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Extreme Dürre setzt sich fort – Neuer Rekordsommer?

Bisher war der Sommer viel zu trocken – seit März steckt Sachsen in einer außergewöhnlichen Trockenperiode fest, das Wort „Dürre“ trifft es viel besser. In vielen Bundesländern ist der trockenste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn nicht unwahrscheinlich, auch bei der Temperatur werden wir wohl in den Top-5 der heißesten Sommer seit 1881 landen.

Pünktlich zum 01. August hat im Deutschlandmittel der phänologische Spätsommer begonnen, zwei Tage früher als im langjährigen Durchschnitt. Bis auf den phänologischen Winter und Vorfrühling lagen bisher alle Jahreszeiten bzgl. der Dauer relativ gut im Schnitt. Alles in Ordnung also? Mitnichten:

Zahlreiche Bäume leiden unter extremen Trockenstress. Das „harmloseste“ ist dabei wohl noch das „herbstliche Flair“ durch Blattverfärbung, einige Bäume haben schon ihr gesamtes Blattwerk abgeworfen oder sind teilweise völlig abgestorben. Vertrocknete Wiesen gehörten, spätestens seit dem Dürresommer 2018, zum Erscheinungsbild der Sommermonate, der Sommer 2022 legt allerdings nochmal nach und entlaubt durch fehlende Regenfälle ganze Wälder:

Insbesondere die eigentlich sehr robusten Birken fallen aktuell mit sehr intensiver Laubfärbung auf, viele dieser Bäume sind schon völlig kahl. Anders als bei der Borkenkäfer-Plage 2018-2020 sind nun nicht mehr hauptsächlich Fichten-Monokulturen betroffen, auch heimische Laubmischwälder haben unübersehbar mit der Dürre zu kämpfen. Viele Bäume hatten 2022 ein Mastjahr, auch aufgrund des relativ nassen Sommers 2021. Unter einem Mastjahr versteht man einen sehr starken Blütenansatz im Frühjahr, besonders Fichten fielen mit einer sehr starken Blüte auf. Dies raubte den Bäumen viel Energie und schwächte sie zusätzlich. Fichtenwälder, welche die Sommer 2018 bis 2020 relativ gut überstanden haben, bekommen dieses Jahr wieder massive Probleme. Die Landschaft ähnelt zunehmend, etwas überspitzt gesagt, einer Savanne, die Versteppung ganzer Landstriche in Deutschland ist zunehmend sichtbar (siehe Titelbild).

Neben den Wäldern leidet auch die Landwirtschaft sehr, besonders die Maisernte dürfte in Südwest- und Ostdeutschland teilweise ein Totalausfall werden. Einen Beitrag aus dem Südwesten gibt es im Wetter-Ticker von Wetteronline.

Ein besonders starkes Niederschlagsdefizit gibt es in diesem Sommer in den Mittelgebirgen. Von der Pfalz und dem Oberrhein bis in die Lausitz, aber auch im Norden Bayerns, in Hessen und bis an die Ostsee fehlt viel Regen. Die Niederschlagsmengen fünf ausgewählter Stationen im met. Sommer in unserer Region (Stand 10. August; Prozentangaben bezogen auf das Mittel 1961-1990):

  • Dresden-Strehlen: 48,2 l/m² (18 %)
  • Lichtenhain-Mittelndorf: 69,0 l/m² (28 %)
  • Dippoldiswalde-Reinberg: 69,7 l/m² (30 %)
  • Zinnwald-Georgenfeld: 117,4 l/m² (40 %)
  • Deutschneudorf-Brüderwiese: 148,7 l/m² (51 %)

Die höchsten Regensummen gab es klassisch im Erzgebirge. Dazu muss man aber sagen, dass die Summen aus Zinnwald und Deutschneudorf von zwei Einzelereignissen stark geprägt waren. An beiden Stationen fanden diese am 27. Juni statt, Zinnwald-Georgenfeld meldete eine 24h-Niederschlagssumme von 35,0 l/m², Deutschneudorf-Brüderwiese sogar 78,4 l/m². Letzterer Wert nimmt aktuell Platz 4 für die höchste Tagesniederschlagssumme des Sommers ein.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Dienstag eine Grafik bezüglich der trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Im Deutschlandmittel wird dieser Rekord aktuell durch den Sommer 1911 (123,9 l/m²) gestellt, gefolgt von 2018 (129,4 l/m²). Der Sommer 2022 steht aktuell bei 103,1 l/m² deutschlandweit, im Sachsen-Mittel bei 77,5 l/m² (Rekord: Sommer 1904 mit 87,5 l/m²). In der nächsten Woche könnte es durch ein Höhentief Niederschläge geben, flächig wird dies allerdings nicht zur Linderung der Dürre beitragen. Auch die dritte Augustdekade bietet noch etwas Spielraum.

Bei der Mitteltemperatur steht der Sommer 2022 aktuell bei 18,9°C (Sachsen: 19,2°C). Im Deutschlandmittel ist 2003 mit einer Mitteltemperatur von 19,65°C aktuell das Maß der Dinge, auf Sachsen bezogen gab es 2019 mit einer Mitteltemperatur von 19,9°C den wärmsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Angesichts der kommenden, voraussichtlich sehr warmen zweiten Augustdekade kann nicht ausgeschlossen werden, dass 2022 den wärmsten Sommer seit 1881 stellen wird. Stand jetzt wird es wohl nicht zu einem neuen Rekord reichen, ein Platz in den Top-5 scheint aber sehr wahrscheinlich. Tagesaktuelle Daten gibt es auf mtwetter.de.

Zweite Hitzewelle des Jahres – Dürre hinterlässt erste sichtbare Schäden

Nach einer teilweise frostigen Nacht stand eine neue Hitzewelle an, die zweite des laufenden Jahres. Wir schauen diesmal weit über den Tellerrand und blicken auch auf das wütende „stille Unwetter“, die Dürre.

trockene Wiesen, trockene Felder und ein mehr als angeschlagener Wald…

Synoptik

Genau einen Monat nach der historischen Juni-Hitzewelle stand die zweite große Hitze des Jahres an. Synoptisch wurde vieles schon im Bericht vom 17. Juli erklärt. Der Osteuropa-Trog ist zwei Tage später weiter nach Russland gezogen, das zugehörige Bodentief liegt in etwa über dem Ural. Östlich eines Troges vor der französischen Atlantikküste hat sich ein Höhenrücken bis ins westliche Skandinavien aufgebaut. Bodennah sind über Mitteleuropa keine klaren Druckverhältnisse auszumachen.

Deutschland

In Sachsen war die Hitzewelle wenig besonders. Die sachsenweit höchste Temperatur wurde in Bad Muskau mit 38,1°C gemessen, Dresden-Strehlen registrierte am 20. Juli einen Tageshöchstwert von 37,2°C. Dippoldiswalde-Reinberg meldete 34,3°C, Zinnwald-Georgenfeld verfehlte einen Hitzetag um 1,7 K. Neue Julirekorde wurden nur an wenigen sächsischen Stationen registriert.

Blickt man auf Gesamt-Deutschland, so stellt sich die Hitze wesentlich historischer dar. Schauen wir uns zunächst die Höchsttemperaturen am 19. Juli an:

  • Duisburg-Baerl (NW): 39,5°C
  • Geilenkirchen (Flugplatz; NW): 39,3°C
  • Tönisvorst (NW): 39,2°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 39,1°C
  • Heinsberg-Schleiden (NW): 38,8°C

In Emstetten (Meteomedia/dtn-Messnetz) wurden bereits 40,0°C gemessen. Zum einen zählt dieser Messwert allerdings nicht zum ofiziellen DWD-Netz, zum anderen gibt es erhebliche Zweifel an der Verwendbarkeit dieses Wertes. J. Kachelmann kritisiert unter anderem einen nicht intakten Strahlungsschutz. Noch gab es nur wenige Allzeitrekorde, dies sollte sich aber am 20. Juli ändern:

  • Bad Neunkirchen-Mergentheim (BW): 40,3°C
  • Hamburg-Neuwiedenthal: 40,1°C
  • Barsinghausen-Hohenbostel (NI): 40,0°C
  • Huy-Pabstorf (SH): 40,0°C
  • Wendisch Evern (NI): 39,9°C

Zunächst zum Wert aus Bad Mergentheim: Der Deutsche Wetterdienst wird diese Messung zwar nicht gänzlich annulieren, sie allerdings nicht als Rekord werten. Ursächlich hierfür ist ein relativ ungünstiger Standort mit zu viel Bewuchs und Bebauung, siehe dazu einen Tweet der DWD-Pressestelle vom 21. Juli. Baden-Württemberg hat daher keinen neuen Hitzerekord aufgestellt.

Die eigentliche Aufmerksamkeit liegt allerdings auf den historischen Höchstwerten im Norden Deutschlands. Dort kannte man diese „Dimensionen“ der Temperatur bisher nicht, 40°C gab es in Hamburg seit Beginn der Aufzeichnungen nicht.

Unter den Top-50 der heißesten DWD-Wetterstationen Deutschlands gab es nur drei Stationen ohne einen neuen Allzeit-Hitzerekord. Besonders bemerkenswert ist aber wie schon beschrieben nicht die Hitze an sich, sondern die Orte mit den heißesten Temperaturen. Die klassischen „Hitze-Hotspots“ wie der Oberrheingraben waren kaum betroffen.

Lage in Großbritannien und Frankreich

In Großbritannien erreichte die Hitzewelle am 19. Juli 2022 ihren Höhepunkt. Die Heißluftmassen sind ungewöhnlich weit nach Norden voran gekommen. Im 850 hPa-Niveau befanden sich die wärmsten Luftmassen über dem Süden Englands mit Höhenwerten von 23°C bis 25°C. Am Boden (2 m Höhe) wurden die höchsten Werte allerdings an der Ostküste gemessen. An der Südküste war schlichtweg der Ärmelkanal als „Kühlung“ zu nah.

Die Hitzewelle stellte in Großbritannien einen neuen Allzeitrekord auf. In Coningsby (England), ziemlich an der Ostküste, wurden am 19. Juli 40,3°C gemessen. Selbst in Schottland gab es – für dortige Verhältnisse – extreme Hitze mit bis zu 35,1°C in Floors Castle, auch dies ist ein neuer Allzeitrekord.

Kurz noch ein Blick ins hitzeerprobtere Frankreich: Im Westen des Landes lagen die Höchsttemperaturen bei 37°C bis 43°C. Es gab hier zwar keinen neuen nationalen Hitzerekord, zahlreiche Stationsrekorde wurden allerdings gebrochen.

Ausräumen ohne nennenswerte Niederschläge

Zum wiederholten Mal ging das Ausräumen der Heißluft ohne nennenswerte Niederschläge oder gar Gewitter einher. Die „höchste“ Regensumme der Region wurde in Rechenberg-Bienenmühle-Holzhau mit 2,8 mm gemessen, in Dippoldiswalde-Reinberg fielen immerhin noch 2,1 mm in den Regenmesser. Auf dem Papier war nicht viel zu holen. Ein Mix aus turbulenter Höhenströmung, Erzgebirgs-Lee sowie dem Outflow einer Schauerlinie zwischen Radeberg und Altenberg (Radarbild zum Zeitpunkt) brachte immerhin eine ansehnliche Kombination aus Asperatus-Wolken und einem schwachen Böenkragen hervor:

Das „stille Unwetter“ Dürre

Da Trockenheit zunächst einmal keine unmittelbaren Schäden, wie zum Beispiel Überflutungen oder Hagelschlag, nehmen viele Menschen Dürre wenig direkt wahr. Am Nachmittag des 24. Juli liegt der Elbepegel in Dresden bei 71 cm bei einem Durchfluss von 106 m³/sek. Dies ist im Bereich des mittleren Niedrigwassers. Hätte es in Tschechien vor einigen Tagen/Wochen keine Starkniederschläge gegeben, wäre die Elbe inzwischen vermutlich bei einem bedrohlich niedrigen Wasserstand.

Wesentlich angespannter ist die Situation aktuell an kleinen Bächen bzw. der gesamten Vegetation. Wiesen und Felder sind völlig ausgetrocknet. Während sich erstere bei den nächsten Regenfällen ziemlich wahrscheinlich erholen werden, führt die Trockenheit aktuell zu massiven Ernteeinbußen der Landwirte. Auch das gesamte Ökosystem Wald ist aktuell mehr als gefährdet. Lokal sieht es aus wie im Herbst, Bäume werfen die Blätter ab oder sind schon völlig vertrocknet:

Für unzählige, schon geschwächte Fichten dürfte der Sommer 2022 der Todesstoß sein. Nach den Sommern 2018, 2019 und 2020 benötigte es jetzt eigentlich großräumige Landregenfälle, stattdessen sind bis auf weiteres keine „brauchbaren“ Regensummen zu erwarten. Auch die Laubbäume geben zunehmend „den Geist auf“ und versuchen sich durch Blattabwurf irgendwie durchzuschleppen.

Ein Waldsterben hat speziell mittel- bis langfristig erhebliche Folgen, auch für die Bevölkerung. Generell werden die Wälder anfälliger für Schäden durch Ereignisse jeder Art (Wind, Hagel, Starkregen, Insekten (z. B. Borkenkäfer), kürzere Trockenzeiten). Borkenkäfer-Holz hat schlechtere Heizwerte als gesundes Fichtenholz und kann wesentlich schlechter verarbeitet werden, somit gibt es Einbußen in der Forstwirtschaft. Desweiteren wird der Boden wesentlich anfälliger für Erosion, was auch die Gefahr von Überschwemmungen oder gar Hangrutschen birgt.

Bereits am Montag wird wieder Hitze erwartet. Bis zu 37°C werden berechnet. Es geht zwar recht schnell wieder etwas kühler weiter, bis auf lokale Ereignisse wird es bis auf weiteres keine Niederschläge geben:

Ensemble GFS 06z vom 24. Juli: Jede Linie zeigt einen Lauf, sog. Member. Sämtliche Signale auf Niederschlag sind äußerst verhalten.