres. Was folgte, waren nahezu stationäre Gewitterzellen und sehr große lokale Unterschiede. Auf wenigen Kilometern war von „nix“ bis zu Überflutungen alles anzutreffen. Einen guten Eindruck davon kann man sich mit den kalibrierten Radarsummen verschaffen. Die landkreisweit höchste 24-Stunden-Regenmenge gab es östlich von Stolpen zwischen Lauterbach und Rückersdorf an der Grenze zum Landkreis Bautzen, die Radaranalyse gibt hier eine Summe von 140 Litern aus. Fast völlig trocken blieb es am Freitag vom Tharandter Wald bis in die Dresdner Altstadt. Die gemessenen Regensummen waren aufgrund des zu dünnen Messnetzes unauffällig.

„Popcorn-Lage“ oder „Streuselkuchen“ am Mittag des 26. August; (c) wetterzentrale.de

Weitere Regenfälle folgten am Samstag, diese hatten allerdings eher Landregen-Charakter mit kleinräumigen, konvektiven Durchsetzungen. Von Samstag 04:50 Uhr bis Sonntag 04:50 Uhr war nahezu der gesamte Landkreis von kräftigen Regenfällen betroffen. Regenmengen über 50 Liter pro Quadratmeter gab es zum einen von Dippoldiswalde bis zum Erzgebirgskamm, zum anderen auch in der vorderen Sächsischen Schweiz.

Auf die Fläche gesehen wird der August beim Niederschlag unauffällig ausfallen. Das sächsische Flächenmittel liegt hier aktuell genau im Durchschnitt, beim Sommer werden wir bei etwa 70 Prozent des langjährigen Mittels 1961-1990 landen. Ohne die Regenfälle der letzten 2 Wochen wären es vermutlich nur 40 Prozent geworden. Von Dresden bis in die Hintere Sächsische Schweiz sind seit Monatsbeginn auf die Fläche gesehen ca. 50 mm bis 120 mm Niederschlag gefallen. Im Osterzgebirge sind es verbreitet 90 mm bis lokal 200 mm geworden. Auch hierzu seien jedem näher Interessierten die kalibrierten Radarsummen zu empfehlen.

Dazu einige weiterführende Artikel zu den Unwettern in Sachsen:

Stellvertretend für das Osterzgebirge kann man am Meteogramm für Dippoldiswalde-Reinberg die zeitlich äußerst ungünstige Verteilung des Niederschlages sehen. Mehr als die Hälfte des gesamten Niederschlages in den drei Sommermonaten fielen in nur vier Tagen. Hier wird auch der Gesamtsommer mit 84 % des durchschnittlichen Niederschlages unauffällig ausfallen, sodass in der Sachsen-Statistik kein „Dürresommer 2022“ auftauchen wird. Im Deutschlandmittel sieht das natürlich etwas anders aus.

Wie im Titel geschrieben nun ein Update zur aktuellen Bodenfeuchte-Situation, stellvertretend verwenden wir wieder Dippoldiswalde. Eine stets aktuelle Übersicht gibt es im „Dürre-Spezial„.

Mit Stand der Berechnungen vom 28. August ist aktuell bis in eine Bodentiefe von 40 cm eine teilweise deutliche Entspannung erkennbar. Bis in 30 cm Tiefe ist sogar der Optimalzustand wiederhergestellt worden. In den nächsten Tagen wird es auch in tiefer gelegenen Bodenschichten langsam feuchter werden, von oben kommt allerdings bis auf weiteres nichts nach.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf die Phänologische Uhr: Mit der Fruchtreife vom Holunder sind wir im Frühherbst! Minimal früher als im langjährigen Durchschnitt, allerdings völlig im Rahmen wurde am 18. August der Spätsommer beendet.

Extreme Dürre setzt sich fort – Neuer Rekordsommer?

Bisher war der Sommer viel zu trocken – seit März steckt Sachsen in einer außergewöhnlichen Trockenperiode fest, das Wort „Dürre“ trifft es viel besser. In vielen Bundesländern ist der trockenste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn nicht unwahrscheinlich, auch bei der Temperatur werden wir wohl in den Top-5 der heißesten Sommer seit 1881 landen.

Pünktlich zum 01. August hat im Deutschlandmittel der phänologische Spätsommer begonnen, zwei Tage früher als im langjährigen Durchschnitt. Bis auf den phänologischen Winter und Vorfrühling lagen bisher alle Jahreszeiten bzgl. der Dauer relativ gut im Schnitt. Alles in Ordnung also? Mitnichten:

Zahlreiche Bäume leiden unter extremen Trockenstress. Das „harmloseste“ ist dabei wohl noch das „herbstliche Flair“ durch Blattverfärbung, einige Bäume haben schon ihr gesamtes Blattwerk abgeworfen oder sind teilweise völlig abgestorben. Vertrocknete Wiesen gehörten, spätestens seit dem Dürresommer 2018, zum Erscheinungsbild der Sommermonate, der Sommer 2022 legt allerdings nochmal nach und entlaubt durch fehlende Regenfälle ganze Wälder:

Insbesondere die eigentlich sehr robusten Birken fallen aktuell mit sehr intensiver Laubfärbung auf, viele dieser Bäume sind schon völlig kahl. Anders als bei der Borkenkäfer-Plage 2018-2020 sind nun nicht mehr hauptsächlich Fichten-Monokulturen betroffen, auch heimische Laubmischwälder haben unübersehbar mit der Dürre zu kämpfen. Viele Bäume hatten 2022 ein Mastjahr, auch aufgrund des relativ nassen Sommers 2021. Unter einem Mastjahr versteht man einen sehr starken Blütenansatz im Frühjahr, besonders Fichten fielen mit einer sehr starken Blüte auf. Dies raubte den Bäumen viel Energie und schwächte sie zusätzlich. Fichtenwälder, welche die Sommer 2018 bis 2020 relativ gut überstanden haben, bekommen dieses Jahr wieder massive Probleme. Die Landschaft ähnelt zunehmend, etwas überspitzt gesagt, einer Savanne, die Versteppung ganzer Landstriche in Deutschland ist zunehmend sichtbar (siehe Titelbild).

Neben den Wäldern leidet auch die Landwirtschaft sehr, besonders die Maisernte dürfte in Südwest- und Ostdeutschland teilweise ein Totalausfall werden. Einen Beitrag aus dem Südwesten gibt es im Wetter-Ticker von Wetteronline.

Ein besonders starkes Niederschlagsdefizit gibt es in diesem Sommer in den Mittelgebirgen. Von der Pfalz und dem Oberrhein bis in die Lausitz, aber auch im Norden Bayerns, in Hessen und bis an die Ostsee fehlt viel Regen. Die Niederschlagsmengen fünf ausgewählter Stationen im met. Sommer in unserer Region (Stand 10. August; Prozentangaben bezogen auf das Mittel 1961-1990):

  • Dresden-Strehlen: 48,2 l/m² (18 %)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 69,0 l/m² (28 %)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 69,7 l/m² (30 %)
  • Zinnwald-Georgenfeld: 117,4 l/m² (40 %)
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 148,7 l/m² (51 %)

Die höchsten Regensummen gab es klassisch im Erzgebirge. Dazu muss man aber sagen, dass die Summen aus Zinnwald und Deutschneudorf von zwei Einzelereignissen stark geprägt waren. An beiden Stationen fanden diese am 27. Juni statt, Zinnwald-Georgenfeld meldete eine 24h-Niederschlagssumme von 35,0 l/m², Deutschneudorf-Brüderwiese sogar 78,4 l/m². Letzterer Wert nimmt aktuell Platz 4 für die höchste Tagesniederschlagssumme des Sommers ein.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Dienstag eine Grafik bezüglich der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Im Deutschlandmittel wird dieser Rekord aktuell durch den Sommer 1911 (123,9 l/m²) gestellt, gefolgt von 2018 (129,4 l/m²). Der Sommer 2022 steht aktuell bei 103,1 l/m² deutschlandweit, im Sachsen-Mittel bei 77,5 l/m² (Rekord: Sommer 1904 mit 87,5 l/m²). In der nächsten Woche könnte es durch ein Höhentief Niederschläge geben, flächig wird dies allerdings nicht zur Linderung der Dürre beitragen. Auch die dritte Augustdekade bietet noch etwas Spielraum.

Bei der Mitteltemperatur steht der Sommer 2022 aktuell bei 18,9°C (Sachsen: 19,2°C). Im Deutschlandmittel ist 2003 mit einer Mitteltemperatur von 19,65°C aktuell das Maß der Dinge, auf Sachsen bezogen gab es 2019 mit einer Mitteltemperatur von 19,9°C den wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Angesichts der kommenden, voraussichtlich sehr warmen zweiten Augustdekade kann nicht ausgeschlossen werden, dass 2022 den wärmsten Sommer seit 1881 stellen wird. Stand jetzt wird es wohl nicht zu einem neuen Rekord reichen, ein Platz in den Top-5 scheint aber sehr wahrscheinlich. Tagesaktuelle Daten gibt es auf mtwetter.de.

Rückblick auf einen außergewöhnlichen Juni

Der Juni war, speziell im Osten Deutschlands, alles andere als gewöhnlich. Fast schon „wie üblich“ war es deutlich zu mild und deutlich zu trocken. Eine Analyse.

Kornblumen in einem trockenen Rapsfeld

Im Deutschlandmittel war der Juni genau 3 K gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 zu warm, was in dieser Hinsicht den sechstwärmsten Juni seit Messbeginn bedeutet. Zum Erreichen des Niederschlagssolls fehlte im Deutschlandmittel ca. ein Drittel. Eine ausführliche Analyse des Deutschlandwetters im Juni 2022 hat der Deutsche Wetterdienst in einem Presseartikel zusammengestellt.

Vor allem der Süden Deutschlands war im Juni von zahlreichen Schwergewitterlagen betroffen, welche auch mit schweren Verwüstungen durch Hagelstürme einhergingen. Besonders in Erinnerung bleiben wird allerdings die Rekord-Hitze vom 18. und 19. Juni. In einem 14-seitigen Dokument analysiert der DWD die Hitzewelle und ordnet sie klimatologisch ein. 39,2°C – das war der deutschlandweite Höchstwert, gemessen in Dresden-Strehlen und Cottbus.

Im Osterzgebirge und im Dresdner Raum war der Juni ca. 3 K bis 4 K zu warm, die Abweichung lag hier also etwas über dem Deutschlandmittel. Die Niederschlagsverteilung war ziemlich klassisch – das Erzgebirge vermeldete die höchsten Regenmengen und auch die geringeren Abweichungen zum Durchschnitt. Während in Dresden nur 30 bis 40 Prozent des langjährigen Mittels gefallen sind, meldeten die Wetterstationen des mittleren und östlichen Erzgebirges zumindest Werte über 50 % des Mittels. Über den Tellerrand geschaut: Besonders viel Niederschlag gab es im Raum Zittau: Stellvertretend meldete Bertsdorf-Hörnitz ca. 103 mm Niederschlag – über 150 % des Mittels. Darauf kommen wir später nochmal zurück.

Dresden-StrehlenDippoldiswalde-ReinbergZinnwald-Georgenfeld
Mitteltemperatur20,6°C (+3,8 K) 18,2°C (+3,2 K)15,5°C (+3,8 K)
Hitzetage 6 Tage 3 Tage 1 Tag
Sommertage 19 Tage 15 Tage 3 Tage
Tropennächte 1 Nacht / /
Gesamtniederschlag31,5 mm (34 %)42,3 mm (55 %)61,5 mm (65 %)
Übersicht einiger meteorologischer Kennwerte für drei ausgewählte Stationen

Generell kann der Juni als, erneut, deutlich zu trocken eingestuft werden. Das einzige größere Niederschlagsereignis in unserer Region fand am 27. Juni statt. Zunächst entwickelten sich in schwül-heißer Luft erste Gewitter, welche sich am Nachmittag zu Schwergewittern mit Überschwemmungen und teils größerem Hagel entwickelten:

Im Laufe der Nacht zog dann ein größeres Starkregengebiet aus Süden auf und brachte weitere Niederschläge. Deutschneudorf-Brüderwiese meldete eine 24-Stunden-Regensumme von 78,4 mm. Der dortige Rekordwert von 91,5 mm (01. Juni 2013) war allerdings nicht in Gefahr.

Eisschirm der Schwergewitterzelle am 27. Juni östlich von Freiberg

Weiter oben wurden bereits die höheren Summen Richtung Zittauer Gebirge und Ostsachsen angerissen. Zumindest in diesem Juni ist dies auf eine recht ungünstige Verteilung der Druckgebiete zurückzuführen – dabei geht es nur um wenige 100 Kilometer. In Bayern entstanden öfters große Gewitterkomplexe mit entsprechendem Starkregen. Die Komplexe „bogen“ über Tschechien nach Norden „ab“, dies geschah aber einige Kilometer zu weit östlich, um den meisten Teilen von Sachsen noch Regen zu bringen. Ostsachsen hingegen bekam von den Regengebieten zumindest oft noch einen Randtreffer mit. Der Lee des Erzgebirges tut sein übriges dazu.

Die anhaltende Trockenheit konnte durch die Starkregenereignisse natürlich nicht gelindert werden. Der Elbepegel stieg durch heftige Regenfälle in Tschechien hingegen zeitweise deutlich über den Mittelwert an – der hiesigen Vegetation nützte das allerdings herzlich wenig.

In den kommenden Tagen setzt sich – bis auf eine Unterbrechung am Donnerstag – das trockene Hochdruckwetter fort, wenn auch deutlich kühler als noch zuvor.

Winterlicher Start in den April – Sturmserie in der neuen Woche möglich

Nach einem frühlingshaften und sehr trockenem März meldete sich der Winter zu Beginn des zweiten Frühlingsmonats nochmal zurück. Ein Kaltlufteinbruch brachte Schneefälle und Fröste bis ins Flachland – ausgerechnet am 1. April.

Im sachsenweiten Flächenmittel schloss der März mit einer Mitteltemperatur von 4,2°C ca. 1,1 K (verglichen mit dem Klimamittel 1961-1990) zu mild ab. Zudem fielen nur knapp 38% des Niederschlages, dafür wurde das Sonnenscheinmittel um mehr als 100% übertroffen – Rekord an unzähligen Stationen.

Der April hingegen startet mit einem Kaltlufteinbruch und Schneefällen. Ursächlich dafür ist die Großwetterlage HNZ (Hoch Nordmeer, zyklonal). Vom Nordmeer bis vor die Küste Spaniens befindet sich ein blockierendes Hochdruckgebiet, in der Höhe entwickelt sich ein kräftiger Höhenrücken, welcher durch einen Trog weiter westlich gestützt wird. Ein zweiter Höhentrog befindet sich über West- und Mitteleuropa bis nach Nordafrika. Bodennah hat sich dabei vom Mittelmeer bis nach Osteuropa ein Tiefdrucksystem entwickelt.

Der Kaltluftausbruch bis zum Mittelmeer induziert nun eine rasante Zyklogenese, die Tiefdruckgebiete verursachen Aufgleitschneefälle:

Am 2. April ziehen sich die Schneefälle in den Süden zurück. Vom Sauerland bis nach Baden-Württemberg und Bayern sowie in der Eifel, dem Thüringer Wald und den höheren Lagen des Erzgebirges bildete sich eine ziemlich dicke Schneedecke. Nicht selten gab es neue Monatsrekorde für die höchste April-Schneedecke seit Aufzeichnungsbeginn. In den genannten Regionen fielen innerhalb kurzer Zeit Neuschneemengen von teils 20 bis 30 cm – Anfang April ist das alles andere als gewöhnlich.

Ebenfalls bemerkenswert waren die Tiefsttemperaturen, insbesondere in der Nacht zum Sonntag (03. April) kühlte stark aus. In den Mittelgebirgen wurden Tiefstwerte von weniger als -10°C gemessen. Sehr problematisch ist dies für die bereits blühenden Bäume, stärkere Frostschäden sind zu erwarten.

Kirschblüte

Sturmserie in der neuen Woche möglich

Ab Montag wird das Wetter wieder turbulenter: Sturmtiefs und Regenfälle sind zu erwarten. Den Anfang macht der Montag mit einem Tiefdruckgebiet über dem südlichen Skandinavien, welches (schwere) Sturmböen bis ins Flachland bringt.

Berechnung des französischen Lokalmodells für den 04. April; wxcharts.com

Auch der Dienstag wird stürmisch, am Mittwoch beruhigt sich das Wetter etwas. Ab Donnerstag deuten die Wettermodelle neue Sturmfelder an. Wieder zieht ein Tiefdruckgebiet nördlich an uns vorbei und bringt Sturm. Seit einigen Läufen werden nun aber auch Randtiefs/Schnellläufer simuliert, welche die Gefahr von Orkanen im Binnenland und entsprechendem Schadenpotenzial mit sich bringen. Auch die neuerliche Entwicklung einer Shapiro-Keyser-Zyklone kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden. Dass es zu der Entwicklung solcher Randtiefs kommt scheint ziemlich sicher, völlig unsicher ist hingegen wo und wie stark diese sein werden.

Beispielhafte Berechnung eines Randtiefs, hier für Samstag nach ECMWF; wxcharts.com

Neben den Stürmen wird auch Dauerregen ein Thema. Je nach Modell werden Regensummen von 50 bis 150 l/m² simuliert, letztere Summen würden in Staulagen der Gebirge erreicht und definitiv für Hochwasser sorgen. Letztlich muss man aber wie schon gesagt die weiteren Berechnungen abwarten.

Sturmserie geht weiter – Bilanz zu Orkan „Zeynep“

Die Serie schwerer Stürme seit Ende Januar reist nicht ab – Orkan „Zeynep beschäftigte uns am 18. Februar. Ein schwerer, teils außergewöhnlicher und historischer Wintersturm bricht Rekorde und bringt schwerste Schäden.

DWD-Bodenanalyse vom 18. Februar 06 UTC

Wie schon bei Orkan Ylenia beginnen wir mit der Großwetterlage. Bei Finnland sehen wir noch den abziehenden Tiefdruckkomplex vom Mittwoch. Über Großbritannien ist eindrucksvoll das Orkantief „Zeynep“ zu sehen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich aus einer kleinen Wirbelbewegung auf dem Atlantik ein ausgewachsenes Orkantief. Auffällig ist die fehlende Verbindung der Kaltfront zum restlichen Frontensystem, ein Indiz einer sog. „Shapiro-Keyser-Zyklone„, neben den Trogorkanen sind dies die schwersten außertropischen Stürme. Bei den Shapiro-Keyser-Zyklonen (im folgenden nur SKZ genannt) trennt sich die Kaltfront von der Warmfront bzw. Okklusion, welche sich einmal um den Kern herum wickelt. Dies führt zu einem massiven Trockeneinschub. Nun kann sich ein sogenannter „Sting Jet“ entwickeln, das sind heftigste Fallwinde, welche von den oberen Atmosphärenschichten ungebremst bis zum Boden „rasen“. Diese Sting Jets sind unvorhersehbar und extrem schwierig vorherzusehen, auch das macht die SKZ so gefährlich.

ESTOFEX bewarnte im Voraus große Regionen mit einem Level 2, der zweithöchsten Warnstufe. Es wurde aber betont, dass sich diese Warnungen nur auf konvektive Ereignisse beziehen, bezüglich Wind wäre also definitiv ein erneutes Level 3 ausgegeben worden. Zudem wurde speziell im Norden vor Gewittern mit heftigen Orkanböen gewarnt. Der Deutsche Wetterdienst geb für große Teile Deutschlands Warnstufe 3 von 4 aus, entlang der Küste sogar Warnstufe 4. Im Voraus prognostizierten die Modelle entlang der Küsten lokal Windgeschwindigkeiten von teils über 160 km/h – flächig. Auch die Kaltfront sollte mit Windböen in Orkanstärke daher kommen.

Am Freitagnachmittag tobte sich das Orkantief bereits über Großbritannien aus. In einer Region wurde der Sting Jet zum Verhängnis. Die Britische Wetterbehörde teilte am Nachmittag mit, dass eine Bö von 196 km/h auf der Isle of Wight gemessen wurde, ein neuer Rekord seit Aufzeichnungsbeginn. Auch an der Belgischen Küste wurden schon Böen über 150 km/h gemessen. Bezüglich Geschwindigkeiten wollen wir es bei einem Link zum DWD belassen, hier wird das gut herausgearbeitet: Thema des Tages vom 19. Februar. Dabei war, ebenfalls typisch für eine SKZ, die Kaltfront lokal weniger wetteraktiv als vermutet, gefährlicher war der Trockeneinschub unmittelbar hinter der Kaltfront

Vor allem NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurden heftig vom Sturm getroffen. Dort gab es oft Orkanböen (Fx Flughafen Münster-Osnabrück 122,4 km/h), an der Nordsee extreme Orkanböen (Fx LT Alte Weser 161,6 km/h). An der Station Dresden-Loschwitz wurden ebenfalls über 130 km/h gemessen. Die höchsten Windgeschwindigkeiten gab es mit dem Trogsektorsturm hinter der Kaltfront. Dort kam es auch zu Schauern und einzelnen Gewittern mit entsprechend hohen Windgeschwindigkeiten. Entsprechend heftig waren auch die Sturmschäden. Europaweit gab es mindestens neun Todesopfer durch den Sturm. Unzählige Bäume stürzten um, unzählige Dächer wurden abgedeckt. Ganze Gebäude wurden teilweise zum Einsturz gebracht, Autos wurden während der Fahrt vom Orkan von der Fahrbahn gerissen. Die Bahn stellte Ihr Angebot im Norden weitestgehend ein. Es gab zahlreiche Stromausfälle, durch eine Sturmflut mussten mehrere Regionen evakuiert werden. Mit einer Aufzählung aller Schäden wären wir vermutlich nächste Woche noch beschäftigt. Empfehlenswert ist dazu der Liveticker der Tagesschau zum Nachlesen vom Freitag und Samstag. Eine ebenfalls sehr empfehlenswerte und eindrucksvolle Bildergalerie hat der Spiegel zusammengestellt. Die Tagesschau hat desweiteren eine lesenswerte Bilanz verfasst. Abschließende Schadenssummen dürften erst in einigen Wochen zur Verfügung stehen, vermutlich wird es sich um mehrere Milliarden Euro handeln.

In unserer Region blieb es bei kleineren Schäden. Dennoch verlief der Orkan wesentlich anders als berechnet. Die Modelle rechneten nicht damit, dass sich der Sturm so weit nach Süden ausbreiten würde. Zudem war der Wind speziell in Nordrhein-Westfalen deutlich stärker als berechnet. Die extremen Berechnungen an der Küste bewahrheiteten sich hingegen nicht. Wie der DWD schon in seinem Thema des Tages schrieb, der Orkan wird zwar vielen lange in Erinnerung bleiben, in der Regel gab es aber keine neuen Rekorde. Die „großen Kaliber“ wie Anatol, Kyrill, Vivian oder gar Lothar und Quimburga werden weiter deutlich bedeutender in der Wetter-Historie bleiben.

Die Sturmserie wird auch in den nächsten Tagen nicht abreißen. Am Sonntag folgt ein neues kleines Tief, in der Nacht zu Montag und am Montag selbst sind wieder orkanartige Böen wahrscheinlich.

Kurze Bilanz zu Sturmtief „Roxana“

Am Sonntag, den 06. Februar kam es nach „Nadine“ zu einem weiteren Sturm. Nachdem wir gestern schon das Rückseitenwetter am Montag betrachteten, soll heute der Fokus nochmal auf dem Sturm an sich liegen.

Auf der nebenstehenden Karte sehen wir die Position des Sturmtiefs über Skandinavien. Zusammen mit dem Azorenhoch kommt es zu zu einer klassisch starken Westströmung mit Sturmpotenzial. Beim Verhältnis Azorenhoch-Islandtief spricht man vom NAO-Index. Dieser ist aktuell klar positiv, was bedeutet, dass die Wetterlage sehr zonal (West-Ost-Ausrichtung) ausgerichtet ist. Je nach Einfluss der Tiefdruckgebiete ist es stürmisch/regnerisch oder einfach nur trüb.

Der Wind spielte diesmal eine eher untergeordnete Rolle. Die Windspitzen in Sachsen:

  • 119 km/h auf dem Collmberg (LK Nordsachsen, stark exponierte Lage)
  • 107 km/h in Chemnitz
  • 95 km/h in Zinnwald-Georgenfeld (LK SOE)
  • 86 km/h in Leipzig (Flughafen)
  • 83 km/h in Dresden (Flughafen)

Der Collmberg in Nordsachsen kann immer für einer Abschätzung des Potenziales einer Sturmlage herbeigezogen werden, da die Messstation sehr exponiert ist. Durch fehlende Durchmischung konnten sich die Böen in Orkanstärke diesmal allerdings kaum bis ins Flachland durchsetzen.

Ein weiterer Punkt war diesmal der Niederschlag. In Westdeutschland, speziell in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, kamen teilweise hohe Regensummen zusammen, oft ein ganzes Monatssoll an nur einem Tag. Spitzenreiter bei den Regensummen war Königsbach-Stein (BW) mit fast 60 Litern in 24 Stunden, was lokal zu Überflutungen führte. In unserer Region blieb es regentechnisch entspannter. Im Ost-Erzgebirge wurden Summen von 10 bis 20 l/m² gemessen, weiter im Flachland waren es oft nicht einmal 10 Liter. Eine Ausnahme bildete aber die Sächsische Schweiz und das Zittauer Gebirge. Durch langanhaltende Stauniederschläge fielen hier teils bis zu 30 l/m² Niederschlag.

Die Schäden durch Sturm hielten sich in der Regel in Grenzen, es blieb meist bei einzelnen umgestürzten Bäumen und entsprechenden Auswirkungen, allerdings auch einigen Verletzten. Ein paar Links dazu, auch mit einem ausführlicherem Bericht zu den Hochwassern:

Links jeweils abgerufen am 10. Februar

Sturmtief „Nadine“ Ende Januar verursacht schwere Schäden

Am 29. und 30. Januar 2022 beschäftigte uns der erste Sturm des Jahres. „Nadine“ brachte schwere Sturmböen bis ins Tiefland, an den Küsten gab es bei einer starken Sturmflut vollen Orkan. Schauen wir uns die Entwicklung etwas genauer an.

Lage von „Nadine“ am 30. Januar 00z Quelle: www.wetterzentrale.de

Das angesprochene Tiefdruckgebiet zog am 29. Januar unter Verstärkung von Grönland bis zur Ostsee, über welcher es den stärksten Kerndruck hatte. Die Station Koekar Bogskaer in der Ostsee registrierte am 30. Januar um 01 Uhr MEZ einen Luftdruck von 961,3 hPa. Bereits am Nachmittag des 29. wurden in Schleswig-Holstein Windböen in Orkanstärke bzw. orkanartige Windböen registriert. Der Sturm erreichte in der Nacht zu Sonntag seinen Höhepunkt, in Kiel gab es Windböen von über 140 km/h. Diverse andere Stationen in Küstennähe meldeten Böen bis über 150 km/h.

In Sachsen stand der Höhepunkt des Sturmes erst noch bevor, wenngleich exponierte Stationen wie der Collmberg (LK Nordsachsen) bereits orkanartige Böen meldeten. Bis zum Mittag wurden flächig schwere Sturmböen gemeldet, ehe sich das Wetter beruhigte.

Stärkste Windböen in Sachsen:

  • 113 km/h auf dem Collmberg (LK Nordsachsen)
  • 109 km/h in Großpostwitz-Denkwitz (LK Bautzen)
  • 96 km/h in Nossen (LK Meißen)
  • 94 km/h in Oschatz (LK Nordsachsen)
  • 92 km/h in Zinnwald-Georgenfeld (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
  • 92 km/h in Lichtenhain-Mittelndorf (LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
  • 91 km/h in Dresden (Flughafen)
  • 90 km/h in Hoyerswerda (LK Bautzen)
  • 90 km/h in Chemnitz

Auch in unserer Region kam es teilweise zu größeren Schäden. Die folgenden Bilder sind am Morgen des 01. Februar im Poisenwald entstanden.

In Noddeutschland waren die Schäden aber um einiges heftiger. Teilweise kam es zu massiven Überschwemmungen. Ganze Strände einiger Nordseeinseln wurden weggespült. Ein Mensch stirbt. Dazu ein paar weiterführende Links:

Links jeweils abgerufen am 03. Februar 2022